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Strafverteidiger bringt Tochter mit zum Prozess: Streit um Sechs­jäh­rige im Gerichts­saal

28.10.2016

Ein Anwalt hat seine Tochter mit zu einer Verhandlung am AG München genommen. Die Richterin verwies das Mädchen des Gerichtssaals. Dem Vorwurf, "herzlos" zu sein, begegnet das Gericht mit dem Kindeswohl und den Interessen des Angeklagten.

Der aus diversen TV-Serien bekannte Strafverteidiger Stephan Lucas hat seine sechsjährige Tochter mit zu einer strafrechtlichen Verhandlung vor dem AG München gebracht. Weder Frau noch Babysitterin hätten Zeit gehabt, sich um das Kind zu kümmern, berichtete zuerst Bild.de. Bei dem Termin waren keine Zeugen geladen, der Mandant des Fachanwalts von der Münchner Strafrechts-Boutique Lucas Stevens hatte keine Einwände gegen die Anwesenheit des Mädchens gehabt.

Die zuständige Richterin hingegen schon. Sie gestattete dem Kind den Aufenthalt im Gerichtssaal nicht. Bevor sie das Mädchen von zwei Justizbeamten aus dem Saal begleiten ließ, unterbrach sie die Verhandlung für 20 Minuten, um dem Fachanwalt für Strafrecht zu ermöglichen, sich um eine anderweitige Betreuung zu kümmern. Diese Gelegenheit habe Lucas aber nicht genutzt, so Gerichtssprecherin Monika Andreß gegenüber LTO. Auch eine kurzfristige Terminverlegung habe der Verteidiger nicht beantragt. Kurz nachdem seine Tochter aus dem Saal geführt wurde, sei der Termin endgültig ausgefallen.

Entgegen der Darstellung in dem Boulevard-Blatt ("Richterin Herzlos") habe die Richterin aber nicht etwa "lautstark losgepoltert" oder den Anwalt von der Münchner Strafrechts-Boutique Lucas Stevens etwa lauthals vor seiner Tochter angeschrien, sagte Andreß weiter. Bei Bild.de heißt es weiter, Lucas hätte nicht einmal darauf bestanden, neben seiner Tochter zu sitzen. Nach Angaben von Sprecherin Andreß gaben Protokollführerin, Staatsanwältin und Richterin dagegen übereinstimmend an, der Anwalt sei verspätet nach Aufruf der Sache mit dem Kind erschienen und habe dieses auf einen für die Verteidigung reservierten Stuhl im Bereich des Gerichtssaals platziert, der ausschließlich für Prozessbeteiligte bestimmt ist. Lucas wollte gegenüber LTO nicht weiter zu dem Vorfall Stellung nehmen.

AG: Kindeswohl und Rechte des Angeklagten beachtet

Zur Begründung, warum die Anwalts-Tochter letztendlich den Saal verlassen musste, verweist die Gerichtssprecherin auf § 175 Abs. 1 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG), wonach der Zutritt zu öffentlichen Verhandlungen unerwachsenen Personen versagt werden kann. "Die fehlende erforderliche Reife von Kindern befähigt sie nicht zur ernsthaften Teilnahme an einer Gerichtsverhandlung", erklärte Andreß. Insbesondere in Strafsachen könne eine Gefährdung des Kindeswohls nicht ausgeschlossen werden. In der Verhandlung sollte es ihren Angaben nach um schwere Körperverletzung durch die Verabreichung einer giftigen Kräutermischung in Joints gehen, die die Rauchenden unter anderem ohnmächtig werden ließ.

