Der Freischuss: Eine loh­nende Zit­ter­partie?

von Sabine Olschner

30.11.2017

Gute Chance oder unnötiger Stress? Am Freischuss scheiden sich die Geister. Ob der zusätzliche Versuch wirklich so "frei" und sinnvoll ist oder eben nicht, kommt auch auf die Persönlichkeit und die Strategie an, die man verfolgt.

 

Es klingt verlockend: Der Freischuss hat – auf den ersten Blick – kein besonderes Nachspiel, man lernt die Prüfungssituation des gefürchteten Examens "vorab" kennen und in vielen Bundesländern ist die Teilnahme daran sowieso die Voraussetzung dafür, bei Bedarf nach den übrigen Versuchen verbessern zu dürfen. In der Regel können Studenten bis zum achten Semester zum Freischuss antreten, in einigen Bundesländern bis spätestens zum neunten.

Dabei stellen sich viele Fragen, zum Beispiel: Lohnt es nicht viel eher, sich mehr Zeit zu nehmen und gründlich auf eine gute Note hinzuarbeiten, als die Freischuss-Prüfung unter Umständen nicht ganz optimal vorbereitet abzulegen? Möchte man sich wirklich zwei Mal der Belastung durch die Examensprüfungen aussetzen, wenn man davon ausgeht, mit dem Freischuss-Ergebnis nicht hundertprozentig zufrieden zu sein? Und kommt man mit dem Druck und der persönlichen Niederlage klar, sollte der Freischuss daneben gehen?

Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob die Freischuss-Regelung für einen Kandidaten gut geeignet ist oder nicht, gibt es nicht. Jeder Student muss selber entscheiden, welcher Weg ihm besser liegt. Dabei können die Erfahrungswerte anderer sehr nützlich sein.

Freischuss nach hinten verlegen

Julia Münzenmaier hat sich beispielsweise für den Freischuss entschieden. Da sie während ihres Studiums an der Universität Passau im Ausland war und zusätzlich eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung in Englisch und Spanisch absolvierte, durfte sie ihren Freischuss bis zum neunten statt bis zum achten Semester in Anspruch nehmen. An manchen Universitäten wird zum Beispiel auch die Mitarbeit in der Fachschaft damit belohnt, den Freischuss "hinauszögern" zu dürfen.

Münzenmaier sagt: "Ich habe ein Jahr lang den Examenskurs an der Universität besucht, der viermal in der Woche stattfand, und habe Klausurenkurse absolviert. Damit fühlte mich gut für die Prüfungen vorbereitet. Hätte ich jedoch nur ein halbes Jahr Vorbereitungszeit gehabt, wäre mir das persönlich zu wenig gewesen, und ich wäre sicher nicht zur Prüfung angetreten", begründet die 25-Jährige ihre Entscheidung. Sie gehört zu den Glücklichen, die mit der Note der Freischuss-Prüfung sofort sehr zufrieden war. "Wäre die Note schlechter ausgefallen, hätte ich einen weiteren Versuch gestartet."

Darin liegt zugleich ein großer Nachteil der Freischuss-Regelung: Wer zwar nicht durchgefallen ist, aber nur knapp bestanden hat oder sonst wie mit seiner Note nicht zufrieden ist und deshalb erneut schreiben möchte, steht unter Druck: In der Regel muss der Verbesserungsversuch nach dem Freischuss dann nämlich innerhalb eines Jahres gemacht werden – oder er verfällt.

Viele von Münzmaiers Kommilitonen, mit denen sie zusammen gelernt hat, haben deshalb ebenfalls Verlängerungsregelungen genutzt, um mehr Zeit für die Vorbereitung zu haben. Ihr Tipp für Studenten, die ebenfalls die Chance auf einen Freischuss nutzen wollen: "Man sollte die Gelegenheit zum Freischuss nicht auf die leichte Schulter, sondern ernst nehmen und eben nicht nur halbherzig lernen. Ansonsten gerät man bei einer schlechten Note wahrscheinlich nicht nur unter Zeitdruck, sondern es dürfte auch schwierig werden, sich erneut für den nächsten Versuch zu motivieren."

So liest man es auch immer wieder in einschlägigen Jura-Foren, in denen sich Studierende über ihre Erfahrungen austauschen. Ein Forennutzer schreibt etwa, er habe den Freischuss nach einem halben Jahr Repetitorium "mit (bewusst) mangelhafter Vorbereitung wahrgenommen und mit ausreichend bestanden". Er habe zwar verbessern wollen, sich mit dem – wenn auch nur schwach bestandenen – Examen im Rücken aber kaum zur Vorbereitung aufraffen können. Er warnt Kandidaten ausdrücklich vorm "Lern-Burnout".

