AG München zu misslungener Tätowierung: Drum prüfe, wer dich ewig anmalt

13.10.2017

Die Einwilligung zum Stechen einer Tätowierung bezieht sich nur darauf, dass die Behandlung mangelfrei und nach den Regeln der Kunst erbracht wird. Eine missratene Liebeserklärung wird für eine Münchener "Künstlerin" nun aber teuer.

 

Weil eine Tätowiererin aus München-Schwabing ein mangelhaftes Tattoo erstellt hat, hat das  Amtsgericht (AG) München sie zur Zahlung von 1.000 Euro Schmerzensgeld, Rückzahlung des Tattoopreises sowie zum Ersatz sämtlicher Folgeschäden, die aus der mangelhaften Tätowierung entstehen, verurteilt (Urt. v. 13.04.2017, Az. 132 C 17280/16). Sie hatte der Klägerin den Schriftzug "Je t´aime mon amour, Tu es ma vie, Nous Ensemble Pour Toujours, Liubov ♥ Alexej" mangelhaft tätowiert.

Bild: AG München

Für ihr Werk stellte die Tätowiererin ihrer Kundin 80 Euro in Rechnung, für ein korrigierendes Nachstechen weitere 20 Euro. Die Kundin war vom Ergebnis aber alles andere als begeistert: Das Tattoo sei handwerklich in mehrfacher Hinsicht fehlerhaft. Der gesamte Schriftzug sei verwaschen und unleserlich, die Wörter seien nicht in einer einheitlichen Größe gestochen, Abstände der verschiedenen Wörter und Zeilen würden teilweise deutlich abweichen, einzelne Wörter seien schief, die Linienführung mangelhaft, verwaschen, nicht durchgehend und an einzelnen Stellen ausfransend.

Sie fühlte sich außerdem getäuscht von der Tätowiererin, die ihr wahrheitswidrig gesagt habe, dass sie über mehrjährige Tätowiererfahrung verfüge. Auf ihrer Internetplattform habe sie fremde Tätowierungen als Referenzen eingestellt.

Nicht die Qualität, die man vom professionellen Tätowierer erwartet

Das AG verurteilte die Tätowiererin nun zur Zahlung von 1.000 Euro Schmerzensgeld, zur Rückzahlung der gezahlten 100 Euro und stellte fest, dass die Tätowiererin sämtliche Folgeschäden aus der mangelhaften Tätowierung zu ersetzen hat. Ein Gutachter bescheinigte dem Werk handwerkliche und gestalterische Mängel, wie etwa unterschiedliche Strichbreiten, verwackelte Linien und uneinheitliche Abstände zwischen den Buchstaben.

Aufgrund der Ausführungen des Sachverständigen kam das Gericht zu dem Ergebnis, "dass ein professioneller Tätowierer - worunter die Beklagte nach ihren eigenen Angaben fällt - derartige Fehler nicht mache; das Tattoo entspricht damit gerade nicht der Qualität, die die Klägerin erwarten durfte."

Die Täuschung über die Referenzbilder könne allerdings keine Ansprüche begründen, entschied das Gericht. Die Klägerin habe in die Prozedur eingewilligt. "[…] Bei den Fragen der Berufserfahrung und etwaiger Referenzbilder (handelt es sich) nur um das unbeachtliche Motiv für die Einwilligung - was sich bereits aus der Überlegung ergibt, dass die Klägerin diesen Rechtsstreit wohl kaum angestrengt hätte, wenn das Tattoo handwerklich vollkommen in Ordnung wäre, aber es zuträfe, dass die Beklagte nicht über die behauptete Berufserfahrung verfügt", so das Urteil.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

AG München zu misslungener Tätowierung: Drum prüfe, wer dich ewig anmalt. In: Legal Tribune Online, 13.10.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25011/ (abgerufen am: 17.10.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 13.10.2017 15:43, OK

    Merkwürdig zunächst, dass das AG das Foto herausgibt - oder fällt sowas unter presserechtlichen Auskunftsanspruch?!?
    Noch seltsamer, dass man dazu einen Gutachter braucht. Inaugenscheinnahme des Tattoos und anschließende Subsumtion sollten doch ausreichen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 13.10.2017 20:58, @ok

      Mit Einwilligung der Klägerin unproblematisch.

