Beschwerde eingelegt: Land geht gegen Tattoo-Urteil für Polizei-Bewerber vor

31.08.2017

Das Land NRW hat Beschwerde gegen die Entscheidung des VG Düsseldorf eingelegt, dass ein großflächiges Tattoo kein Ausschlussgrund für den Polizeidienst ist. Nun wird das OVG in Münster entscheiden müssen.

 

Die nordrhein-westfälische Polizei will einen Mann mit einem großen Löwenkopf-Tattoo am Unterarm nicht als Bewerber zulassen. Gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts (VG) Düsseldorf, das in der Tätowierung keinen Hinderungsgrund für eine Bewerbung sah, legte das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei am Dienstag Beschwerde ein. Nun entscheidet das Oberverwaltungsgericht in Münster über den Fall.

Ein Sprecher des Landesamts in Selm sagte, Tätowierungen könnten die gebotene Neutralität der Polizei beeinträchtigen. Jeder Bürger habe einen Anspruch darauf, auf eine neutrale Polizei zu treffen. Gerade in sehr sensiblen Einsätzen sei es wichtig, dass der Fokus der Hilfesuchenden auf dem Polizisten als Vertreter des Staates liege, nicht auf dem tätowierten Unterarm. Bei der Polizei in NRW sind Tattoos an verdeckten Stellen erlaubt. An sichtbaren Stellen dürfen sie nicht größer sein als ein Handteller und müssen neutral sein.

Das VG hatte entschieden, die Begründung des Landesamtes, dass die Bevölkerung in Polizisten wegen großen Tätowierungen kein Vertrauen habe, reiche nicht aus. Die Zunahme von Tattoos deute auf einen gesellschaftlichen Wandel hin.

Das OVG Münster hatte 2014 entschieden, dass der Dienstherr Polizei-Bewerber aufgrund großflächiger Tätowierungen ablehnen könne. Ebenso hatte es das VG Darmstadt für die Bundespolizei entschieden in Bezug auf Tattoos, die im Dienst sichtbar sind; der Verwaltungsgerichtshof Kassel bestätigte die Entschiedung.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Beschwerde eingelegt: Land geht gegen Tattoo-Urteil für Polizei-Bewerber vor. In: Legal Tribune Online, 31.08.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/24233/ (abgerufen am: 23.09.2017)

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Kommentare
  • 31.08.2017 14:01, xy

    Da halte ich es mit der Behörde. Solche großflächigen Tattoos haben (auch in der Unterwelt) Signalcharakter und vertragen sich nicht mit dem Polizistenberuf. Soll er sich das Ding doch einfach wegmachen lassen, wenn er unbedingt Polizist werden will. Andernfalls soll er Türsteher oder Personenschützer werden.

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  • 31.08.2017 17:13, Heinrich V.

    Das sehe ich genauso. Auch wenn durch eine solche Handhabung den AfDlern dann der Polizeidienst verwährt bleiben wird. Ich denke, damit wird man leben können. Ich bin noch an keinem AfD Wahlstand vorbeigegangen, am dem nicht mindestens einer der AfD-Anhänger ein nationalistisches Tattoo hatte. Meist Runen oder die Portraits von Nazi-Größen. Und sowas will ik den Bundestag? Das ist fürchterlich.

    Mit freundlichen Grüßen

    RA Heinrich V

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    • 31.08.2017 21:46, RGZ-Sammler

      Ihre Polemiken ubd Sarkasmen waren auch mal deutlich geistreicher und wenigstens einen hauch originell und abwechslungsreich. Das kann ja jeder Bot, was Sie da abziehen.

  • 01.09.2017 08:21, Philipp Hofmann

    Wenn Polizisten mit Glatze herumlaufen, hält sie auch keiner für Skinheads oder Nazis. Vielleicht ist er aber auch ein Salafist aufgrund seines Vollbarts? Einen offensichtlich homosexuellen Polizisten wollen wir schon gar nicht, davon fühlen sich bereits genügend Leute angegriffen und angewidert. Ein Tattoo kann also gar nichts anderes vermuten lassen, als einen kriminellen Hintergrund.

    Dieser Zusammenhang (Tattoo - Kriminalität) konnte vielleicht mal vor etlichen Jahren begründet werden. Das VG erkennt glücklicher- und richtigerweise, dass die Gesellschaft einen Wandel durchläuft und Tattoos längst nicht mehr als Symbol von Kriminalität und Asozialität abzustempeln sind. Wie bei allen Dingen ist es meist Geschmackssache und eine stupide Verallgemeinerung hilft niemandem weiter, sondern lässt die Gesellschaft lediglich streng konservativ und in diesem Fall leider auch sehr rückständig wirken.

    Wenn man aufgrund von Äußerlichkeiten auf das Verhalten und den Charakter eines Menschen und in diesem Fall auf die Neutralität des Polizisten schließt, sollte man in der Not die Hilfe des tätowierten Polizisten doch bitte ablehnen und sich seinem Schicksal hingeben. Immerhin könnte etwas Kriminalität bei Berührung abfärben.

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    • 01.09.2017 09:41, Andreas S.

      Da stehe ich voll und ganz auf Ihrer Seite Herr Hofmann.
      Wäre es ein Tattoo mit einer unterschwelligen und von dem Großteil der Menschen verständlichen Botschaft, welche nicht im Einklang mit der Neutralität der Polizei steht, so wäre eine Ablehnung durchaus gerechtfertigt. Es handelt sich in diesem Fall jedoch um einen Löwenkopf. Da stellt sich mir die Frage, mit was ein Löwenkopf assoziiert werden muss damit die Neutralität der Polizei gefährdet sei.

  • 01.09.2017 11:45, Benny G.

    Ich wollte schon fast von Diskriminierung sprechen, aber in Deutschland darf man nur wegen Rasse oder ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion und Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität lt. Gesetz nicht diskriminiert werden. Ein Tattoo, das Vermögen und die soziale Herkunft sind schon gute Gründe für Diskriminierung.

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