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Welche Möglichkeiten gibt es?
Praktika während des Studiums sind sinnvoll, um einen Einblick zu bekommen, was man mit Jura alles anfangen kann. Sie sind in vielen Bundesländern aber auch vorgeschrieben. Häufig werden sie als "praktische Studienzeit" bezeichnet.
Pflichtpraktika werden meistens in den drei großen Rechtsgebieten Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht verlangt. Manche Bundesländer verlangen sogar konkret, dass die Studierenden bei Gerichten, Kanzleien und in der Verwaltung hereinschnuppern müssen.
Viele Studierende kommen deshalb an den Punkt, sich um einen Platz kümmern zu müssen – zunächst ohne Vorstellung davon, wie vielfältig die Einsatzgebiete nach dem Studium sein können. Wer die Praktikumszeit nicht nur als notwendiges Übel sieht, sondern sie ernst nimmt und Interesse zeigt, kann Einiges aus seinem Praxiseinsatz mitnehmen.
Größere Gerichte bieten mehr Programm
So zum Beispiel beim Landgericht und beim Amtsgericht Düsseldorf. Das gemeinsame Justizpraktikum der beiden Hauptstadtgerichte bietet zweimal im Jahr rund 20 Plätze, vornehmlich für Jurastudierende aus Düsseldorf. Sechs Wochen lang sind die Praktikanten jeweils einem anderen Ausbilder zugeordnet und lernen dadurch verschiedene Rechtsgebiete, wie Versicherungsrecht, Marken- und Designrecht, Baurecht oder Strafrecht, aber auch verschiedene Richterpersönlichkeiten kennen.
"Hilfreich ist es, wenn Studierende in ihrer Bewerbung schon Wünsche zum Einsatzgebiet äußern", erklärt Ausbildungsleiter Markus Kölbl vom Landgericht, der zusammen mit seiner Kollegin Dr. Loni Hauprich vom Amtsgericht das Praktikantenprogramm betreut. Zur Bewerbung gehören grundsätzlich ein Motivationsschreiben, ein Lebenslauf und eine aktuelle Studienbescheinigung. Das Praktikum wird mit 300 Euro pro Monat vergütet.
Welche Aufgaben die Praktikanten übernehmen, entscheidet die aktuelle Arbeit der jeweiligen Richter. So steht etwa das Studium der Akten oder die rechtliche Einschätzung und Diskussion eines Falles an, bevor die Praktikanten an Gerichtsverhandlungen teilnehmen. Auch zu nicht-öffentlichen Anhörungen im LVR-Klinikum Düsseldorf, einer Fachklinik für psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter, können Praktikanten ihre Ausbilder unter Umständen begleiten. "Darüber hinaus bieten wir ein Rahmenprogramm an, bei dem die Praktikanten Einblicke unter anderem in eine Justizvollzugsanstalt, die Jugendarrestanstalt oder das eigens für Terror- und Staatsschutzverfahren errichtete Prozessgebäude des Oberlandesgerichts Düsseldorf bekommen", berichten die beiden Ausbildungsleiter.
Natürlich kann nicht jedes Gericht seinen Praktikanten solch ein umfangreiches Programm bieten. Bei kleineren Gerichten kann ein Praktikum ganz anders aussehen. Eine Jurastudentin berichtet LTO etwa, dass sie während ihres Pflichtpraktikums nur 30 Minuten pro Woche am Gericht gewesen sei, andere erzählen von gerade mal drei Präsenztagen in vier Wochen. Wie ein Praktikum ausgestaltet ist, hängt also stark vom Gericht und dem jeweiligen Richter ab. Wer wirklich etwas aus seiner Praxiszeit mitnehmen will, sollte sich also am besten vorab erkundigen, wie es im jeweiligen Gericht gehandhabt wird.
Arbeitszeitflexibilität in den Kanzleien
Praktikanten, die bei der mittelständischen Kanzlei DNK aus München arbeiten, werden in der Regel wöchentlich drei Tage beschäftigt. "So können wir gewährleisten, dass immer jemand aus unserem 15-köpfigen Team Zeit für den Praktikanten hat", sagt Partner Maximilian Krämer. Bei ihm lernen die Praktikanten die Abläufe in einer mittelständischen Kanzlei kennen – unter anderem auch, dass jeder mal dran ist, die Spülmaschine auszuräumen.