  • 14.10.2017 08:07, Tüdelütütü

    Ein Tatoo kann regelmäßig ein vereinbartes individuelles Kunstwerk sein. Vereinbarte objektive Standards, von den nachteilig abgewichen sein kann, können da eher fragwürdig bleiben, Sachverständiger hin oder her.
    Über dem Amtsgericht der blaue Himmel.
    Mal abwarten, inwieweit solche Prozesse nun häufig sein können.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 14.10.2017 10:17, cand. iur.+Aurelius+Ansgar+von+Armsberg

      "Vereinbarte objektive Standards können fragwürdig bleiben"? Ihr Satzbau sollte als Jurist jedenfalls nicht derartig fragwürdig sein. Auch ihre Kritik gegen das AG verdient keinen Beifall.

      Selbstverständlich gibt es auch bei Kunstwerken, gerade wenn sie ein Mensch lebenslänglich auf der Haut tragt, die Pflicht zur kunstgerechten Ausführung. Wenn der Tätowierer keine sauberen Linien ziehen kann und Buchstaben in verschiedenen Größen sticht, weicht sein Werk nachteilig von der üblichen und der erwartbaren Beschaffenheit ab. Damit sind derartige Tattoos mangelhaft nach § 633 II 2 Nr. 2 BGB. Das ist im Übrigen auch ständige Rechtsprechung, vgl. OLG Hamm Beschl. v. 05.03.2014, Az. 12 U 151/13.


      mit freundlichen Grüßen,

      Aurelius Ansgar vom Armsberg

    • 14.10.2017 19:33, Tüdelütütü

      Bei der Kunstfreiheit scheinen gesetzlich beschränkende objektive Qualitätsstandards an Kunstfertigkeit wenig verbreitet. Möglich kann dies nur zum Schutz von Verfassungswerten sein. So eventuell bei Tatoos zum Schutz eines allgemeinen Persönlichkeitsrechtes. Solches Persönlichkeitsrecht sollte weniger einen hohen Standard an kunstgerechter Schönheit sichern. Vielmehr scheint man eher nur vor unverhältnismäßigen Verunstaltungen geschützt sein zu können. Dies kann bei zwar deutlich erkennbaren, jedoch noch eher nur verhältnismäßigen Größenabweichungen von tätowierten Schriftzeichen nicht sicher erreicht sein. Hierdurch muss nicht eine körperliche Erscheinung objektiv unverhältnismäßig gerdezu verunstaltet sein. Es kann zudem problematisch sein, wenn eine verbreitete Lesbarkeit und Verständlichkeit von Tatoozeichen geschützt sein soll. Dabei kann eine Grenzziehung unbestimmbar bleiben.
      Erwägbar kann noch bei fehlender Abnahme eine Anfechtungsmöglichkeit bleiben.

    • 15.10.2017 19:20, RA+aus+Dortmund

      @ Tüdelütütü

      Tut mir leid! Ihre Sätze ergeben weder inhaltlich noch grammatikalisch Sinn. Und Ahnung von der Materie haben Sie auch leider Nullkommanull. Von daher gehe ich mal davon aus, dass Sie entweder ein sog. Troll sind und hier ein wenig provozieren wollen oder nicht auf allen Zylindern sauber laufen...

      PS:
      Gute und richtige Entscheidung des AG!

    • 16.10.2017 22:57, Tüdelütütü

      Hilfreich könnte, statt nur einer "Argumentation zur Person", eine Argumentation zur Sache sein, was genau warum an der im Kommentar angeführten, vom Urteil abweichenden Begründung zur Sache sicher falsch ist.

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