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Notorischer Hochstapler vor Gericht: Der fal­sche Staats­an­walt "Tas­silo von Hirsch"

26.07.2016

Er gab sich wahlweise als Adeliger, Arzt, Pilot oder Diplomat aus, um in Saus und Braus zu leben. Nun steht ein 28-jähriger Hochstapler erneut vor Gericht. Als falscher Staatsanwalt wurde er jedoch selbst von einer Jurastudentin geprellt.

"Ich war der Prahler, der im Mittelpunkt stand, Champagner ausgegeben und das Geld rausgelassen hat." Marc G. (28) macht keinen Hehl daraus, dass er im Düsseldorfer Nachtleben, in Nobel-Clubs, Bordellen und beim Shopping auf der Königsallee als großer Zampano eine sechsstellige Summe verprasst hat. "Ich habe in gewissen Kreisen verkehrt, brauchte Kleidung, um als respektable und gut situierte Persönlichkeit aufzutreten", sagt der Mann, der trotz längerer Gefängnishaft sorgfältig frisiert beim Prozessauftakt am Dienstag auf der Anklagebank sitzt.

Als Staatsanwalt "Tassilo von Hirsch", "Dr. Dr. Marc Joachim Aubach" oder "Marc von Battenstein" habe er sein Unwesen getrieben, hält ihm Staatsanwältin Anne Weidner vor. Der Angeklagte legt vor dem Düsseldorfer Landgericht (LG) schnell ein Teilgeständnis ab: Er gesteht 15 der 36 angeklagten Straftaten, überwiegend Warenbestellbetrügereien, streitet aber alles ab, was mit der sexuellen Ausbeutung von Frauen zu tun hat.

So soll er für 10.000 Euro eine Escort-Dame aus Berlin an seinen Wohnort nach Ratingen geordert haben, die ihm laut Anklage einige Stunden mit verbundenen Augen zu Diensten war. Er habe Stellenanzeigen geschaltet, um den Bewerberinnen dann eindeutige Angebote zu unterbreiten: 20.000 Euro für Sex.

80 Euro pro Zigarre

Sogar sein eigener Verteidiger taucht auf der Liste der Geschädigten auf: Auch in seinem Namen seien Betrügereien begangen worden - mit den Konto-Daten vom Briefpapier. Tausende Euro für Zigarren, teure Mode, Firmenschilder für mehr als 1.000 Euro - Marc G. hat sich nicht lumpen lassen, wenn es darum ging, unter falschem Namen, auch dem seiner Mutter, online einzukaufen.

"Wie viel haben Sie denn geraucht?", fragt die Vorsitzende Richterin Bettina Reucher-Hodges verwundert. "Zwei, drei Stück am Abend", erklärt der Angeklagte - die Zigarre für 80 Euro. Viele seiner Waren-Bestellungen scheitern, aber der Angeklagte gibt freimütig zu: "Wenn sie geliefert worden wären, hätte ich sie nicht bezahlt."

Im Bordell will er aber nur gewesen sein, um die Champagnerkorken knallen zu lassen: "Da war ich noch narzisstisch veranlagt." Sieben Verhandlungstage hat das Gericht bis Mitte August angesetzt, der Gesamtschaden soll diesmal bei rund 30.000 Euro liegen.

Jurastudentin entlarvt ihn - nach teurer Shopping-Tour

In einem früheren Prozess war dem Aushilfskellner mit Realschulabschluss attestiert worden, dass es ihm wesentlich darum gegangen sei, Frauen ins Bett zu bekommen. So soll er in Pilotenuniform auf einem Flughafen-Parkplatz eine Ohnmacht vorgetäuscht haben, um eine herbeieilende Stewardess näher kennenzulernen. Prostituierte prellte er um ihren Lohn.

"Sie haben die Frauen wie Dreck behandelt", sagte der Vorsitzende Richter damals. Dem Vorwurf möchte sich der Mann mit den nach jüngster Zählung 38 Alias-Namen anscheinend nicht erneut aussetzen. In seiner Erzählung stellt er sich eher als Opfer dar: Er habe mal eine Jura-Studentin als Staatsanwalt zum Kö-Shopping eingeladen, erzählt er. Die habe ihn schnell entlarvt - "die 3.000 Euro-Shopping-Tour hat sie aber noch mitgenommen".

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Notorischer Hochstapler vor Gericht: Der falsche Staatsanwalt "Tassilo von Hirsch" . In: Legal Tribune Online, 26.07.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20112/ (abgerufen am: 01.12.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 27.07.2016 15:36, Reibert

    https://www.xing.com/profile/Tassilo_vonHirsch

    • 02.08.2016 12:07, Jemand_NRW

      Ich würde mir aber ernsthafte Gedanken machen, wenn mein Name am Ende der Seite unter "ähnliche Profile wie das von Tassilo von Hirsch" auftauchen würde.... :D

  • 27.07.2016 22:26, Richter

    Allein der Name Tassilo MUSS strafschärfend berücksichtigt werden. Furchtbar. Das mag althergebracht sein,ja...
    Aber das ist nicht besser als 'Dschasstin' oder 'Schantall'...

    In der Sache: Blender fallen früher oder später über sich selbst. Und wer nicht merkt, dass er einem ebensolchen aufsitzt... Wenig Mitleid.

