Reform des Jurastudiums: Hand­kom­men­tare im ersten Examen und Abschichten deutsch­land­weit

von Hannah Klumpp, Anne Kuckert und Clemens Dienstbier

27.10.2017

Die aktuellen Reformdiskussionen fokussieren sich stark auf umstrittene Änderungen des Schwerpunktbereichs und des Examensstoffs. Der Bundesverband der Jurafachschaften fordert, auch die Prüfungsbedingungen im ersten Examen zu vereinfachen.

 

Die Reformpläne der Justizministerkonferenz sind momentan Anlass zahlreicher Diskussionen. Vor allem die reduzierte Gewichtung der Schwerpunktnote von 30 auf 20 Prozent als eines der großen Reformvorhaben ist umstritten. Das Hauptziel, die juristische Ausbildung bundesweit anzugleichen und damit sowohl vergleichbarer als auch fairer zu gestalten, wird aber – zu Recht – einhellig begrüßt.

Um den Stand der deutschen juristischen Ausbildung als eine der weltweit besten zu sichern, können die Bestrebungen nicht weit genug gehen. So stellen sich zwei Fragen. Erstens: Erreicht die erste Staatsprüfung tatsächlich das Ziel, "Methodik und Systematik der juristischen Denkweise" zu vermitteln, so wie es im Bericht des Koordinierungsausschusses zur Harmonisierung und Angleichung der Juristenausbildung (KOA) definiert wird? Und zweitens: Muss eine international anerkannte Ausbildung zwingend mit den allgegenwärtigen Examensängsten verbunden sein, die Studierende dazu veranlasst, sich ein Jahr von der Gesellschaft abzukapseln, und sie in die Arme von kommerziellen Repetitoren treibt?

Beiden Aspekten könnte man gerecht(er) werden, würde man sich Konzepten bedienen, die bereits - wenn auch nicht im ersten Staatsexamen beziehungsweise nicht flächendeckend - bestehen und erprobt sind: Die Rede ist von der Nutzung von Handkommentaren und dem Zulassen des Abschichtens in allen Bundesländern.

Der Einheitsjurist muss nachschlagen können

Leitbild der juristischen Ausbildung ist seit jeher der "Einheitsjurist", also eine Person, die nach der Ersten juristischen Staatsprüfung in der Lage sein soll, sich in jeglichen Bereichen des Pflichtstoffs durch ein breites Spektrum an Wissen und mithilfe methodischer Kenntnisse ausgezeichnet zurechtzufinden.

Da die Ausbildung gleichwohl Rechtswissenschaft und Rechtspraxis verbinden will, wirkt sich das auf den Detailgrad des Wissens aus, das sich die Prüflinge aneignen müssen. So listen beispielsweise im Bereich des Strafrechts kommerzielle Datenbanken, die Studierenden die examensrelevanten Streitstände aufbereiten wollen, gut 200 notwendige Meinungsstände auf. Jede Person, die dieses Wissen rezitieren kann, entspricht also scheinbar dem Ideal des ausgezeichneten Einheitsjuristen.

Dabei stellt sich nicht nur die Frage, was das Auswendiglernen dem Richter oder Anwalt später im Beruf nützt und inwiefern dieses Detailwissen einen guten Juristen generell ausmacht. Nein, die Frage ist noch pragmatischer: Warum ist die Verwendung von Handkommentaren bislang nur im zweiten Examen erlaubt, nicht aber im ersten?

Meinungsstreits und juristische Problemkonstellationen zu kennen, ist ohne Zweifel wichtig. Es besteht aber ein signifikanter Unterschied zwischen Verständnis und bloß auswendig gelerntem Wissen. Mit Blick auf das Referendariat und das spätere Berufsleben ergibt sich deshalb kein methodischer Vorteil dadurch, dass Inselwissen blind wiedergegeben werden kann. Genau das wird aber im ersten Staatsexamen bis heute als ausgezeichnete Leistung belohnt. Die Verwendung von Handkommentaren wirkt nicht nur dieser Fehlentwicklung entgegen, sondern legt den Schwerpunkt wieder auf den Kernbereich der Rechtwissenschaften als Begründungs- und Entscheidungswissenschaft.

Ohne Handkommentare keine Alternative zum Auswendiglernen

Umgekehrt wäre es trügerisch zu unterstellen, dass Kandidaten allein mit auswendig gelernten Streitständen ein erfolgreiches Examen ablegen. Methodik und fundiertes Verständnis des Rechtssystems sind weiterhin unerlässlich – allerdings halten sich diese Komponenten nicht die Waage: Nicht selten werden Klausuren ohne den gewünschten Fachbegriff oder die vierte Mindermeinung mit einer schlechteren Punktzahl "abgestraft". Die Konsequenz dessen ist, dass Studierende zusehends auf punktuelles Wissen setzen, das aber meist schon kurz nach der schriftlichen Prüfung wieder vergessen ist und erst recht keinen guten Juristen auszeichnet. Mit der Sicherheit, für Detailfragen auf einen Handkommentar zurückgreifen zu können, wird der Fokus bei der Examensvorbereitung wieder auf die Gesamtkompetenz und die Argumentationsfähigkeit gelegt.

