OLG Stuttgart zu türkischem Titel: Anwalt muss "Professor" als türkischen kennzeichnen

18.03.2014

Der Streit zweier Anwälte um akademische Titel fand am Dienstag vor dem OLG Stuttgart ein Ende: Ein Stuttgarter Anwalt darf sich mit seinem von der Yeditepe Universität in Istanbul verliehenen Professorentitel nicht ohne Zusatz als "Prof. Dr." bezeichnen, urteilte das Gericht. Somit obsiegte sein juristischer Widersacher, ein anderer Stuttgarter Anwalt, der dies angemahnt hatte.

Wenn zwei sich streiten, geschieht dies in der Regel zur Freude von Rechtsanwälten. Im vorliegenden Fall stritten sich allerdings zwei Anwälte untereinander:  Ein Anwalt wollte seinem Kollegen den "Prof. Dr." im Briefkopf nicht gönnen.

Prof. Dr. iur. utr. Norbert P. Flechsig, Verfügungskläger, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und ansässig im OLG-Bezirk Stuttgart, war nun vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart erfolgreich: Sein Anwaltskollege Dr. Rolf Gutmann, Verfügungsbeklagter und Fachanwalt für Verwaltungsrecht, gleichfalls ansässig im OLG-Bezirk Stuttgart, darf die Titel "Prof. Dr." nicht mehr zusätzlich zu seinem Doktortitel führen (Urt. v. 18.03.2014, Az. 12 U 193/13). Seine korrekte Betitelung lautet somit "Prof. h.c. Yeditepe Univ. Istanbul Dr. h.c. Yeditepe Univ. Istanbul".

Der Hintergrund des Rechtsstreits: Den Professor und den Ehrendoktortitel – nicht aber den regulären Doktor - verdankte Gutmann der Yeditepe Universität in Istanbul, die ihm die Grade 2010 verlieh. Diese Betitelung rufe bei Rechtssuchenden einen Irrtum über seine Qualifikation hervor und sei somit wettbewerbswidrig, argumentierte der erzürnte Widersacher.

Dieser Argumentation folgte nun das OLG. Anders als noch die Kollegen vom Landgericht gehen die baden-württembergischen Richter damit auch von einem Wettbewerbsverhältnis zwischen den Anwälten aus, obgleich der eine Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, der andere für Verwaltungsrecht ist.

age/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

OLG Stuttgart zu türkischem Titel: Anwalt muss "Professor" als türkischen kennzeichnen . In: Legal Tribune Online, 18.03.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/11369/ (abgerufen am: 20.11.2018 )

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Kommentare
  • 18.03.2014 17:55, Manfred Glock

    Absolut unsinniger Titelfetischismus. Nachvolziehbar ist die unbedingte Führung des ggf. "h.c." Zusatzes, aber der Rest ist Unsinn.

    Vor Allem kann man sowas keinem Akdemiker mit einem rumänischen, bulgarischen oder alten sovietischen Litauischen Abschluss aufdrängen, jedoch unter Berufung auf einen vermeintlichen Wettbewerbsverstoß einem (auch einem deutschen) Absolventen mit akad. Titel aus China, Russland oder der Türken.

    Meine Frau führt laut entsprechenden gesetzlichen Vorgaben einen Titel, dessen Bezeichnung sich ungefähr auf 120-130 Zeichen erstreckt. Wahnsinn wahr? Das deutsche Pendant wäre nur 12 Zeichen (inkl. Leerzeichen) lang - "Dipl. Psych.". Da sie allerdings in Weissrussland (5 Jahre Lang sechs Tage die Woche mit Anwesenheitspflicht) für den Abschluss studiert hat, muss man erst die transliteration der weissrussischen Bezeichnung mit dem vollständig ausgeschrieben Namen der Hochschule benennen, und zwar auf Weissrussisch mit deutschen Buchstaben, danach folgt die Stadt, dann das Land....und dan darf man NUR in Klammern die deutsche Übersetzung des ohnehin 3 Zeilen langen Abrakadabra hinzufügen. Ein "Dipl. Psych." oder, wenn man unbedingt auf die Herkunft des Titels hinweisen müsste, "Dipl. Psych. (BY)"wäre sicherlich hilfreich, führt aber zwangsläufig zur TB-Verwirklichung einer OWi bzw. gar eines Straftatbestandes. Schwachsinniger kann es nicht sein.

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  • 20.03.2014 10:13, Dr. Norbert P. Flechsig

    Leider berichten Sie falsch. Von "Ein Anwalt wollte seinem Kollegen den 'Prof. Dr.' im Briefkopf nicht gönnen" kann keine Rede sein, wenn Sie das Urteil des OLG richtig gelesen und verstanden haben. Der Gegenanwalt kann sich - nicht nur auf dem Briefkopf, sondern auch im Internet und vor Gerichten, wie jahrelang irreführend erfolgt! - nennen wie er möchte, nur eben nicht "Prof.Dr.Dr.h.c." und genau in dieser Weise, ohne zu sagen, wo die Titel her sind. Wer sich wettbewerbswidrig verhält, der muss sich schon vorhalten lassen, dass ihm an Lautertkeitsregeln offensichtlich egal sind. Wenn Recht überhaupt noch etwas Verlässliches sein soll, dann muss dem deutlich entgegen getreten werden. Und das sollten Sie unterstützen!

    Deshalb entspricht auch Ihre Darstellung nicht der Wahrheit, was ich gegendarstellend vermerken möchte, ohen sogleich die Keule des § 56 RfStV gegen Sie zu erheben, der Verfüguingsbeklagte dürfe "die Titel 'Prof. Dr.' nicht mehr zusätzlich zu seinem Doktortitel führen". Er kann diese Titel sehr wohl führen, und ich gönne ihm diese, im Lichte des vom OLG angenommenen Streitwerts offensichtlich wertlosen Titel, sofern er sie ordentlich und nicht irreführend verwendet werden, also mit Herkunftsangabe. Was ist dagegen zu sagen?

    Ihre Berichterstattung ist deshalb leider nicht ausgewogen und kennt das Urteil und seine Gründe offenbar noch gar nicht vollständig dem Inhalt nach; dennoch berichten Sie ersichtlich schon einmal emotional aufbauschend und deshalb unverständlich sympathisch für jedenfalls dem Äquivalenzvergleich auch nicht standhaltende Titelführungen. Audiatur et altera pars - das kann helfen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Norbert P. Flechsig

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  • 30.03.2014 10:47, Pia Lorenz (LTO-Redaktion)

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