Soweit Sorgeberechtigte ihre Kinder an Gerichtsverhandlungen teilnehmen lassen wollten, stehe es dem zuständigen Richter im Rahmen seiner sitzungspolizeilichen Befugnisse zu, darüber zu entscheiden, ob ein Kind während der Verhandlung anwesend sein darf. Und davon habe die Richterin am AG Gebrauch gemacht, so Andreß: "Die Belange der Verfahrensbeteiligten und insbesondere auch der Angeklagten, die Anspruch auf ein faires Verfahren haben, sind bei einer solchen Entscheidung zu beachten. Ein Angeklagter erwartet, dass sein Verteidiger sich als Organ der Rechtspflege voll und ganz der Aufgabe widmet, ihn im Prozess zu unterstützen."

ms/pl/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Strafverteidiger bringt Tochter mit zum Prozess: Streit um Sechsjährige im Gerichtssaal . In: Legal Tribune Online, 28.10.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21014/ (abgerufen am: 20.09.2019 )

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Kommentare
  • 28.10.2016 16:06, Linkie

    Na wenigstens da greift die Richterin VOLL durch! Da kann man mal so RICHTIG die Kante des Rechtsstaates zeigen! Klappte bei diversen Richterurteilen der jüngeren Vergangenheit allerdings nicht ganz so gut. Korrigiere: überhaupt nicht. Ob's am neuen Täterbonus lag? Man weiß es nicht....

    • 26.07.2018 09:22, RA Würdinger

      Bei der Wiedereinführung des BayObLG votierte der bayerische Landtag einstimmig, d.h. auch mit den Stimmen der "Opposition". Es überrascht mich dabei in keiner Weise, dass die Politiker der "Opposition" einmal mehr sehr überzeugend unter Beweis stellten, dass sie über keinerlei ernstzunehmende Rechtskenntnisse verfügen. Ich hatte deshalb auch von Anfang an darauf verzichtet, Politiker der "Opposition" im bayerischen Landtag für meine Sache

      https://community.beck.de/user/profil/ra-wurdinger

      interessieren zu wollen. Denn es ist etwa von gelernten Sozialpädagogen auch nicht zu erwarten, dass sie juristische Zusammenhänge auch nur ansatzweise begreifen. Der entscheidende Abschnitt in meinem Profil lautet:

      "VI. Das Schreiben des OLG München vom 12.7.2018: Das Gericht sei nicht „zuständig“

      Es sind derzeit insgesamt sieben Strafanzeigen gegen Münchner Richter und Staatsanwälte als Verfahren auf Erzwingung der Ermittlungen beim Oberlandesgericht München anhängig. Die Strafanzeigen wurden sämtlich von der Münchner Staatsanwaltschaft mit der – nicht weiter begründeten – Behauptung verbeschieden, es läge kein Anfangsverdacht vor. Noch recht viel offensichtlicher kann man das Krähenprinzip nicht veranschaulichen. Ich bin auch, ehrlich gesagt, nach wie vor verblüfft darüber, mit welcher Unverblümtheit die Münchner Justiz so offen und so direkt unter aller Augen Unrecht begeht.

      Der Sachverhalt ist in allen sieben Verfahren ähnlich gelagert: Der bei Gericht gestellte Antrag richtet sich darauf, das Gericht möge die Staatsanwaltschaft zu Ermittlungen gegen Münchner Richter und Staatsanwälte anweisen. Dieser Antrag bei Gericht war jeweils notwendig geworden, weil die Staatsanwaltschaft entweder völlig untätig geblieben war, oder die Ermittlungen unter der unzutreffenden Behauptung, es läge kein Anfangsverdacht vor, nicht eingeleitet hat.

      Es sind nurmehr zwei Verfahren beim OLG „anhängig“, weitere fünf Verfahren sind „zuständigkeitshalber“ an die Generalstaatsanwaltschaft abgebeben worden.
      Mit diesen fünf Ermittlungserzwingungsverfahren mache ich meinen subjektiv-öffentlichrechtlichen Anspruch auf effektive Strafverfolgung Dritter geltend. Dabei steht mir die Rechtsweggarantie des Art. 19 Abs. 4 GG zu Gebote. Die Rechtsweggarantie des Art. 19 Abs. 4 GG besagt, dass ich mich gegen die Entscheidung einer Behörde, die in meine Rechte eingreift, an ein Gericht wenden kann mit dem Ziel der Korrektur der behördlichen Entscheidung durch das Gericht. Ich habe mich also – unter Berufung auf die Rechtsweggarantie des Art. 19 Abs. 4 GG – ganz bewusst an das Gericht gewandt, um eine Korrektur der behördlichen Entscheidung durch das Gericht zu erzielen.