Nicht zuletzt sind Kurzkommentare schon jetzt als Hilfsmittel bundesweit im zweiten Staatsexamen zugelassen. Das Argument, dass dort der Schwerpunkt auf dem praktischen Teil liege, dagegen im ersten Examen auf dem wissenschaftlichen Diskutieren von Streitständen, scheint wenig stichhaltig. Letzteres würde durch die Zulassung von Kommentaren in der ersten Staatsprüfung ja nicht obsolet werden, da in Examensklausuren nach wie vor keine Zeit bliebe, Handkommentare auf mögliche Meinungsstände zu durchsuchen. Die Prüflinge müssten ein juristisches Problem erst einmal kennen, bevor sie die Details dann im Kommentar nachschlagen könnten.

Zusätzlich wäre nicht länger das Rezitieren, sondern eine eigenständige und wissenschaftliche Problemlösung durch Systemverstehen und Methodik der Indikator für hervorragende Leistungen. Dabei würde sich das erste Staatsexamen auch bei einer Einführung von Handkommentaren durch die Art der Klausurstellung noch hinreichend vom zweiten Examen unterscheiden.

Zitiervorschlag

Hannah Klumpp, Anne Kuckert und Clemens Dienstbier, Reform des Jurastudiums: Handkommentare im ersten Examen und Abschichten deutschlandweit. In: Legal Tribune Online, 27.10.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25269/ (abgerufen am: 25.11.2017)

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Kommentare
  • 27.10.2017 10:52, FinalJustice

    Eine juristische Staatsprüfung ohne Kommentarliteratur abzulegen ist in etwa so, als würde man eine handwerkliche Meisterprüfung ablegen und der Prüfer sagt einem "Fangen Sie an, wie Werkzeug aussieht, das haben sie ja auswendig gelernt, das müssen sie auch ohne können."

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    • 30.10.2017 12:33, Theopa

      @FinalJustice: Der Handwerker muss sich die Werkzeuge aber auch nicht selbst kaufen und dann mitnehmen. Es genügt schon wenn Referendare mal eben vierstellige Beträge für Kommentare etc ausgeben müssen: Wie soll sich das ein Student leisten können?

      Wenn sie zur Verfügung gestellt würden könnte man darüber reden, anderenfalls würden wohl nur die Verlage profitieren.

      Nebenbei: Für das Erste braucht man mE keine Kommentare und muss auch kaum Streits kennen, jedenfalls soweit man nicht realistisch den zweistelligen Bereich anvisiert.

    • 16.11.2017 11:26, Hörma

      @Theopa:

      Wer auf 4 Punkte lernt, landet leicht bei 3.

    • 18.11.2017 12:13, Hans Istegal

      Wo haben Sie Staatsexamen gemacht?
      In Bremen?

  • 27.10.2017 11:02, Lemke

    Wie wäre es, wenn die Prüflinge während der Prüfung ihr Smartphone benutzen, wie es auch längst im beruflichen Alltag üblich geworden ist. Der zeitgemäße Umgang mit den neuen Medien sollte gang und gebe sein. Niemand wird im Berufsalltag auf die Internetrecherche verzichten. Wozu also dieser ganze Zirkus mit dem Auswendiglernen?

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    • 29.10.2017 14:58, RA Z.

      Weil die Prüfungsämter und einige Altjuristen wohl davon ausgehen, dass man sich Methodenlehre und Verständnis eben ergooglen kann. Wenn die Klausuren aber wirklich so ergooglebar sind, ist der Sachverhalt einfach schlecht gestellt. Das Problem ist ja, dass man mit genügend Auswendiglernen - aber ohne Verständnis -
      ganz gut durchs Examen kommt und dann in der Praxis ein absolut grottig schlechter Jurist sein kann.

  • 27.10.2017 11:08, Erzbischof Law

    Dem stimme ich zu. Lemke trifft es endlich mal auf den Punkt. Wenn das Studium nicht zeitgemäßer wird, können wir es gleich bleiben lassen. Studien zu Folge benutzen längst 5% der Rechtskandidaten während der staatlichen Prüfung ihr Smartphone. Konsequent ist mithin nur eine Vereinheitlichung, bei der alle ihr Handy nutzen können.

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    • 27.10.2017 12:52, Klaus

      Es gibt bekanntlich noch andere (bessere) Möglichkeiten, die Note zu seinen Gunsten zu beeinflußen, da braucht es kein "Handy".

  • 27.10.2017 11:11, Jemand

    Die Argumentation mit den überdurchschnittlichen Noten in NRW beim zweiten Examen ist wirklich ein schlechtes Argument, denn unter Umständen wird den Referendaren in NRW auch wesentlich weniger zugemutet, als den Referendaren anderer Bundesländer und die Ergebnisse sind vielleicht deshalb überdurchschnittlich. Solange es kein bundesweit einheitliches Examen gibt, kann man vermutlich sogar unterstellen, dass die Referendare es dort leichter haben, als in anderen Bundesländern.

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    • 27.10.2017 17:36, Daniel

      Da sind sie wohl noch richtig informiert. Im zweiten Examen nehmen 15 Bundesländer am Ringtausch der Klausuren teil. Es wird also (fast) überall das gleiche Examen geschrieben. Man kann also schon sagen, dass gerade das zweite Examen ein einheitliches ist.