Bei DNK sei jeder beim Du, sagt Krämer, auch schon bei der Bewerbung. "Wir legen Wert darauf, dass Interessenten sich vor der Bewerbung unsere Website angeschaut haben und nicht einfach eine Massenmail an uns schicken." Er will wissen, was für eine Person sich bei ihm bewirbt und für welches Rechtsgebiet sie sich interessiert. "Niemand muss Kenntnisse in unserem Kernbereich Steuerrecht mitbringen, schließlich dient ein Praktikum ja dazu, herauszufinden, welches Rechtsgebiet einem liegt."
Praktikanten bei der Münchner Kanzlei pflegen etwa neue Urteile ins hauseigene Seminar für Steuerberaterverbände ein, recherchieren zu einem aktuellen Fall oder begleiten die Rechtsanwälte zu Gerichtsterminen – was für viele das Highlight ist, wie Krämer sagt. Eine Vergütung gibt es für das Praktikum nicht. "Wir sehen das als Geben und Nehmen: Wir nehmen uns die Zeit, den Nachwuchs zu unterstützen, und dieser bekommt die Gelegenheit, die Welt einer kleineren Kanzlei kennenzulernen."
Ähnlich sieht es Dr. David Slopek, der sich mit seiner Hamburger Boutique-Kanzlei auf geistiges Eigentum und Medienrecht spezialisiert hat. "Manche haben sich damit schon im Studienschwerpunkt befasst, aber Voraussetzung ist das nicht für ein Praktikum bei uns", sagt der Kanzleiinhaber. Er wählt die Praktikanten anhand ihres Bewerbungsschreibens und nach einem Videocall aus, denn die Chemie muss in einer kleinen Kanzlei mit nur sieben Berufsträgern laut ihm einfach stimmen. "Wichtig ist mir, dass jemand Lust auf das Praktikum bei uns hat und es nicht nur als reine Pflicht ansieht." Praktikanten können bis zu fünf Tage die Woche zu ihm kommen – wenn jemand aber zum Beispiel einen Nebenjob hat, ist auch eine kürzere Anwesenheit möglich.
Die Praktikanten arbeiten viel mit den studentischen Hilfskräften zusammen, die – teils auch im Anschluss an ihr eigenes Praktikum – in der Kanzlei beschäftigt sind. Sie recherchieren Rechtsprechungen und Literatur in Datenbanken, erstellen Kurzgutachten und Marktfeldrecherchen für Fälle aus dem Wettbewerbsrecht oder dokumentieren Fotorechtsverletzungen auf Websites. "Ganz besonders wird ein Praktikum, wenn jemand spezielle Fähigkeiten einbringen kann", sagt David Slopek. So habe eine Praktikantin mit Wissen über Künstliche Intelligenz und Legaltech zum Beispiel schon einmal Datenbankfunktionen für die Kanzlei programmiert. Arbeit ist laut Slopek auf jeden Fall genug da für die Praktikanten, weil jeder Rechtsanwalt darauf achtet, passende Aufgaben zu sammeln, bevor eine neue Praktikantenphase beginnt.
Das Ding mit dem Verwaltungspraktikum
Neben Gerichten und Kanzleien kann ein Praktikum auch in einer Verwaltung stattfinden, auch wenn das nicht in jedem Bundesland vorgeschrieben. Wo es aber fester Bestandteil der Studienordnung ist, berichten Studierende nicht selten über Schwierigkeiten, einen Praktikumsplatz zu finden. Viele Behörden haben nicht genügend Kapazitäten, um Praktikanten eng zu betreuen, und bieten daher nur wenige bis gar keine Plätze an. Manche Behörden verlangen außerdem Erfahrung (zum Beispiel eine bestimmte Anzahl absolvierter Semester) oder Vorleistungen, was die Suche zusätzlich erschwert.
Wer einen Praktikumsplatz in einer Verwaltung ergattert hat, kann sich dabei eher auf eine strukturierte Hospitation einstellen: In der Regel werden Praktikanten einer Behörde oder einem Sachgebiet zugeteilt und schauen in Aktenbearbeitung, Vorgänge, Besprechungen und manchmal in Publikumsverkehr hinein. Oft besteht die Praktikumserfahrung eher aus Beobachtung statt aus eigener Sachbearbeitung.
Doch auch hier gilt: Wer nicht nur seine Zeit absitzen will, sollte Engagement und Interesse zeigen. Schließlich kann ein Praktikum am Ende den Ausschlag dafür geben, dass man später genau in dem Bereich arbeitet, in dem man sich wohlfühlt.
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