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VG München zu tratschendem Schüler: Schulverweis wegen Tratsch über Sex

23.07.2015

Schüler reden viel, wenn die Pause lang ist. Da können auch anstößige Gerüchte schnell die Runde machen. Ein Münchener Gymnasiast flog deshalb kürzlich von der Schule. Jetzt kam ihm das VG München zur Hilfe.

Das Verwaltungsgericht (VG) München hat die Entlassung des Schülers eines Münchener Gymnasiums am Mittwoch für rechtswidrig erklärt. Der Elfjährige hatte unter seinen Mitschülern das Gerücht verbreitet, eine Lehrerin habe eine Affäre mit einem Oberstufenschüler. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Demnach hatte die Schulleitung in dem Handeln des Jungen ein "schweres Fehlverhalten" gesehen; der Schulfrieden sei durch die herumerzählten Gerüchte massiv gestört worden. Der Junge habe die Geschichte selbst von einem gleichaltrigen Mitschüler aufgeschnappt, in kurzer Zeit habe dann jeder Schüler vom angeblichen Verhältnis der Pädagogin mit dem Schüler gewusst. Als der Elfjährige von den Betroffenen auf die Geschichte angesprochen worden sei, habe er berichtet, was ihm selbst zu Ohren gekommen sei. Weil er bereits zwei Abmahnungen gesammelt hatte, entschied sich die Schulleitung für den Rauswurf, so der Bericht.

Die Eltern zogen daraufhin vor Gericht. Dieses gab ihnen schließlich Recht, auch wenn die Verhandlung am Mittwoch länger dauerte, als vom Rechtsanwalt der Kläger erwartet. Er habe in 35 Jahren Berufsleben noch nie zweieinhalb Stunden über das "Schulhofgeplapper von Elfjährigen" verhandeln müssen, wird er zitiert. Unter anderem sei dem Kind von Seiten der Schulpsychologin kriminelle Energie attestiert worden.

Ob gegen die Entscheidung des VG Rechtsmittel eingelegt werden ist noch nicht bekannt. Der Schulleiter wolle die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, heißt es. Auch der tratschende Mitschüler sei von der Schule geflogen. Dessen Eltern hatten hiergegen jedoch keine rechtlichen Schritte eingeleitet.

una/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

VG München zu tratschendem Schüler: Schulverweis wegen Tratsch über Sex . In: Legal Tribune Online, 23.07.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/16337/ (abgerufen am: 21.09.2020 )

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Kommentare
  • 26.07.2015 11:26, Helmuth Schrickel

    Wenn es in einer Schule so abläuft ,dass die Erzieher oder Lehrer nicht in der Lage sind eine Erziehung nach den neusten Richtlinien zu lehren . Dann wird es Zeit die Entscheidungen demokratisch zulösen . Eine Schulkonferenz ist nicht nur die Körperschaft der Lehrer und Lehrerin ,nein es muss übergeordnet gehandelt werden . Die meisten Schulkonferenzen werden gegen den Schüler ausgesprochen und das hat mit einen Bildungsauftrag nicht´s zutun !!! Die Bereitschaft Bildung zu vermitteln hat und ist doch nicht gleich zuziehen mit einer Lernaufnahme der Schüler . Der Einfluss ist und bleibt Ansichtssache der Betrachter ,der Schüler muss das hinnehmen was der Lehrplan vorgibt . Doch das Bildungssystem wurde erfunden ,um eine Vereinfachung und einen Standard zu erreichen ,doch ist das auch das Richtige für unserer Gesellschaft ? Kann hier nicht zu Gunsten der Lernenden entschieden werden ,kein Zwang der Bildungsvorgabe von Plänen der Regierung der Kultur ..Sondern nach Beispielen der Interesenveranlagung der Gemeinschaft der Schülerschaft , Alles kann verbunden werden in allen Fächern der Lehrkunst ,um ein Ziel zu erreichen .

    • 26.07.2015 14:31, Ein Lehrer

      Ihrer Kritik gebe ich in Ansätzen durchaus recht, so allgemein darf man die Sache aber auch wieder nicht betrachten.
      Es gibt zwar viele Lehrer und Schulen nach "altem Schlag," jedoch sollte sich dieses Problem mit der Pension erledigen. Und die jungen, sehr gut ausgebildeten Lehrer vertreten oft eine andere Sicht. Auch Schule und Bildung sind - wie die gesamte Gesellschaft - dynamisch und vielfältig.
      Nun sprechen Sie von den Schulkonferenzen: Bildung ist Ländersache und in meinem Bundesland nehmen neben den Lehrern auch die Elternvertreter sowie die Schulsprecher daran teil. Seit diesem Schuljahr ist übrigens die kritisierte (Stimm-) Mehrheit der Lehrer gegenüber den Eltern und Schülern korrigiert worden. Es wird also etwas getan. Im Übrigen ist aber die Schulkonferenz nicht "gegen Schüler" sondern eigentlich ein Gremium zur Gestaltung des gemeinsamen Schulalltags.