    • 07.11.2017 19:20, echo

      Ringtausch allein bietet noch keine vergleichbaren Bedingungen. Selbst erlebt: ZR I - (Urteils)Klausur im 2. Examen wird zeitgleich in mehreren Bundesländern geschrieben, nur mit dem Unterschied, dass vielerorts der Tatbestand erlassen war; wir in Sachsen diesen aber mitzuliefern hatten. Auch wenn das Abfertigen des Tatbestandes sicher kein "juristisches Hochreck" ist, kostet es doch wertvolle Zeit für die eigentliche Fallösung.

    • 18.11.2017 12:31, Hans Istegal

      Sehr vergleichbar, wenn man zB in Bayern deutlich mehr Stoff hat als alle Anderen

  • 27.10.2017 11:25, Ref

    Das Argument, dass man im Berufsleben im Kommentar nachschlagen kann, überzeugt mich nicht so richtig. Klar kann man einzelne Fragen nachschlagen, aber als Praktiker hat man nicht die Zeit alles nachzuschlagen, sondern muss sich auf ein solides Grundwissen verlassen können, das man sich letztlich durch Auswendig lernen aneignet.

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    • 27.10.2017 12:10, Maja S.

      Da widerspreche ich, lieber Ref. Das Grundwissen, das in der Praxis verlangt wird, ist nicht auswendig gelernter Stoff, sondern ein Verständnis von juristischer Systematik, Arbeitsweise und Zusammenhängen und das schnelle Anwenden auf neue Situationen und Sachverhalte. Ein angehender Jurist muss natürlich dogmatische Probleme und Meinungsstreitigkeiten kennen, aber er muss sie dabei verstanden haben und nicht bis hin zur siebten Mindermeinung auswendig aufsagen können. Meine Auffassung ist daher eher, dass das Abspulen gerade keine wissenschaftliche Herangehensweise an Probleme fördert-
      Es sollte daher in Klausuren deutlich weniger belohnt werden, als systematisches Verständnis.

    • 27.10.2017 14:17, M.D.

      Als Praktiker können Sie heutzutage häufig die komplette Lösung googeln. Das ist doch gerade der Witz der Informationsgesellschaft. Der moderne Jurist arbeitet mit der cut&paste Funktion und baut seine Schriftsätze aus BGH-Entscheidungen zusammen. Das ist im Übrigen auch weder schlecht noch unqualifiziert, sondern genau richtig. Erstinstanzliche Gerichte machen das nämlich auch nicht anders.

      Das Bild vom Anwalt, der mit Hornbrille, Ärmelschonern und Palandt bewaffnet irgendwelche Gutachten erstellt und auf seiner Adler-Schreibmaschine im 2-Finger-Sichtsystem einhämmert, stammt aus der Zeit nach dem Krieg und ist schon lange überholt. Leider schwebt genau dieser Typ Jurist den Prüfungsämtern noch immer noch als Maßstab aller Dinge vor.

    • 29.10.2017 15:01, RA Z.

      @Ref: Wenn Sie tatsächlich der Meinung sind, dass in der Praxis das Grundwissen die im Studium auswendig gelernten 200 Theorien sind, dann sollten Sie nicht in die Praxis gehen, sondern an der Uni bleiben.

  • 27.10.2017 11:41, Tüdelütütü

    An einer Erneuerung der Juristenausbildung "eiert" man schon seit langem beständig herum, ohne größere Veränderungen von Belang im Ergebnis. Die Frage bleibt, was die undurchdringlichen Interessen dahinter sein können, das Studium und die Juristerei derart unumstößlich zu vernebeln und besonders schwer zu erhalten?
    Wenn es allein Qualität wäre, müsste Deutschland, gemessen an der vorgeblich eine besondere Qualität begründenden Schwere der Ausbildung, ein Hort höchstrein verständiger und verständlicher Gerechtigkeit sein o.ä. Dem kann es bereits widersprechen, dass sich nach Umfragen in der Bevölkerung eine Vorstellung hartnäckig zu halten scheint, dass es in Deutschland, etwa besonders in der Justiz, nicht immer besonders gerecht zugehen muss.

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  • 27.10.2017 11:42, Auf keinen Fall

    Jeder hat den selben Scheiß durchzumachen, wie wir anderen auch alle! Optional kann man sich die Bedingungen aussuchen, ob alte oder neue Prüfung, dies wird aber auf dem Zeugnis vermerkt- und zwar fett mit roter Farbe!

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  • 27.10.2017 12:24, Matlock

    Ohje, die ewige Diskussion ohne Ergebnisse.
    Jedenfalls sind die Unterschiede im Prüfungsstoff von nord nach süd gewaltig.
    Der bayer. Absolvent staunt, wenn die hamburger Richterin lapidar sagt, sie habe gar keine Lust, sich für den Fall extra ins Erbrecht einzuarbeiten, man möge sich doch vergleichen.
    Ebenso verhält es sich regelmässig mit Arbeits-, Familien- und Steuerrechtsfragen.

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    • 27.10.2017 13:03, Karl Lauer

      Steuerrecht? Bei der Steuerberaterprüfung geht es nur darum, daß man die amtliche Lösungsskizze trifft. Die Korrektoren haken das Ding in 10 Minuten ab (oder auch nicht).
      Ob es richtig oder falsch ist, interessiert die Korrektoren nicht.
      Ein (verfassungswidriges) Beispiel, wie man es nicht machen sollte.
      Viele klagen daher bereits gegen die lächerliche Witzprüfung (manche nennen sie fälschlicherweise auch Steuerberaterprüfung).

