ClickCeaseSmall Talk: Anwalt und Gründer eines Cannabis-Start-Ups
Small Talk mit Jakob Sons, Anwalt und Cannabis-Unternehmer

Ein 13-Mil­lionen-Euro-Invest­ment von Snoop Dogg

von Dr. Franziska KringLesedauer: 6 Minuten

Im Small Talk fragen wir Juristinnen und Juristen, was sie denn so machen. Heute: Jakob Sons, Geschäftsführer eines Cannabis-Unternehmens, über seinen Weg vom Anwalt zum Unternehmer – und seine Erwartungen von der anstehenden Legalisierung.

LTO: Was machen Sie beruflich?

Jakob Sons: Ich bin Mitgründer und Mitgeschäftsführer der Cansativa Group, einem Cannabis-Unternehmen mit Sitz in Mörfelden-Walldorf in Südhessen. Dort bin ich nicht rein juristisch tätig, sondern verantworte zwei unserer vier Business Units, nämlich "Marktplatz" und "Services". Derzeit befinden wir uns außerdem im Bereich "Retail" in der Konzept- und Strategiephase – nach der Legalisierung dann in der Ausführung: Es geht darum, eine Versorgungsinfrastruktur zu schaffen und Cannabis als Genussmittel an Konsumentinnen und Konsumenten abzugeben, selbst und durch Partnerschaften.

Ansonsten berichten die Funktionsbereiche "Legal" und "Public Affairs" an mich – dort geht es im Moment vor allem um die anstehende Cannabis-Legalisierung.

Was macht Cansativa?

Jakob Sons…

... war zuerst als Anwalt tätig

… führt Cansativa gemeinsam mit seinem Bruder

… will mit Cansativa die führende B2B-Cannabis-Plattform etablieren

… lässt sich durch den OMR-Podcast inspirieren

Wir verstehen uns als "Cannabis-Enabler", das heißt, wir wollen Cannabis möglich machen. Wir sind eine B2B-Plattform für Cannabis, die heute in erster Linie ein pharmazeutisches Unternehmen ist. Wir sind Großhändler, aber auch Hersteller von Arzneimitteln, die dem Betäubungsmittelrecht unterfallen, nämlich von Cannabis in verschiedenen Darreichungsformen. Wir handeln mit und endverarbeiten u.a. Cannabisblüten und Cannabisextrakten.

Unser Kerngeschäft ist aktuell der Vertrieb von Cannabis-Arzneimitteln an Apotheken. Wir haben ein eigenes Lager, das wir sukzessive ausgebaut haben. Wir bauen selbst kein Cannabis an, aber füllen Produkte ab und führen die Sichtprüfung und Selektion durch. Diesen Bereich bieten wir als Lohndienstleistung für die pharmazeutische Industrie an.  

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"Anfangs war ich die Ein-Mann-Rechtsabteilung"

Welche Aufgaben übernehmen Sie als Jurist in dem Unternehmen?

Anfangs war ich die Ein-Mann-Rechtsabteilung von Cansativa. Ich war allerdings kein zugelassener Syndikusanwalt – da gibt es einen Konflikt mit meiner Tätigkeit als Geschäftsführer. Ich habe u.a. die rechtlichen Prozesse eingeführt, das heißt unser Markenportfolio verwaltet, die Due-Diligence-Dokumente aktuell gehalten, rechtliche Dokumente für die Finanzierungsrunden aufbereitet, externe rechtliche Berater gesteuert und Standardverträge erstellt und überprüfen lassen.

Mittlerweile steuert eine Syndikusanwältin die Rechtsabteilung. Nach wie vor bringe ich aber meine Erfahrungen mit cannabis-bezogenen, rechtlichen Themen ein. Vieles läuft genauso wie in der typischen Pharmaindustrie, aber teilweise gibt es entscheidende Unterschiede – und das versuche ich, in das Unternehmen zu tragen. Der Vertrieb von Cannabis ist streng reguliert – und das hat direkten Einfluss auf den Zeitplan von Projekten und auf Umsatzziele.