      Die Abgabe „zuständigkeitshalber“ an die Generalstaatsanwaltschaft stellt sich mithin als absurd dar. Diese Handlung verletzt mich in meinem Grundrecht aus Art. 19 Abs. 4 GG, der Rechtsweggarantie. Die Rechtsweggarantie des Art. 19 Abs. 4 GG wird durch die Abgabe an die Generalstaatsanwaltschaft geradezu konterkariert. Die prozessuale Lage ist vorliegend dieselbe, wie wenn ein beim Verwaltungsgericht anhängiges Verfahren an die Widerspruchsbehörde abgegeben würde und bei Gericht als nicht anhängig behandelt werden würde. Auch eine solche Handlung des Gerichts würde allgemein als absurd angesehen werden.

      Es handelt sich der Sache nach um Untätigkeitsklagen. Ein Blick auf den § 75 VwGO oder auf den § 27 EGGVG zeigt, dass die bundesdeutsche Rechtsordnung die Untätigkeitsklage bereits in ihrem prozessualen Arsenal führt. Die verfassungsrechtliche Begründung der Untätigkeitsklage lautet hierbei wie folgt:

      Der verfassungsrechtliche Ausgangspunkt liegt insoweit in Art. 19 IV GG, in dem Gebot des effektiven Rechtsschutzes. Der Akzent liegt hierbei in dem Wort „effektiv“. Art. 19 IV GG gebietet, dass ich als Bürger – nachdem mir schon mal ein subjektiv-öffentliches Recht auf Strafverfolgung Dritter zugebilligt worden ist – mein Recht nicht nur auf dem Papier besitze, sondern mein Recht auch in effektiver Weise prozessual durchzusetzen vermag.

      Art. 19 IV GG gebietet also in diesem Fall, dass es für mich als Bürger eine prozessual effektive Möglichkeit geben muss, mich gegen eine blanke Untätigkeit der zuständigen Staatsanwaltschaft wehren zu können. Wieder liegt der Akzent auf dem Wort „effektiv“: Es wäre nämlich umgekehrt völlig ineffektiv, wenn ich als Bürger auf eine Rolle als „lästiger Bittsteller“ beschränkt wäre. Nein, zur Effektivität des Rechtsschutzes gehört eben gerade, dass ich nicht auf irgendeine „Gnade“ irgendeines Potentaten angewiesen bin, sondern dass ich vor Gericht mein Recht durchsetzen kann. Denn es geht hier um ein subjektiv-öffentliches Recht – mit dem Akzent auf dem Wort „Recht“ – und eben gerade nicht um einen Gnadenerweis.

      Die §§ 172 ff StPO sind im Lichte der Verfassung und der EMRK – beide Rechtsquellen sind höherrangiges Recht – auszulegen und zu ergänzen. Zur Verfassung rechnet auch und vor allem das Gebot des effektiven Rechtsschutzes aus Art. 19 IV GG. Also müssen die beiden Verfahrensvarianten der §§ 172 ff StPO – das Klageerzwingungsverfahren und das Ermittlungserzwingungsverfahren – in einer Weise ausgelegt bzw. ergänzt werden, dass sie den verfassungsrechtlichen Vorgaben genügen.
      Diese geforderte Ergänzung liegt hier in der Vorschrift des § 75 VwGO: Bei § 75 VwGO, der Vorschrift über die Untätigkeitsklage, handelt es sich um die Umsetzung des Gebots des effektiven Rechtsschutzes aus Art. 19 IV GG in einfaches Prozessrecht. § 75 VwGO muss also zwingend bei den beiden Verfahrensvarianten der §§ 172 ff StPO – Klageerzwingungsverfahren und Ermittlungserzwingungsverfahren – Anwendung finden.

      Das Schreiben des OLG München vom 12.7.2018 erwidert auf diese Argumentation nunmehr: Das Gericht sei nicht „zuständig“.

