Streit um Affen-Selfies vor dem Ende?: "Der erste Mensch, der von einem wilden Tier ver­klagt wird"

22.08.2017

2/2: Primatologin hat Angst vor Peta

Slater sieht sich um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Seiner Ansicht nach hat er das Foto gemacht, nicht der Affe - egal, wer den Auslöser gedrückt habe. Er schätzt, dass seine Fotos rund 50 Millionen Mal genutzt wurden. Für weitere Klagen fehlen ihm aber Geld und Kraft. Der Brite sagt, er habe es sich nicht einmal leisten können, zum Gerichtsverfahren nach Kalifornien zu reisen. Zudem sei seine Kreativität verloren gegangen. "Ich habe keinen Antrieb mehr, Fotos zu machen."

Auch die deutsche Primatologin Antje Engelhardt sieht durch den Fall ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet. Die Wissenschaftlerin hatte sich der Peta-Klage zunächst angeschlossen. Die 47-Jährige forscht seit mehr als einem Jahrzehnt mit den intelligenten Tieren. Sie kennt den Affen Naruto wie sonst niemand. Ohne sie wäre es für Peta kaum möglich gewesen, im Namen des Affen zu klagen, denn es brauchte einen "nächsten Freund", um glaubhaft die Interessen des Tieres vertreten zu können. Engelhardt hoffte darauf, dass die Klage zum Schutz der stark bedrohten Tierart beitragen könne.

Inzwischen zog sie sich von dem Prozess zurück. Grund ist nach ihren Angaben ein Streit mit der Tierrechtsorganisation. "Es gab einen Vertrauensverlust. Meiner Meinung nach sollte diese Klage nur zum Wohle des Klägers sein und nicht zum Wohle irgendjemand anderes." Mehr will Engelhardt aus Angst vor Klagen der Tierrechtler nicht sagen.

Viel Aufmerksamkeit für bedrohte Affenart

Die Primatologin ist in den USA wegen Belästigung und unerlaubten Betretens eines Privatgrundstücks angeklagt. Sie habe während einer US-Reise Differenzen mit Peta-Anwalt Jeffrey Kerr im Gespräch klären wollen, sagt sie. Doch dazu kam es nicht. Als sie an seiner Haustür klingelte und anschließend in den Garten ging, sei die Polizei verständigt worden. Engelhardt landete in Handschellen in einer Zelle, wie sie berichtet. Die Anwaltskosten überstiegen schon jetzt ihre finanziellen Mittel "bei weitem".

Eine Zusammenfassung der Anklageschrift vor einem Gericht in New Jersey wurde von einem US-Internetportal veröffentlicht. Sie deckt sich mit dem Bericht Engelhardts. Peta-Anwalt Kerr will sich zu dem Streit mit der Primatologin nicht äußern. "Das hat absolut nichts mit dem Fall zu tun", sagt er auf Anfrage der dpa.

Fotograf Slater zumindest ist zuversichtlich, dass die Aufmerksamkeit der bedrohten Affenart helfen könnte. Er sagt: "Touristen strömen in das Naturreservat in Indonesien - und das allein lässt die Einheimischen darüber nachdenken, die Tiere zu erhalten, statt sie zu töten."

dpa/acr/LTO-Redaktion

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Streit um Affen-Selfies vor dem Ende?: "Der erste Mensch, der von einem wilden Tier verklagt wird" . In: Legal Tribune Online, 22.08.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/24065/ (abgerufen am: 05.10.2022 )

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