Mergers & Acquisitions: Deut­scher Markt bleibt auch im dritten Quartal stark

13.10.2017

Im dritten Quartal verlief das Transaktionsgeschäft mit deutscher Beteiligung recht lebhaft. Die Marktbeobachter von Allen & Overy verzeichneten 450 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von rund 29,6 Milliarden Euro.

 

"Die Rahmenbedingungen für M&A-Aktivitäten sind nach wie vor sehr günstig: Die deutschen Unternehmen sitzen auf prallen Kassen, der Anlagedruck für Finanzinvestoren lässt nicht nach, die Finanzierungsbedingungen bleiben bis auf weiteres historisch günstig", kommentiert M&A-Partner Dr. Hartmut Krause das Marktgeschehen hierzulande.

Da sich das organische Wachstum in den entwickelten Volkswirtschaften nach wie vor relativ langsam vollziehe, setzten viele Unternehmen auf exogenes Wachstum. "Andere nutzen das gute Umfeld zur Fokussierung auf zukunftsträchtige Kerngeschäftsfelder und trennen sich von weniger strategischen Aktivitäten", so Krause weiter.

Mehrere Milliarden-Deals

Die größte Transaktion mit deutscher Beteiligung im dritten Quartal ist die geplante Zusammenlegung der Zugsparten von Siemens und Alstom. Die Milliardenfusion soll Ende 2018 abgeschlossen sein, sofern die EU-Kartellbehörden zustimmen.

Die größte innerdeutsche Transaktion der vergangenen drei Monate war die Aufspaltung des Handelskonzerns Metro in die Elektroniksparte Ceconomy und die Lebensmittelsparte, die weiter unter dem traditionellen Namen firmieren wird. Die bisherigen Anteilseigner erhielten einen 90-Prozent-Anteil an dem Geschäftsbereich im Wert von 5,7 Milliarden Euro.

Als ausländisches Zielgebiet blieben neben Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden vor allem die USA für deutsche Käufer wichtig. Fresenius Medical Care übernahm den US-amerikanischen Konkurrenten NxStage Medical für rund zwei Milliarden US-Dollar (1,7 Mrd. Euro). Die Bertelsmann-Stiftung erwarb für eine geschätzte Milliarde US-Dollar bzw. 800 Millionen Euro ein 22-Prozent-Aktienpaket an Penguin Random House und besitzt nun 75 Prozent des US-Verlags.

Es gab auch große Übernahmen deutscher Unternehmen durch ausländische Käufer: Der finnische Versorger Fortum betreibt die Übernahme des von E.on abgespaltenen Kraftwerksbetreibers Uniper, und Rocket Internet verkauft 13 Prozent seiner Delivery-Hero-Aktien für 660 Millionen Euro an die südafrikanische Mediengruppe Naspers. Der US-Pharmakonzern Merck & Co Inc. übernimmt das Biotechnologieunternehmen Rigontec aus München für rund 467 Millionen Euro.

Regulatorische Hürden werden höher

Aus Sicht der Marktbeobachter von Allen & Overy werden regulatorische Hürden, die den Vollzug von M&A-Transaktionen verkomplizieren und gegebenenfalls zum Scheitern bringen können, immer höher. Deutlich werde das etwa an der 66 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von Monsanto durch Bayer. Diese entwickele sich immer mehr zur Geduldsprobe; die Behörden wollen den Deal weiter intensiv prüfen.

Hindernisse würden sich auch im Verhältnis zu China zeigen. Die Regierung in Peking nehme "irrationale" Auslandsinvestitionen und Kapitalbewegungen genauer unter die Lupe, um Kapitalabflüsse einzudämmen. Für weitere Verunsicherung sorgten die im Juli in Kraft getretenen Änderungen der Außenwirtschaftsverordnung.

Auch die geplante Neuregelung des Investitionsschutzes der EU sorgen für Aufsehen: Demnach sollen die Mitgliedsstaaten ausländische Direktinvestitionen in oder Übernahmen von Unternehmen aus sensiblen Bereichen künftig genauer prüfen können. Im Fokus stehen dabei kritische Infrastrukturen und Hochtechnologie, darunter künstliche Intelligenz, Halbleiter, Robotik sowie der Zugang zu kritischen Rohstoffen. Auch dieses Gesetzgebungsvorhaben werde in erster Linie chinesische Kaufinteressenten betreffen. Innerhalb der EU-Staaten sei es allerdings umstritten, sagt Krause.

Für den Rest des Jahres bleibt der M&A-Anwalt zuversichtlich. Die Rahmenbedingungen für M&A-Aktivitäten seien nach wie vor sehr günstig, und geopolitische Entwicklungen scheinen die Zuversicht nur wenig zu beeinflussen, sagt Krause. Bislang hätten weder der Brexit noch die "America first"-Politik der neuen US-Administration die negativen Vermutungen pessimistischer Beobachter bestätigt.

Beteiligte Kanzleien

Quelle: Allen & Overy

Zitiervorschlag

Mergers & Acquisitions: Deutscher Markt bleibt auch im dritten Quartal stark. In: Legal Tribune Online, 13.10.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25027/ (abgerufen am: 16.12.2017)

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