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Jede dritte Jurastudentin erlebt Sexismus an der Uni
Mehr Frauen als Männer studieren Jura. Aber gleichberechtigt fühlen sich die meisten Frauen nicht. Das geht aus einer Umfrage der Lernplattform Jurafuchs hervor, die LTO vorliegt. Über 1.850 angehende Jurist:innen haben dort Fragen zu ihren Erfahrungen im Studium mit ungleicher Behandlung und Hürden für Frauen beantwortet.
59,1 Prozent der eingeschriebenen Jurastudierenden im Wintersemester 2024/25 waren Frauen. Aber nur 21,4 Prozent geben an, dass sie sich im Studium voll und ganz gleichberechtigt fühlen, während bei den männlichen Studierenden das 39,5 Prozent so sahen.
Da verwundern auch folgende Ergebnisse nicht: 32,6 Prozent der Frauen und damit jede dritte Jurastudentin berichtet, vereinzelt mit sexistischen oder herabwürdigen Kommentaren konfrontiert worden zu sein. Bei weiteren 4,7 Prozent komme das sogar häufiger vor und damit insgesamt bei rund 37 Prozent. Bei den Männern haben "nur" 11,6 Prozent schlechte Erfahrungen mit herabwürdigen, sexistischen Kommentaren sammeln müssen, 3,3 Prozent häufiger. Auch das sind 14,9 Prozent zu viel. Wie diese berichteten Sexismuserfahrungen aussehen, das hat die Umfrage nicht erfasst.
Weniger Männer sehen Handlungsbedarf als Frauen
Auf dem Weg in juristische Spitzenpositionen sehen die Teilnehmenden als größte Hürde die Dominanz männlich geprägter Netzwerke sowie die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf als zentrale Herausforderung, außerdem unbewusste Vorurteile von Männern in Auswahlprozessen. Nur drei Prozent der Männer und Frauen geben an, dass es keine nennenswerten Hürden für Frauen auf dem Weg in juristische Spitzenpositionen gäbe.
Um diese Hürden für Frauen im Rechtsbereich abzubauen, wünschen sich 21 Prozent aller Teilnehmenden flexiblere Karrieremodelle, je 20,2 Prozent fordern transparente Gehaltsstrukturen und bessere Kinderbetreuungsangebote. Auch hier ist der Anteil an männlichen Studierenden, die keinen Handlungsbedarf sehen, mit 6,1 Prozent deutlich höher als bei Frauen (0,7 Prozent). Auf wenig Zustimmung stößt auch die vieldiskutierte verbindliche Frauenquote, die sich nur 6,6 Prozent wünschen.
Auch in Bezug auf die Erwartung einer fairen Bezahlung von Frauen sind diese deutlich pessimistischer als die Männer. Obwohl letztere auch die Fakten kennen müssten: Im Jahr 2024 verdienten im Gesamtschnitt weibliche Anwältinnen 16 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Etwas mehr als die Hälfte der befragten Männer geht davon aus, dass Frauen bei gleicher Qualifikation im juristischen Berufsleben tendenziell weniger verdienen als Männer. Bei den Frauen gehen 84,3 Prozent davon aus.
pdi/LTO-Redaktion
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