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Wie kommen deutsche LL.M-Abschlüsse bei Kanzleien an?
Mehr als 100 LL.M.-Programme gibt es an deutschen Universitäten. Sie reichen von "Klassikern" wie Arbeits-, Medizin- oder Wirtschaftsrecht bis zu speziellen Themen wie Digitalization and Law (an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg) oder Nachhaltigkeitsrecht (an der Leuphana Professional School in Lüneburg). Der LL.M. Recht und Informatik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg behandelt ausdrücklich das Thema künstliche Intelligenz sowie Datenschutz, IT-Recht, Blockchain und Big Data. "Es gibt mittlerweile einige gute spezialisierte LL.M.-Studiengänge in Deutschland", sagt Dorothee Baum, Talent Lead DACH bei Baker McKenzie. “Früher haben Juristinnen und Juristen deutsche LL.M.-Angebote vorrangig dazu genutzt, um sich in ein Rechtsgebiet weiter einzuarbeiten. Heute erwerben sie gern auch zusätzliches Wissen jenseits der klassischen Rechtsinhalte, etwa zu KI oder Legal Tech.”
Auch wenn die meisten Berufsträger der Großkanzlei für ihre Weiterbildung nach wie vor ein LL.M.-Programm im Ausland wählen, ist die HR-Abteilung von Baker McKenzie offen für Abschlüsse aus Deutschland. "Wichtig ist, dass das Gesamtpaket stimmig ist", betont Baum. Das bedeutet: Passt der fachliche Schwerpunkt zu den Zielen des Juristen und zu den Schwerpunkten der Kanzlei? Ist der LL.M. eine sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Kenntnissen des Associates oder Anwalts? Hat der Teilnehmer wirklich Interesse an den Inhalten – oder will er nur irgendeine Weiterbildung vorweisen können?
"Die Schwerpunkte des LL.M. müssen zur angestrebten Stelle passen", ist auch Pia Weber, Senior HR Manager bei Orrick, überzeugt. In der Kanzlei, die einen starken Fokus auf die Beratung von Tech-Unternehmen hat, sind entsprechend spezialisierte LL.M.-Programme besonders gern gesehen – wie etwa der LL.M. Rechtsinformatik an der Universität Passau. "Wer mit dem Gedanken spielt, einen LL.M. zu machen, sollte zunächst einmal prüfen, ob Kanzleien solch einen Abschluss überhaupt für sinnvoll erachten", soWebers Empfehlung. Der Vorteil an einem Master of Laws in Deutschland: Man kann die Weiterbildung berufsbegleitend absolvieren. "Allerdings kann solch eine berufsbegleitende Weiterbildung auch sehr herausfordernd sein, wenn man bereits stark in die Mandatsarbeit eingebunden ist", gibt Weber zu bedenken. Für einen LL.M. im Ausland muss man sich in der Regel ein ganzes Jahr freistellen lassen – sofern man bereits eine Stelle angetreten hat.
Familiäre Verpflichtungen und finanzielle Aspekte sprechen für Deutschland
Ein weiterer Aspekt, der für ein LL.M.-Studium in Deutschland spricht, sind die niedrigeren Kosten. Während ein Abschluss an einer renommierten Universität in den USA 100.000 US-Dollar und mehr kosten kann, liegen die Kosten für einen LL.M. in Deutschland mit bis zu 25.000 Euro weit niedriger. Manchmal sind sogar nur die allgemeinen Studiengebühren fällig. Außerdem entfallen die oft teuren Lebenshaltungskosten im Ausland sowie Ausgaben für Flug oder Visum. "Ich kann gut verstehen, wenn der finanzielle Aspekt von einem Auslands-LL.M. abschreckt", sagt Julia Schäffler, HR-Partnerin bei der Kanzlei Menold Bezler. Hinzu kommen bei manchen familiäre Verpflichtungen, die einen längeren Auslandsaufenthalt unmöglich machen.
Grundsätzlich sieht Schäffler einen Master of Laws als wertvolle Zusatzqualifikation. "Ein LL.M. im Ausland zeigt, dass der Absolvent sich nicht scheut, einen Mehraufwand für seine fachliche Weiterbildung zu betreiben und seine Komfortzone zu verlassen", erklärt Schäffler. Auch die im Ausland erworbenen Sprachkenntnisse und internationalen Kompetenzen seien für die spätere Arbeit wertvoll. In der Regel erfolgt das LL.M.-Studium im Anschluss ans Referendariat, bevor die Absolventen ins Berufsleben starten. "Wenn wir allerdings Kollegen haben, die den LL.M. lieber berufsbegleitend machen möchten, etwa weil sie bereits mit Mandatsverantwortung länger bei uns tätig sind, kann ein berufsbegleitender LL.M. in Deutschland durchaus eine gute Option sein", sagt Corinna Schauer. Letztlich müsse aber vor allem der Inhalt fachlich passen, betont die HR-Leiterin von Menold Bezler.
Kontakte zu deutschen Wirtschaftsunternehmen knüpfen
Die Sprachkenntnisse, die man bei einem LL.M. im Ausland vertieft, spielen für Dorothee Baum von Baker McKenzie eine untergeordnete Rolle. Die internationale Kanzlei bietet ihren Mitarbeitern ohnehin zahlreiche Sprachkurse an. Zudem werden die Sprachkenntnisse durch tägliche Arbeit mit internationalen Mandaten und Teams vertieft. "Wertvoller ist hingegen das Netzwerk, das man während eines LL.M. knüpft", so Baum. Nach einem Auslandsaufenthalt sind die Teilnehmer in der Regel global mit Gleichgesinnten vernetzt. Bei manchen LL.M.-Programmen in Deutschland können gute Kontakte zu deutschen Wirtschaftsunternehmen geknüpft werden, wenn die Studiengänge auch für Nicht-Juristen offen sind. Solche Verbindungen zur Wirtschaft sind besonders für angehende Anwälte wichtig.
Ob ein Master of Laws in Deutschland oder im Ausland absolviert werden sollte, hängt also von vielen Faktoren ab – inhaltliche Aspekte spielen bei der Wahl ebenso eine Rolle wie persönliche. Statt sich also einfach bei irgendeinem Programm einzuschreiben, nur um einen zusätzlichen Abschluss vorweisen zu können, ist wenig sinnvoll. Der Blick auf die eigenen Ziele und die Schärfung des eigenen Profils sollte bei der Entscheidung im Vordergrund stehen. Spätestens bei der Frage des Personalers, warum man denn gerade diesen LL.M. absolviert hat, sollte der Bewerber eine überzeugende Begründung nennen können.
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