Entwertung des Schwerpunktbereichs: Welche Rolle sollen die Uni­ver­si­täten noch spielen?

von Ruben Rehr

07.07.2016

Der Schwerpunktbereich steht in der Kritik, er sorge für Noteninflation und der Aufwand belaste die Fakultäten zu sehr. Wenn man ihn schwächt, bleibt von der Wissenschaftlichkeit im Jurastudium aber nicht mehr viel übrig, meint Ruben Rehr.

 

Im Vorfeld der Justizministerkonferenz im Herbst steht abermals der Schwerpunktbereich im Zentrum einer Debatte. Es wird diskutiert, nicht mehr als drei Prüfungen in die Note des Schwerpunktbereichs einfließen zu lassen, wovon eine der Prüfungen eine schriftliche Prüfung sein muss. Zudem sollen die Schwerpunktbereichsnoten nur noch 20 Prozent anstelle von bisher 30 Prozent der Gesamtnote der Ersten Juristischen Prüfung ausmachen. Die Anzahl der Semesterwochenstunden soll auf 10 bis 14 (derzeit 16) sinken.

Teilweise kursieren auch weitergehende Ansätze, die den Schwerpunktbereich gleich ganz abschaffen möchten. Das Ergebnis bleibt dasselbe: Der Einfluss des Schwerpunkts soll verringert werden.

Begründet wird der Vorschlag mit der hohen Arbeitsbelastung der Universitäten und der großen Unterschiede zwischen den Hochschulen und damit mangelnder Vergleichbarkeit. Tatsächlich scheinen diese Gründe nur vorgeschoben zu sein, um den Universitäten mehr Möglichkeiten zu geben, sich um gute Lehre zu drücken. Dabei lassen die Kritiker die Vorteile des Schwerpunktbereichs außer Acht und entwerten die Rolle der Universität in der juristischen Ausbildung.

Schwerpunkt sichert wissenschaftlichen Anspruch im Studium

Der Begriff "Rechtswissenschaften" enthält den Bestandteil "Wissenschaft". Doch wie setzen die Fakultäten diese um? Die Verwirklichung des wissenschaftlichen Anspruchs kann nicht im Anbieten einer Zwischenprüfung, einiger Übungen und Softskill-Workshops gesehen werden. Falllösungen mögen die Kernelemente des juristischen Handwerkszeugs trainieren können, doch gehört mehr zur Wissenschaft, als Sachverhalte lösen und Meinungsstände verständlich und mit den gängigen Auslegungscanones vertretbar darlegen zu können.

Der Schwerpunkt bringt einen erheblichen Teil Wissenschaft in das Studium mit ein: Innerhalb eines Jahres lernen Studenten, sich in einem konkreten Rechtsgebiet zu bewegen, die aktuellen Debatten in Fachzeitschriften zu verfolgen und über eine wissenschaftliche Arbeit eigene Standpunkte zu speziellen Rechtsfragen herzuleiten und einzunehmen. Das funktioniert, weil fokussierter und komprimierter studiert wird als im Pflichtfachstudium, in dem immer mindestens drei oder vier Fächer parallel bearbeitet werden müssen.

Praktiker als Lehrende sind ein Plus, kein Minus

Teilweise wird kritisiert, dass die Einbindung von Praktikern zu einem Verlust von Wissenschaftlichkeit führt. Doch dass Praktiker sich schon von Berufswegen blind und kritiklos an der Rechtsprechung orientieren, ist falsch. Die in den Schwerpunktbereichen lehrenden Praktiker haben vielfach promoviert und so ihre Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit unter Beweis gestellt. Ihre Einbindung schadet dem wissenschaftlichen Diskurs nicht, sondern reichert ihn um praktische Elemente an.

Somit stellt der Schwerpunktbereich für Studenten vielfach die erste und einzige Möglichkeit dar, sich vertieft in ihr gewähltes Rechtsgebiet einzuarbeiten. Die stärkere Orientierung am späteren Berufsleben war ein Eckpfeiler der Einführung des Schwerpunktbereichs. Da sich viele Studenten im späteren Erwerbsleben intensiv mit Rechtsgebieten abseits des Prüfungsgegenständekatalogs befassen werden, bietet der Schwerpunkt oft die Chance, Grundstein für den späteren Werdegang zu sein.

