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Berufszulassungsregeln für Makler und Hausverwalter: Keine Jobs für jeder­mann mehr

von Lars Christian Nerbel

25.11.2016

2017 sollen neue Berufszulassungsregeln für gewerbliche Immobilienmakler und Verwalter von Wohnungseigentum kommen, ein Gesetzentwurf will Verbraucher damit besser schützen. Lars Christian Nerbel zur Frage, ob das Vorhaben so gelingen kann.

Das Anforderungsprofil an den Verwalter von Wohnungseigentum ist vielfältig und komplex. Er muss über entsprechende Rechtskenntnisse verfügen und benötigt zugleich Grundkenntnisse auf dem Gebiet der Bautechnik, wenn es um die Sanierung und Modernisierung von Gebäuden geht. Trotz dieser erheblichen Anforderungen ist das Berufsbild des Wohnungseigentumsverwalters nur sehr unzureichend geregelt. Er muss weder über eine bestimmte Ausbildung noch eine besondere Sachkunde verfügen. Praktisch Jedermann kann die Tätigkeit eines gewerblichen Wohnungseigentumsverwalters ausüben.

Diese Ausgangslage ist kritisch zu betrachten, verfügt doch der Wohnungseigentümer selbst in aller Regel nicht über die notwendigen rechtlichen und technischen Kenntnisse, um im Vorfeld zu erkennen, ob ein zu bestellender Verwalter hinreichend qualifiziert ist. In der Praxis gibt es somit viele unseriösen Anbieter, die zwar Verwalterhonorare kassieren, aber keine qualifizierten Dienstleistungen erbringen. Eine unsachgemäße oder unqualifizierte Hausverwaltung führt oft dazu, dass nichtige oder anfechtbare Beschlüsse der Wohnungseigentümergemeinschaft gefasst werden. Die Folgen sind zum Teil verheerend, so etwa wenn sich zwingend notwendige Sanierungs- oder Modernisierungsarbeiten verzögern. Außerdem zeigt sich regelmäßig, dass ein rechtskundiger Verwalter eher dazu in der Lage ist, Streitigkeiten innerhalb der Wohnungseigentümer selbst effizient und kostenschonend zu lösen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Berufsgruppe der Immobilienmakler. Zwar benötigen Immobilienmakler gemäß § 34c Gewerbeordnung (GewO) bereits heute schon eine gewerberechtliche Erlaubnis. Diese erhält jedoch jeder, der geordnete Vermögensverhältnisse nachweisen kann (kein Insolvenzverfahren) und keine schwerwiegenden Straftaten begangen hat. Eine bestimmte Ausbildung oder den Nachweis einer besonderen Sachkunde muss auch der Immobilienmakler nicht erbringen. Trifft der Verbraucher auf einen unqualifizierten Immobilienmakler, besteht die große Gefahr, dass Kauf- oder Mietentscheidungen aufgrund fehlerhafter Informationen des Maklers zustande kommen. Die wirtschaftlichen Folgen für den Verbraucher können existenzbedrohend sein.

Der Plan: Erlaubnispflicht und Sachkundenachweis für beide Berufe

Der Gesetzgeber beabsichtigt, durch Erlass des "Gesetzes zur Einführung einer Berufszulassungsregelung für gewerbliche Immobilienmakler und Verwalter von Wohnungseigentum" Berufszulassungsregeln für Immobilienmakler und Wohnungseigentumsverwalter zu schaffen beziehungsweise zu verschärfen. Das Gesetz richtet sich damit ausschließlich an gewerblich Tätige Personen, die diese Tätigkeit dauerhaft und mit Gewinnerzielungsabsicht ausüben.

Zukünftig soll der Wohnungseigentumsverwalter – wie bisher auch der Immobilienmakler - eine Erlaubnispflicht nach § 34c GewO benötigen, bevor er seine Tätigkeit ausüben darf. Auch der Wohnungseigentumsverwalter muss zukünftig nachweisen, dass er in geordneten Vermögensverhältnissen lebt und nicht in schwerwiegendem Maße straffällig geworden ist. Darüber hinaus muss jeder Wohnungseigentumsverwalter über eine Berufshaftpflichtversicherung verfügen. Diese Versicherung soll zukünftig Wohnungseigentümer vor finanziellen Schäden schützen, die durch einen Fehler des Wohnungseigentumsverwalters entstanden sind. Schließlich und endlich müssen zukünftig sowohl Immobilienmakler als auch Wohnungseigentumsverwalter, einen "Sachkundenachweis" führen. Für diesen werden Makler und Verwalter künftig von den Industrie- und Handelskammern der einzelnen Bundesländer geprüft.

