Assessorexamen nicht bestanden: Jurist zweiter Klasse?

von Sabine Olschner

12.01.2017

Das Zweite Examen nicht zu bestehen, ist ein schwerer Rückschlag. Wie eingeschränkt die Jobaussichten mit "nur" einem Examen wirklich sind und wie man doch noch in Deutschland als Anwalt tätig werden könnte, zeigt Sabine Olschner auf.

Mehrere Jahre Studium, erstes Staatsexamen, zwei Jahre Referendariat – und am Ende doch kein Volljurist: Die Karriere als Rechtsanwalt, Richter oder Staatsanwalt löst sich für denjenigen in Wohlgefallen auf, der das Zweite Staatsexamen nicht besteht. Als Alternative kommen Jobs in Frage, bei denen das Zweite Examen gern gesehen, aber keine Grundvoraussetzung ist, zum Beispiel in den Rechtsabteilungen von Unternehmen oder Organisationen, in Behörden oder in der Politik. Auch eine akademische Weiterbildung mit LL.M.-Abschluss oder eine Promotion sind nicht ausgeschlossen. Doch das dürfte nur ein schwacher Trost sein, wenn man zuvor mit einem der klassischen Juristenberufe geliebäugelt hat.

Für Betroffene stellt sich nicht nur die Frage, welche Jobs überhaupt in Frage kommen, sondern auch, inwiefern man in diesen noch wirklich juristisch tätig sein kann. Olaf Schmitt, Geschäftsführer der juristischen Personalberatung Perconex, vermittelt seinen Kunden regelmäßig juristische Mitarbeiter. Rund fünf Prozent von ihnen haben nur ein Staatsexamen. "Diese werden meist für einfache juristische Tätigkeiten eingesetzt", so Schmitts Erfahrung. Das seien vor allem dokumentenintensive Aufgaben, etwa im Rahmen von Kartellverfahren oder M&A-Transaktionen, für die juristisches Wissen benötigt werde. Dazu werden laut Schmitt gern Projektjuristen mit nur einem Staatsexamen angefragt. Ist die Arbeit erledigt, ziehen sie weiter zum nächsten Projekt.

"Manche unserer Mitarbeiter nutzen die zeitlich befristeten Einsätze als Überbrückung, bis sie einen anderen Job finden. Andere finden eine feste Position mit regelmäßigen Überstunden gar nicht erstrebenswert, sondern bevorzugen die Freiheit und die Abwechslung der Projektarbeit", so Schmitt. Mit der Arbeit in den klassischen Juristenberufen hat das also eher wenig zu tun.

Lieber Wirtschaftsjuristen als Absolventen mit nur einem Examen

Die Festanstellung in einer Kanzlei ist zwar nicht ausgeschlossen, für Kandidaten mit lediglich Erstem Examen aber eher selten. So stellt man beispielsweise bei Allen & Overy durchaus hin und wieder Kandidaten mit nur einem Staatsexamen ein, "aber nur bei konkretem Bedarf", so Bianca Städter von der HR-Abteilung der Kanzlei. Die so eingestellten Juristen unterstützen die Anwälte bei ihrer Mandatsarbeit, zum Beispiel im Bereich Research, oder sie bereiten Entscheidungsunterlagen vor. "Wichtig ist uns für die Einstellung der Kandidaten: Sie müssen anderen gern zuarbeiten und Spaß an koordinativen Aufgaben haben", stellt Städter klar. Ebenso deutlich sagt sie: "Bezüglich der Karriere muss klar sein, dass man nur als Volljurist Aussicht auf die Partnerschaft hat."

Anders sieht es bei Clifford Chance aus: Dort stellt man grundsätzlich nur Volljuristen ein, sagt Wolf Kahles, Leiter der dortigen HR-Abteilung: "Unsere Mandanten erwarten von unseren Anwälten zwei Staatsexamen mit entsprechenden Noten." Unterstützende Aufgaben übernehmen bei Clifford Chance vielmehr Wirtschaftsjuristen. "Diese haben neben den juristischen Kenntnissen auch wirtschaftliches Fachwissen und bringen häufig wegen der im Studium integrierten Praktika erste Berufserfahrungen mit", schildert Kahles seine Erfahrungen. Absolventen nach dem ersten Staatsexamen fehlten solche.

Dass sich die Einstellungspolitik in Zukunft ändern könnte, möchte der Personalleiter nicht ausschließen: "Vor einigen Jahren hätte es ja auch kaum einer für möglich gehalten, dass Wirtschaftsjuristen eine solch wichtige Rolle für unsere Arbeit spielen würden. Wer weiß, wie es sich künftig für Juristen ohne zweites Staatsexamen entwickeln wird?"