      Dieses Schreiben lautet auszugsweise:

      „Ebenso hat es nicht über Beschwerden gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft gemäß §§ 152 II, 170 II StPO zu entscheiden. … Schriftsätze, die … Beschwerden gegen Nichteinleitungs-/Einstellungsverfügungen enthalten, wurden deshalb an die Ermittlungsbehörden zuständigkeitshalber weitergeleitet. … Im übrigen werden weitere gleichgestellte Eingaben Ihrerseits geprüft, aber nicht mehr beantwortet. Es bleibt Ihnen unbenommen, Verfassungsbeschwerde bei den Verfassungsgerichten einzulegen.“

      Ich folge also dieser freundlichen Empfehlung, und lege in der Woche vom Montag, den 16.7.2018 mit Freitag, den 20.7.2018 insgesamt fünf Verfassungsbeschwerden jeweils parallel beim BVerfG und beim BayVerfGH ein."

      26.07.2018 06:51, Herr Kollege Würdinger, achten Sie auf Ihre Gesundheit

      Lassen Sie sich durch diese Amtsmachtspielchen nicht gesundheitlich ruinieren. Die tun sich doch in Ihren sicheren Besoldungsstellen untereinander nicht weh und halten zusammen. Woanders nennt man das auch "Bananenstaat" - das ist doch genau unser Justiz-Verdruss in der Bürgerschaft.
      Trost: Sehen Sie sich die Charakter derer, die die Justiz als berufliche Laufbahn gewählt haben mal näher an. Die sind meistens überheblich und wissen um Ihre finanziell hervorragend abgesicherten Positionen bei freier Arbeitszeiteinteilung.
      Die Qualität deren Ergebnisse wird täglich schlechter, so wirken auch bei diesen Besoldeten die Ablenkungen in der Freizeitgesellschaft.

      26.07.2018 07:05, RA Würdinger

      Ich danke Ihnen für Ihren Kommentar. Die Konversation auf beck-blog nahm übrigens folgenden weiteren Verlauf:

      "Alexander Würdinger kommentiert am Mi, 2018-04-25 13:01

      Ich habe irgendwo den Satz gelesen "Da die Bundesrepublik Deutschland faktisch kein Rechtsstaat ist, bin ich durchaus der Meinung, dass ein Kampf gegen den Staat und seine Institutionen, der sich nicht auf das Führen von Gerichtsprozessen beschränkt, legitim sein kann."

      Alexander Würdinger kommentiert am Mo, 2018-07-23 09:08

      In diesen Kontext könnte auch das Schreiben des OLG München vom 12.7.2018 passen, das ich zuletzt in meiner Angelegenheit erhielt, es lautet auszugsweise:
      „Ebenso hat es [das Gericht] nicht über Beschwerden gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft gemäß §§ 152 II, 170 II StPO zu entscheiden. … Schriftsätze, die … Beschwerden gegen Nichteinleitungs-/Einstellungsverfügungen enthalten, wurden deshalb an die Ermittlungsbehörden zuständigkeitshalber weitergeleitet. … Im übrigen werden weitere gleichgestellte Eingaben Ihrerseits geprüft, aber nicht mehr beantwortet. Es bleibt Ihnen unbenommen, Verfassungsbeschwerde bei den Verfassungsgerichten einzulegen.“

      Wie war das gleich wieder mit der Rechtsweggarantie und dem Art. 19 Abs. 4 GG?

      Gast kommentiert am Mo, 2018-07-23 10:27

      Wie war das gleich wieder mit der Rechtsweggarantie und dem Art. 19 Abs. 4 GG?
      Wie war das gleich wieder mit der Selbstbetroffenheit und der Verletzung eigener Rechte? Das neuerliche Unterliegen in den fünf Verfassungsbeschwerden, die Sie kürzlich im Hinblick auf diese Ihre mangelnde Kenntnis des Verfassungsrechts wieder einmal gepinselt haben, kann ich Ihnen so sicher wie das Amen in der Kirche prognostizieren. Und vielleicht bekommen Sie endlich einmal eine Missbrauchsgebühr aufgebrummt, weil Sie anders ja nicht zu lernen scheinen...