Überlastung der Universitäten eher ein Organisationsproblem

Es wird vereinzelt vorgebracht, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wissenschaft sei durch den Schwerpunktbereich gefährdet, da den Professoren nicht genug Zeit zum Publizieren bleibe. Selbst wenn man die rechtswissenschaftliche Forschung nicht am Abgrund sieht, stellt auch der Wissenschaftsrat fest, dass der Schwerpunktbereich zu einer starken Lehrbelastung führt. Allerdings überzeugt weder das Angstgeschrei vor dem Untergang der deutschen Wissenschaft noch die Annahme, die Mehrbelastungen durch den Schwerpunktbereich seien untragbar. Richtig ist zwar, dass eine Verlagerung der Prüfungen vom staatlichen Teil in den universitären Teil zu Mehrarbeit an den Fakultäten führt. Eine Gewichtung von 20 Prozent anstelle von 30 Prozent ändert hieran aber nichts, sondern bewirkt nur eine andere Notenzusammensetzung.

Der Vorschlag, die Semesterwochenstundenanzahl zu senken, würde hingegen zu einer Verringerung der Belastung führen. Doch diese Prämisse ist mittelfristig fragwürdig, denn allzu oft folgt der Arbeitsentlastung eine finanzielle Kürzung, die die gewonnenen Vorteile für die Universität wieder neutralisieren würde.

Darüber hinaus handelt es sich primär um ein inneruniversitäres Problem der Ausgestaltung des Schwerpunkts, nicht um ein strukturelles Problem der Semesterwochenstundenanzahl. Überlastete Universitäten müssen sich die Frage gefallen lassen, warum es nicht zu der – im Übrigen durch den damaligen Gesetzentwurf gewünschten – Profilbildung und damit zu den Synergieeffekten zwischen den Schwerpunktbereichen gekommen ist oder nicht mehr wissenschaftlich qualifizierte Praktiker eingebunden werden. Studenten künftig ein ausgedünntes Lehrangebot anzubieten, weil manche Universitäten es verschlafen haben, vernünftige Schwerpunktkonzepte zu entwickeln, ist kein Argument. Kürzungen der Semesterwochenstundenanzahl sind der falsche Weg.

Zitiervorschlag

Ruben Rehr, Entwertung des Schwerpunktbereichs: Welche Rolle sollen die Universitäten noch spielen?. In: Legal Tribune Online, 07.07.2016, https://www.lto.de/persistent/a_id/19912/ (abgerufen am: 21.09.2017)

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Kommentare
  • 07.07.2016 11:27, catilina

    Schwerpunkt schön und gut, aber die Bewertungsunterschiede sind einfach viel zu groß. Die Notenvergabe ist hier viel zufälliger als beim Staatsteil, insbesondere wenn man seine Studienarbeit im Ausland schreibt. Ob man hier von einer fairen Leistungsbewertung sprechen kann, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.
    Auf der anderen Seite finde ich es gut und sinnvoll, dass Studierende sich in einem Teilgebiet "spezialisieren" können.

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    • 07.07.2016 14:52, Geti

      Top! Der Meinung bin auch. Nun wann wird wohl der Schwerpunkt Bereich abgeschafft??!

  • 07.07.2016 11:58, Christoph

    Der Schwerpunkt ist meines Erachtens nach nur sinnvoll, wenn die angehenden Volljuristen später auch wirklich etwas davon haben. Für den späteren Werdegang ist es derzeit doch vollkommen egal, welchen Schwerpunkt man gewählt hat - vielleicht wird in Großkanzleien darauf geachtet. Aber eine Qualifikation an sich ist der Schwerpunkt ja eben nicht. Und das macht ihn derzeit eigentlich obsolet.
    Es wäre viel sinnvoller, wenn dadurch schon der Grundstein für einen Fachanwaltstitel gelegt werden könnte. Beispielsweise, dass die Fachanwaltstitel dann leichter zu erreichen sind.

    Grundlegend schwingt in diesem Artikel aber auch eine generelle Kritik an der juristischen Ausbildung an den Universitäten mit. Und dies meines Erachtens vollkommen zu Recht. Man wird im Jurastudium wie schön beschrieben "soft" durch die Materie gezogen, um dann im Examen voll einen mit der Breitseite zu bekommen. Es scheint fast so, als hätten Universitäten und private Repetitoren ein stillschweigendes Abkommen darüber, dass an den Universitäten der Stoff nur "wischie waschie" geleert wird, damit private Repetitoren auch immer genug zu tun haben.

