LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Aktuelle rechtswissenschaftliche Dissertationen: Alter­tüm­liche Titel, zeit­ge­mäße Inhalte

von Martin Rath

06.03.2016

Zu den Dingen, die früher immer schon besser waren als heute, zählte das Arbeitsleben. Genauer gesagt: das Arbeitskampferleben. Vom Arbeiter wurde einst in unregelmäßigen Abständen verlangt, dass er für Kaiser, Führer, Volk und Vaterland in den Krieg zog oder doch wenigstens in der Kaserne lernte, sich zu diesem Zweck diszipliniert zu verhalten.

Dass er Disziplin gelernt hatte, kam dem Arbeiter dann auch entgegen, wenn er etwas ganz Verbotenes tat, wenn er also in den Streik trat. Ein von gewerkschaftlichen Feldwebeln geführter Arbeitskampf kam dem Reserveoffizier im Richterornat gleich viel weniger bedrohlich vor. Noch in jüngster Vergangenheit streiften sich Streikende stets Müllsäcke mit Gewerkschaftsaufdruck über, weil uniformierte Ordnung einfach sein muss.

Nachdem sich aber die Gerichte beispielsweise 2009 geweigert hatten, Flashmobs im Arbeitskampf als unerlaubtes Partisanentum zu sanktionieren, wurde die Frage diskutiert, ob Streiks nunmehr in formlose Konflikte ausufern müssten, frei nach Matthias Beltz: "Parmesan und Partisan, wo sind sie geblieben. Parmesan und Partisan, beide sind zerrieben."

Gänzlich zerrieben haben sich die Arbeitskämpfenden bisher aber noch nicht. Gleichwohl besteht Bedarf daran, die Chancen- und Risikoverteilung im Arbeitskampf stets von Neuem in den Blick zu nehmen. Eine historische Rechtsprechungsanalyse mit Blick auf die gegenwärtige Handlungsmachtverteilung liefert:

Lydia Kleist: "Hat der Grundsatz der Kampfparität noch Bestand? Eine kritische Analyse der Rechtsprechung des 1. Senats des Bundesarbeitsgerichts seit der Jahrtausendwende". Dissertation Universität Bremen 2015 (Verlag Dr. Kovač), Hamburg 2015

Zitiervorschlag

Martin Rath, Aktuelle rechtswissenschaftliche Dissertationen: Altertümliche Titel, zeitgemäße Inhalte . In: Legal Tribune Online, 06.03.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18689/ (abgerufen am: 13.08.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 08.03.2016 14:05, LTO-Leser

    Wenn man rechtswissenschaftliche Doktorarbeiten sucht, die gerade nicht "unter dem Verdacht stehen, keine rechte Leistung zu dokumentieren", sollte man aber besser nicht (jedenfalls nicht so gehäuft wie der Autor) bei den Billig-Verlagen suchen - gute Arbeiten erscheinen da aus naheliegenden Gründen nur ausnahmsweise einmal, so wie umgekehrt die originellen und ertragreichen Arbeiten in der Regel in einem der namhaften Verlage bzw. Schriftenreihen zu finden sind.

    • 12.03.2016 21:17, krql

      Woher weiß man das?

  • 10.03.2016 17:22, MHR

    Die LTO scheint mir zunehmend der allgegenwärtigen Schizophrenie in Deutschland zu verfallen: links wählen und rechts leben. Man verdient sein Geld mit dem Schalten von Anzeigen der großen Wirtschaftskanzleien, spricht sich aber mehr oder weniger deutlich für linke Politthemen wie Gender-Mainstreaming usw. aus. Kann das wirklich überzeugen???