Urheberrecht an Tattoos: Was Täto­wierte dürfen

von Urban Slamal

28.10.2017

Tattoos sind mittlerweile normal. Dass an ihnen Rechte bestehen, ist aber vielen Künstlern noch nicht bewusst. Ob sie ihren Kunden verbieten dürfen, sich mit ihren Werken fotografieren oder diese entfernen zu lassen, überlegt Urban Slamal.

Woran man merkt, dass eine vormalige Underground-Kunstform in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist? Sie schlägt irgendwann in den Niederungen ganz gewöhnlicher rechtlicher Konflikte auf. Wer sich mit den rechtlichen Irrungen und Wirrungen der Tattoo-Szene befasst, kann davon so manches Liedchen singen. Erst recht gilt das für die vielen Tattoostudios, welche 15 Jahre lang ihr Dasein frei von Rechtsstreitigkeiten genossen, bis die ersten bürgerlichen Kunden mit Rechtsschutzversicherungen auftauchten.

Damit hält auch ein Themenfeld Einzug, das im eher konventionellen Bereich der Kreativbranche bereits zum Alltagserleben gehört. So sehr, dass es so mancher - um völlig uneigennützige Interessenvertretung bemühten - Fachkanzlei ein recht auskömmliches Dasein zu bescheren vermag: das Urheberrecht.

Auch Tätowierungen und deren zeichnerische Entwürfe sind nämlich nicht selten erhebliche Kreativleistungen. Und  selbst die weniger hochfliegenden Entäußerungen der Branche überspringen – der sog. kleinen Münze sei Dank – die Hürde der Werkeigenschaft regelmäßig recht mühelos.

Mehr als nur unbeliebt: Copycats und andere Diebe

Dennoch scheint  nach wie vor nicht bis in das letzte Tattoostudio durchgedrungen zu sein, dass das Kopieren eines Tattoos mehr ist als eine - in der Szene gering geschätzte - Form der Häresie, für die der Sündige sich fürderhin "Copycat" schimpfen lassen muss. Wer ein von einem anderen Tattookünstler – sei es als Entwurfszeichnung oder als Tattoo – geschaffenes Werk vervielfältigend sticht, begeht einen echten Rechtsbruch mit Strafandrohung.

Dasselbe gilt für all diejenigen Hersteller bedruckter Bekleidung, welche auf die eigene T-Shirt-Kollektion Entwurfszeichnungen besonders begabter Tätowierer applizieren, die sie in den Weiten des Internet gefunden haben - selbstverständlich ohne den Urheber eben dieser Zeichnungen oder Malereien vorab um Zustimmung zu bitten.

So gut wie keinem Träger des vor Jahren noch erfolgreichen Modelabels "Ed Hardy" des zwischenzeitlich verstorbenen Modedesigners Christian Audigier dürfte bekannt sein, dass seine Kleidung – erlaubterweise - die Arbeiten des mittlerweile zur lebenden Legende gewordenen Tätowierers Don Ed Hardy zitierte.

All das wäre für sich genommen schon ein spannendes Thema für weitere Zeilen. Weitaus interessanter stellt sich für den gemeinen Kunden eines Tattoostudios indes seine sich daraus ergebende eigene Rechtsposition am "eigenen" Tattoo dar. Wem stehen die Rechte daran zu? Kann der Tätowierer vorschreiben, was damit geschehen darf – und was nicht?

Zitiervorschlag

Urban Slamal, Urheberrecht an Tattoos: Was Tätowierte dürfen . In: Legal Tribune Online, 28.10.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/25293/ (abgerufen am: 17.07.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 28.10.2017 12:45, Kevin

    Interessant wird es ja, wenn die Tattookünstler im Bewusstsein über die rechtlichen Möglichkeiten nun anfangen, Lizenzverträge mit ihren Kunden abzuschließen, die die Nutzung des Werks weitestgehend ausschließen. Kein Besuch mehr im Freibad ohne Gefahr zu laufen, der urheberrechtsverletzung bezichtigt zu werden.

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  • 28.10.2017 13:28, FinalJustice

    Es ist seit langem allgemein anerkannt, dass die besondere Ausformung des Urheberpersönlichkeitsrechtes in Form des Entstellungsverbotes aus § 14 UrhG die vollständige Vernichtung des Werkes nicht umfasst (Entscheidung jüngeren Datums etwa LG Mannheim v. 24.4.2005, 7 O 18/14). Die vollständige Entfernung des Tattoos ist also durch § 14 UrhG nicht geschützt und auch nicht durch allgemeines Abstellen auf Urheberpersönlichkeitsrecht.
    Das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper aus Art. 1 Abs. 1 S. 1 GG herzuleiten ist eher abwegig und wird eigentlich heute zurcht nicht mehr vertreten. Maßgeblich dürften eher die Rechte aus Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG, Art. 2 Abs. 1 GG und das allgemeine Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 S.1 GG sein.
    Das sollte dem geneigten Verfassungsrechtler auch spätestens dann bewusst werden, wenn er schreibt:
    "Dieses Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper stellt einen elementaren Bestandteil der Menschenwürde dar. Es einzuschränken durch urheberrechtliche Positionen des Tätowierers wird im Rahmen einer Interessenabwägung – jedenfalls in aller Regel – kaum zu begründen sein."