    Reformiert doch endlich generell das juristische Studium. Was spricht gegen eine grundsätzliche Spezialisierung im Hauptstudium? Ist es notwendig, öffentliches Baurecht können zu müssen, wenn man später als Strafrechtler arbeiten möchte?

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    • 07.07.2016 12:31, Marc Reiß

      Dass der Stoff nur "wischie waschie" gelehrt werde, halte ich für unzutreffend. Teils wird er aber tatsächlich -- nach Min-Max-Prinzip -- nur "wischie waschie" gelernt, was eher etwas mit der Struktur des Grundstudiums zu tun hat, als mit der Lehrweise der Dozenten oder der Unfähigkeit der Studenten.

      Der Schwerpunkt, sofern man ihn denn auch sinnvoll ausgestaltet, kann einige Fähigkeiten vermitteln, die in der Berufspraxis elementar sind, dafür bedarf es keiner Grundlegung für den Fachanwalt oder ähnlicher Modifikationen.

  • 07.07.2016 11:59, Liz

    Der Schwerpunkt war die Zeit in meinem Studium, die mir am meisten Spaß bereitet hat und in der ich mich am meisten für den zu lernenden Stoff begeistern konnte. Sein Wegfall wäre ein herber Verlust für das Jurastudium.
    Die Bewertungsunterschiede halte auch ich für sehr bedenklich, jedoch ist es doch sowieso schon gängige Praxis, dass ein potentieller Arbeitgeber sich vor allem die Note des staatlichen Teils anschaut.

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  • 07.07.2016 12:36, Student

    Man könnte natürlich auch einfach mal drüber nachdenken, das Studium an sich einfach wissenschaftlicher zu machen...

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  • 07.07.2016 12:43, Marc Reiß

    Der Artikel benennt m.E. sehr zutreffend eine der ausschlaggebendsten Gründe für die Notenschwankungen, namentlich die konkrete Umsetzung durch die Hochschulen.
    Gerade Frankfurt/M. war teils schon in der Kritik wegen der "zu" guten Schwerpunktbereichsnoten -- nur ist das eben nicht verwunderlich, wenn man vor der wissenschaftlichen Abschlussarbeit vier andere schriftliche Arbeiten auf diesem Niveau fordert und gleichzeitig den Studenten auch die Gelgenheit gibt, wissenschaftliches Schreiben zu üben.
    Pikanterweise kommen viele Klagen über die vermeintliche Sinnlosigkeit des Schwerpunktbereichs aber aus Hochschulen, die ihre Studenten unvorbereitet ins kalte Wasser der Seminararbeiten springen lassen.

    Die Probleme mit dem Schwerpunktbereich sind oft genug hausgemacht...

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  • 07.07.2016 13:48, Denis Basak

    Dem Autor danke ich aus tiefstem Herzen für einen Standpunkt, der zwar nicht neu, aber offenbar im nicht abreißenden Konzert der immer wieder aufkommenden Generalkritik am Schwerpunktbereich dennoch immer wieder nötig ist.

    Hier braucht es erstens keine stärkere Berufsorientierung an Fachanwaltstiteln (die ihrerseits ja auch inflationär zunehmen), weil es um etwas ganz anderes geht, nämlich ein Refugium tatsächlich wissenschaftlichen Arbeitens, das im Pflichtfachteil des Studiums schon deswegen unter die Räder kommt, weil von Anfang an feststeht, dass die Lehrenden nicht die Prüfung verantworten und damit ein schlüssiges Lehrkonzept, in dem Lernziele formuliert und dann sowohl Lehrinhalte und -methoden als auch Prüfungsinhalte und -formate darauf abgestimmt werden, gar nicht möglich ist. Zudem ist das übermächtige Prüfungsformat der Fallbearbeitungsklausur in seiner derzeitigen Form in vielerlei Hinsicht keines, das wissenschaftliches Arbeiten abprüfen kann, denn dieses bedeutet im Fach Jura zunächst Quellenauswertung und erst daraus folgend eine fundierte Herleitung einer Ansicht.