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Der Freischuss: Eine lohnende Zitterpartie?. In: Legal Tribune Online, 30.11.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25767/ (abgerufen am: 15.12.2017)

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Kommentare
  • 30.11.2017 10:33, G. Wilzberch

    Das Beispiel mit Passau ist m.E. schlecht gewählt.

    Ich kann jedem nur empfehlen in Münster Examen machen. Dort ist es relativ stressfrei den Freischuss wahrzunehmen. Das liegt aber wohl auch daran, dass man in NRW ohne Freischuss keinen Verbesserungsversuch hat, in Bayern dagegen schon.

    In Münster absolviert man in 3 - 4 Semestern die Zwischenprüfung. Macht dann im 5. und 6. Semester ausschließlich den Schwerpunkt (der ist in Münster recht umfangreich mit 7 Klausuren + Seminararbeit + Vortrag). Danach hat man dafür aber 2 volle Semester Zeit, sich ausschließlich der Examensvorbereitung zu widmen. Und das ganze ohne Fachschaft und FFA. Wenn man den Spaß noch macht, hat man sogar 3 Semester Zeit für den Freischuss. Das ist in meinen Augen kein Stress und kein Problem.

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    • 30.11.2017 12:23, GrafLukas

      Ist eigentlich inzwischen die Unsitte abgeschafft, den Schwerpunkt erst nach dem staatlichen Teil zu schreiben? Sonst ist es ja - auch in Münster - teilweise so gewesen:

      1.-4. Semester: Grundstudium mit Zwischenprüfung
      5.-8. Semester: Examensvorbereitung mit Rep etc. und danach Freischuss
      9.-10. Semester: Schwerpunktprüfung

      Stellt m.E. den Sinn des Freischusses (so man ihn denn überhaupt anerkennt) komplett auf den Kopf, weil man so eben nicht dafür "belohnt" wird, dass man nach Plan innerhalb der Regelstudienzeit fertig geworden ist.

    • 30.11.2017 12:38, G. Wilzberch

      Das gibt es noch.

      Das hat allerdings den Nachteil, dass man am Ende meist länger fürs Studium braucht.

      Wenn der Einwand kommt, dass die Dauer des Studiums egal sei und nur die Note zählt, mag das richtig sein. Allerdings ist ein Studium in Regelstudienzeit + gute Note noch eine bessere Kombi. Man liegt den Eltern/Staat kürzer auf der Tasche und ist flotter Anwalt.

    • 30.11.2017 16:18, Chenaira

      Also ich habe es auch so gemacht. Ich habe den staatlichen Teil im September geschrieben und den Schwerpunkt auf März geschoben (gleichzeitige Anmeldung geht bei uns, um sodann beides im Freischuss schreiben zu können, da wir im Schwerpunkt ansonsten keinen Verbesserungsversuch haben).

      Ich fande es nacheinander sehr angenehm und für mich ideal. Auch wen man sagt, man benötige länger fürs Studium. Die 5 Monate, die ich länger gebraucht habe, sind irrelevant und kaum bemerkbar. Zudem hatte es den Vorteil, dass mit der mündlichen Prüfung im Schwerpunkt eine Doktorandenstelle ausgeschrieben wurde, auf die ich mich somit bewerben konnte. Hätte ich wohl nicht gemacht, wäre ich im Februar fertig gewesen, da ich ansonsten direkt ins Ref gegangen wäre.

      Sollte denke ich, jeder für sich entscheiden, wie es sinnvoll ist und nicht darauf achten, was eventuell gut ankommt am Ende. Ein Jurist, der mit 27 mit dem zweiten Staatsexamen in den Beruf startet, ist sehr jung und man hat vermutlich bei vielen wenig Lebenserfahrung. Deshalb finde ich, sollte man sich einfach die Zeit nehmen die man braucht. Auch wenn man dann erst mit 30 fertig sein sollte. Lieber noch mal ein bisschen was außerhalb der Regelvorlesungen mitgenommen, wie bspw. Seminare die einen interessieren, Studienreisen, Praktika, Nebenjobs (universitär oder auch außeruniversitär). Solange man mit sich zufrieden ist und es begründen kann, weshalb man so "lange" gebraucht hat, ist es denke ich am Ende egal.

  • 30.11.2017 11:22, M.D.

    Es ist nicht erkennbar, welchen Vorteil der Freischuss bringen soll. Bei Jura geht es ausschließlich um die Endnote, deshalb ist völlig egal, wie lange man studiert hat.