      Was die Ziele des Bildungsplans angeht: Sie haben recht, oft wird - entgegen unseren Zielen - dem Schüler (als Individuum) nicht in dem Maß Rechnung getragen wie dies geschehen soll(te). Das Problem ist zum einen Teil eine bildungspolitische Frage, zum anderen gehen unsere Ideale oft am Schulalltag vorbei. Lehrer unterrichten um die 30 Schüler pro Klasse was - mit Verlaub - nicht immer so einfach ist wie sich die Bevölkerung dies gemeinhin vorstellt. Denn jeder einzelne Schüler hätte eigentlich uneingeschränkt individuelle Förderung verdient. Teilt man aber 45 Minuten auf 30 Schüler auf, so verbleiben 90 Sekunden pro Schüler.
      Sie äußern sehr berechtigte Kritik am Bildungssystem. Bildung und Schule lebt davon, dass sich ihre Bürger mit ihr kritisch auseinandersetzen! Ihre Fragen wurden auch in der Pädagogik formuliert und von unterschiedlichen Pädagogen anders beantwortet: Man denke an die Waldorf-Schulen, Montesori-Schulen oder auch das "skandinavische" Modell, welches in der PISA-Studie so erfolgreich war. Diese Schulangebote gibt es bereits in Deutschland! Und nein, wir "normalen" (staatlichen) Lehrer finden diese Pädagogik nicht schlecht. Nutzen Sie die Möglichkeiten die wir haben!

      Um aber zu dem hier präsentierten Fall zurückzukommen: Was ich mir für den Anfang als Lehrer wünsche ist ein schuleigener Sozialarbeiter!
      Wir sind Lehrer und können - wenn wir ehrlich sind - außer einem Diagnoseverdacht kaum etwas therapieren. Wie auch bei 30 Schülern im Unterricht? Primär sind wir Lehrer dafür da, Bildung zu vermitteln. Gleichzeitig sind wir eine Respektsperson für Schüler. Wir vergeben Noten, Strafarbeiten bei nicht gemachten Hausaufgaben und so weiter. Alles mit dem Ziel, die Anforderungen des Schuljahres zu erreichen. Da ist oft auch der pädagogische Spielraum zu gering. Und was ist, wenn ein Lehrer Teil des Problems ist? Lehrer sind Teil des Unterrichts und im Bereich des menschlichen genauso fehlerhaft wie alle anderen Menschen. Eine neutrale, vermittelnde Person würde da Wunder wirken, zumal ein Sozialarbeiter sich auch viel besser mit den Ursachen und der Lösung von Problemen wie Mobbing, Gewalt, Drogenkonsum, etc. auskennt und diese auch - wie ein Coach für Lehrer und Schüler - mit den Beteiligten gemeinsam durchführen kann.
      Ich glaube an meiner Schule (keine "Problemschule") wäre hier ein riesiger Bedarf. Vom ersten Liebeskummer der Siebtklässler bis hin zum Lehrer, der mit dem "frechen Schüler" nicht umzugehen weiß... Vielleicht lassen sich ja so solche Fälle vermeiden?

  • 11.08.2015 19:43, Rudiwatch

    Leider sind gewalttätige Übergriffe von Lehrern an den von Ihnen gelobten Waldorfschulen recht häufig, teilweise sind sogar bis zu 8 Waldorflehrer eines einzelnen Kollegiums (Steiner-Schule Aargau) wegen Gewaltanwendung gleichzeitig vor Gericht gestellt worden. Weitere Prügel gab es auch an Waldorfschulen in Kempten, Gera, Landsberg, Jena... auch sexueller Missbrauch durch Lehrer sowie rechtsextreme Lehrer sind öfter bekannt geworden. Und das bei nur rund 200 Waldorf - Schulen in Deutschland! Das Problem liegt besonders im "System Waldorf" begründet.

  • 21.08.2015 02:56, Kinderzeuger

    Die Lehrer auf dem Gymnasium ticken wohl nicht mehr ganz richtig. So was kann auch nur in Bayern passieren. Junge, zieh irgendwohin wo es Freiheit gibt.