    Diese Formen wissenschaftlichen Arbeitens, die sekundär eben auch Techniken der Informationsrecherche und -auswertung beinhalten, sind auch für die spätere Praxis von zentraler Bedeutung und oft wichtiger, als Meinungsstände auswendig gelernt zu haben, die man in Sekunden in jedem Kommentar auch nachlesen kann - wenn man gelernt hat, diesen zu verwenden. Wissenschaftlich Arbeiten kann man in der derzeitigen Studiengangsstruktur aber nur im Schwerpunktbereich - wenn die Fachbereiche diesen entsprechend ausgestaltet haben.

    Auch hier hat der Autor völlig Recht: Die Probleme mit dem Schwerpunktbereich haben sich die Fachbereiche selbst gemacht, sie könnten diese auch selbst angehen. Die Landesjuristenausbildungsgesetze lassen ihnen hierbei große Freiheiten, welche die meisten Fachbereiche nicht nutzen (wollen?). Es wäre ein schwerer Fehler, ihnen diese Möglichkeit, aber auch Verantwortung wieder zu nehmen.

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  • 07.07.2016 14:05, Anon

    Schwerpunktbereich streichen und das Studium in Zwischenprüfung, Große Scheine, Examenszwischenprüfung und Examen unterteilen. Dann ist die Examensvorbereitung durch die Universitäten gewährleistet und der absolut sinnlose Schwerpunktbereich ist weg. Wenn man wissenschaftliches Arbeiten haben möchte, dann soll man halt bei der hypothetischen Examenszwischenprüfung eine Seminararbeit einbauen. Das ist Problem ist nicht unlösbar.
    Wie so oft, scheint es bei dieser Diskussion um ein Machttauziehen zwischen Land und Universität zu gehen. Ausgetragen auf den Schultern der Studenten. Wie viele Kommilitonen von mir hatten im staatlichen Pflichtfach über sieben Punkte und flogen wegen eines so banausigen Schwerpunktbereiches wie "Rechtsgeschichte" oder "Umweltrecht" von der Uni? Einige. Aber gut, solange man als Wirtschaftsjurist Master mit Doktortitel nicht ins Referendariat gehen darf, seid Ihr sowieso nicht zu retten, also was verschwende ich hier meine Zeit :).

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    • 07.07.2016 18:49, Denis Basak

      Kann man so machen. Muss man dann aber auch nicht mehr "Rechtswissenschaft" nennen, sondern eben Rechtskunde. Hat noch viel weniger Autonomie sowohl der Lehrenden als auch der Studierenden zur Folge und lässt randständige Themen gleich ganz aus dem Studium verschwinden. Und wissenschaftliches Arbeiten kommt dann eben nicht mehr vor. Gerade die Arbeitgeber, die von ihren Juristen die Fähigkeit zur schnellen und zuverlässigen Einarbeitung auch in unbekannte Rechtsmaterien erwarten, werden es nicht mögen.

      Kann man auch ganz anders denken: Erstes Staatsexamen in seiner derzeitigen Form ganz abschaffen und die Prüfungen komplett den Universitäten überlassen, die ja auch für die Lehre verantwortlich sind. Funktioniert in fast allen anderen Ländern und in Deutschland in fast allen anderen Fächern eigentlich ganz gut. Wäre angesichts der Zweiten Staatsprüfung ja auch gar nicht so tragisch, weil der Staat da immer noch genug Zeit hat, sich seinen Rechtsstab so zurecht zu biegen, wie er ihn haben möchte. Ist unter deutschen Juristen aber nicht vermitelbar...

    • 20.05.2017 11:20, Linda

      Den Schwerpunktbereich kann man doch frei wählen und hier seine Stärken einsetzen. Vielleicht haben die Kommilitonen eben die "banausigen" Fächer unterschätzt. Man sollte kein Bildungsfach wie Rechtsgeschichte wählen, wenn man in diesem Bereich nicht darüber verfügt. Es ist eben weit mehr als nur ein paar Geschichtsdaten und Gelabere mit dem man sich durchsülzen kann. Keine Ahnung woher diese Fehlinfos kommen, die Realität ist das Gegenteil.