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    • 30.11.2017 12:21, GrafLukas

      Ganz einfach, der Vorteil sind 3 Versuche beim Examen anstelle von 2, plus Möglichkeit der Verbesserung bei bereits bestandenem Examen.

      Ohne Freischuss:
      Zweimal durchgefallen --> vorbei
      Einmal (schlecht bestanden) --> vorbei

      Mit Freischuss:
      Zweimal durchgefallen --> dritter Versuch
      Einmal (schlecht bestanden) --> Verbesserungsversuch möglich, und zwar ohne reformatio in peius
      Außerdem ist bei Freischuss häufig zusätzlich Abschichten möglich, es muss also nur die Anmeldung für den Freischuss rechtzeitig erfolgen, danach zieht man die tatsächliche Prüfung noch ein halbes Jahr auseinander und maximiert so die Lernzeit.

    • 30.11.2017 17:00, Blub

      @GrafLukas Nein, soweit ich weiß, muss beim Abschichten der letzte Klausurenblock spätestens in dem Monat sein, in dem andernfalls auch der letztmögliche Klausurtermin gewesen wäre. Ein herauszögern der Klausuren über diesen Zeitpunkt hinaus ist m.W. nicht möglich.

    • 30.11.2017 20:26, Sabrina

      Ich habe abgeschichtet in NRW. Dann muss man nach 7 Semestern bereits die ersten Prüfungen schreiben und kann es bis zum Ende des 8. Semesters "hinauszögern". Man muss also in dem Monat fertig sein, in dem die "Freischussler" ihre Klausen schreiben.

  • 30.11.2017 12:54, Hans Reinwatz

    Großartig sind natürlich die Auskünfte des Repetitors, der zu einer möglichst langen Vorbereitung rät. Völlig uneigennützig - welches Interesse sollte ein Repetitor wohl daran haben, dass die Leute möglichst lange zum Repetitor gehen...?

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    • 30.11.2017 13:42, GrafLukas

      Gute Frage. Denn man zahlt nur einmal den Jahreskurs, danach kann man kostenlos zu den Wiederholungskursen kommen.

    • 30.11.2017 14:42, G. Wilzberch

      Meines Wissens ist oder war es bei Hemmer in Münster so, dass man 1x den Jahreskurs zahlt und dann ewig hören kann. Das ist dann eher ein Minusgeschäft, wenn man wirklich über Jahre immer die gleichen Leute da sitzen hätte.

    • 30.11.2017 16:50, Jens

      Jo, so war es bei mir bei Hemmer auch. Einmal zahlen, immer hören. Ist für mich auch so eine Art Wohnungs-Lebensversicherung, wenn ich mal obdachlos werde. Dreimal die Woche acht Stunden eine Wärmehalle, in der ich mich lebenslang (!) aufhalten kann. Wer den Hafen nicht kennt, für den ist kein Wind günstig, Kollegen.

  • 30.11.2017 13:27, AntifaPowerRanger

    meiner Meinung nach sollte man das Examen so oft wiederholen dürfen, wie man möchte. Ich denke, man sollte deswegen mal bis vor das BVerfG wandern und Menschenrechte einklagen. Ich lerne jetzt für das Examen und finde es sehr gut, wie ich lerne. Diese Schranke, nur zwei mal schreiben zu dürfen, ist reaktionärer und sexistischer Kackscheiß!

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    • 30.11.2017 13:58, Haha

      Man/frau/es sollte es nicht nur so oft schreiben dürfen, wie man/frau/es es will, sondern auch die Note selbst festlegen dürfen! Alle, die das anders sehen, sind Kack-Nazis!

    • 30.11.2017 14:44, @PowerRanger

      Wie genau ist das denn jetzt sexistisch?

    • 30.11.2017 14:45, @haha

      Haha redet über "Kack-Nazis"...

      ... Wahnsinn. Vielleicht das erste Thema, bei dem er sich wirklich auskennt.

    • 30.11.2017 15:48, Haha

      Genau! Alles Nazis, außer Mutti!

    • 30.11.2017 18:14, FinalJustice

      Auch wenn ich den Sexismus dahinter nicht verstehe, sehe ich keinerlei Grund darin, das Examen auf 2 Versuche zu beschränken (und ich WEISS, dass in NRW der reguläre 3. Versuch diskutiert wird vor dem Hintergrund der teilweise beachtlichen Durchfallquoten einiger Unis husthustBielefeldhusthust).
      Kostenargument halte ich für das einzig wirksame, aber ich würde da die einfache Lösung vorschlagen, dass ab dem 3. Versuch der Kandidat schlicht die Korrektur in den Verwaltungsaufwand zahlen muss. Auch wenn da jetzt bestimmt der Antikapitalist Zeter und Mordio schreibt, man möge sich mal überlegen, dass es für den Staat 1. auf lange Sicht besser ist, jemanden mit Abschluss zu entlassen, als ohne (weil er dann früher anfängt, Steuer zu zahlen) und 2. wird man wohl das Geld im Zweifelsfall über einen Kredit finanzieren - denn ALLES ist besser, als endgültig nicht bestehen. Mit nem Abschluss in der Tasche kann man den dann auch sehr einfach zurückzahlen.

