Insolvenzreport von Falkensteg: Geben die rück­läu­figen Insol­venz­zahlen nur ein trü­ge­ri­sches Bild ab?

30.08.2021

Der Abwärtstrend bei den Insolvenzanmeldungen setzt sich fort. Auf den ersten Blick liest sich diese Entwicklung wie eine frohe Botschaft, doch hinter der Fassade bröckelt der Putz.

Die Restrukturierungsberatung Falkensteg setzt sich im vierteljährlichen Rhythmus mit der Entwicklung des Insolvenzgeschehens auseinander. In die zugehörigen Studien fließen Daten des Insolvenz-Portals, der Creditreform, des Statistischen Bundesamtes sowie Angaben von Insolvenzverwaltern ein. Für das zweite Quartal 2021 gibt es demnach frohe Kunde: Gerade einmal 14 Unternehmen mit einem Umsatz jenseits von 20 Millionen Euro haben im Zeitraum von April bis Juni bei den zuständigen Amtsgerichten einen Insolvenzantrag gestellt.

Gemessen am entsprechenden Vorjahreszeit entspricht dies laut Falkensteg einem Rückgang um 78 Prozent. Die naheliegende Erwartung, dass es nach dem Auslaufen des vom Bundestag beschlossenen Gesetzes zur Aussetzung der Insolvenzpflicht ab Mai zu einem deutlichen Anstieg der Insolvenzanmeldungen kommt, ist bislang nicht eingetroffen.

Parallele zur Finanzkrise?

Studienautor Johannes von Neumann-Cosel interpretiert die Entwicklung jedoch dahingehend, dass staatliche Unterstützungszahlungen wie Kurzarbeitergeld, KfW-Kredite und Überbrückungshilfen weit über das Ziel hinausgeschossen seien. Seiner Meinung nach führten die Maßnahmen dazu, dass unrentable Unternehmen am Leben gehalten und strukturelle Veränderungen in den besonders betroffenen Branchen verhindert würden.

Seit Februar 2020 seien allein seitens des Bundes mehr als 153 Milliarden Euro an Unternehmen ausgeschüttet worden. Von Neumann-Cosel appelliert an die Unternehmen, ihre Hausaufgaben zu machen, und zieht eine Parallele zur Finanzkrise 2008. Seinerzeit sei ein Anstieg bei den Insolvenzanmeldungen mit deutlicher Verzögerung eingetreten.

Gefährlich wird es, wenn Unternehmen angesichts der Herausforderungen der Gegenwart die Zukunft aus den Augen verlieren. Sie setzen vorhandene Liquiditätspolster zum Stopfen von Umsatzlöchern ein, entsprechend fehlen die Mittel, um Investitionen zu tätigen sowie Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Am Ende des Weges können diese Versäumnisse dazu führen, dass in vielen Betrieben trotz massiver staatlicher Unterstützung letztlich doch noch die Lichter ausgehen.

sts/LTO-Redaktion

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Insolvenzreport von Falkensteg: Geben die rückläufigen Insolvenzzahlen nur ein trügerisches Bild ab? . In: Legal Tribune Online, 30.08.2021 , https://www.lto.de/persistent/a_id/45859/ (abgerufen am: 19.10.2021 )

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