Makler und Verwalter, die bereits mehr als sechs Jahre ununterbrochen in ihrem Bereich tätig waren, werden von der Beibringung des Sachkundenachweises befreit. Die einzelnen Details zur Mindesthöhe der Berufshaftpflichtversicherung und dem Sachkundenachweise wird der Gesetzgeber noch über eine Rechtsverordnung regeln.

Zitiervorschlag

Lars Christian Nerbel, Berufszulassungsregeln für Makler und Hausverwalter: Keine Jobs für jedermann mehr . In: Legal Tribune Online, 25.11.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21263/ (abgerufen am: 27.05.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 26.11.2016 05:31, Der Fachwirt

    Die Annahme, daß die genannten Beträge einen erheblichen Kostendruck darstellen, zumal diese einmalig anfallen, ist selbst für mich als Makler schwer nachzuvollziehen, so sehr ich auch Argumente für jede Preiserhöhung schätze. ;-) Leichter wäre es, mit einer Preiserhöhung in Folge einer angenommen Marktkonsolidierung zu argumentieren, aber diese ist aufgrund der "alte Hasen"-Regelung unwahrscheinlich und eher ferne Zukunft. Der Preis der Vermietung ist bereits durch das Bestellerprinzip unter Druck geraten, von einer echten Steigerung wäre hier also nicht zu reden.
    Der Preisdruck in der Hausverwaltung ist erheblich, gerade bei kleinen WEGs nicht mehr Kostendeckend und doch oft das einzige Maß für die Verwalterbestellung. Aber vielleicht sagen die Kollegen, welche dort tätig sind, selbst etwas dazu.

  • 26.11.2016 11:08, B.O.M.

    Schon bei den Veränderungen im Versicherungsvermittlerrecht habe ich die "Alte Hasen Regelung" nicht verstanden.
    Mit welchem Argument werden diese Marktteilnehmer denn ausgenommen?
    Letztlich waren es ja vermutlich diese (und nicht die neu hinzukommenden), die den Karren in den Druck fuhren.
    Wenn deren Sachkenntnis qua Zeitablauf ausreichend sein soll, dann spricht doch nicht viel dagegen, dieses Wissen auch zu überprüfen. Aber vermutlich stellt man dann fest, dass nur bei wenigen ausreichendes Wissen vorhanden ist (wobei diese Erfahrung anekdotisch zu sehen ist).
    Hier wird lediglich eine Markteintrittshürde aufgebaut, die wenn überhaupt, nur den bestehenden "Alten Hasen" nützt.

    • 26.11.2016 22:22, Der Fachwirt

      Nun prinzipiell nützt Sie schon. Immerhin steht die Konjunktur der Goldgräber, Hausfrauen- und Nebenberufsmakler mit der allgemeinen Konjunktur bei Immobilien schon in Zusammenhang. Solche Markneulinge würden dann vielleich minimal ausgebremst. Die IHKs bieten in diesem Zusammenhang aber Kurse von 2 bis 3 Wochen vollzieht an zum qualifierten, sprich geprüften, Immobilienmakler, auch liegt es an den IHK zu entscheiden wer qualifiziert ist. Es fehlt nur noch, dass die Jobcenter beschließen, hierin eine geeignete Neuqualifiziert für ihr Humankapital zusehen und es wird eine Maklerschwemme nie dagewesenen Ausmaßes geben. Aber da selbst der Kaufmann und der Fachwirt in Wochen zu erreichen sein soll, ist es vermutlich ohnehin irrelevant wie die Qualifizierung nun heißt. Es ist ein bisschen so, als würde die Handwerkskammer nun einen Kurs anbieten Rohrverleger in 14 Tagen.

    • 26.11.2016 22:45, Susi

      Ich denke eher, dass der Gesetzgeber sich eine bessere Begründung sparen möchte. Ohne die alte Hasenregelung wäre der Eingriff in die Berufsfreiheit schwerwiegender und damit wäre eine gründlichere Begründung notwendig - zumal dann das Gesetz in jedem Fall vor dem BVerfG landen würde.

      Aber ich bin ganz Ihrer Meinung.

  • 28.11.2016 20:03, Napoléon der+XVIII

    Grundbedingung um Makler zu werden: Besuch der 6. Klasse.

  • 28.04.2017 20:48, Maja M.

    Eine alte Hasen Regelung für Immobilienmakler sollte auf jeden Fall im Gesetzentwurf aufgenommen werden. Die Begründung ist ganz einfach. Die bereits erteilte Maklererlaubnis sollte nicht rückwirkend wieder genommen werden können. Das wäre genauso als wenn jemand schon länger eine berufliche Tätigkeit mit bereits erlangter Erfahrung ausübt und jetzt diese nur noch mit einem höheren Bildungsstand weiter ausüben darf. Für neue Berufseinsteiger einen Sachkundenachweis als Voraussetzung einzuführen wäre sinnvoll.

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