  • 27.10.2017 12:29, Marc E.

    Hier sieht man, wohin es führt, wenn man die juristische Ausbildung vereinheitlichen will. Die Behauptung, dass sich dann an einem hohen Niveau angeglichen wird, wird mit diesem Beitrag Lügen gestraft. Stattdessen wird so ein Unsinn wie Handkommentare oder Notizzettel vorgeschlagen, damit auch ja diejenigen weiter das Examen bestehen, die aus Bundesländern kommen, die halt eine laschere Ausbildung fahren (ja ich schaue hier auf Berlin). Währet den Anfängen und lasst so einen Unsinn nicht zu. Wer nicht mehr in der Lage ist, sich ordentlich auf Prüfungen vorzubereiten, soll es bleiben lassen. und in anderen Studienfächern kannst du dir auch nicht einfach ein paar Notizen machen.

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    • 27.10.2017 12:59, Monika

      Hast recht

  • 27.10.2017 13:43, M.D.

    Das 1. Examen wird - insbesondere von Professoren - gerne überbewertet. Im Vergleich kommt ihm jedoch in der Praxis in etwa so viel Bedeutung zu, wie dem Abitur. Das eigentliche Bottleneck ist das 2. Examen, das in seinen physischen und psychischen Anforderungen in etwa dem Pilotentest der Lufthansa entspricht.

    Völlig unterschätzt wird bei den naiven Vorschlägen zur Verbesserung der Prüfungssituation auch der Nachteil eines Kommentars im Examen. Das Prüfungsamt kann zum einen den gesamten Inhalt des Kommentar als bekannt voraussetzen, zum anderen können gezielt Schwachstellen des Kommentars abgeprüft werden, wie es im 2. Examen bekanntlich an der Tagesordnung ist.

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    • 27.10.2017 14:56, Marc E.

      Zudem sollte man nicht vergessen, dass die Verwendungsmöglichkeit eines Kommentars Prüfer dazu verleiten könnte, die Klausuren umfangreicher und mit mehr Rechtsproblemen zu versehen, denn man kann ja alles schnell nachschlagen. Und für öffentliches Recht ist der Vorschlag im LTO-Text direkt untauglich. Ich denke jeder weiß aus seiner Examensprüfung noch sehr gut, dass einem der VwVfG- oder VwGO-Kommentar recht wenig genutzt hat, wenn auf einmal in die Tiefen des Kommunal- oder Baurechts vorgedrungen wurde.

    • 02.11.2017 18:20, GrafLukas

      Halte ich aus mehreren Gründen für Blödsinn. Zum einen fand ich das erste Examen sehr viel anstrengender und schwieriger als das zweite, zum anderen bin ich im zweiten Examen genau in eine der angeblichen "Kommentarfallen" im Palandt getappt und die Klausur wurde trotzdem mit 12 Punkten bewertet - der Prüfer weiß doch auch, dass man nur mit dem arbeiten kann, was zur Verfügung steht, und wenn man dann der nach Palandt herrschenden Ansicht folgt, was soll daran falsch sein?

    • 10.11.2017 23:52, tüdelütütü

      Schwierig kann es bei zulässiger Verwendung von Kommentaren sein, soweit Problemkreise sogar ohne Nachschlagen bekannt sein sollten und die Rechtsprechung oder herrschende Meinung vom Kommentar abweicht. Letzteres soll gar nicht so sehr selten sein. Wer hier etwa mit der Rechtsprechung oder herrschenden Meinung einer vom Kommentar abweichenden Lösung folgt, kann damit bereits leicht abseits einer Korrektorenlösungskizze liegen. Das kann sich unter Umständen bereits mal leicht tendenziell nachteilig auf ein Ergebnis auswirken. Für denjenigen, wer alles nachschlagen will oder muss, kann eine Bearbeitungszeit weniger genügen. Im zweiten Examen scheint bereits verbreitet eine Verwendung von Kommentaren zulässig. Soweit ersichtlich, ohne dass dies dabei deutlich zu günstigeren Prüfungsergebnissen im Vergleich zu Prüfungen ohne zulässige Verwendung von Kommentaren führen muss.

  • 27.10.2017 14:55, WissMit

    Hier kommen wieder die Bundesländer aus den Löchern gekrochen, die durch jahrzehntelange pädagogische Misswirtschaft versuchen alle auf ihr Niveau herunterzuziehen. Die Diskussion ähnelt dem Verlangen nach Aufhebung des Kooperationsverbotes und des Einheitsabis für alle.
    Danke, Berlin, Bremen, NRW. Ihr könnt euer tolles Abschichten behalten. Die juristischen Überflieger mit 12 Punkten plus könnt ihr auch gerne behalten.

    Interessant ist, dass sich Studenten, wie die Autoren, aus dem südlichen Raum ernsthaft dazu hinreißen lassen, solche Positionen zu vertreten.

    Hinsichtlich der Kommentare bin ich da eher entspannt. Die kann man von mir aus auch im ersten Examen zulassen.

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    • 02.11.2017 18:30, GrafLukas

      Ich bin auch für Kommentare, aber gegen Abschichten.

      Geht Abschichten in NRW inzwischen eigentlich generell für alle und immer? Zu meiner Zeit ging das nur, wenn gleichzeitig Freischussmöglichkeit bestand, also bei Examen innerhalb der Regelstudienzeit, nicht für "Bummler".

