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Ermittlungen gegen Sänger des Mainzer Staatstheaters: Mit Bee­t­hoven gegen die AfD

24.11.2015

Ensemble-Mitglieder des Mainzer Staatstheaters haben mit ihrem Gesang eine AfD-Kundgebung gestört und wurden dafür angezeigt. Allerdings kommt die Anzeige nicht von der asylkritischen Partei, sondern vom Polizeipräsidium Mainz selbst.

Ermittlungen wegen Beethovens "Ode an die Freude": Weil Ensemble-Mitglieder des Staatstheaters Mainz mit diesem Lied eine Kundgebung der Partei AfD störten, sehen sie sich jetzt mit einer Strafanzeige des Polizeipräsidiums Mainz konfrontiert. "Wer eine genehmigte Versammlung grob stört, macht sich strafbar", sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag. Ungewöhnlich ist nach Einschätzung von Juristen, dass die Anzeige nicht von der betroffenen Partei, sondern von der Polizei gestellt wurde.

Das Theater ist verwundert: "Wir waren nicht aggressiv, wir haben Beethoven gesungen", sagte eine Sprecherin. Zudem habe das Theater nach einer Aufforderung der Polizei die Fenster zum Platz vor dem Theater geschlossen. Dort hatten sich am Samstag etwa 300 AfD-Anhänger zu einer Kundgebung unter dem Motto "Gegen das Asylchaos" versammelt. Ein Sprecher der AfD Rheinland-Pfalz warf den Gegendemonstranten "eine massive Bereitschaft" vor, "gegen Recht und Gesetz zu verstoßen".

Die Theaterintendanz will nun abwarten, was kommt. Sollte es eine Geldstrafe geben, werde schon jetzt dafür gesammelt, sagte die Sprecherin. "Wir erleben eine sehr große Resonanz." Mit Beethovens "Ode an die Freude" habe das Theater eine Antwort auf fremdenfeindliche Parolen gegeben und werde sich auch künftig auf ähnliche Weise zu Wort melden.

dpa/una/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Ermittlungen gegen Sänger des Mainzer Staatstheaters: Mit Beethoven gegen die AfD . In: Legal Tribune Online, 24.11.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17642/ (abgerufen am: 09.08.2020 )

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Kommentare
  • 24.11.2015 19:02, zweifler

    Strafanzeige gegen Zivilcourage... die Polizei, der Freund und Helfer der Rechtsradikalinskis...

    • 24.11.2015 20:43, visagé

      Nein,schon klar..-"Zivilcourage" nennen Sie und Ihresgleichen also das stören einer Öffentlichen Veranstaltung. Ob es nun das Gejaule dieser Troubadixe ist oder aber stumpfes Pfeifen aus Trillerpfeifen, oder aber auch einfach nur das hysterische herausschreien von Beleidigungen. Andere Argumente haben die Gegner der AfD nicht vorzuweisen

  • 24.11.2015 19:23, Hannes T.

    Ich mag die AfD absolut nicht. Die Mitglieder sind für mich eher wenig schlau.
    Aber hier darf jeder dumm sein und jeder hat das Recht die Dummheit auch auszuüben. Ich kenne die Lage vor Ort nicht, soweit der Gesang aber die Demonstration stört, also auch eigene sinnbefreite Redebeiträge, muss dies vom Staat unterbunden werden und u. U. auch verfolgt werden.

    Ich finde auch andere Demonstrationen aus anderen politischen Richtungen, teils extrem, nicht schön. Dort empört man sich aber über die Störung der Dummheit und da soll der Staat dann eingreifen.

    Ihr bringt den Staat damit in eine ausweglose Situation. Soll er nun pauschal entscheiden wen er schützen soll und wen gerade nicht? Dann finden wir bald Verhältnisse vor wie in anderen, von mir jetzt ungenannten, Staaten, in denen aber nicht viele von uns leben wollen.

    Lasst uns doch dabei bleiben, dass jeder demonstrieren kann wie er will und jeder der dagegen ist auch seine Meinung, in einer eigenen Demo, zeigen kann, ohne sich gegenseitig zu stören.

