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Portrait des Monat: Dominik Muissus: Über Arztpraxen in die Anwaltskanzlei

von Christian Pothe

04.08.2014

Dominik Muissus (46) ist seit 2001 Manager of Technology bei der Latham & Watkins LLP, Hamburg. Im LTO-Interview erklärt er, welche Umwege ihn in die Kanzlei-IT geführt haben, wie er seine Work-Life-Balance findet und was er an seinem Job besonders liebt.

Dominik Muissus

LTO: Herr Muissus, Karrieren in den Business-Services von Kanzleien entwickeln sich selten auf direktem Weg. Wie verliefen Ihre Ausbildung und Ihr Berufsleben bisher?

Muissus: Ich habe damit begonnen, ganz klassisch Jura zu studieren und zwar in meiner Heimatstadt Hamburg. Nahezu parallel habe ich auch schon meine erste IT-Firma gegründet, mit der ich schwerpunktmäßig Arztpraxen, Apotheken und später Krankenhausapotheken in IT-Fragen beraten und supported habe. Die Projekte im IT-Bereich wurden dann mit den Jahren immer größer und spannender, gerade in der Zeit der New Economy. Unter anderem habe ich damals für Bertelsmann Interactive gearbeitet.

1998 schloss sich schließlich wieder der Kreis zur Rechtswissenschaft, als ich während eines IT-Projektes zum Hamburger Büro der schon für damalige Verhältnisse großen Sozietät Schön, Nolte, Finkelnburg und Klemm kam. Knapp ein Jahr später wurde ich dort fest angestellt, um den IT-Support so umzubauen, dass dieser künftig kanzleiintern betrieben werden konnte. Als 2001 der Merger des Hamburger Büros mit der US Law Firm Latham & Watkins stattfand, eröffnete sich noch einmal eine ganz neue Dimension von Aufgaben für mich.

Die Einbindung der IT in eine internationale Struktur unter einem Global Service Office in Los Angeles war schon eine große Herausforderung. Rückblickend ist es schön zu sehen, was für eine Vielzahl an Projekten wir in den letzten 13 Jahren technisch und organisatorisch gemeistert haben und wohin wir uns als IT-Dienstleister innerhalb der Kanzlei in dieser Zeit bewegt haben.

"Bedeutung für das Tagesgeschäft hat der Seegerichtshof nicht"

LTO: Sie sind also "waschechter" Hamburger. Warum ist Hamburg ein wichtiger Standort für Wirtschaftskanzleien und was macht Hamburg ansonsten lebenswert?

Muissus: Die Bedeutung der Stadt wurzelt sehr stark in ihrer geografischen Lage, die sie zu einem Drehpunkt im Handel und der maritimen Wirtschaft gemacht hat. Folgerichtig müssen alle Kanzleien, die in diesem Bereich Rang und Namen haben, in Hamburg präsent sein. Nicht zu unterschätzen ist, dass viele Großunternehmen wie zum Beispiel Airbus in Hamburg vertreten sind und welches Gewicht Hamburg als Dienstleistungs- und Medienmetropole erlangt hat.

Aus juristischer Sicht mag es wiederum gut klingen, dass Hamburg der Sitz des Internationalen Seegerichtshofs ist. Wirkliche Bedeutung für das Tagesgeschäft von Wirtschaftskanzleien kann dies aber schon deshalb nicht haben, weil die Anzahl der verhandelten Fälle dafür viel zu gering ist.

In Sachen Lebensqualität punktet Hamburg, weil wir hier fast überall am Wasser leben, ob nun an der Elbe, an der Alster oder an den Nebenläufen. Außerdem ist Hamburg eine sehr grüne Stadt und wir sind von hier im Nu am Meer, egal ob man die Ostsee oder die Nordsee lieber mag.

Stimmungstechnisch ist in Hamburg alles etwas unaufgeregter als in anderen Metropolen, eben hanseatisch. Schließlich dürfen bei meiner Aufzählung unsere beiden großen Fußballclubs, HSV und St. Pauli, nicht fehlen, auch wenn es dort manchmal mehr um Leiden als um Lebenswert geht.

