Ein Rechtsanwalt in Anzug mit Trompete betont die Wichtigkeit von Musik und Kunst in der Gesellschaft.
Rechtsanwalt spielt Trompete

"Musik und Kunst müssen in der Gesell­schaft prä­sent sein"

Interview von Dr. Franziska Kring20. März 2026, Lesedauer: 6 Minuten

Mit elf Jahren hatte Trompeter Jonas Jacob seine ersten Auftritte mit Berliner Orchestern. Später studierte er parallel Jura und Musik. Als Anwalt vertritt er vor allem Kulturinstitutionen und Künstler im Medienrecht.

LTO: Herr Jacob, Sie sind Rechtsanwalt und spielen Trompete auf höchstem Niveau. Eine ungewöhnliche Kombination, wie kam es dazu?

Jonas Jacob: Ich habe mich schon als Kind für Musik begeistert. Ich komme ursprünglich aus Berlin und bin meinen Eltern sehr dankbar, dass wir die kulturellen Highlights dort so zahlreich mitgenommen haben. Wir waren regelmäßig in der Oper, in der Philharmonie und bei klassischen Konzerten. Die Trompete hat mich immer begeistert, vor allem im Orchester, aber auch solistisch. Deshalb wollte ich das Instrument gerne lernen, und meine Eltern waren zum Glück einverstanden. Gleichzeitig war für mich aber immer klar, dass ich zwar professionell, aber nicht hauptberuflich Musik machen möchte.

Mit elf Jahren hatten Sie Ihre ersten Auftritte als Solist mit Berliner Orchestern, machten dann auch bei "Jugend musiziert" mit und gewannen erste Preise. Wie war diese Zeit als Talent für Sie?

Auf jeden Fall sehr aufregend. Ich war aber auch so jung, dass ich alles gar nicht richtig realisiert habe. Mit elf Jahren macht man Dinge einfach intuitiv und reflektiert nicht so vertieft, was das gerade bedeutet oder was passieren könnte. Es kommt dann erst mit der Pubertät, dass man alles noch einmal anders hinterfragt und die Persönlichkeit auch reift. Diese frühen Auftritte sind Erlebnisse, die ich nie vergessen werde. Gerade in Berlin hat man viele schöne Konzertorte, zum Beispiel das Konzerthaus am Gendarmenmarkt oder die Philharmonie.

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"Trompete kann man – allein wegen der Kondition – nicht so viel üben"

Als Elfjähriger geht man noch zur Schule. Wie hat das funktioniert, wenn Sie parallel dazu noch üben mussten und am Wochenende Konzerte hatten?

Trompete kann man – zum Glück – allein wegen der Kondition gar nicht so viel üben. Mein Bruder spielt seit seiner Kindheit Klavier und hatte immer deutlich mehr Unterrichtsstunden am Klavier als ich an der Trompete. Bei der Trompete reichen eine oder zwei Stunden am Tag, wenn man die gut nutzt. Oft geht es darum, das Ohr zu schulen, indem man Musik hört. Die Schule hat uns schon früh gefördert. Wir wurden dann etwa für Orchestertourneen freigestellt, die Noten haben darunter nicht gelitten.

Nach dem Abitur haben Sie angefangen, an der Musikhochschule Lübeck Kunst mit dem Schwerpunkt Trompete zu studieren.

Ja, nach dem Abitur hat mir ein toller Trompeter und Professor angeboten, bei ihm zu studieren. Er spielt im NDR Elbphilharmonie Orchester. Das ist keine Selbstverständlichkeit, weil die Aufnahmeprüfungen an den Musikhochschulen sehr schwer sind, deshalb wollte ich diese Möglichkeit unbedingt nutzen. Das Studium hat mir viel Spaß gemacht, aber ich habe auch gemerkt, dass ich nicht nur Musiker sein möchte. 

"Wir haben viele Ärzte in der Familie, deshalb wollte ich etwas anderes machen"

Und da haben Sie sich ausgerechnet für Jura entschieden?

Wir haben viele Ärzte in der Familie und auch mein großer Bruder hat Medizin studiert und ist dann Arzt geworden. Ich fand Medizin immer spannend, wollte aber unbedingt etwas anderes machen. Der Umgang mit Sprache hat mich schon immer interessiert, deshalb passte das Jurastudium sehr gut.

Das Jurastudium ist anstrengend genug. Wie haben Sie es mit dem Musikstudium und den Auftritten unter einen Hut bekommen?

Das habe ich mich im Nachhinein auch gefragt. Ich hatte schon sehr früh eine genaue Vorstellung davon, wo ich hinmöchte, und das hat mich immer motiviert. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, meine Träume zu verfolgen, und in meinen beiden Wunschfächern einen Studienplatz bekommen habe. Ich hatte auch das Glück, dass mich die Professoren in beiden Fächern unterstützt haben. Aber natürlich war es eine anstrengende Zeit und ich konnte auch nicht zu jeder Party mit meinen Kommilitonen gehen. Meine Tage waren immer durchgetaktet und ich musste mich gut organisieren. Ich bin immer früh aufgestanden, damit ich schon vor der Vorlesung um neun Uhr mal eine Stunde Trompete üben konnte. Dann war oft eine Jura-Vorlesung, dann eine Musik-Vorlesung und danach habe ich wieder geübt.