  • 27.10.2017 19:06, Robert M.

    Durch solche Vorschläge würde das Examen ja zweifelsohne einfacher gemacht werden. Dazu eine ganz simple Nachfrage: Ist der Arbeitsmarkt nicht bereits mit schlechten Juristen überschwemmt ohne Ende? Und dass trotz der Tatsache, dass das Studium so lang und beschwerlich ist. M.E. müssten die Anforderungen, über die 4-Punkte Grenze zu gelangen, noch erhöht werden bzw. es müsste im Grundstudium noch mehr ausgesiebt werden.

    Und am Rande: Wer der Auffassung ist, dass das Abschichten eine geringere psychische Belastung darstellt, hat es selbst nicht mitgemacht. Ich kann das Gegenteil bestätigen, wenn man sich 6 Monate mit den Klausuren hinschleppt. Im Gegenzug stellt es aber wirklich einen großen Vorteil zur Vorbereitung dar.

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    • 27.10.2017 19:42, Tüdelütütü

      In der Vergnügungsgastronomie scheint es so, dass der Andrang an gästen eher größer sein kann, soweit man eine strenge Einlasskontrolle einführt und dahinter besonderes verspricht. Bei der Juristenausbildung kann die Berufsfreiheit berührt sein. Will man die Absolventenzahl bei Juristen senken, scheint dies an der Grenze zu einer, allerdings kaum nacheisbaren, objektiven Zulassungsschranke. Eine solche Zulassungsschranke bedarf grundsätzlich einer besonderen angemessenen Rechtfertigung. Solche Rechtfertigung kann umso schwerer sein, umso schwieriger und weniger nachvollziehbar und je mehr an der objektiven Absolventenmenge orientiert Prüfungsentscheidungen scheinen. Der Wunsch, die Absolventenmenge zur Befriedung zu drücken, kann als objektiv einschränkender Grund individuell konkret als Rechtfertigung zweifelhaft bleiben.

    • 27.10.2017 21:18, Hobo

      Die schlechten Juristen sitzen in den Großkanzleien.
      Aber Pst, nicht weitersagen, sonst merken die Mandanten es.
      Und dann kann man nicht mehr die horrenden Stundensätze verlangen
      und im Flugzeug für 1 Tag 25 Stunden abrechnen.

    • 27.10.2017 21:32, Dr. D.

      @Tüdelütütü: Selten so einen Schwachsinn gelesen. Wenn man das Niveau im Grundstudium anhebt und deshalb mehr Studenten durch die Prüfungen fallen, ist das weit entfernt von einem Eingriff in die Berufsfreiheit. Ihrer Argumentation nach wäre jede zu bestehende Klausur ein Eingriff in die Berufsfreiheit, was ziemlicher Unfug ist, da es in der Natur der Sache eines Studiums liegt. Selbst wenn man es als Eingriff werten würde, muss es schon extreme, absurde Formen annehmen, dass dieser nicht gerechtfertigt ist.

    • 28.10.2017 00:01, tüdelütütü

      Ein Grundrechtseingriff kann naheliegen, soweit jemand abschliessend von einem Beruf ausgeschlossen ist, egal ob im Grundstudium oder sonstwo.
      Wenn man bereits im Grundstudium durch erhöhte Anforderungen stark siebt, kann dies nur gerechtfertigt sein, soweit dies zum Schutz besonders wichtiger Gemeinschaftswerte hier erforderlich angemessen scheint. Es müsste ein Zusammenhang zwischen Anforderungen und deren Bewältigung und dem Scutz eines besonders wichtigen Gemeinschaftswertes sicher feststehen, wie eventuell einer Qualität der Rechtpflege. Die Verringerung einer Menge von Berufsangehöriggen kann nahe einer objektiven Schranke liegen und damit schwerer zu rechtfertigen sein.

  • 27.10.2017 20:30, Jurastudent

    Ich habe im ersten staatlichen Teil das "gut" mit der mündlichen geholt (Hessen) - und das aus meiner Sicht komplett ohne auswendiglernen.
    Warum? Auswendiglernen hat mir nie Spaß gemacht und ich habe Jura immer als Wissenschaft begriffen, auch das eher stumpfe Examen. Klar, einige wenige Streits hat man drauf bzw. kann sie im Ernstfall herleiten, aber ich habe nie verstanden, warum Juristen so viel auswendiglernen (und dann sehr häufig um die 7-8 Punkte kämpfen).

    Meine Art zu argumentieren, auch bei unbekannten Problemen (mmn. war das Examen in Hessen so, dass man mit Auswendiglernen nicht weit kam. Viele §§ habe ich in der Klausur zum ersten Mal richtig gelesen; die kamen nichtmal bei uns im kommerziellen Rep dran) wurde dagegen von den Prüfern honoriert. Auch, wenn keine 4. Mindermeinung dargestellt wurde.

    Auch wenn ich vllt. ein extremer Einzelfall bin kann ich daher das Mythos, dass Juristen viel auswendiglernen MÜSSTEN, nicht bestätigen. Das gleiche erzählen mir Kommilitonen, Anwälte, Mentoren, Professoren, die ähnlich abgeschnitten haben (Prädikat). Warum auch? Auswendiglernen bringt niemandem was und das JPA ist schlau genug (sollte schlau genug sein), das Wissen abzufragen, das kein Rep behandelt. Eben um zu sehen, ob der Kandidat auch juristische Transferleistungen erbringen kann, denn genau darum geht es ins Examen.