    Wäre aber viel zu einfach für die Menschen mit dem Motto "Ich ertrage auch dumme Meinungen nicht und blockiere diese deswegen".

    Lasst euch bitte sagen: Die Menschen hier sind nicht blöd, sie erkennen die dummen Parolen schon alleine und wenn nicht, dann kann man es durch Blockaden und Störungen such nicht ändern.

    • 25.11.2015 11:34, Donald Duck

      Ganz genau!

  • 24.11.2015 19:26, Europäer

    Ein schönes Zeichen für Europa! Im Artikel nicht erwähnt bleibt, dass das Hauptthema des gesungenen Satzes die offizielle Hymne des Europarates ist und generell für Europäische Einheit steht.
    Verwunderlich ist, dass Musiker, die in einem Konzerthaus singen, als Störung definiert werden können.

  • 24.11.2015 21:28, Hannes T.

    Wenn Sie planen etwas zu sagen aber Ihnen schallt die Hymne des Europarates entgegen, so dass man Sie gar nicht versteht, freuen Sie sich dann noch immer dass es die Hymne ist? Oder empfinden Sie nicht auch jede Musik, die Sie kräftig unterbricht für störend?

    Wenn nicht, empfehle ich bei jeder musikalischen Ruhestörung in der Nacht zwischendrin auch mal die Hymne des Europarates zu spielen, ihr Nachbarn werden sich, von der Lautstärke hochgeschreckt, ganz bestimmt nicht bei Ihnen beschweren.

    Selbstverständlich darf mich sich über zu laute Musik aus einem Konzerthaus nicht beschweren, denn dafür ist es ja da. Genauso wie man sich nicht über Musik aus einer Disko oder Tanzbar beschweren darf. Denn die Musik ist ja, von vielen Mensch falsch vermutet, nicht für den Konzertsaal oder Innenraum gedacht sondern vielmehr für die ganze umliegende Gegend. (Genug Ironie)

    • 03.05.2016 10:07, rolfi

      Daraus einen Schuh machen!!!
      Vielleicht gibt es ja bei der AfD ausgesprochen musikalische Zeitgenossen.
      Man sollte daraus seine Schlüsse ziehen, warum nicht auch konsequent Veranstaltungen anderer ..etablierter..Parteien musikalisch aufpeppen!!!
      Dann wird man schnell festellen, ob man es mit 68-Richtern zu tun hat!!
      Vielleicht liegt das Gerichtsgebäude ja auch zu nahe an der ZDF-Zentrale.

  • 24.11.2015 22:12, Herbert

    Schade, dass ich soweit von Mainz entfernt wohne. Sonst würde ich öfter mal ins Theater gehen und mitten in der Vorstellung so laut und schön ich kann, die Ode an die Freude singen. Die Theaterleute würden das bestimmt nicht als Störung empfinden. Sie würden mich auch nicht anzeigen oder gar rausschmeißen. Wenn doch, würde ich sagen, dass ich mit Beethovens "Ode an die Freude" eine Antwort auf fremdenfeindliche Parolen gebe und mich auch künftig auf ähnliche Weise zu Wort melden werde.

  • 25.11.2015 06:42, FrankfurterBub

    Erschreckend, wie mittlerweile nicht nur in den Kommentaren von FAZ, Zeit, etc. die Rechtsaußen immer offener aus ihren Höhlen gekrochen kommen.

    Husch, Husch - wieder zurück. Der Geifer, der euch aus dem Munde tropft, widert mich an..

  • 25.11.2015 07:57, Iudex non+calculat...

    Immer wieder erstaunlich, wie selbst einigermaßen juristisch bewanderte Menschen (unterstelle ich hier jetzt einfach mal) in "bestimmten Fällen" Zivilcourage mit Selbstjustiz verwechseln.

  • 25.11.2015 13:01, Ernst Hagen

    „Ich bin nicht deiner Meinung, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du sie äußern darfst.“