      Alexander Würdinger kommentiert am Mi, 2018-07-25 13:16

      Zur Selbstbetroffenheit und der Verletzung eigener Rechte vgl. die Kommentierung im Standardkommentar zur StPO. Im Meyer-Goßner/Schmitt, Rn. 1a zu § 172 StPO, lautet der diesbezügliche Text (ohne Fundstellen):

      "Über § 172 hinaus gibt es grundsätzlich keinen verfassungsrechtlich verbürgten Anspruch auf Strafverfolgung eines anderen. Nach neuerer Rechtsprechung des BVerfG besteht allerdings ein verfassungsrechtlicher Rechtsanspruch des Verletzten auf wirksame Strafverfolgung gegen Dritte in bestimmten Fallkonstellationen. Dies wurde angenommen bei erheblichen Straftaten gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit, die sexuelle Selbstbestimmung und die Freiheit der Person, bei spezifischen Fürsorge- und Obhutspflichten des Staates ggü Personen, die ihm anvertraut sind sowie bei Vorwürfen, ein Amtsträger habe bei Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben Straftaten begangen."

      Gast kommentiert am Mi, 2018-07-25 13:42

      Nach neuerer Rechtsprechung des BVerfG besteht allerdings ein verfassungsrechtlicher Rechtsanspruch des Verletzten auf wirksame Strafverfolgung gegen Dritte in bestimmten Fallkonstellationen
      Sie sind aber, wie bereits mehrfach ausführlichst hinreichend diskutiert, keine "bestimmten Fallkonstellation", sondern ein in jeder Hinsicht völlig durchschnittlicher Querulant, der die Richtigkeit eines "in eigener Sache" ergangenen Urteils nicht einsehen will und deshalb überall "Rechtsbeugung" wittert bzw. wuchern sieht und damit völlig unbeherrschbar der bayerischen und bundesdeutschen Justiz und diversen juristischen Internet-Foren seit Jahren erfolglos auf die Nerven geht.

      Alexander Würdinger kommentiert am Mi, 2018-07-25 14:23

      Nein, der Kern liegt dort: Zu dem Satz "Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus" schreibt Fischer:

      „Im Rechtsstaat entsteht Recht allein durch Recht, und Recht kann nur Recht hervorbringen. Die äußerste Möglichkeit, die ein Bürger hat, um sein Interesse zu artikulieren, ist ein rechtsförmiges Verfahren. Er hofft – und kann nur darauf hoffen – dass dort ein Prinzip herrscht, das von „Kameradschaft“ so weit entfernt ist wie möglich, und das aus purer bürokratischer Sachlichkeit besteht. Deshalb (!) muss die Justiz mit anderen Maßstäben gemessen werden als die Installationswirtschaft.“

      Alexander Würdinger kommentiert am Mi, 2018-07-25 15:38

      Ich versuche, Ihnen dasselbe noch einmal von einer anderen Seite her in aller Ruhe zu erklären:

      Jemand hat Krebs, dann ist er vom Leben enttäuscht, jemand hat einen Herzinfarkt, dann ist er ein Workoholic.

      Das kann sein, das muss aber nicht so sein. Man muss eben den einzelnen Menschen, die einzelne Geschichte sich schon genauer anschauen. Es gibt jedenfalls keinen Automatisms: Nicht jeder, der Krebs hat, ist automatisch vom Leben enttäuscht, nicht jeder, der einen Herzinfarkt hat, ist automatisch ein Workoholic.

      Kommen wir zurück auf den Ausgangspunkt: Jemand nimmt das Wort „Rechtsbeugung“ in den Mund. Dann ist also derjenige, wenn ich Sie richtig verstehe, in Ihren Augen automatisch ein Querulant. Das ist wohl die Art, in der Sie denken, stimmt`s? Aber wenn Sie so denken, dann sind Sie eher ein kleiner Flach-Wirbelwind als ein großer Denker, so scheint mir."

  • 28.10.2016 17:22, ozelot

    Potential für eine ganz nachhaltige Justizposse ist vorhanden, so viel ist sicher. Es dürfte allerdings sehr fraglich sein, ob dem Kindeswohl mehr gedient ist, wenn man es aus dem Saal geleiten lässt - dann ohne Aufsicht. Lag eine menschliche Lösung, die nicht den Prozessvorschriften entspringt, nicht näher? Ein völlig lebensferner Vorgang.

