Berufseinstieg und Jobsuche

Was bringen Moot Courts?

von Sabine OlschnerLesedauer: 4 Minuten
Wochen und Monate wenden manche Jurastudenten auf, um sich für die Teilnahme an einem Moot Court vorzubereiten. Doch zahlt sich diese Investition bei der späteren Jobsuche aus? Sabine Olschner hat bei Kanzleien nachgefragt.

Ein Moot Court bedeutet für die teilnehmenden Teams viel Arbeit: Sie müssen sich in das Rechtsgebiet einarbeiten, Schriftsätze ausarbeiten, sich durch Rhetoriktrainings und zahlreiche Probeverhandlungen an der Universität und in Kanzleien auf das mündliche Plädoyer vorbereiten – und schließlich all das Gelernte im Wettbewerb präsentieren, häufig sogar in einer anderen Sprache. Die meisten fahren während dieser Zeit ihre Studienaktivitäten stark zurück oder nehmen sich sogar ein Semester frei, denn die Teilnahme an einem Moot Court erfordert die ganze Aufmerksamkeit. Nun ist das Jurastudium an sich schon eine anspruchsvolle Sache – wozu dann noch der zusätzliche Stress? Womöglich wird man auch noch später mit dem Examen fertig. Den Freischuss kann man an vielen Universitäten wegen der Teilnahme an einem Moot Court immerhin nach hinten verlegen. Aber wie bewerten potenzielle Arbeitgeber den außerordentlichen Einsatz in der Studienzeit?

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Moot Courts als Persönlichkeitsschmiede

"Ich habe während meines Studiums leider nicht an einem Moot Court teilgenommen", sagt Frank Fischer, Partner der Wirtschaftsrechtskanzlei Wendelstein LLP. "Ich meine aber: Ein Moot Court zeigt die Realität der Anwaltsarbeit deutlicher als das Jurastudium, daher halte ich die Teilnahme für eine gute Vorbereitung auf das spätere Arbeitsleben." Fischer unterstützt seit einigen Jahren Studententeams bei ihren Vorbereitungen auf das Vis Moot, einem der renommiertesten fiktiven Gerichte. Zusammen mit seinen Kanzleikollegen organisiert er Probeauftritte, bei denen Studententeams verschiedener Universitäten gegeneinander antreten und ihren Auftritt für den eigentlichen Wettbewerb üben können. "Die Teilnehmer lernen zu argumentieren und andere von ihren Ansichten zu überzeugen – das ist etwas anderes, als theoretische Fälle an der Universität zu bearbeiten", so der Anwalt. "Und bei internationalen Moot Courts findet das Ganze auch noch auf Englisch statt, was die Sprachfähigkeiten der angehenden Juristen verbessert." Rechtsanwalt Bastian Reinschmidt, der bei der Kanzlei BMH Bräutigam & Partner ebenfalls Teams verschiedener Moot Courts bei ihrer Vorbereitung unterstützt, hält die Teilnahme daran vor allem aus einem Grund für eine gute Sache: "In der Regel stehen Juristen erst als Referendare das erste Mal vor Gericht einem Richter gegenüber und müssen ihren Standpunkt vertreten", sagt er. "Im Rahmen der Moot Courts haben Teilnehmer schon früh im Studium die Gelegenheit zu erleben, wie sich das anfühlt." Seiner Ansicht nach schulen die Studenten dabei nicht nur ihre Präsentationsfähigkeit, sondern entwickelten sich auch persönlich einen großen Schritt weiter: Teamfähigkeit und Ausdauer würden trainiert und durch ihre Auftritte stärkten die jungen Menschen auch ihr Selbstbewusstsein. "Ich bewerte es zudem als positiv, dass die Teilnehmer eines Moot Courts über so eine lange Zeit ein hohes Engagement zeigen. Das beweist, dass sie sich auch mal länger in eine Sache reinknien und sie bis ins letzte Detail bearbeiten können. Das ist auch für das Berufsleben eine wichtige Eigenschaft."