      Es wird ja allenthalben auch behauptet, die Versuchsbegrenzung sei nötig, damit die Leute sich auch ja anstrengen. Wer das meint, hat für sein Examen noch 3 Klausuren und ne Hausarbeit geschrieben. Niemand macht gerne Examen, niemand schreibt gerne 7+ Klausuren à 5 Stunden pro Stück und lässt sich von zu leider erheblichen Teilen willkürlichen Kriterien bewerten. Niemand bangt gern um seine Zukunft.

      Ich hatte mir meinen Freischuss damals gekniffen und es nicht bereut. Ich bin mit der Mentalität angetreten "So oder so schreib ich den Scheiß nur ein Mal." Verbesserungsversuch kam für mich also auch nie in Frage. Man muss sich da einfach nur gut kennen, wie man drauf ist.
      Mein einziger Hinweis ist der: Wer meint, der Freischuss sei gut zum "Üben" um mal zu sehen, wie Examen ist und er würde deswegen ein Durchfallen gut wegstecken, der irrt. Gewaltig. Durchs Examen durchfallen ist immer ein massiver Schock, auch im Freischuss. Manch einer erholt sich davon nicht mehr und schleppt den dann in seine beiden Regulären.

    • 01.12.2017 13:35, Lawandorderadrink

      Ab ins Elfenland, Du Troll.

  • 30.11.2017 13:57, @topic

    Wer nach 6 Semestern nicht "scheinfrei" und nach einem Jahr Rep nicht examensbereit ist, ist es auch nach 10 oder 12 Semestern nicht... Von atypischen Biografien (Kind im Studium O. Ä.) mal abgesehen...

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    • 30.11.2017 14:28, Wind

      In welcher altbackenen Uni gibt es denn noch Scheine?

    • 30.11.2017 14:43, @wind

      Na wenn das der einzige Einwand ist :-) Ersetzen sie den Begriff "scheinfrei" einfach durch "alle Voraussetzungen erfüllt hat, um nach der jeweils maßgeblichen Landesjustizprüfungsordnung die erste Staatsprüfung ablegen zu dürfen"... Das war mir lediglich zu lang um es zu schreiben, aber wenn es dann konsensfähig wird, mache ich mir die Arbeit gern.

    • 30.11.2017 14:59, GrafLukas

      Sehe ich nicht so. Ich habe zum einen noch ein Zusatz-Zertifikat erworben, so dass ich erst nach dem 9. Semester komplett "scheinfrei" war und nur noch Examensvorbereitung gemacht habe. Das wäre mit etwas Anstrengung auch schneller gegangen. Wollte ich aber nicht.

      Dann habe ich 1 1/2 Jahre Examensvorbereitung betrieben, den Jahreskurs Rep und dann noch ca. ein gutes halbes Jahr. Dann habe ich mich "fit" gefühlt, vorher nicht. Kein Freischuss o.ä., am Ende ist ein solides Prädikat dabei heraus gekommen.

    • 30.11.2017 15:34, @@topic

      Nach sechs Semestern scheinfrei? An meiner Uni war das die absolute Ausnahme.

    • 30.11.2017 16:17, @@@Topic

      Wohl im Osten studiert? :-) Nach dem dritten Semester die Grundlagenfächer fertig, dann im 4ten,5ten und 6trn je ein Großer Schein mit dazu gehöriger Hausarbeit. Fertig. Nebenher Praktika und FFA und man hat bei weitem noch keine 40-Stunden-Woche. Da ist zwei Nachmittage/Abende die Woche auch noch Zeit für einen Studentenjob.

  • 30.11.2017 16:09, Chenaira

    Also ich habe im Freischuss geschrieben. Ich finde, es kommt auf den einzelnen Studenten drauf an, wie er sich fühlt und wie er sich vorbereitet hat. Jeder sollte das für sich kurz vor der Anmeldephase durchdenken und ehrlich mit sich sein. Vor dem Rep sich festzulegen, ist schlicht naiv und nicht richtig durchdacht.

