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AG Tiergarten lehnt Bushido-Anklage ab: Stress ohne Grund

22.11.2013

Die Anklage gegen Rapper Bushido (35) wegen seines Liedes "Stress ohne Grund" ist vorerst vom Tisch. Das AG Tiergarten habe die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt, sagte ein Gerichtssprecher am Freitag der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit Medienberichte.

Kritiker werfen Bushido vor, das Lied "Stress ohne Grund" enthalte Tötungs- und Gewaltfantasien sowie schwulenfeindliche Parolen. Namentlich und wenig schmeichelhaft werden in dem Song etwa Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören genannt. Die beiden hatten im Sommer Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft hatte den Musiker daraufhin wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Gewaltdarstellung angeklagt. Auch seine Wohnung war von Polizeibeamten durchsucht worden. Das Amtsgericht (AG) Tiergarten lehnte nun jedoch die Eröffnung des Hauptverfahrens ab.

Gegenüber dem Tagesspiegel sagte der Anwalt des Rappers, Stefan Conen, "Das Gericht sieht die Tatbestände nicht als erfüllt an". Die im Grundgesetz geschützte Kunstfreiheit lasse solche Formen der Darstellung noch zu.

dpa/mbr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

AG Tiergarten lehnt Bushido-Anklage ab: Stress ohne Grund . In: Legal Tribune Online, 22.11.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/10134/ (abgerufen am: 23.08.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 22.11.2013 14:22, Dr. Norbert Fischer

    In der heutigen Zeit ist viel davon die Rede, daß "Zeichen" gesetzt werden müssen. Die Zulassung der Klage wäre ein Zeichen gegen deutschenfeindliche Gewaltkriminalität und Mißachtung des Rechtsstaates gewesen. Schade, daß das Amtsgericht Angst vor der Libanesenmafia hat.

  • 22.11.2013 14:43, rapper

    Ein Deutscher wäre wegen Volksverhetzung in den Knast gewandert.

    • 22.11.2013 16:15, Xaerdys

      Bushido ist 1978 in Bonn geboren, reicht das nicht?

  • 22.11.2013 23:13, Christoph Smets

    Kurzer Test: Jemand schreibt einen Brief an einen Schwulen. Dort schreibt er: "Ich will, dass Du ins Gras beißt, du Schwuchtel wirst gefoltert". Bedrohung? Beleidigung? Auf jeden Fall, oder?

    Jetzt wird das Ganze gerappt.

  • 23.11.2013 19:27, ak

    Welche Erfolgsaussichten hätte eine sofortige Beschwerde der StA gegen den Beschluss? Besteht überhaupt ein Interesse daran?

  • 27.11.2013 01:14, Christian

    Wichtig ist, dass gegen Menschen gehetzt wird.
    Wichtig ist, dass Respektlosigkeit gefeiert wird.
    Wichtig ist, dass die Justiz nun (mal wieder) wie ein großer Zirkus dargestellt wird.

    Und das allerwichtigste ist in meinen Augen, wenn es der Wahrheit entspricht, dass unser Grundgesetz, dies heute zulässt.
    Noch peinlich wird es dann, wenn nach richterlicher Überzeugung die Kunstfreiheit diese Darstellung noch zulässt.

    Wer sich das "Lied" nicht anhören mag, kann diese Zeilen genießen und sich mal überlegen, was denn bitte an Songs nun NICHT mehr durch Kunstfreiheit gedeckt ist.

    Zitat(e) aus dem Song:

    Halt die Fresse , fick die Presse , Kay du Bastard bist jetzt Vogelfrei
    du wirst in Berlin in deinen Arsch gefickt wie Wowereit
    Yeah , fick die Polizei , LKA , BKA

    ....

    und ich will das Serkan Törun jetzt ins Gras beisst
    Yeah Yeah ,Was für Vollmacht , du Schwuchtel wirst gefoltert
    Ich schieß auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz

    - Zitat Ende-

    Wenn ich mir nun vorstelle mein Name würde hier eingesetzt und ein Gericht würde sagen: "Ach diese Darstellung lässt die Kunstfreiheit noch zu", ja genau dann würde ich ins Grübeln geraten.

    Einfach nur noch beschämend.