  • 07.07.2016 14:10, Mike

    Eine Blindkorrektur der Arbeit durch einen zweiten Korrektor wäre mal ein Novum in der juristischen Ausbildung, zumal es diese ansonsten -selbst im Examen - nirgends gibt. Zwar müsste man sonst die Examensklausuren erst einmal kopieren, um dies zu ermöglichen, doch halte ich dies nicht für notwendig. Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, findet auch eine ordentliche Zweitkorrektur statt, obwohl der zweite Prüfer dann sieht, was der erste Prüfer übersehen hat. Wie soll denn bei Notendifferenz vorgegangen werden? Bekommt der jeweils andere Prüfer dann die Arbeit des anderen zu sehen und soll jeder dazu Stellung nehmen oder wird schlicht addiert? Neben den zusätzlichen Aufwand dieser mehrfachen Korrektur bei der ersten Variante halte ich dann doch eine Korrektur innerhalb derselben Arbeit, wodurch Fehler des anderen aufgedeckt werden, für sinnvoller. Problematisch könnte es eher sein, ob es denn an jeder Universität auch zwei Professoren für die einzelnen Bereiche gibt, so dass die Zweitkorrektur nicht soviel bringt.

    Die Idee, Seminararbeit anonymisiert zu vergeben oder korrigieren zu lassen, halte ich für praktisch kaum durchführbar. Um dies ernsthaft durchzuziehen, wäre eine Vorbesprechung nur noch sehr eingeschränkt möglich und etwaige Fragen von vornherein ausgeschlossen. Sofern die Universitäten inzwischen eine Betreuung während dieser Arbeit anbieten, wäre ebenfalls nicht mehr wirklich durchführbar.

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  • 07.07.2016 14:19, GrafLukas

    Dass die Schwerpunktnote ganz häufig besser ausfällt, nicht sicherlich nur zum Teil an der besseren Vorbereitung (engeres Thema als im Pflichtfachbereich). Zum anderen Teil dürften die Klausuren tatsächlich einfacher oder die Bewertung weniger streng sein. Es gibt vor allem konsequent Schwerpunktbereiche, in denen das Abweichen von Schwerpunktnote und Pflichtfachnote besonders groß ist, z.B. Kriminologie an vielen Unis. Bei wirtschaftsrechtlichen Schwerpunkten ist dagegen kein so starkes Auseinanderklaffen.

    Aus meiner Sicht richtig:
    - Bedeutung der Schwerpunktnote reduzieren.

    Dringend erforderlich:
    - Freischussmöglichkeit ohne Schwerpunkt abschaffen
    - Abschichten abschaffen.
    Die beiden letzten Punkte sind in NRW nötig: Man kann nach 4 Semestern statt Schwerpunktstudium zum Rep und dann nach 7 Semester Freischuss machen, denn man ist ja unter der Regelstudienzeit. Zusätzlich kann man dann noch Abschichten, z.B. in einem Monat Zivilrechtsklausuren schreiben, dann ein paar Monate später Ö-Recht und noch später Strafrecht (oder eine beliebige andere Reihenfolge). Damit ist man gegenüber denen, die zuerst den Schwerpunkt machen und ohne Freischuss Examen machen gleich mehrfach bevorteilt.

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  • 07.07.2016 14:53, Jakobskaffee

    Ich danke dem Autor ebenfalls für die gute Übersicht und die Darstellung der den Studierendenvertretern bekannten Lösungsansätze der JMK.

    Ich selber kam in meiner Ausbildung noch nicht in den Genuss eines Schwerpunktbereiches, war jedoch an meiner Hochschule aus studentischer Sicht an der Entwicklung der Schwerpunktbereiche beteiligt. Aufgrund meines Examens habe ich die ersten Schritte des neuen Bereiches leider nur rudimentär mitbekommen.

    Die Einführung von Schwerpunktbereichen war in meinen Augen angesichts der Sicherstellung der Wissenschaftlichkeit der Ausbildung grundsätzlich richtig.

    Erstaunlich finde ich, wie selbstverständlich der Schwerpunktbereich von den Studierenden angenommen wurde, bedeutet er doch auch eine erhebliche zusätzliche Arbeitsbelastung für die Studierenden. Der Pflichtbereich ist seinerzeit nicht im gleichen Maße reduziert worden, wie das Studium durch den Schwerpunktbereich quantitativ aufgewertet worden ist! An meiner Universität hat sich der Studienumfang einschließlich Fremdsprachenschein und Schlüsselqualifikation um insgesamt 16 SWS erhöht!