    • 24.11.2016 08:10, Mitdenken

      Wo genau ist "in Begleitung zweier Gerichtswachtmeister" denn jetzt "ohne Aufsicht". Jedes Gericht hat eine Zeugenbetreuungsstelle. Da sitzen zumeist sehr fähige und sehr liebevolle Mitarbeiter/Innen und es ist sogar kindgerechte Ausstattung (Malblock, Stifte, Spiele, Puzzle, etc.) vorhanden.

      Aber es ist natürlich besser, wenn man mal unabgesprochen "Take your child to work"-Day macht, noch dazu in einer Strafsache wegen schwerer Körperverletzung. (Wobei ich aufgrund der mangelnden Präzision auf LTO und dem geschilderten Sachverhalt eher mal auf "gefährliche" Körperverletzung tippe, aber wer nimmt das schon so genau, ob man jetzt ein Vergehen oder ein Verbrechen vor sich hat? Und für letzteres wäre das Schöffengericht zuständig ... naja, #Qualitätspresse gilt halt auch bei LTO :o)

  • 28.10.2016 17:59, Alex

    Sehr geehrtes LTO-Redaktionsteam,

    zur Info: Das von Ihnen gewählte, zur Veranschaulichung dienende Bild des "Tatorts" vom Amtgericht München, ist das Gebäude für Zivilsachen.
    Da es sich aber laut Artikel um eine Strafverhandlung handelte, wird sich das Geschehen im Strafjustizzentrum in der Nymphenburger Straße abgespielt haben.

    • 28.10.2016 19:06, Hubert

      Diese CSU Richter in München kenn ich.

      Deshalb gilt: CSU raus aus Bayern.

      Freistaat statt Polizeistaat

      Lange wird die Bevölkerung das nicht mehr mitmachen und die CSU Machthaber werden gestürzt.

    • 28.10.2016 19:34, Reibert

      Piraten sind Mörder!

    • 04.11.2016 08:28, Rechtsanwalt Alexander Würdinger, München

      .... Übrigens sieht man im Vordergrund sehr schön den restaurierten Turm der alten Maxburg. Die Maxburg wurde 1945 bei einem Bombenangriff zerstört und an der Stelle dort nach dem Krieg die Justizgebäude errichtet. Deswegen heißt die Straße an der einen Seite der Justizgebäude (beim Nachlassgericht) auch "Maxburgstraße".

    • 24.11.2016 08:14, #Qualitätspresse

      Sie erwarten doch nicht wirklich (irgendeine Form von) Präzision auf LTO? Hier wird - juristisch, aber auch im Übrigen - permanent derartig ungenau gearbeitet, man hat den Eindruck, es habe Methode. Die Schreiberlinge hier können ja nicht mal den korrekten Straftatbestand nennen, unterscheiden gern mal falsch zwischen Berufung und Revision, die Bilder passen in aller Regel nicht zum Artikel ... zwischen Strafrichter, Schöffengericht, (Berufungs-)Strafkammer und Senat kann man in aller Regel auch nicht differenzieren ... da wird offenbar gewürfelt oder eine Münze geworfen...

  • 28.10.2016 18:02, MrNose

    Ozelot, klassischer Fall von Sachverhaltsquetschung. Woher nimmst du die Info, dass das Kind außerhalb des Saals allein gewesen wäre? I highly doubt it.

    • 28.10.2016 18:39, Ozelot

      Es handelt sich dabei um eine logische Schlussfolgerung. Schließlich musste der Vater die Verhandlung abbrechen. Warum sollte das wohl geschehen sein?

    • 31.10.2016 09:03, Jemand_NRW

      nur mal interessehalber:

      was spricht hier für die Formulierung "I highly doubt it" anstelle der Verwendung der Sprache dieser Internetseite und seiner Leser?

  • 28.10.2016 18:26, xy

    Wie verhält sich der Öffentlichkeitsgrundsatz zum Alter der Öffentlichkeitsperson? Gilt die Öffentlichkeit nur für Erwachsene?

    • 29.10.2016 12:06, Franz

      Das steht im Artikel nebst eine Quelle zum nachlesen.