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    • 27.10.2017 21:16, Hobo

      So ist es.
      Aber das bay. Prüfungsamt ist leider/zum Glück nicht so schlau. In Steuerrecht kamen im 2. Examen Sachen dran, wo später der Prüfer sagte: So was darf nicht in eine Klausur für das Examen. Da waren jede Menge Fehler drin im Sachverhalt. Damit ist (mal wieder) bewiesen: Die CSU-Dödel im Prüfungsamt haben halt keine Ahnung von Steuerrecht. Wen wundert das?
      Wer CSU Wählt, wählt Verbrecher.

    • 02.11.2017 18:26, GrafLukas

      Meiner Meinung nach wird mindestens im ersten Examen im Strafrecht sehr stark verlangt, dass man diese Definitionen der TB-Merkmale abspulen kann. Genau dazu fände ich Kommentare hilfreich.

      Ansonsten stimmt es: Meinungsstreits muss man nicht auswendiglernen, man muss sich nur merken an welcher Stelle es Streit gibt und warum. Wenn man das verstanden hat, ist es sicher besser als wenn man die Theorie mit Namne auswendig hinschreiben kann.

  • 27.10.2017 21:15, Eric

    Wichtig sollte sein, dass der angebliche Leitgedanke des Einheitsjurist auch wenigstens formal dadurch praktiziert wird, dass bundesweit die identischen Prüfungsmodalitäten herrschen - aber auch bei beiden Examen. Man kann nicht die Arbeit mit dem Kommentar wortreich für ein Examen verteufeln und für das andere Examen zulassen. Das Pseudoargument der Praxisnähe des 2. Examens wurde im Artikel ausreichend gewürdigt, ist aber auch für jeden, der beide durchlaufen hat, zum Schmunzeln.

    Beide Examen sind herrlich abstrakt und praxisfern. Das ist vielleicht auch richtig so, es soll ja immerhin ein Abschluss der Rechtswissenschaften sein und keine bloße Rechtsausbildung. Aber dann fange man doch bitte nicht an dem 2. Examen einen fundamental anderen Charakter anzudichten. Es gibt kein Argument dafür, einmal das Kommentar zu verbieten und es dann wieder zuzulassen, das stringent nachvollziehbar ist.

    Aber das Argument, dass damit auch im 1. Examen der Charakter der Begründungs- Beurteilungs- und Entscheidungswissenschaft mehr in den Vordergrund rücken würde, weniger "auswendig lernen" und mehr "können", das ist für sich genommen bereits überzeugend genug, um zukünftigen Prüflingen die Nutzung des Kommentars in beiden Examen zu gestatten.

    Das erste Examen wird damit anders, aber nicht per se leichter. Umgekehrt wird reines Paukwissen kaum noch einen positiven Einfluss auf die Bewertung haben können und mithin ein anderer Typus des Prüflings die Bestnoten erhalten. Der Typus, der nicht nur induktiv lernen kann, sondern auch deduktiv folgern kann. Der Typus, den wir als Juristen brauchen!

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  • 29.10.2017 09:38, Horst Ehrmanntraut

    Eine der Prämissen des Artikels ist: "Zulassen von Kommentaren macht Auswendiglernen weniger sinnvoll und verschiebt den Schwerpunkt mehr auf Systemverständnis." Das findet in der Kommentarspalte größtenteils Zustimmung (oder wird jedenfalls nicht näher hinterfragt).
    Ich kann das nicht nachvollziehen.

    Aus meiner aktuellen Perspektive (3 Wochen vor der Mündlichen fürs 2. StX) ist genau das Gegenteil der Fall:
    Die Verfügbarkeit von Kommentaren führte bei mir und vielen meiner Referendarkollegen dazu, dass wir über die zwei Jahre in unseren juristischen Grundlagenkompetenz regelrecht "abgestumpft" sind. Denn die Versuchung, an eine unbekannte Problemstellung sich nicht mehr mit juristischem Handwerkszeug, sondern mit einem Blick auf das Stichwortverzeichnis im Palandt etc. heranzuwagen, ist denkbar hoch.
    Nach meiner Erfahrung (und diversen Äußerungen ausbildender Prüfer) zeichnen sich gute Klausuren gerade nicht durch wiedergekäutes Wissen, sondern durch strukturierte, nachvollziehbar aufgebaute und schlüssig zu Ende gedachte Auseinandersetzung mit Problemkreisen auf. Die Verfügbarkeit der Handkommentare verleitet dazu, genau das zu Unterlassen und "das steht so im Palandt" zumindest gedanklich als Argument ausreichen zu lassen, was sich zwangsläufig in der Darstellung niederschlägt.

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    • 31.10.2017 09:12, M.D.

      In jeder Musterlösung steht zu den Kernproblemen des Examensfalles ausnahmslos die Passage "Die Entscheidung lag den Kandidaten nicht vor", was übersetzt heißt: Steht nicht im Kommentar.