Ich führe das Unternehmen gemeinsam mit meinem Bruder, deshalb übernehme ich auch Aufgaben wie die Ansprache von Investoren, das Shareholder-Management und die Entwicklung der Unternehmensstrategie.

Sie waren zunächst mehrere Jahre als Anwalt in verschiedenen Kanzleien tätig. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, als Jurist in die Cannabisindustrie einzusteigen?

Ich hatte schon immer großes Interesse am Unternehmertum und daran, interdisziplinär zu arbeiten – und ich fand die Idee spannend, mit meinem Bruder, einem Wirtschaftsingenieur, ein Unternehmen zu gründen.

Anfang 2017 hat sich für uns die Chance ergeben: Ich war in der Wahlstation in einem Notariat in Frankfurt und sollte ein Gutachten zu der Frage anfertigen, ob man "Cannabis" als Begrifflichkeit in der Firmenbezeichnung tragen darf. Das Registergericht hatte das abgelehnt – und der übliche Weg ist dann, dass man erklärt, wieso das aus wirtschaftlicher Perspektive legitim ist. Dazu habe ich einen Vermerk gemacht – und fand diese regulatorischen Zusammenhänge sehr spannend.

Unser Vater, der immer noch Gesellschafter von Cansativa ist, aber keine aktive Rolle hat, hat uns das Startkapital zur Verfügung gestellt. Er ist Mediziner und hat uns in der Überzeugung erzogen, dass man in der Medizin nicht zu eng denken darf, sondern offen für neue Ansätze sein sollte. Vor allem auch die Offenheit unseres Vaters hat uns dazu ermutigt, ins Cannabis-Business einzusteigen.

"Wenn man so für ein Thema brennt, denkt man an nichts anderes mehr"

Sie haben Cansativa im Jahre 2017 gemeinsam mit Ihrem Bruder gegründet – und waren in den ersten knapp zwei Jahren noch parallel als Rechtsanwalt tätig. Wie haben Sie das geschafft?

Rückblickend würde ich sagen, dass das ein typisches Gründer-Phänomen war: "Maximale, schonungslose Selbstausbeutung". Ich habe tagsüber in der Kanzlei gearbeitet und war abends in unserer ersten Betriebsstätte – und habe dort alles gemacht, was so anfällt: Pakete packen, aber auch putzen. Das war sicherlich eine intensive Zeit, aber wenn man so für ein Thema brennt, kann man eh an nichts anderes mehr denken.

Zu der Zeit war ich bei Metis in Frankfurt tätig, die Kanzlei war im Vergleich zu meiner vorherigen Station bei Hengeler Mueller viel kleiner und familiärer – und ich hatte die Möglichkeit, in Teilzeit an spannenden Mandaten zu arbeiten. Dabei war ich in der eigenen Zeiteinteilung und Schwerpunktsetzung sehr frei. Insgesamt hat die Kanzlei mich wirklich ermutigt und unterstützt – und auch jetzt, drei Jahre nach meinem Weggang, habe ich immer noch guten Kontakt zu vielen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen.

Wie hat sich das Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Wir haben im Jahr 2017 sozusagen mit anderthalb Personen angefangen – ich hatte noch meinen Kanzlei-Job und mein Bruder war nachts und am Wochenende dabei. Zusätzlich hatten wir noch einen Werkstudenten. Unsere ersten Sendungen haben wir im Mai 2018 rausgeschickt. Jetzt, im September 2022, sind wir über 50 Mitarbeiter:innen.

Im Jahr 2018 haben wir knapp 500.000 Euro Umsatz gemacht, 2021 waren wir bei einem achtstelligen Millionenbetrag. Das war ein sehr starkes Wachstum und entspricht der Marktentwicklung.

"Die Cannabis-Legalisierung wird tiefgreifende Veränderungen bringen"

Welchen Einfluss hat die geplante Cannabis-Legalisierung auf Ihren Job?