    Allerdings muss ich sagen, dass man über die Folgen des Freischusses teilweise sehr schlecht bis gar nicht aufgeklärt wird und viele sich nur an die Gerüchte halten und sich nicht mehr informieren. Alle reden vom Freischuss mit den drei Examensversuchen, die einem zur Verfügung stehen sollen. In Hessen (wo ich geschrieben habe) ist das nur die halbe Wahrheit.
    Drei Versuche hat man nur, wenn man den Freischuss nicht besteht. Die zwei möglichen Wiederholungsversuch gelten nur, wenn man noch nicht bestanden hat, ansonsten (bei Bestehen) ist es lediglich ein (!) Verbesserungsversuch und von dem hat man insgesamt nur einen, egal in welchem Versuch man schreibt. Allerdings verliert man diesen, sollte man sich nach dem 10. Semester für den ersten Versuch anmelden.

    Zudem ist dieser Hype darum, dass man noch einen weiteren kostenlosen Versuch habe, m.E.n blind nachgesprochen. Ja man hat einen weiteren kostenlosen Versuch. Allerdings genau nur ein Jahr nach den ersten schriftlichen Klausuren. Man muss innerhalb eines Jahres seit dem Antritt zum Examen den Verbesserungsversuch wahrnehmen, ansonsten hat man keine weiteren Versuche mehr. Dies im Hinblick darauf, dass die mündliche Prüfung meist bis Ende Februar sich hinziehen kann, ist leider eine sehr schlechte Regelung und gibt den Kandidaten keiner wirkliche Chance, einen vernünftigen Verbesserungsversuch zu schreiben, sollte man sich erst kurz nach der mündlichen Prüfung für die Verbesserungsmöglichkeit entscheiden. Bei manchen funktioniert es. Bei den meisten ist allerdings eine Verschlechterung das Endergebnis des ach so tollen "Verbesserungsversuches", der leider bei den meisten ein untauglicher Versuch bleibt. Er ist zwar kostenlos, aber für viele kostet es noch mehr Nerven, Kraft und Zeit.

    Deshalb, bitte macht euch in eurer Prüfungsordnung über alle mit dem Freischuss verbundenen Konsequenzen vertraut und sprecht nicht einfach Gerüchte nach. Es wird meist nur das schöne daran erzählt. Und macht euch eure eigenen Gedanken, ob es euch was bringt.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 30.11.2017 21:29, E. Thällköther

      Du liest als Jurist ein dich betreffendes Gesetz nicht und wunderst dich dann über negative Folgen?

    • 01.12.2017 12:37, Chenaira

      Darum ging es mir gar nicht @E. Thällköther. Es geht mir darum, was erzählt und berichtet wird. Zumal es im Gesetz auch sehr undeutlich steht mit "der Verbesserungsversuch ist spätestens ein Jahr nach dem Erstversuch anzutretten". Damit kann zum einen die schriftliche oder zum anderen die mündliche Prüfung gemeint sein. Das hat das JPA Hessen auch eingeräumt.
      Worum es mir in meinem Kommentar allerdings ging, ist die Tatsache, dass überwiegend über die tollen Möglichkeiten durch den Freischuss gesprochen wird. Der Freischuss habe sodann 3 Examensversuche, man könne so toll kostenlos wiederholen etc. Diese ganzen Halbwahrheiten sind einfach das Problem an dem ganzen Stress, den sich die meisten machen mit dem Freischuss. Jeder hat nur die schönen Seiten im Kopf, dass man dafür aber an anderer Stelle ordentlich zahlt, sieht kaum einer.

      Ich hatte ins Gesetz geschaut und mich informiert. Allerdings, wie gesagt, diesen Passus mit dem einen Jahr falsch interpretiert und sodann mit dem JPA alle Unklarheiten beseitigt. Viele machen das nicht. Und ich finde, man sollte einfach die ganze Wahrheit erzählen und nicht nur die schönen Seiten.

    • 01.12.2017 13:48, Lawandorderadrink

      Also wer bei "...der Verbesserungsversuch ist spätestens ein Jahr nach dem Erstversuch anzutretten..." in Betracht zieht, dass es sich diesbezüglich um die mündliche Prüfung handelt, sollte seine Studienwahl ggf. überdenken.

      Zudem erschließt sich doch spätestens beim zweimaligen Lesen der maßgeblichen Regelungen, dass der Prüfling maximal drei Versuche hat. Es versteht sich doch nahezu von selbst, dass man bei bestandener Prüfung im Freischuss nicht noch zweimal Verbessern kann...

      Und wer an juristischen Fakultäten (nach dem 1. Semester) auf irgendwelche Gerüchte hört, dem kann man eh nicht mehr helfen. ;-)

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