    Die Kritik der fehlenden Vergleichbarkeit der Examensnote ist m.E. nur bedingt nachvollziehbar. Richtig ist, dass sich die Prüfungsanforderungen quantitativ sehr unterscheiden, das ist aber seinerzeit politisch gewollt worden um den Fakultäten ein Höchstmaß an Autnonomie zu gewährleisten. Reformen stellen also immer auch einen Eingriff in die Autonomie der Fakultäten dar, wenngleich ich eine Harmonisierung bei den formalen Prüfungsanforderungen begrüßen würde (z.B. Seminararbeit, Aufsichtsarbeit und mündliche Prüfung). Darüber hinaus ist die Vergabe von Prüfungsnoten immer vom Einzelfall abhängig und einem generellen Vergleich daher unzugänglich. Jedenfalls bei Aufischtsarbeiten und mündliche Prüfungen ließe sich durch ein Zweiprüfersystem mehr Objektivität erreichen. Hierfür müsste die Zuständigkeit für diese Prüfungsteile wohl aber wieder an die Landesjustizprüfungsämter übergehen, um universitätsinterne Abhängigkeiten nicht auf die Prüfungsverfahren auszudehnen.

    Anzumerken wäre noch, dass eine Reduktion der Anzahl an Semesterwochenstunden keinesfalls zu einem geringeren Arbeitsaufwand für die rechtswissenschaftlichen Fakultäten führt. Die freiwerdenden Kapazitäten führen immer entweder zu Stellenkürzungen oder wegen des Kapazitätsausschöpfungsgebotes zu höheren Studierendenzahlen! Ich kann mir angeischts der Finanzlage der Bundesländer beim besten Willen nicht vorstellen, dass die freiwerdenden Kapazitäten in zusätzliche Kleingruppenveranstaltungen im Pflichtbereich, z.B. in der Studieneingangsphase oder Examensvorbereitung investiert werden. Zudem haben die Universitäten seinerzeit keine zusätzlichen MIttel für die Übernahme von 30 % des Prüfungsverfahrens erhalten.

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  • 08.07.2016 09:28, Profff

    Ob nun der Schwerpunkt mit 20 % oder 30 % in die Gesamtnote eingeht, ist mE eher zweitrangig. Viel tiefgreifender sind die übrigen Folgen der von der Justizministerkonferenz vorgesehenen Vereinheitlichung der Prüfungsordnungen (die unverschämterweise par ordre de mufti durchgesetzt werden soll), die da vor allem wären:

    1. (Je nach Bundesland) zT deutliche Reduzierung des Pflichtstoffs (an sich durchaus bedenkenswert, aber ist es dann sinnvoll, gleichzeitig den Umfang des Schwerpunktstudiums zu stutzen?) mit im Einzelnen sehr bedenklicher Schwerpunktsetzung (im Zivilrecht etwa vollständige "Verdammung" von IPR, kollektivem Arbeitsrecht, AGG und dem Bankvertragsrecht aus dem Pflichtstoff; im Europarecht Rückstufung ausgerechnet der Grundfreiheiten zu Überblickswissen)

    2. Kandidaten sollen bereits mit einem Schnitt von 3 Punkten in den Klausuren zur mündlichen Prüfung zugelassen werden - und zwar selbst dann, wenn in einem Teilgebiet sämtliche Klausuren nicht bestanden sind

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  • 10.07.2016 01:22, St. Ivo

    Mal ganz abgesehen von der Frage, ob 20% SPB wirklich sinnvoller sind als 30% SPB: Angenommen, man einigt sich politisch bis Ende nächsten Jahres (2017) auf diese "Reform". Bis alle 16 Landesgesetzgeber das umgesetzt haben, vergehen mindestens zwei Jahre (= Ende 2019). Bis alle 40 Jurafakultäten das geänderte Landesrecht dann wieder in ihre Studien- und Prüfungsordnungen umgesetzt haben, vergehen mindestens zwei weitere Jahre (= Ende 2021), bis das jeweilige Ministerium die Prüfungsordnung genehmigt hat, ein weiteres Jahr (= Ende 2022). Danach müssen die Universitäten ca. acht Jahre lang (= Ende 2030) zweigleisig fahren, ehe der letzte Student, der Ende 2022 mit dem Studium begonnen hatte und hierdurch das Recht erworben hatte, einen 30%-SPB in sein Examen einzubringen, inklusive aller Wiederholungsmöglichkeiten sein Studium abgeschlossen hat. Also ein unendlicher organisatorischer Aufwand, nur um Ende 2030 (!) das Gewicht des Schwerpunkts etwas verkleinert zu haben. Leute, habt Ihr sie noch alle??