Jonas Jacob bei einer Konzertprobe in Würzburg um 2020.

Jura oder Musik: Welches Studium war mehr Arbeit? 

Das ist schwer zu sagen. Ich musste immer Schwerpunkte setzen, mal war das Musikstudium wichtiger, aber kurz vor dem Examen zum Beispiel habe ich dann natürlich viel gelernt und keine Konzerte gespielt. Es war also ein Gesamtkonstrukt. Beide Studiengänge sind auf unterschiedliche Weisen eine Herausforderung. Bei Jura ist das sicherlich die Fülle der Inhalte, über die man sich einen Überblick verschaffen muss und deren Systematik man verstehen muss. Bei der Musik hat man die Auftritte. Man muss lernen, sich mental und physisch vorzubereiten, damit man beim Konzert die beste Leistung abrufen kann.

"Als Anwalt vertrete ich vor allem Kulturinstitutionen und Künstler"

Sie sind jetzt seit sieben Jahren Anwalt und seit sechs Jahren bei Frowein in Wuppertal, seit 2023 dort Salary Partner. Auf welche Bereiche haben Sie sich spezialisiert? 

Ganz naheliegend habe ich meinen Schwerpunkt im Medienrecht und vertrete regional und überregional vor allem Kulturinstitutionen wie Opernhäuser, Orchester und Bühnen, aber auch Einzelkünstlerinnen und -künstler. Zuletzt habe ich etwa eine Pianistin zu urheberrechtlichen Fragen beraten. Dabei hilft es mir sehr, dass ich nicht nur Jurist bin, sondern auch die Perspektive des Künstlers kenne. Daneben berate ich auch mittelständische Unternehmen im allgemeinen Wirtschaftsrecht. Und ich bin im Äußerungsrecht tätig und berate prominente Personen, aber auch Menschenrechtsorganisationen. Dabei geht es immer um die Frage, wo die Grenzen der Meinungsfreiheit liegen. 

Warum Medien- und Äußerungsrecht?

Ich finde die Themen sehr spannend, gerade wenn die Verfahren auch eine rechtspolitische Bedeutung haben und öffentlichkeitswirksam sind. Und es kommt nicht nur auf das Rechtliche an, sondern auch auf Rhetorik und Taktik.

"Musik und Jura haben mehr Parallelen, als man denkt"

Was hat Ihnen die Musik beigebracht, das auch für Ihre Juristenlaufbahn nützlich ist?

Tatsächlich gibt es mehr Parallelen, als man auf den ersten Blick denkt. Allein die Vorbereitung auf ein Konzert bzw. einen Gerichtstermin. Bei einem Stück muss ich mir überlegen, wie ich die Inhalte verstehe und sensibel damit umgehe. Auch bei einem Gerichtstermin kommt es darauf an, wie ich Stimmungen und Intuition mit in einen Prozess nehme. Durch die Musik habe ich auch gelernt, resilient zu sein, mit Herausforderungen umzugehen und nicht locker zu lassen – das brauche ich als Anwalt auch.

Was war Ihr bisheriges Highlight in Ihrer Musikkarriere?

Ich erinnere mich immer gerne an ein Orchesterkonzert als erster Trompeter im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin mit einer Sinfonie des finnischen Komponisten Jean Sibelius. Ein weiteres Highlight war das Weihnachtsoratorium in der Marienkirche am Alexanderplatz in Berlin. Ich denke auch oft an die vielen Konzerte, die ich gemeinsam mit meinem Bruder gespielt habe, also Trompete und Klavier.

Ich unterstütze auch ein tolles, soziokulturelles Projekt zur Inklusion. Wir machen gemeinsam mit Menschen mit Beeinträchtigungen Musik. Musik und Kunst müssen in der Gesellschaft präsent sein und sollen nicht nur einem kleinen Opernpublikum vorbehalten sein. Musik kann wirklich verbinden.

Wann stehen Sie wieder auf der Bühne?

Im Moment bleibt neben meiner anwaltlichen Tätigkeit nicht viel Zeit für die Musik, aber das wird sich auch wieder ändern. Es gibt einige Anfragen, unter anderem von einer Stiftung, die ich auch als Anwalt beraten habe. Ganz konkrete Pläne gibt es noch nicht. Aber ich werde spätestens in der Adventszeit wieder Konzerte spielen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin!

Jonas Jacob hat an den Musikhochschulen Lübeck und Saar Musik studiert und an der Universität Leipzig Jura. Seit 2020 ist er Rechtsanwalt bei Frowein & Partner in Wuppertal, seit 2023 Salary Partner. Zudem konzertiert er als klassischer Trompeter in Deutschland, Frankreich und der Schweiz.

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