LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Aktuelle rechtswissenschaftliche Dissertationen: Alter­tüm­liche Titel, zeit­ge­mäße Inhalte

von Martin Rath

06.03.2016

Welche Argumente zieht der Gesetzgeber heran, um Änderungen im Strafrecht zu begründen? Genauer gesagt: Was rechtfertigt die in den vergangenen Jahrzehnten – fast ausnahmslose – Ausweitung und Ergänzung der Tatbestände, die Erhöhung der Sanktionen?

In ihrer Dissertation "Strafgesetzgebung in der Spätmoderne. Eine empirische Analyse legislativer Punitivität" untersuchte Christina Schlepper die Gesetzgebungsprozesse der 8. bis 15. Legislaturperiode des Deutschen Bundestags auf die vorherrschenden Argumentationsmuster.

Eine Konjunktur wechselnder Stärke hat etwa das Schlagwort von der "Strafbarkeitslücke" erlebt, auch die "Abschreckung" erfuhr ein etwas diskontinuierliches Wachstum im Schriftgut, das in den Gesetzgebungsprozessen gewälzt und nun von Schlepper ausgewertet wurde.

Als Hintergrund für die wechselnden Begründungsphrasen wird eine Tendenz zur sogenannten Punitivität in Betracht gezogen, zu Deutsch etwa: ein Anstieg der Straflust, die möglicherweise auf eine neoliberale Neuordnung der westlichen Gesellschaften zurückzuführen sei. Von dieser Tendenz könne sich auch die deutsche Rechtspolitik nicht freisprechen, wenn man sie – nicht zuletzt in populären Medien – natürlich zuvörderst in den USA und Großbritannien sehen möchte.

Christina Schlepper: "Strafgesetzgebung in der Spätmoderne. Eine empirische Analyse legislativer Punitivität", Dissertation, Universität Hamburg, 2014.  Wiesbaden (Springer VS) 2014.

Zitiervorschlag

Martin Rath, Aktuelle rechtswissenschaftliche Dissertationen: Altertümliche Titel, zeitgemäße Inhalte . In: Legal Tribune Online, 06.03.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18689/ (abgerufen am: 13.08.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 08.03.2016 14:05, LTO-Leser

    Wenn man rechtswissenschaftliche Doktorarbeiten sucht, die gerade nicht "unter dem Verdacht stehen, keine rechte Leistung zu dokumentieren", sollte man aber besser nicht (jedenfalls nicht so gehäuft wie der Autor) bei den Billig-Verlagen suchen - gute Arbeiten erscheinen da aus naheliegenden Gründen nur ausnahmsweise einmal, so wie umgekehrt die originellen und ertragreichen Arbeiten in der Regel in einem der namhaften Verlage bzw. Schriftenreihen zu finden sind.

    • 12.03.2016 21:17, krql

      Woher weiß man das?

  • 10.03.2016 17:22, MHR

    Die LTO scheint mir zunehmend der allgegenwärtigen Schizophrenie in Deutschland zu verfallen: links wählen und rechts leben. Man verdient sein Geld mit dem Schalten von Anzeigen der großen Wirtschaftskanzleien, spricht sich aber mehr oder weniger deutlich für linke Politthemen wie Gender-Mainstreaming usw. aus. Kann das wirklich überzeugen???