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  • 10.07.2016 20:58, Noah

    Die Diskussion ist insgesamt ziemlich witzlos und war es schon immer. Es besteht schlicht nicht mal der Ansatz eines Konsenses was Ziele etwaiger Studienreformen seien sollen, der SPB ist nicht so sakrosankt wie das Staatsexamen und deswegen toben sich alle Reformfreunde darin aus. Ich bestreite mal einfach, dass das Sinn macht oder der SPB der Hort der Wissenschaftlichkeit ist weil dort eine (!) Seminararbeit, die dann 30% (?) zählt, geschrieben wird.

    Dann werden die ganzen alten Messer gewetzt: das böse Staatsexamen, die bösen Repetitoren, das böse Ideal vom Einheitsjuristen. Jeder benennt noch mal ein Fach, das er ganz besonders gerne aus dem Kanon gekickt haben will (meins ist übrigens Kommunalrecht) und die Karawane zieht weiter ohne etwas wesentliches zu verändern. Es wird gerne darüber diskutiert, substantielles verändert sich nie, weil es keinerlei Konsens darüber gibt wie das "richtige" Jurastudium aussehen sollte. Totale Zeitverschwendung aus meiner Sicht.

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  • 12.07.2016 09:56, innocent bystander

    Wenn es gelingt, die Schwerpunktbereiche im Gewicht zu reduzieren oder ganz abzuschaffen, wird es schwer werden zu begründen, was die Absolventen eines nurjuristischen Universitätsstudiums den Absolventen der mehrheits- oder teiljuristischen Studiengänge an Universities of Applied Sciences voraushaben. Die Letzteren schreiben eine (wissenschaftlich angelegte) Bachelor- und ggf. Masterarbeit. Was schreiben Erstere dann noch?

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  • 26.07.2016 14:40, Learoy

    Das ist so nicht ganz zutreffend. An meiner Universität werden die Studienabschlussarbeiten im Schwerpunkt anonymisiert ausgegeben. Rückfragen sind möglich und werden über das Studienbüro anonymisiert an den Aufgabensteller weitergeleitet. Bei einer Seminararbeit wäre das ebenso denkbar, nur lohnt sich da der Aufwand nicht, da die Seminararbeit keinen Eingang ins Examen findet.

    Bezüglich der blinden Zweitkorrektur ist es mir bis heute ein Rätsel, warum die sog. Zweitkorrektur in ihrer jetzigen Form je beschlossen wurde. Natürlich hat eine Zweitkorrektur ohne Kenntnis der Erstkorrektur zu erfolgen, das ist ja gerade ihr Sinn. Wie soll eine Zweitkorrektur in Kenntnis der Note durch den Erstkorrektor noch objektiv erfolgen? Das ist schlicht nicht möglich und insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass (mir zumindest) ein Professor in der Übung einst sagte, es könne durchaus sein, dass ein Korrektor die selbe Arbeit mit 10 Punkten bewertet und ein anderer Korrektor mit 6 Punkten, sollte ein blinde Zweitkorrektur Pflicht sein.
    Es gäbe 2 mögliche Folgen: Es würde vermehrt zu stärkeren Abweichungen zwischen den beiden Korrektoren kommen, was den Ruf nach einem kontrollierbareren und damit gerechterem Notensystem laut werden ließe. Damit müsste man sich einem der größten Probleme in dieser Ausbildung annehmen.
    Die andere Option wäre, dass die Professoren von vornherein einen nachvollziehbaren Erwartungshorizont erstellen, um die Notendifferenzen zu vermeiden. Damit wäre das Problem dann auch gelöst.

    Dann dürfen sie noch dazu verpflichtet werden, den Studenten diese Erwartungshorizonte für eine evtl. Remonstration zur Verfügung zu stellen. Damit sich jeder wenigstens nach der Prüfung ansehen kann, wie er zu 18 Punkten gekommen wäre. Und schließlich sollte doch das der Job der Professoren sein - uns zu ermöglichen, den höchsten Anforderungen gerecht zu werden.

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