Legal Tech Accelerators: Selbst der Papst besch­leu­nigt

von Patrick Häde und Nico Kuhlmann

07.08.2017

Durch gezielte Förderung innovativer Geschäftsideen können Kanzleien mit geringem Aufwand die digitale Transformation der Rechtsbranche beeinflussen und neue Einnahmequellen erschließen, erklären Patrick Häde und Nico Kuhlmann.

Deutsche Medienunternehmen tun es seit langem, deutsche Autohersteller, Unternehmensberatungen und Banken sowieso und sogar die deutsche Pharmaindustrie ist auf diese Weise aktiv. Auch die internationalen Technologie-Konzerne und sogar der Papst lassen sich diese Chance nicht entgehen - nur deutsche Kanzleien sind noch nicht auf die Idee gekommen, eng mit Startups zusammenzuarbeiten.  

Dabei sind sich alle einig, dass die Digitalisierung in der einen oder anderen Weise zu Veränderungen auf dem Rechtsmarkt führen wird. Aber nur sehr wenige scheinen momentan die enormen Chancen zu sehen, die damit verbunden sind. Eine naheliegende Möglichkeit, den Fortschritt mitzugestalten, besteht darin, eine eigene Gründergarage zu eröffnen und dadurch die Dynamik eines Startups mit der Expertise einer etablierten Kanzlei zu verbinden.

Durch eine solche Zusammenarbeit wird auf der einen Seite das Startup dabei unterstützt, schneller erfolgreich zu werden, indem es Zugang zu Fachwissen, einem Netzwerk und natürlich Kapital erhält. Die Kanzleien auf der anderen Seite, die meistens nicht einmal eine interne Forschungs- und Entwicklungsabteilung haben, bekommen direkten Zugang zu innovativen Geschäftsideen, digitalen Denkweisen und neuen Einnahmequellen. Beide Seiten können also voneinander profitieren.

Brüten und Beschleunigen

Eine Starthilfe für Startups kann dabei sowohl in einem "Incubator" als auch im Rahmen eines "Accelerators" erfolgen.

Bei einem Inkubator handelt es sich um eine Art Brutkasten für innovative Geschäftsideen.  Solche Inkubatoren werden von privaten Unternehmen, aber auch häufig von öffentlichen Einrichtungen, betrieben. Besonders Universitäten versuchen beispielsweise, durch Inkubatoren den Studierenden einen geschützten Raum für die Entfaltung kreativer Konzepte zu geben. Im Vordergrund stehen dabei neben dem Mentoring meist die Unterstützung bei der Kapitalsuche und die Vernetzung der Jungunternehmer mit Kontakten in der Wirtschaft und Politik.

Die Dauer der Förderung ist oft nicht begrenzt, sondern langfristig angelegt. Eine Beteiligung an den Unternehmen erfolgt in der Regel nicht. In Frankreich haben bereits die Anwaltskammern aus Paris und Marseilles eigene Legal Tech Incubators gegründet, um die Veränderungen im Rechtsmarkt zu beeinflussen.

Demgegenüber ist das Ziel bei einem Accelerator, innerhalb von kurzer Zeit ein funktionierendes Produkt auf den Markt zu bringen. Die Gründer müssen zusätzlich zur Erfüllung der oft sehr anspruchsvollen Teilnahmebedingungen teilweise auch Anteile am Unternehmen an die Betreiber abgeben. Dafür werden die Teams aber mit Büroräumen versorgt, intensiv betreut und der Wachstumsprozess stark vorangetrieben. Der Höhepunkt bei einem Accelerator ist dann grundsätzlich nach wenigen Monaten die Präsentation des Produkts oder der Dienstleistung vor potenziellen Investoren.

Zitiervorschlag

Nico Kuhlmann, Legal Tech Accelerators: Selbst der Papst beschleunigt . In: Legal Tribune Online, 07.08.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/23821/ (abgerufen am: 18.02.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 07.08.2017 11:19, LTH is for legal tech hype

    Was die Pharmaindustrie tut, kann nicht falsch sein. Und wenn der Papst dabei ist, dann ist legal tech der Wille Gottes. Könnte man neben der Kategorie der sponsored articles vielleicht auch ein Kategorie LTH einführen bei LTO?

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    • 10.08.2017 19:40, Lukas

      Danke für den ironischen Beitrag! Der nächste Hype....denn Sie wissen nicht was sie tun. Ich nahem mir die Zeit und sah mir alle Projekte zB des Autors Patricks Häde zB an. Fazit: Mehr Schein als Sein. Simple Kenntnisse, Selbstverständlichkeiten und logisches Denken wird nun als neuer Wein (Digitalisierung) in alten Schläuchen vergoren. Meiner Ansicht nach nichtssagende Tätigkeiten wie IT-Unternehmer seit 2012 zB für Anwaltskanzleien etc werden als innovativ dargestellt, Oder Coding4lawyers.....Wer fähig ist, abstrakt, aggregiert, empathisch, logisch und vor allem sich auf jede Materie vorbereitend zu den denken und zu arbeiten, benötigt dies alles nicht Jedoch stimme ich in einem Punkt zu: Die digitalisierte Rechtsberatung zB durch Bots wie bereits bei Ebay wird zu nehmen.....das ist eine Konkurrenz, denen Anwälte nicht entgegentreten werden können.
      Und zum Schluss: Bitte mehr kostenlose Werbung für die bucerius law Scholl (=schon geil, dass im deutschsprachig Raum eine "Law school" und nicht Rechtsfakultät etc besteht.
      Bitte steckt mich in einem Inkubator, damit dich diese unsägliche Banalität nicht mehr ertragen muss.....

  • 08.08.2017 08:53, Legal Tech: Der Realität in Auge schauen

    Die genannten Beispiele siind beeindruckend. Doch auf den ersten Blick wird deutlich, die Investitionen mit Riskikokapital passieren (leider) nicht in Deutschland, sondern erfolgen von deutlich strategischer geführten angelsächsich dominierten Playern. Die Herausforderung für hießige Kanzleien ist, dass man bei Investitionen in Startups bereit sein muss Geld zu "verbrennen". Denn es wird auch bei Legal Tech Innovationen nicht anders sein, dass 90 % aller Start-up scheitern. Anwälte sind von Natur aus risikoscheu. Wenn es um das eigene Geld geht sind sie dies umso mehr. Deutsche Partnerschaften müssen erkennen, dass sie mit ihrem bisherigen Partnerschaftsmodell an Grenzen stoßen. Die Digitalisierung wird diesen Prozess beschleunigen.

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  • 10.08.2017 19:49, Lukas

    Erinnert mich alles an Berichte über die Dotcom-Blase um das Jahr 2000.

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