  • 28.10.2016 19:53, Reibert

    Also zumindest bei den größeren Amtsgerichten gibt es meist ein spezielles Wartezimmer in demminderjährige Zeugen warten können und auch ein bisschen Spielzeug vorhanden ist. Sofern solch ein Raum existiert und gerade nicht belegt ist, wäre es in der Tat schönerer Ort das Kind dort warten zu lassen.

    Das allerdings eine Gerichtsverhandlung geeignet ist das Kindeswohl zu gefährden würde ich in Abrede nehmen wollen. Und zwar aus folgender Überlegung.

    Im Fernsehen liefen und laufen eine ganze Reihe von Court-Shows (Barbara Salesch, Alexander Hold und wie sie alle heißen). In denen es auch ständig um Straftaten aus den Bereichen BTM, Körperverletzung und Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung geht.
    Mir wäre neu, dass diese Shows überhaupt eine Altersfreigabe hätten. Und selbst wenn sie FSK 12 hätten, dürften sie in Begleitung einer sorgeberechtigten Person bereits von Kindern ab 6 Jahren angesehen werden (§ 11 II JuSchG).

    Mithin dem Kind wird verboten ihren Vater zur Arbeit zu begleiten, wegen etwas, dass sich das Kind -ganz legal- den ganzen Tag im Fernsehen anschauen dürfte.
    Nicht sehr überzeugend.

    • 28.10.2016 21:25, RA aus+Dortmund

      Gut gebrüllt! Nur wenn dann im Gerichtssaal, zB nach der Urteilsverkündung, die Stühle oder gar Fäuste fliegen und das sechsjährige Kind etwas abbekommt, dann schreiben die ganzen "Experten" hier natürlich "Wie kann man auch nur ein kleines Kind in einem Gerichtssaal mitnehmen?!".

      Von daher...unglückliches Verhalten des Kollegen.

      Außerdem haben Kochsendungen auch keine Altersfreigabe. Dennoch kommt krön koch auf did hirnverbrannte Idee, seid Kind mit in die Großküche zu nehmen, insbesondere noch in die "erste Reihe". Das Gesundheitsamt würde sich freuen. Auch Verbrennungen etc. wollen dann später gut erklärt sein...

    • 28.10.2016 21:36, meine10cent

      Was das Kind im Fernsehen oder bei öffentlichen Vorführungen ansehen dürfte, wenn die Erziehungsberechtigten unverantwortlich genug wären, sie das ansehen zu lassen, ist eine Sache. Dass eine Richterin etwas mehr Sensibilität aufweist als der Rechtsanwaltspapa ist die andere.
      Und das mit dem lautstarken Lospoltern hatt Herr Lucas vielleicht missverstanden. So wie er in Augsburg die Strafmaßvorstellungen der Staatsanwältin irgendwie als Verständigungsvorschlag des Gerichts aufgefasst hat und dann seine Revision mit angeblichen Zusagen des Gerichts begründete.

      Was ich mich frage, nachdem Gerichtsverhandlungen meist zu gängigen Tageszeiten stattfinden: warum konnte er die Kleine nicht einfach in der Kanzlei bei seinen Kanzleikräften oder Kollegen lassen????

    • 29.10.2016 19:20, Reibert

      Oh ha,

      also in meiner Welt ist es immer noch eine absolute Ausnahme, dass nach bzw. in der mündlichen Verhandlung „Stühle oder gar Fäuste fliegen“. Wenn das ist der Region Dortmund anders ist, wirft dieses kein gutes Licht auf diese Region, aber auch auf den Prozessvertreter, der seine Partei nicht unter Kontrolle halten kann.

      Mir vermittelt die Aussage dennoch aber den Eindruck, Sie haben Ihre Prozesserfahrungen vorrangig in entsprechend krawalligen Court-Shows gesammelt.

      Im Übrigen ist die Wahrscheinlichkeit in eine tätliche Auseinandersetzung zu geraten auf jedem Volksfest erheblich höher. Ist der Besuch von Volksfesten mit Kindern deswegen verboten?