Netzwerken für Ausbildung und Jobeinstieg

Alexander Druckenbrodt, Litigation Counsel bei der Kanzlei Arnold & Porter, glaubt, dass nicht nur künftige Anwälte von einer Moot-Court-Teilnahme profitieren können, sondern auch Studenten, die sich für die Arbeit in einer Rechtsabteilung eines Unternehmen interessieren. "Denn bei einem Moot Court lernen sie zu verstehen, wie ein Prozessanwalt denkt. Das ist auch interessant für Inhouse-Juristen, die später einmal Anwälte für ihr Unternehmen beauftragen müssen." Einen weiteren Vorteil sieht er im Aufbau von Netzwerken: "Studenten lernen bei der Vorbereitung auf den Wettbewerb zahlreiche Kanzleien kennen, die eventuell als spätere Arbeitgeber in Frage kommen." Durch den Kontakt zu den Anwälten und den unterschiedlichen Kanzleien erhalten die Teilnehmer interessante Einblicke in die Kanzleienlandschaft, was für spätere Praktika oder Stationen im Referendariat interessant werden könne. Doch nicht nur das Kennenlernen potenzieller Arbeitgeber kann für spätere Ausbildungsetappen hilfreich sein, auch der Austausch mit Jurastudenten von anderen Universitäten und aus anderen Ländern erweitert das persönliche Netzwerk. Hinzu kommt: Da die Teilnahme vor allem an den internationalen Moot Courts oft eine Menge Geld kostet – besonders für die Reisen in die Wettbewerbsländer –, müssen die Studententeams häufig Sponsorengelder eintreiben. Auch dabei schulen sie sowohl ihre Präsentations- als auch ihre Netzwerkfähigkeiten. Kleiner Wermutstropfen: Fachlich sieht Counsel Druckenbrodt keinen großen Vorteil durch die Teilnahme. Denn in der Regel haben Moot Courts einen bestimmten Schwerpunkt, beispielsweise Völkerrecht (beim Jessup Moot Court) oder UN-Kaufrecht (Vis Moot Court). Die Teilnehmer arbeiten sich intensiv in diesen Schwerpunkt ein. Er sagt deshalb: "Die Chance, später in genau diesem Rechtsgebiet tätig zu werden, sehe ich eher gering." Trotzdem könne sich eine Teilnahme natürlich lohnen, um herauszufinden, ob dem Studenten das Rechtsgebiet und die Arbeit als Anwalt liegt oder er doch lieber eine andere Richtung einschlagen will.

Bonuspunkte bei der Bewerbung - aber auch nicht mehr

Die Teilnahme an einem Moot Court sehen Arbeitgeber also mit vielen Vorteilen für Studenten verbunden. Aber so gut eine solche für die persönliche Weiterentwicklung der angehenden Juristen sein kann: Wie reagieren nun Kanzleien, wenn sie im Lebenslauf sehen, dass ein Bewerber schon einmal an einem Moot Court teilgenommen hat? Reinschmidt findet es interessant und spricht den Kandidaten gern darauf an. "Es kommt natürlich immer auf den Tätigkeitsschwerpunkt an. Anwälte im M&A-Bereich werden aus den Moot Courts weniger für ihren späteren Beruf mitnehmen als prozessuale Anwälte", so der Rechtsanwalt. Auch Druckenbrodt hält die Erwähnung des Moot Court im Lebenslauf für einen guten Aufhänger für das Vorstellungsgespräch – je bekannter die Veranstaltung, umso eher horchten die Kanzleien auf, glaubt er. "Letztlich muss jedoch das Gesamtpaket stimmen", betont sein Kollege Fischer. "Und hier spielen natürlich gute Examensnoten nach wie vor meist die entscheidende Rolle für eine Einstellung."

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