Weihnachten: Krip­pen­spiel-Mate­rial für Juristen

von Martin Rath

26.12.2016

Weise aus dem Morgenland

Wenn es darum geht, ein hergebrachtes Berufsbild aus der Welt zu schaffen, wie es "Karlsruhe" mit den DDR-Kastratoren tat, wird Rechtsgeschichte manchmal zum bibelfesten Slapstick.

Einst waren es, in der Spätphase des römischen Reichs, Kaiser, nicht Karlsruher Richter, die das alte Berufsbild des Magiers unterdrückten (vgl. dazu Marie Theres Fögen: "Die Enteignung der Wahrsager"). Die Imperatoren hatten ein feines Bewusstsein dafür, dass z.B. Zauberer, die die Zukunft voraussehen können, die verfassungsmäßige Macht in Frage stellten. Bundestagsabgeordnete kennen das von den Hofdemoskopen des Kanzleramts. Die "Weisen aus dem Morgenland" zählten naturgemäß zu dieser kujonierten Profession.

Wegen eines Schulprojekts mit dem Thema "Zirkus", bei dem sich die Kinder, angeleitet von echten Zirkuskünstlern, in den Rollen von Akrobat, Zauberer, Dompteur, Tänzer oder Clown versuchen konnten, wollten es bibelfeste Eltern den römischen Kaisern nachtun und entzogen ihre Kinder:

"Wegen der hier bestehenden fließenden Grenzen, sei bereits jegliche Beschäftigung mit Zauberei gefährlich. Dass die Zauberei eine menschliche Macht gegen die Naturgesetze vorspiegele, zeige den Ursprung aus der Unwahrhaftigkeit und sei darin selbst eine Auflehnung gegen Gott. […] Die Kläger wollten dem Gebot Gottes ganz treu sein und ihre Kinder nicht der lügenhaften Darstellung von Realität und unvorhersehbaren übersinnlichen Bezügen aussetzen." Diesem bibelfesten Hokuspokus christlicher Fundamentalisten konnte nicht folgen:

Verwaltungsgericht Minden, Urteil vom 03.02.2005, Az. 2 K 7003/03

Zitiervorschlag

Martin Rath, Weihnachten: Krippenspiel-Material für Juristen . In: Legal Tribune Online, 26.12.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21581/ (abgerufen am: 19.01.2022 )

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