Anwalt in Deutschland auf Umwegen

Hoffnung für die, die trotz erfolglosen Examens ihren Traumberuf Rechtsanwalt nicht aufgeben wollen, macht Jan-Philipp Mollenhauer mit seinem Projekt. Der Jurist, der bereits das erste Staatsexamen nicht bestanden hat, zeigt mit seinem Beratungsunternehmen "Staatsexamen Plan B" Wege und Möglichkeiten auf, durch die Juristen doch noch in Deutschland als Anwalt tätig werden können. Mollenhauers Lösung: "Durch bilaterale Abkommen ist es möglich, innerhalb der EU eine Rechtsanwaltsausbildung zu absolvieren. Die Zulassung zum internationalen Rechtsanwalt kann man dann aufgrund der Niederlassungsfreiheit innerhalb der EU auch in Deutschland nutzen."

Einfach ist dieser Weg allerdings nicht, gibt der Berater zu: "Zum einen muss man die Landessprache des jeweiligen Studienstandorts fließend sprechen, denn juristische Arbeit beruht nun mal auf präziser Sprache." Deutschsprachige Länder wie die Schweiz oder Österreich dürften für die meisten daher eher in Frage kommen als Länder wie Frankreich oder Spanien. Die zweite Hürde: Der Jurist muss im Ausland eine Kanzlei finden, die ihn ausbildet. "Hier konkurriert man mit den einheimischen Juristen vor Ort", erklärt Mollenhauer.

Drittens kommt hinzu: Ausländische Kanzleien arbeiten natürlich nach nationalem Recht. Wer sich bislang in seinem Studium nur auf das deutsche Rechtssystem konzentriert hat, wird es auch hier aufgrund fehlender Kenntnisse nicht leicht haben, eine Ausbildungskanzlei  im Ausland zu finden. Und nicht zuletzt steht auch am Ende dieser Ausbildung eine Prüfung. "Diese ist zwar erfahrungsgemäß etwas einfacher als das Zweite Staatsexamen in Deutschland“, so Mollenhauer. "Aber bestehen muss man sie auch erst einmal."

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Assessorexamen nicht bestanden: Jurist zweiter Klasse? . In: Legal Tribune Online, 12.01.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21696/ (abgerufen am: 11.12.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 12.01.2017 10:53, Was alle vergessen

    Es ist nur ein Studium, nur eine zweijährige Referendariatszeit. Das Leben spielt sich auf ganz anderen Ebenen ab und wer in ein tiefes Loch fällt, weil er kein Volljurist oder vielleicht nicht einmal Diplomjurist wurde, wird sich auf dem Sterbebett eines Tages in den Allerwertesten beißen. Mit dieser Einstellung hab ich mich dann auch aufgerafft, den verhauenen Freischuß im 1. Examen ad acta zu legen und so völlig unbekümmert doch noch mal ein ,,rauszuhauen".

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    • 12.01.2017 11:57, Alex

      Den letzten Absatz zu den bilateralen Abkommen finde ich etwas undurchsichtig. Da sind sehr viele Infos in zwei Sätze gepackt. Es entsteht ein bisschen der Eindruck, es gäbe europäische Länder, die eine Art "Ausbildung zum Rechtsanwalt" anbieten, die in einer Kanzlei absolviert wird und mit einer Prüfung zum "internationalen Rechtsanwalt" endet. So ist es sicher nicht gemeint, aber eine schnelle Google-Suche liefert auch keine besseren Informationen zu diesen bilateralen Abkommen. Vielleicht könnte man ein paar Belege bereitstellen? Würde sicher viele interessieren.

    • 20.01.2017 10:00, Gunther Marko, Sulz am Neckar

      @"Alex":
      Ich kann mir offengestanden kaum vorstellen, dass es derartige "Belege" gibt.
      Das ist letztlich auch gut so.

    • 14.03.2017 19:47, merci

      Hat grad so gut getan deinen Kommentar zu lesen! ich bin in vier Wochen dran und versuche mir auch täglich zu sagen: es ist nicht alles und wenn der freischuss nicht sitzt, dann eben nicht. grüsse

  • 12.01.2017 11:12, Tja

    Mit anderen Worten; "nehmt euch lieber gleich einen Strick". Vielleicht kann man ja noch zur Heilerziehungspflegerin umschulen oder zur Schleckerfrau (wobei ich das nicht de­s­pek­tier­lich meine).

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    • 12.01.2017 18:48, Peter

      Stimmt. Voll das Kompliment.

    • 20.01.2017 10:03, Gunther Marko, Sulz am Neckar

      @"Peter":
      Etwas übetrieben von "tja" oder wer das auch immer sein mag.
      Da muss ich Ihnen schon Recht geben.
      Allerdings stimmt's im Grunde schon ...