    Mit Verlaub, das ist juristischer Nonsens. Wenn man die Selbstbestimmung über den eigenen Körper dem Grundrecht aus Art. 1 Abs. 1 S.1 GG zuschreibt, dann wäre eine Interessenabwägung zugunsten des Künstlers nicht nur "kaum zu begründen", sondern schlichtweg unter keinem erdenklichen Gesichtspunkt begründbar. Die Menschenwürde ist das einzige Grundrecht, welches weder unter Gesetzesvorbehalt steht noch mit anderen Verfassungsgütern in praktischer Konkordanz in Einklang gebracht werden kann. Ist die Menschenwürde betroffen, so setzt sie sich wegen ihrer ausdrücklich postulierten Unantastbarkeit immer vollständig durch.

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    • 29.10.2017 08:02, Ermic

      Es ist dahingehend vielleicht nicht ganz stringent argumentiert.

      Tatsächlich ist es aber so, dass man sowohl mit der Rechtsgüterabwägung (Handlungsfreiheit) argumentieren kann, wie auch mit der Menschenwürde. In keinem Fall wird man einer Person urheberrechtlich aus dem Gesetz abgeleitet, gar per vertraglicher Vereinbarung (oder AGB), rechtswirksam vorschreiben können, was sie mit ihrem Körper zu tun oder zu lassen hat, auf dem sich solch ein Tattoo befindet.

      "Auch dieses sehr umfassende Nutzungsrecht dürfte aber dort seine Grenze finden, wo eine gewerbliche Verwertung des Werks losgelöst vom Körper des Trägers erfolgt: Einem Bekleidungslabel zu gestatten, das eigene Tattoo auf T-Shirts zu drucken, bedürfte wohl einer Genehmigung des Tätowierers."

      Selbst darüber könnte man streiten. Denn, was wird dann verwertet? Das Werk des Tätowierers oder der Körper des Trägers, zu dem das Tattoo nun einmal optisch dazu gehört. Das wird dann sehr auf den Einzelfall - und die Richter - ankommen. Oder anders gewendet, Tattoo X wird am ästhetischen Körper eines durchtrainierten Profifußballers oder eines Hollywood Starlets ganz anders wirken und ganz anderes Interesse auf sich ziehen, als an der Pobacke von Manni, dem übergewichtigen Schrottplatzwart. Diese wortwörtliche Körperkunst kann man einfach nicht losgelöst vom Körper betrachten, das ist rechtsdogmatisch in der Tat eine harte Nuss für das Urheberrecht und durchaus eines zweiten Blicks wert. Ich bin gespannt, ob es dazu tatsächlich einmal zu einem interessanten Sachverhalt kommt, der es durch den Instanzenzug schafft.

  • 02.11.2017 16:06, Rechtsanwaltservice

    Ausfluß einer im Luxus der Problemlosigkeit schwelgenden Überflussgesellschaft. Es kann keinen vernünftigen Zweifel daran geben, daß eine Tätowierung mit Anbringung ein Körperteil wird und damit der Einflußnahme des Herstellers entzogen ist. Das ist ähnlich wie mit dem in der Mietswohnung verklebten Teppichboden! Um es zu verdeutlichen: eine Tätowierung am Popo einer jungen hübschen Frau könnte diese sonst zum regelmäßigen öffentlichen Präsentieren zwingen - wenn der Künstler dies wünschte :-)!

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  • 03.11.2017 09:13, Dr. med. R. Steiner

    Die in die Haut eingebrachten Farbpartikel können als Mikroimplantate angesehen werden und gehen somit ipse facto in das Eigentum des Trägers über, über das er frei verfügen kann. Wie Endoprothesen, Marknägel, Platten, Zahnkronen etc.
    Die Gesamterscheinung ist somit integraler Bestandteil des Körpers geworden.
    Die alleinige Verfügung darüber liegt imho beim Träger des Tattoos.

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  • 10.12.2017 10:47, Youngtimebiker

    Wenn ich in der Lage wäre hochwertige künstlerische Tatoos zu schaffen, würde ich auf jeden Fall alle juristischen Möglichkeiten nutzen, die es der Träger meiner Kunstwerke verbietet, das Werk zu verändern. Dies bezieht auf jeden Fall auch das Verbot mit ein, durch Übergewicht und Faltenwurf dieses Werk zu entwerten. Letzendlich müsste der Kunde sich verpflichten, die optischen Veränderungen des alterns mit allen erdenklichen Mitteln zu vermieden. Auch das Recht zu versterben, wäre davon betroffen und die Wahl der Bestattungart sollte dem Erhalt des Kunstwerks verpflichtet sein.

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  • 22.03.2018 08:38, 31 V UrhG

    "Insoweit bleibt dem Juristen allein der Kunstgriff der ergänzenden Vertragsauslegung: Was hätten die Parteien wohl billigerweise vereinbart, wenn sie sich dieser Rechtsfrage denn überhaupt gewidmet hätten?" ist in Bezug auf den 31 V UrhG schlichtweg falsch, da dieser gerade keine ergänzende Vertragsauslegung bezweckt (!) sondern lediglich eine Auslegung im Zweifelsfall ermöglichen soll.

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    • 22.03.2018 08:44, Chris

      passiert, wenn sich ein Strafrechtler dem Urheberrecht annimmt.

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