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Notorischer Hochstapler verurteilt: Haft­strafe für Fake-Staats­an­walt

30.08.2016

Mal war er Staatsanwalt "Tassilo von Hirsch", mal gab er sich als Pilot oder Arzt aus. Entlarvt habe ihn einmal eine Jurastudentin, so der Aushilfskellner vor Gericht. Das LG Düsseldorf zog den Hochstapler nun aus dem Verkehr. 

Es sei "wirklich unfein" gewesen, für die Telefonate mit Sex-Hotlines ausgerechnet das Konto seiner Anwaltskanzlei anzugeben, sagt Rechtsanwalt Ingo Schmitz. Aber es zeige auch die "massiven Störungen" seines Mandanten: "Er wollte lustvoll betrügen." Wie eine Spielsucht sei das. Je dreister der Betrug, desto größer der "Kick". Dafür erhielt der notorische Hochstapler am Montag die Quittung: Das Landgericht (LG) Düsseldorf verurteilte den 28-Jährigen aus Ratingen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Das Gericht sprach den mehrfach einschlägig vorbestraften Mann des 14-fachen Betrugs, neunfachen Computerbetrugs, des Titelmissbrauchs und der Beleidigung schuldig. Über 30 Taten waren Marc G. diesmal vorgeworfen worden. Dass der sogar seinen Rechtsanwalt betrogen habe, zeige seine kriminelle Energie. Für den Betrug am eigenen Anwalt hatte er einfach dessen Kontodaten vom Briefpapier verwendet.

Prostituierte aus Berlin geprellt

Als besonders verwerflich hob die Staatsanwältin am Montag hervor, dass der 28-Jährige unter falschem Namen eine Prostituierte per Flugzeug aus Berlin nach Düsseldorf beordert habe, um sie dann um Lohn und Spesen zu prellen. Für 10.000 Euro hatte er die Escort-Dame aus Berlin an seinen Wohnort nach Ratingen geordert, die ihm dort mehrere Stunden mit verbundenen Augen zu Diensten war. Damit seine unter ihm wohnende Mutter vom Treiben nichts mitbekam, musste das Callgirl Ballettschuhe tragen.

Seine bisherigen Erfahrungen mit der Justiz scheinen Marc G. eher inspiriert als geläutert zu haben: Nachdem er früher als falscher Arzt, Pilot und Diplomat sein Unwesen getrieben hatte, gab er sich nach seiner letzten Verurteilung auch als Staatsanwalt aus. Als Staatsanwalt "Tassilo von Hirsch" verschickte er Emails, mit Landeswappen und Anschrift der Staatsanwaltschaft. Das brachte ihm die Verurteilung wegen Titelmissbrauchs ein.

Die Vorsitzende Richterin Bettina Reucher-Hodges sparte angesichts der Unverfrorenheit des Wiederholungstäters nicht mit eindringlichen Worten: "Wir verschonen Sie von der Haft, und dann begehen Sie diese Taten. Die deutlichen Warnzeichen der Justiz haben Sie ständig missachtet. Ich hoffe, dass Sie ihren Weg ändern", sagt die Juristin und legt dem 28-Jährigen nahe, sich in der Haft endlich mal um eine Berufsausbildung zu bemühen. Ohne sein umfassendes Geständnis wäre die Strafe noch deutlich höher ausgefallen.

"Champagner ausgegeben und das Geld rausgelassen"

"Ich war der Prahler, der im Mittelpunkt stand, Champagner ausgegeben und das Geld rausgelassen hat", hatte der so Kritisierte beim Prozessauftakt gestanden. Im Düsseldorfer Nachtleben, in Nobel-Clubs, Bordellen und beim Shopping auf der Königsallee habe er insgesamt bereits eine sechsstellige Summe verprasst. Er habe auch mal eine Jura-Studentin als Staatsanwalt zum Kö-Shopping eingeladen, erzählte er in der Verhandlung. Die habe ihn schnell entlarvt - "die 3.000 Euro-Shopping-Tour hat sie aber noch mitgenommen".

Ob Tausende Euro für Zigarren oder teure Kleidung - Aushilfskellner Marc G. hat es krachen lassen, wenn es darum ging, unter falschem Namen, auch dem seiner Mutter, online einzukaufen. Auf 38 Alias-Namen kam die Anklage. Verteidiger Schmitz warf sich am Montag vergeblich für eine Bewährungsstrafe ins Zeug. Eine Therapie sei viel wichtiger, sagt er.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Notorischer Hochstapler verurteilt: Haftstrafe für Fake-Staatsanwalt . In: Legal Tribune Online, 30.08.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20416/ (abgerufen am: 07.12.2019 )

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Kommentare
  • 31.08.2016 12:46, petzold

    Na ja, er hat wahrscheinlich mehr juristische Berufserfahrung als manch Staatsanwalt.

    • 31.08.2016 22:37, Lawfirm

      Sehr gut

  • 01.09.2016 16:40, Ingo

    Zitat: "14-fachen Betrugs, neunfachen Computerbetrugs, des Titelmissbrauchs und der Beleidigung schuldig. Zitat Ende:

    Wenn soll der Angeklagte den beleidigt haben? Geht aus dem Artikel nicht hervor

    • 15.09.2016 21:17, Thomas

      Die Jura-Studentin, die ihn geprellt hat ???

  • 25.10.2016 15:35, Tristan H.

    Und wieviel von diesen hunderttausenden Euros, die er da verprasst hat, muss er noch an die Geschädigten abstottern?

    • 26.10.2016 12:10, Student

      Hat er überhaupt jemand geprellt ???
      Die haben Ihm doch das "Geld" geliehen, ohne einen Darlehensvertrag geschlossen zu haben, mit Ihm (Hochstapler). Die bekommen nichts mehr zurück !!
      Das ist doch genauso, wenn sie der Bank ihr Geld geben für einen "Beratervertrag" auf Kauf/Verkauf von Aktien, Anleihen etc. Das ist gängige Rspr. in Deutschland, bis jetzt !