      Dass kein Gastronom seine Kinder mit auf die Arbeit mitnimmt, halte ich für ein Gerücht. Das Helfen in der heimischen Küche wird übrigens ausdrücklich empfohlen. Wobei der Herd für ein Kind im Vorschulalter keine Tabuzone sein sollte.
      http://www.familie.de/kind/wie-kinder-in-der-kueche-helfen-koennen-509081.html

      Darüber hinaus begehen Sie einen typischen Anfängerfehler, wenn Sie Zweckmäßigkeits- mit Legalitätserwägungen vermengen. Es mag Ihnen wenig zweckmäßig erscheinen, wenn Koch sein Kind einmal (!) mit in die Großküche nimmt, deswegen ist es noch lange nicht verboten.

      Wären Sie wirklich Rechtsanwalt, würden Sie diesen Unterschied kennen.

  • 28.10.2016 21:45, xy

    Mein Töchter fingen so mit 10 Jahren (oder so) auch plötzlich an und wollten mich mal "in Aktion" und Robe im Gerichtssaal erleben. Ich konnte das aber mit "machen wir später mal..." abwenden...

    • 28.10.2016 23:15, dolo_agit

      Das kann ich nicht verstehen, ich war als Kind und Jugendlicher häufiger die -bei kleineren Amtsgerichten auch die ganze- Öffentichkeit, wenn mein Vater dort als Anwalt auftrat. Sicher, das waren keine Sexualstrafsachen oder brutale Körperverletzungsdelikte, sondern meistens Zivilsachen.
      Mir wurde nie gesagt, ich sei störend, aber ich war auch eher ein stilles Kind. Jetzt bereite ich mich auf mein erstes Examen vor.

  • 29.10.2016 01:57, petzold

    Die Richterin hat wohl sachlich reagiert, dem Anwalt auch die Chance gegeben, neu zu organisieren.
    Dem Polteranwalt, der wohl mal wieder Eigenwerbung machen wollte, kann fehlende Professionalitaet vorgeworfen werden. Fuer die Eigenwebrung spricht schon, dass dann die Bildzeitung berichtet hat. Ich bin (wie alle meine Kollegen) nie auf die Idee gekommen, meine Tochter zur Verhandlung zu nehmen. Wie wuerden wohl einige reagieren, wenn die Richterin ihr Kind mitgenommen haette?

    • 31.10.2016 09:09, Jemand_NRW

      Das kann ich Ihnen sagen:
      Jeder, der Kritik an einer das Kind zur Verhandlung mitnehmenden Richterin üben würde, müsste einen Shitstorm als chauvinistischer "Ewiggestriger" über sich ergehen lassen!

  • 29.10.2016 09:14, Anwalt

    Beim letztjährigen Kitastreik hatte ich auch meine Tochter einmal mit bei einer zivilrechtlichen Verhandlung. Sie saß einfach neben mir und hat gemalt. Bei aller Dramatik und Borniertheit, die in dem Artikel durch scheint, wird uns dieses Thema in Zukunft öfters beschäftigen. Man kann nicht verlangen, dass ich Väter vermehrt und die Kindererziehung kümmern und dann Theater machen, wenn sie es tun. Ich denke, es bedarf einer Abwägung im Einzelfall, ob die Absage des Termines oder die Teilnahme des Kindes sinnvoller sind.

    • 12.11.2016 22:22, meine10cent

      A propos Borniertheit: Sie haben auch ein recht antiquiertes Weltbild, wenn Sie meinen, man müsse eben Vätern, die sich jetzt endlich mal auch um die Erziehung kümmern, eben die Mitnahme zur Arbeit ermöglichen. Das sollte doch eigentlich für Frauen auch gelten, aber von Anwältinnen, die Beruf und Familie vereinbaren können wollen und die ihre Kinder mit zu Strafsachen nehmen. Dass sich eine Anwältin deshalb larmoyant an ein Boulevardblatt wendet, war bislang meines Wissens noch nicht der Fall.
      Und in den langweiligen Zivilsachen dürfte anders als in Strafsachen eine Anordnung nach § 175 -GVG oft nicht in Betracht kommen, da ist man wenn es nicht gerade um Abmahnungen wegen Porno-Filesharings, Familienkriege ums Erbe oder Nachbarschaftsstreitigkeiten meist in ruhigem Fahrwasser.