Derzeit sind wir häufig in Berlin unterwegs und sprechen mit politischen Stakeholdern aus der Bundesregierung und den Ministerien, aber auch auf Landes- und kommunaler Ebene. Der Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert beteiligt uns am Konsultationsprozess und legt Wert auf breites Feedback.

Allein in Deutschland haben wir vier- bis achthundert Tonnen illegales Cannabis – und mit der Legalisierung wird diese sehr nachgefragte Substanz frei verfügbar. Das ist die denkbar größte Disruption, die ein Markt sehen kann – mit vielen Auswirkungen: gesellschaftlich, ökonomisch, aber auch auf dem Arbeitsmarkt. Die Cannabis-Legalisierung ist ein Vorhaben, das so tiefgreifende Veränderungen für den Markt und die Gesellschaft mit sich bringt, die es in keiner anderen Industrie bislang gab.

Wenn das Gesetz da ist, wird es eine große Dynamik geben: Wir als Industrie müssen investieren, wir müssen eine Infrastruktur aufbauen und Lieferketten etablieren. Und wir müssen gemeinsam mit der Politik und den Regulierern dafür sorgen, dass die Cannabis-Legalisierung zum Erfolg wird.

"Jedes Gramm soll seinen Weg durch unseren Vertrieb machen"

Wo wollen Sie mit Cansativa hin?

Nach der Legalisierung sehen wir uns als die führende B2B-Plattform für Cannabis, das heißt als den Cannabis-Handelsplatz für Anbieter, für Betreiber von Abgabestellen und Konsumenten. Wir möchten auf allen Ebenen unseren Beitrag dazu leisten, dass das Produkt erfolgreich ist – und jedes Gramm, das in Deutschland umgeschlagen wird, soll seinen Weg durch unseren Vertrieb machen.

Zudem wollen wir ein relevanter Stakeholder sein, der auf dem Markt durch ein System eigener Abgabestellen oder als Ausstatter anderer Betreiber von Abgabestellen (Prozesse, Know-how, Lieferantennetzwerk) vertreten ist.

Was ist Ihr Highlight des Jahres?

Wir bringen gemeinsam mit einem neuen Lieferanten ein Produkt auf den Markt – das haben wir in der Dimension noch nicht gemacht. Das Produkt kommt nicht aus Deutschland, wir müssen es noch umpacken, labeln, freigeben und den Vertrieb organisieren. Das ist eine Art Feuertaufe für die gesamte Organisation und die vielen neuen Mitarbeiter:innen.

Ein weiteres Highlight war, dass Snoop Dogg mit seinem Investmentfonds Casa Verde 13 Millionen Euro in unser Unternehmen investiert hat. Casa Verde ist im September des vergangenen Jahres auf uns zugekommen, weil der Fonds – sicherlich auch vor dem Hintergrund der Legalisierung – den deutschen und europäischen Markt aktiv anschaut. Im Februar floss dann das Investment und wir sind stolz, mit Casa Verde einen erfahrenen Investor gefunden zu haben. Das Medienecho war auch sehr groß.

Zum Schluss fragen wir immer gerne nach Empfehlungen für Bücher, Filme oder Podcasts – was fällt Ihnen da spontan ein?

Im Moment liegt das Buch "High Output Management: Von der Fähigkeit, Unternehmen erfolgreich zu führen" von Andrew S. Grove, also eine klassische Business-Lektüre, auf meinem Nachttisch. Und ich lese derzeit die Goethe-Biografie von Rüdiger Safranski – die habe ich vor zwei Jahren angefangen und bin im letzten Urlaub wieder eingestiegen.

Ich höre regelmäßig den Online Marketing Rockstars (OMR)-Podcast. Ich mag die Vielfalt der Themen und Gäste – von Start-Up-Gründern bis hin zu erfolgreichen, etablierten Unternehmern. Der Podcast hat mich schon häufig inspiriert.

Vielen Dank für das Gespräch!

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