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Aktuelle rechtswissenschaftliche Dissertationen: Alter­tüm­liche Titel, zeit­ge­mäße Inhalte

von Martin Rath

06.03.2016

Teenager organisieren heute ihren Auszug aus der Knechtschaft ihres Elternhauses nicht mehr, indem sie wilde Ansichten über Freiheitsrechte oder die Politik vertreten, zum Beispiel mit Diskussionen darüber, wer beim wem übernachten darf. Stattdessen werden elterliche Toleranzwerte über naseweise Vegetarismus- oder Veganismusbekenntnisse ausgetestet.

Konservative Kulturkritiker behaupten, dass der Wunsch, sich gesund zu ernähren, in den westlichen Gesellschaften den Rang einer Ersatzreligion angenommen habe. Diese These mag etwas daran kranken, dass sie meist von Vertretern bereits etablierter Kulte geäußert wird. Doch ganz von der Hand zu weisen ist sie nicht, denn die Obsession für "gesunde Ernährung" ist doch angesichts des heutigen Stands der Lebensmittelhygiene – objektiv aß man nie gesünder als heute – ein bisschen merkwürdig.

Gute Fundamentalisten benötigen heilige Schriften. Im Fall der Lebensmittelgläubigen dürfte es sich dabei um das Groß- und das Kleingedruckte auf der Verpackung handeln. Darf ein Lebensmittel als gesundheitsförderlich dargestellt werden? Wie trunken darf alkoholfreies Bier machen? Muss der sogenannte Biobauer seine Bioeier mit Biosiegel versehen oder darf es ihm genügen, auf den Bioglauben seiner Biokäufer zu setzen?

In ihrer Dissertation "Lebensmittelkennzeichnung im Lichte des wohlgeordneten Rechts" stellt Katharina Schipper fest, dass es nicht überall allzu wohlgeordnet ist, dieses Recht der Lebensmittelkennzeichnung. Was das Recht zum Groß- und zum Kleingedruckten auf Lebensmittelverpackungen sagt, ist in der juristischen Publizistik überwiegend Sache von Fachzeitschriften und Kommentarwerken. Für alle, die in Rechts- oder Glaubensstreitigkeiten über die Beschriftung von Lebensmitteln verstrickt sind, ein Weg zur wahren Lehre:

Katharina Schipper: "Lebensmittelkennzeichnung im Lichte des wohlgeordneten Rechts". Dissertation Viadriana-Universität Frankfurt an der Oder 2015, Baden-Baden (Nomos-Verlag) 2015.

Zitiervorschlag

Martin Rath, Aktuelle rechtswissenschaftliche Dissertationen: Altertümliche Titel, zeitgemäße Inhalte . In: Legal Tribune Online, 06.03.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18689/ (abgerufen am: 13.08.2020 )

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Kommentare
  • 08.03.2016 14:05, LTO-Leser

    Wenn man rechtswissenschaftliche Doktorarbeiten sucht, die gerade nicht "unter dem Verdacht stehen, keine rechte Leistung zu dokumentieren", sollte man aber besser nicht (jedenfalls nicht so gehäuft wie der Autor) bei den Billig-Verlagen suchen - gute Arbeiten erscheinen da aus naheliegenden Gründen nur ausnahmsweise einmal, so wie umgekehrt die originellen und ertragreichen Arbeiten in der Regel in einem der namhaften Verlage bzw. Schriftenreihen zu finden sind.

    • 12.03.2016 21:17, krql

      Woher weiß man das?

  • 10.03.2016 17:22, MHR

    Die LTO scheint mir zunehmend der allgegenwärtigen Schizophrenie in Deutschland zu verfallen: links wählen und rechts leben. Man verdient sein Geld mit dem Schalten von Anzeigen der großen Wirtschaftskanzleien, spricht sich aber mehr oder weniger deutlich für linke Politthemen wie Gender-Mainstreaming usw. aus. Kann das wirklich überzeugen???