  • 12.01.2017 11:59, Reic

    Klassike Stex-Juristen ohne zweites Staatsexamen sind nicht auf dem Niveau von Wirtschaftsjuristen. Nicht nur, weil ihnen die wirtschaftsrechtliche Expertise schlicht fehlt, sondern weil ihre Ausbildung, im Gegensatz zu der von Wirtschaftsjuristen, schlicht und ergreifend unvollständig ist.

    Genauso, wie ein Medizinstudent, der seine Abschlussprüfungen endgültig nicht bestanden hat und somit nicht als Mediziner praktizieren darf, nicht einfach sagen kann "gut, dann arbeite ich eben als Pfleger". Ein Arzt ist was anderes, als ein "Pfleger plus X" in der Qualifikation und ein Pfleger hat Qualifikationen, die kein Arzt hat.

    Das ist für uns ein "no brainer", niemand würde auch nur darüber diskutieren, jemand wie einen examinierten Krankenpfleger zu beschäftigen, der nur ein halbfertiges Medizinstudium vorweisen kann - und sonst nichts.

    Aber bei Juristen gibt es seit Jahren die Debatte über halbfertige Jungjuristen. Die wird noch dadurch verschlimmbessert, dass auf "Zuruf", quasi als Trostpreis, irgendwelche akademischen Grade für das Bestehen des 1. Stex verliehen werden, wie "Diplomjurist", obwohl jeder weiss, dass das kein echter Abschluss ist.

    Wer sich für klassisches Jura entscheidet, der muss schon beide Stex schaffen. Wer sich für Wirtschaftsjura entscheidet - das ist auch nicht unbedingt der einfachere Weg, vgl. die betriebswirtschaftlichen Fächern, wo "harte Mathematik" gefragt ist z. B. in der Statistik, wo doch viele Leute auch deswegen Jura studierten, weil sie noch nie ein Händchen für Mathe hatten - der muss ja auch den LLB oder LLM absolvieren und kann nicht sagen, "also die Bachelorthesis, die fehlt mir zwar, aber sonst bin ich doch eigentlich fertig..." und dann erwarten, daraufhin als Wirtschaftsjurist eingestellt zu werden.

    Wenn man unbedingt am System der klassischen Juristenausbildung festhalten will, dann wäre ich schlicht dafür die Zahl der Versuche nicht zu begrenzen. Was befürchtet man denn? Das jemand auch nach dem vierten Mal nicht aufgibt und ein Jahrzehnt erfolglos am Stex teilnimmt? Wenn es so jemand tatsächlich geben sollte, dann hat er alleine aufgrund dieser Tortur schon verdient Jurist zu werden, wenn er dann doch irgendwann besteht.

    Dann löst sich die Diskussion in Luft auf. Dann versuchen es die Leute entweder nochmal und nochmal - oder sie geben auf und orientieren sich um. Aber dann kann niemand so tun, als wäre er doch eigentlich ein guter Jurist, nur da hatte man einen schlechten Tag und private Probleme und eigentlich und überhaupt und so weiter. Dann kann man so jemand entgegen halten "Ja wieso nehmen Sie dann nicht nochmal am Examen teil?". Problem gelöst.

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    • 12.01.2017 13:22, Berliner

      Hier sind Sie, was Ihre Grundannahmen angeht aber falsch informiert. Ich möchte nicht behaupten, dass ein Jurist mit 1. Stex alles kann, was ein Wirtschaftsjurist kann. Aber seine Ausbildung ist, verglichen mit der des Wirtschaftsjuristen definitiv nicht unvollständig. Beide haben einen Studiengang erfolgreich abgeschlossen. Das Jurastudium steht ersteinmal allein. So wie alle anderen Studiengänge auch. Das Referendariat kommt "on top" und ist quasi optional. Es gibt eben gerade keine juristische "Gesamtausbildung". Wer "nur" das 1. Stex hat steht, was den höchsten Bildungsabschluss angeht, gleichauf mit Leuten, die einen Master-, bzw. früher Magister-, oder einen Diplomstudiengang erfolgreich abgeschlossen haben. Deshalb ist die Verleihung des Diplomjuristen auch kein Quatsch, sondern die angemessene Anerkennung für ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium.

    • 12.01.2017 15:04, Michael

      @Berliner
      "Wer "nur" das 1. Stex hat steht, was den höchsten Bildungsabschluss angeht, gleichauf mit Leuten, die einen Master-, bzw. früher Magister-, oder einen Diplomstudiengang erfolgreich abgeschlossen haben. Deshalb ist die Verleihung des Diplomjuristen auch kein Quatsch, sondern die angemessene Anerkennung für ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium."

      Kleiner Blick zB zur Fernuni Hagen. Dort kann man sowohl Wirtschaftsjura wie auch klassisches Jura studieren. Klassisches Jura baut dort auf Wirtschaftsjura (dem LLB auf). Und bis zum Schwerpunktbereich muss ein Student von Wirtschaftsjura 1:1 die selben Module mit der selben Benotung und Prüfung absolvieren, wie derjenige, der das Staatsexamen anstrebt (an der FU Hagen kommt man z. B. auch nicht an einigen BWL Modulen vorbei, selbst wenn man nur klassischer Jurist werden möchte).