"Familie steht bei mir an erster Stelle"

LTO: Die Arbeit in einer Wirtschaftskanzlei ist kein Beamtenjob. Wie balancieren Sie Work und Life und welche Schwerpunkte aus dem Bereich Life mögen Sie uns anvertrauen?

Muissus: Nein, ein Nine-to-five-Job ist das sicher nicht. Wie in so vielen Dingen im Leben muss man zunächst Leidenschaft und Freude an der Sache haben, um gut zu sein und etwas bewegen zu können. Wenn man wiederum Spaß an seiner Arbeit und Aufgabe hat, sind auch Stress und Belastungen besser zu managen. Ein weiterer ganz wichtiger Punkt sind die sozialen Komponenten im Arbeitsumfeld. Wenn man ein tolles Umfeld hat, kann man sich viel entspannter auf die Aufgaben konzentrieren. Ich bin froh, ein starkes und gutes Team hinter mir zu wissen, dem ich vertrauen kann und in dem wir uns wechselseitig den Rücken freihalten. Sonst wäre ich wohl auch kaum seit so langer Zeit hier.

Trotz allem ist es natürlich notwendig, ausreichend Zeit zum Ausgleich zu finden. Hier steht bei mir selbstverständlich die Familie an erster Stelle. Zwei schulpflichtige Kinder fordern ihr Recht ein und halten ständige Überraschungen und Herausforderungen für meine Frau und mich bereit. Ein wichtiger Ausgleich zum Job ist für mich auch die Bewegung in der Natur. Ich sehe die Hege und Pflege der Tierwelt und den Umweltschutz als Ganzes als sehr wichtige Aufgaben, denen ich mich in der Freizeit widme. Dies ist ein wunderbarer Kontrast zu meinem technisierten Beruf und gibt mir die Möglichkeit, den Kopf wieder freizubekommen und über andere Dinge nachzudenken.

"Es gibt immer Bewegung in meinem Job"

LTO: Vier Büros in Deutschland, 28 in der restlichen Welt - wie häufig sind Sie unterwegs und was sind Ihre Tipps für stressfreies Reisen?

Muissus: Ich bin froh, dass es aufgrund der modernen Kommunikationsmittel, insbesondere der neuesten Generation der Videokonferenzsysteme, heutzutage nicht mehr notwendig ist, so viel zu Reisen wie früher. Viele Besprechungen kann man aus dem heimischen Büro führen, ohne dass das Ergebnis leiden würde. Ich habe meine Reisetätigkeit dadurch im Durchschnitt auf vier Tage im Monat reduzieren können.

Ob Reisen wirklich stressfrei ist, hängt meiner Erfahrung nach davon ab, mit welchem zeitlichen Druck man sich auf die Reise begibt. Ich habe gelernt, gewisse Zeitpuffer in die Reiseplanung einzubauen, damit ich nicht wie früher quer durch einen Flughafen sprinten muss, um noch rechtzeitig ans Gate zu kommen. Zeitliche Puffer bedeuten aber keineswegs Untätigkeit, denn wenn die internen Sicherheitsstandards stimmen, kann man heutzutage nahezu von überall aus online arbeiten.

LTO: Welcher Teil Ihrer Arbeit macht Ihnen am meisten Spaß?

Muissus: Ich würde hier gar keinen speziellen Bereich hervorheben wollen, sondern sagen, die Mischung macht es - besonders bei diesem Job. Neben den interessanten administrativen und Management-Aufgaben, hat man natürlich auch eine starke technische Affinität. Weiterhin ist in diesem Job die Kommunikation in alle Richtungen ganz wichtig, was mir große Freude macht. Spannend finde ich, dass immer wieder neue Bereiche in meinen Verantwortungsbereich fallen, welche vielleicht früher organisatorisch gar keine IT waren. Es gibt immer Bewegung in meinem Job.

Die Fragen stellte Christian Pothe.

Beteiligte Kanzleien

Zitiervorschlag

Christian Pothe, Portrait des Monat: Dominik Muissus: Über Arztpraxen in die Anwaltskanzlei . In: Legal Tribune Online, 04.08.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/12769/ (abgerufen am: 12.08.2020 )

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