  • 29.07.2016 20:12, Schantall komm wech bei die Regale

    Tja lieber Richter,
    da bin ich jetzt aber von Ihnen enttäuscht. Gerade von Ihnen hätte ich einen anderen Beitrag erwartet. Beklagen Sie sich doch stets lautstark über fehlendes Niveau in der Justiz.

    Da gelangt ein Hochstapler in den Vorbereitungsdienst des Landes Schleswig-Holtstein, holt Stationsnoten im Prädikatsbereich und fliegt nur deswegen auf, weil er übermütig wird.
    Eine Bundestagsabgeordnete täuscht 30 (!) Jahre und wirkt an Gesetzgebungsverfahren mit und alle 142 Juristen unter den Abgeordneten merkens nicht

    Wenn Sie wirklich Zivilrichter währen, dann würden Sie sich wundern wie viele Schriftsätze täglich über Ihren Schreibtisch wandern, die so laienhaft (um nicht zu sagen stümpferhaft) sind, dass man massive Zweifel daran haben muss, ob es die betreffenden Rechtsanwälte tatsächlich gibt. Ein Umstand dem Sie im Übrigen von Amts wegen nachzugehen haben.

    Und solange man Zweifel haben muss, ob mancher Schriftsatz von einem zugelassen Rechtsanwalt oder einfach nur einem gut dressierten Affen geschrieben wurde, solange wundert in Punkto Hochstapelei garnichts.

    • 30.07.2016 11:12, Richter

      Und wieder offenbaren Sie bei dem Versuch der Kritik, dass Sie keine Ahnung haben. Als Zivilrichter interessiert es mich am Amtsgericht nicht, ob die unterirdische Qualität der Schriftsätze die Vermutung nahe legt,bei dem Absender könnte es sich mangels Fachkenntnissen nicht um einen Anwalt handeln. Es herrscht ja kein Anwaltszwang am AG.

      Und die Qualität läßt den von Ihnen angedachten Rückschluss ja ohnehin nicht zu. Eine Anwaltszulassung zu bekommen ist doch viel zu einfach. Zwei dahingerotzte 4-Punkte-Examina und der Nachweis der Haftpflicht reichen ja. Und jetzt kommen sie mir nicht damit,dass man zwei Staatsexamina erstmal bestehen müsse. Das ist nicht schwierig. Bestehen ist geschenkt. GUT bestehen ist schwierig.

      Und die Leidtragenden sind die guten Anwälte. Denn auch davon gibt es einige. Und die leiden unter den schlechten Kollegen bzw. der sich stetig verschlechternden Achtung vor dem Berufsstand.

      Und am Ende des Tages sind es die Mandanten, die wegen ihres schlechten Anwalts sichere Fälle verlieren. Und DAS ist der eigentliche Skandal.

    • 31.07.2016 11:25, Wer keine Ahnung hat...

      "Und wieder offenbaren Sie bei dem Versuch der Kritik, dass Sie keine Ahnung haben. Als Zivilrichter interessiert es mich am Amtsgericht nicht, ob die unterirdische Qualität der Schriftsätze die Vermutung nahe legt,bei dem Absender könnte es sich mangels Fachkenntnissen nicht um einen Anwalt handeln. Es herrscht ja kein Anwaltszwang am AG."

      Soso es interessiert sie nicht. Wenn sich an ihrem AG Hochstapler tummeln, geht Ihnen das am berobten Arsch vorbei. Wenig Mitleid, wenn Sie dann nicht merken, ob Sie einem Hochstapler aufsitzen.

      Nur ist auch am AG doch zu prüfen ob die Partei ordnungsgemäß vertreten ist. Sonst fehlts -Anwaltszwangzwang hin oder her- an einer notwenigen Prozessvorausetzung.

      Und das beweist eigentlich nur, dass gute Noten nichts mit guter Rechtskenntniss zu tun haben. WENN Sie denn welche haben...

    • 31.07.2016 18:05, Richter

      Es ist keine Prozessvoraussetzung, (ordnungsgemäß) vertreten zu sein wenn die Vertretung nicht vorgeschrieben ist. Denn die Partei kann und darf sich selbst vertreten. Darüber hinaus ist von Amts wegen nichts zu prüfen. Wer Spaß dran hat, kann sich am AG auch gern von der eigenen Oma oder dem Dorfwirt vertreten lassen. In vielen Fällen wäre man damit wohl sogar besser bedient als mit einem Anwalt.

      Wer hat hier jetzt grundlegende Prinzipien nicht verstanden?

      Und Danke der Nachfrage. Die Noten haben gereicht :-) Und so habe ich auch weiterhin die große Freude, mich mit unfähigen (und manchmal sogar fähigen) Parteien und Anwälten zwei Mal die Woche zum lustigen Ideenaustausch zu treffen und dabei zuzusehen, wie beide Seiten Geld und Zeit vernichten, weil keiner Ahnung hat... was mir persönlich wenig ausmacht. Ist ja nicht mein Geld...

      Hach ... Strafrechtler sollte man sein .. da braucht man wenigstens kein Jura.

  • 31.07.2016 13:52, Pars pro toto

    Der eigentliche Skandal ist, das ein Richter mit seinem maßlos arroganten Verhalten und seinen latent faschistoiden Ansichten hier aktiv dabei ist das restliche bischen Ansehen unserer Justiz auch noch zu zerstören.

  • 29.08.2016 18:12, Korrektur...

    Bitte schreiben Sie die korrekte Form: statt "Staatsanwalt" muss es richtig im Text heißen "angeblicher Staatsanwalt"...