    • 01.11.2017 09:57, Tüdelütütü

      Dass sich in der Juristenausbildung gute Lösungen besonders durch strukturierte, nachvollziebare zu Ende durchdachte Problemauseinandersetzung auszeichenn sollen o.ä., scheint eine von Ausbildern geteilte Juristenmär. Dies genauso, wie die Behauptung, es gehe um Systemverständnis.
      Wenn man in Prüfungsarbeiten alle Probleme zu Ende diskutieren wollte, sollte oft die Bearbeitungszeit nicht ausreichen.
      Ganz häufig findet man ebenso im Referendariat sehr wohl, dass Diskussionen durch verkürzende Berufung auf Autoritäten und Urteile ohne eingehendere Auseinandersetzung beendet sind. Das kann einem mehr oder weniger willkkürlich mal positiv als gekonnter Gutachtenstil im Wechsel mit Urteilsstil oder als mal negativ als zu oberflächlich kurz gewertet sein. Wenn man nicht die Argumentation mit entsprechender Schwerpunktsetzung der Lösungsskizze trifft, kann das schon mal ungut wirken. Gute Lösungen scheinen sich sonst oft besonders eher durch ein klares Schriftbild und übersichtlichere, nicht zu sehr verkomplizierende und etwas grobere schlichtere Argumentations- und Denkweise auszuziechnen. Bei allem kann es weitgehend egal scheinen, ob man in Prüfungen Handkommentare benutzen darf, oder nicht.
      Ein teils gesamtgesellschaftlich relvantes Problem, dass eine Juristenausbildung besonders eine von Gerechtigkeitsaspekten teils entkoppelte sozialstatusbildende strenge Auslesefunktion hat, kann durch solche geringeren Erneuerungsvorhaben weiter ungelöst bleiben.

    • 03.11.2017 10:23, Klaus

      In drei Wochen sprechen wir wieder, vielleicht haben Sie Ihre Meinung bis dahin geändert.

  • 29.10.2017 10:15, SW

    Handkommentare im ersten Examen...dafür bräuchte es Klausuren die darauf ausgelegt sind. Auch würde das im Zweifelsfall dazu führen, dass noch komplexere Rechtsfragen in der selben Zeit zu bewältigen sind. Was fehlt, ist der Anspruch an die Lösungen. In Klausuren ist gut, wer an der richtigen Stelle den richtigen Meinungsstand nebst Argumenten darstellen kann.

    Wichtig ist doch aber gerade im so wissenschaftlichen Studium die Auseinandersetzung mit Meinungen und das entwickeln eines eigenen Standpunktes. Das gelingt vielen Studenten im Schwerpunkt ziemlich gut. Anders kann es nicht zu erklären sein, warum Seminararbeiten so gut ausfallen.

    In Klausuren Punkten hingegen die, die viel Stoff auswendig lernen können und sich darauf geschult haben, wann dieses wo abzuspielen ist. Da brauchen sich niemand wundern, wenn Juristen als Subsumtionsautomaten gelten.

    Was im Studium und im Referendariat fehlt, ist dir tatsächliche sprachliche Auseinandersetzung mit anderen Personen. Das Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Die Fähigkeit Sachverhalte aus dem Stehgreif einfach und plausibel erklären zu können.

    Es muss anerkannt werden, das man Jura nicht in 4,5 Jahren Regelzeit oder kürzer studiert. Man muss den Studenten die Zeit geben zu Menschen zu reifen, die sich in wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Themen auskennen. Nur dann kann man Entscheidungen treffen die später in der Praxis von einem erwartet werden.

    Vereinheitlichung des Studiums und des Prüfungswesen. Mehr Prüfungen von Soft-Skills, mehr mündliche Prüfungen und universitäre Veranstaltung um über den Tellerrand hinaus zuschauen. Ein richtiges Referendariat, in dem die Referendare in der Station in die Tätigkeit ihres Ausbilders eingebunden werden und Leistung bringen müssen. Kein Tauchen.

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    • 01.11.2017 20:02, @SW

      So ein Unsinn. Wir sollten den Juristen im Gegenteil diese Schwäche namens Softskills mit der Peitsche austreiben. Kälte logische Analyse und Anwendung, frei von Emotion und Mitleid, bringt juristisch korrekte Entscheidungen. Wer mehr Menschlichkeit und am Leben orientierte vertretbare Entscheidung will, sollte Mediator im Familienrecht mit Schwerpunkt elterliche Sorge und "Kommunikationstee trinken" werden. Emotionen sind auf allen Seiten immer wieder Grund für juristisch falsche Ergebnisse.

      "Aber meine Mandant kann doch nicht ins Gefängnis. Er hat Frau und Kind!"

      Ja, dann sollte er sich umso MEHR unter Kontrolle Haben und nicht in offener Bewährung neue Straftaten begehen...

      "Aber wenn ich das bezahlen soll, bin ich insolvent"

      Ja, dann bestell nicht hundert Paar Schuhe im Internet, du Dummhuhn.

      "Die Schakkeline will den Papa nicht mehr besuchen tun."

      Dann nimm halt ein Kondom, wenn Du an deinem Eisprung den Dorftrottel über Dich drüberrutschen lässt.

      Mehr Konsequenz würde uns alle gut tun.

