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Aktuelle rechtswissenschaftliche Dissertationen: Alter­tüm­liche Titel, zeit­ge­mäße Inhalte

von Martin Rath

06.03.2016

Von arbeitskampffähigen Gewerkschaften können die Arbeiter in der Volksrepublik China nur träumen. In seiner unkodifizierten Form lässt sich das deutsche Arbeitskampfrecht auch kaum in fremde Rechtsordnungen einschmuggeln, was ein wenig bedauerlich ist, vielleicht bedürfte es dann keiner Dissertationen über ein "Recht auf Nahrung".

Eine deutlich weniger kontrovers diskutierte, allerdings auch seit geraumer Zeit ordentlich kodifizierte Regelungsmaterie aus deutschen Landen hat es dagegen deutlich leichter, im fernen Ausland rezipiert zu werden, wie die Dissertation von Jianyi Wang belegt.

"Die deutsche AGB-Kontrolle und nicht im Einzelnen ausgehandelte Klauseln im europäischen Vertragsrecht: Eine rechtsvergleichende Untersuchung zur Reform des chinesischen Klauselrechts" zeigt uns das Bild eines chinesischen Zivil- und AGB-Rechts, das beispielsweise dort, wo hierzulande Generalklauseln den Gerichten eine – nach Maßstäben der Transaktionskostenanalyse – sinnvolle Auslegung von Klauseln erlauben, noch der Schutz des Staates oder der sozialistischen Wirtschaftsorgane unter Schutz gestellt werden. Überhaupt fehlt natürlich die liberale Tradition.

Zurzeit entstehen viele Doktorarbeiten chinesischer Juristinnen und Juristen in Deutschland, vieles davon ist brave rechtsvergleichende Arbeit. So auch diese:

Jianyi Wang: "Die deutsche AGB-Kontrolle und nicht im Einzelnen ausgehandelte Klauseln im europäischen Vertragsrecht: Eine rechtsvergleichende Untersuchung zur Reform des chinesischen Klauselrechts". Dissertation Westfälische Wilhelms-Universität Münster 2015, Göttingen (Cuvillier Verlag) 2015.

Zitiervorschlag

Martin Rath, Aktuelle rechtswissenschaftliche Dissertationen: Altertümliche Titel, zeitgemäße Inhalte . In: Legal Tribune Online, 06.03.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18689/ (abgerufen am: 13.08.2020 )

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Kommentare
  • 08.03.2016 14:05, LTO-Leser

    Wenn man rechtswissenschaftliche Doktorarbeiten sucht, die gerade nicht "unter dem Verdacht stehen, keine rechte Leistung zu dokumentieren", sollte man aber besser nicht (jedenfalls nicht so gehäuft wie der Autor) bei den Billig-Verlagen suchen - gute Arbeiten erscheinen da aus naheliegenden Gründen nur ausnahmsweise einmal, so wie umgekehrt die originellen und ertragreichen Arbeiten in der Regel in einem der namhaften Verlage bzw. Schriftenreihen zu finden sind.

    • 12.03.2016 21:17, krql

      Woher weiß man das?

  • 10.03.2016 17:22, MHR

    Die LTO scheint mir zunehmend der allgegenwärtigen Schizophrenie in Deutschland zu verfallen: links wählen und rechts leben. Man verdient sein Geld mit dem Schalten von Anzeigen der großen Wirtschaftskanzleien, spricht sich aber mehr oder weniger deutlich für linke Politthemen wie Gender-Mainstreaming usw. aus. Kann das wirklich überzeugen???