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Studie zur Sichtbarkeit im Web: Großer Nach­hol­be­darf bei den großen Kanz­leien

von Dr. Anja Hall

24.03.2016

Möglichst oft im Web erwähnt werden und dabei einen guten Eindruck hinterlassen – welchen großen deutschen Wirtschaftskanzleien gelingt das? Eine Studie zeigt, dass die Law Firms Realität ausblenden. Und damit Akquise-Chancen verpassen.

Ausgerechnet Flick Gocke Schaumburg. Die Kanzlei ist bekannt für ihre Expertise in dem eigentlich als langweilig verschrienen Steuerrecht – und doch wird sie in deutschsprachigen sozialen Medien und Online-Nachrichten am häufigsten positiv erwähnt.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Wirtschaftskanzleien", die von der Hamburger Kommunikationsberatung Faktenkontor und der Wirtschaftswoche erstellt wurde. Mit Hilfe eines Webmonitoring-Tools haben die Studienautoren zwischen Juli und November 2015 über eine Million Social-Media-Quellen und zehntausende Online-Nachrichten analysiert und nach den Kriterien Aufmerksamkeit, Ansehen, Akzeptanz und Präferenz bewertet. Die Studie beschränkt sich allerdings auf die 50 umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien in Deutschland; maßgeblich war dabei das Umsatzranking 2014/2015 des Branchenverlags Juve.

Die Ergebnisse der Analyse wurden in einen Indexwert umgerechnet, der theoretisch maximal 400 Punkte betragen kann. Von dieser Höchstpunktzahl sind die deutschen Wirtschaftskanzleien aber ein gutes Stück entfernt: Im Durchschnitt kommen sie auf 32,7 Punkte. Gesamtsieger Flick Gocke Schaumburg erreicht mit 102,3 Punkten den mit Abstand höchsten Wert. Auf Platz zwei folgt Ebner Stolz Mönning Bachem mit 86 Punkten, und auf Platz drei Heuking Kühn Lüer Wojtek mit 84 Punkten. Graf von Westphalen (76,8) und Baker Tilly Roelfs (76,2) runden die Top 5 ab.

Komplexe Methodik...

Auf den ersten Blick verwundern diese Ergebnisse, denn man hätte wohl die Top-Kanzleien mit den großen PR-Abteilungen an der Spitze des Rankings vermutet. Doch sie erklären sich durch eine ausgeklügelte Methodik, welche die Studienautoren entwickelt haben. Gezählt wurde nicht nur, wie oft eine Kanzlei in den Online-Nachrichten und sozialen Medien erwähnt wird. Die Nennungen wurden auch nach den Kriterien Aufmerksamkeit, Ansehen, Akzeptanz und Präferenz gewichtet.

Hinter dem Wert der "Aufmerksamkeit" verbirgt sich eine Kombination aus der Anzahl der Nennungen und der Intensität, mit der die jeweilige Kanzlei erwähnt wird. "Intensiv" bedeutet in diesem Zusammenhang, in wie vielen Sätzen pro Diskussion die Law Firm durchschnittlich genannt wird. Spitzenwerte bei der medialen Aufmerksamkeit erreichen laut der Auswertung Freshfields Bruckhaus Deringer, CMS Hasche Sigle und Hogan Lovells.

Zitiervorschlag

Anja Hall, Studie zur Sichtbarkeit im Web: Großer Nachholbedarf bei den großen Kanzleien . In: Legal Tribune Online, 24.03.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18881/ (abgerufen am: 17.09.2019 )

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Kommentare
  • 24.03.2016 19:43, A.

    Überhaupt nicht nachvollziehbar. Ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, dass mir Flick Gocke Schaumburg irgendwo im Web untergekommen wäre. CMS, Osborne Clarke, Bird&Bird, bisweilen TaylorWessing, ja. Aber sonst?

    • 26.03.2016 19:40, k.A.

      Ja, das wären auch meine Favoriten gewesen. Etwas weniger 2birds, aber in jedem Fall CMS, Osborne Clarke und TW!

  • 29.03.2016 10:07, AS

    Das Ergebnis zeigt, dass Social Media für die Akquise weniger relevant ist, als die Verfasser der Studie offenbar glauben. Es ist kühn zu behaupten, die umsatzstärksten Kanzleien würden einen Teil der Realität ausblenden, und zwar den, der heute für die Akquise (vermeintlich) entscheidend sei. Diese Aussage kann nur von jemandem stammen, der noch nie selbst ein anwaltliches Mandat akquiriert hat.