    • 03.11.2017 23:07, Ermic

      " Auch würde das im Zweifelsfall dazu führen, dass noch komplexere Rechtsfragen in der selben Zeit zu bewältigen sind. "

      Eben. Und damit das genaue Gegenteil von dem, was viele hier reflexartig entgegnet haben, dass damit das Niveau des Examens gesenkt werden würde. Das genaue Gegenteil wäre der Fall. Der Typus "Workaholic", der mit exzessivem Auswendiglernen und tausend Seiten Vorlesungsmitschrift voller Textmarker, bisher häufig erstaunlich erfolgreich das Examen kommt, aber in Konversationen zeigt, dass da kein eigenständiges juristisches Denken dahinter steht, würde vermutlich an solch einem Examen scheitern. Denn dann gibt es keine Punkte mehr auf Paukwissen, das kann man Großteils nämlich aus den Kommentar herausziehen und was im Hilfsmittel steht kann keine Punkte im Examen geben.

      Letztlich stemmt man sich also gegen eine Erhöhung des Niveaus, wenn man die Zulassung des Handkommentars ablehnt.

  • 30.10.2017 06:20, Oliver

    In den Kommentaren sind die Theoriendiskussionen, die man für die Lösung der Klausuren des ersten Staatsexamens braucht, nicht enthalten.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 03.11.2017 23:03, Ermic

      Die Kommentare nehmen

      a) würden reines Paukwissen in der Relevanz der Prüfungssituation deutlich vermindern. Das heißt umgekehrt: für Leute, die bisher noch viele Punkte mit reinem Paukwissen in der Gesamtpräsentation sammeln konnten, würde es schwieriger, als bisher - es ist ein kurioses Verständnis, dass es mit der Zulassung von Kommentaren gar leichter würde, das Examen zu bestehen.

      Das wäre ja nur der Fall, wenn sich an Aufgabenstellung und Bewertungsmaßstab nichts ändern würde, was aber eine unsinnige Vorstellung ist. Die Prüfung würde daraufhin angepasst und das, was jeder (mit ein bisschen Erfahrung in der Kommentarnutzung) aus dem Kommentar herausziehen kann, gibt dann natürlich keine Punkte mehr. Und das ist eher nicht das Wissen, das einen brillanten Rechtswissenschaftler auszeichnet, sondern eher stumpfes Paukwissen, das zudem für die Befähigung zum Richteramt gerade keine Rolle spielt, jeder arbeitende Jurist (nicht nur die Anwälte) ziehen sich ohnehin immer den aktuellsten Kommentar heran und subsumieren nicht etwa aus dem Gedächtnis heraus.

      Eine Zulassung des Kommentars wäre also sachgerechter dahingehend die Befähigung für das Richteramt zu prüfen - die besteht nicht darin, einen Kommentar durchblättern zu können, sondern darin, die darin zu findenden Informationen zu (be)werten und anzuwenden.

      b) umgekehrt würden die Prüflinge bessere Noten erhalten, die wir uns doch eigentlich in den Führungsetagen und auf den Richterstühlen wünschen. Nämlich gute Akademiker und Rechtswissenschaftler, keine Subsumtionsautomaten die ein glückliches Händchen beim Lernen auf Lücke hatten (Examensvorbereitung ist letztlich immer Lernen auf Lücke) und sich auf genau die Fallgruppe gut vorbereitet haben, die dann im Examen abgeprüft wurde (siehe die "heißen Tipps" die dann im Rep immer kursieren usw.).

      Mein Fazit ist, wer induktives Wissen - Paukwissen - abprüfen möchte, der lässt keine Kommentare zu und gibt mithin der Abfrage von Paukwissen eine tragende Rolle im Examen. Wer deduktives Wissen - Kompetenzen und Wissenstransfer, mithin wissenschaftliche Kompetenzen - abprüfen möchte, der lässt Hilfsmittel für stupides, akademisch betrachtet "geringwertigeres" Paukwissen zu und nimmt dieses damit größtenteils aus dem Bewertungsmaßstab und setzt somit den Fokus neu auf "höherwertigeres" Transferwissen und Kompetenzanwendung.


      Das ist der Unterschied zwischen denen, die ein Prüfungsschema einpauken und dann durchprüfen und denen, die sich die einschlägige Norm heraussuchen und dazu selbst, ad hoc, ein Prüfungsschema rausskizzieren und anwenden können. Derzeit hat letzterer Prüfling keinen Vorteil im Staatsexamen, obwohl derjenige evident der bessere Jurist ist. So paradox es auf den ersten Blick erscheinen mag, aber die Zulassung von Kommentaren als Hilfsmittel im 1. Examen würde denjenigen "schaden", die alles immer nachlesen müssen und denen "helfen", die das schreiben, was die anderen immer nachlesen. Das würde den Bewertungsmaß vom Kopf auf die Füße stellen.

    • 07.11.2017 19:52, Examenskandidat

      @Ermic: ich bin erleichtert ob des Umstand, dass es offenbar noch Juristen gibt, die richtige Schlüsse aus dem ziehen können, was sie in Studium und Prüfung erfahren haben

  • 10.11.2017 11:44, tüdelütütü

    Literatur kann die herrschende Rechtslag nicht völlig selten verkürzend nur bedingt genügend wiedergeben. Bei Zulässigkeit können damit wiederum nur solche Kandidaten begünstigt sein, welche unter Zeitdruck mitunter mehr zufällig mögliche Unzulänglickeiten im Schrifttum und beim Prüfer am ähnlichsten treffen können. Inwieweit das, außer nur oberflächlich fairer scheinenden Prüfungen, bahnbrechend gewinnbringend sein sollte, kann zweifelhaft sein

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