      Wer aber den Master of Law an der FU machen möchte, der muss nochmal deutlich mehr machen, als er absolvieren müsste um zum 1. Staatsexamen in NRW zugelassen zu werden. Dazu reicht ein kurzer Blick in die Studienordnung. Das widerspricht schon einmal ganz faktisch der These, dass das 1. Stex mit einem Master gleichauf wäre. Wenn, dann höchstens mit einem Bachelor of Law. Wobei da eben noch die Bachelorthesis fehlt. Auch der Blick ins Ausland relativiert das. So ist der Zugang zum geschützten Rechtsberuf zB in Dänemark schon seit über 20 Jahren für all jene eröffnet, die einen Master of Law erworben haben. Ein Bachelor of Law reicht dazu nicht aus. Analog ist es inzwischen beinahe überall in Europa, Deutschland ist mit dem Festhalten am Staatsexamen eine Insel.

      Und eine Vergleichsprüfung - das Staatsexamen ist eben nun einmal eine Vergleichsprüfung, wie zB das Abitur und keine akademische Abschlussarbeit, wie sie für jeden Bachelor, jeden Master, jeden Magister, jedes Diplom sonst eine Selbstverständlichkeit war und ist - kann IMHO keinen akademischen Grad begründen.

      Freilich sind die Hochschulen aufgrund der Hochschulautonomie frei darin, solch einen Grad dennoch zu verleihen, auch ohne, dass eine zusätzlich zu bestehende, wissenschaftliche Abschlussarbeit abverlangt wird. Das heißt aber nicht, dass man das auch so anerkennen muss, wie einen Bachelor of Law eines Wirtschaftsjuristen, der 6 Monate über seiner Thesis brüten musste und ein Unikat akademischer Eigenleistung angefertigt hat, das im besten Falle auch die Rechtswissenschaft bereichert. Wie gesagt, das wird kein bischen weniger streng bewertet, als die Leistungen im klassischen Jura. Aber ist das Ergebnis monatelanger Arbeit, inklusive wissenschaftlichem Apparat, anstatt "nur" das Ergebnis einiger mehrstündiger Prüfungen (natürlich auch ohne wissenschaftlichen Apparat und unter sehr großen Abstrichen bzgl. wissenschaftlichem Arbeiten).

    • 12.01.2017 15:10, Tobias Aceñero

      Die Aufhebung der Versuchsbegrenzung halte ich für richtig, wirklich ein sehr guter Ansatz.

      Den Wirtschaftsjuristen im Vgl. zum Diplom-Juristen aufzuwerten allerdings für falsch. Wirtschaftsrecht kann man auch an der FH studieren und wenn ich an meine Heimat Fulda denke, geht es dort nicht um bestehen, sondern um die 1 vor dem Komma oder wenigstens die gute 2.

      Zum Volljuristen: der Wissenssprung vom Diplom vom Volljuristen ist nicht gewaltig. Man lernt minimal mehr und man lernt wie bestenfalls noch - jedoch nicht zwingend - wie Praktiker arbeiten. Bekommt also das wissen was man im Studium erworben hat in einen Kontext gebettet.

      Nie würde ich behaupten, dass der Diplom-Jurist Makulatur sei. :-/ lässt sich schon an der Studienzeit ablesen und der geballten Prüfungsladung. Im Wirtschaftsrecht absolviert man Module. Nach der Semesterprüfung kann man also die Matheunterlagen anzünden und alle so vergessen. Bei Jura gibt es die Puzzletheorie, dass man alle Bausteine der Semester gebrauchen kann und mit Zeit und Übung am Fall sich ein großes Ganzes ergibt. Das Referendariat ändert daran nicht viel - im Gegenteil: es nervt, weil man angeeignete Arbeitsweisen sich wieder abgewöhnen muss. Neues Wissen oder besseres Denken: Fehlanzeige.

    • 12.01.2017 15:51, Berliner

      @Michael

      Sie können den Master of Law (LL.M.), der an den meisten Unis weltweit angeboten wird nicht mit dem Master, der sich fürher Magister nannte vergleichen. Der LL.M. ist ein Aufbaustudium, setzt also ein abgeschlossenes Studium voraus. Der frühere Magister war ein Studienabschluss. Eben genau wie das 1. Stex. Dass das 1. Stex nicht mit einem Bachelor vergleichbar ist zeigt schon ein Vergleich der Regelstudienzeiten. Die dauert bis zum 1. Stex nämlich mindestens so lange, wie in anderen Studiengängen die Zeit bis zum Master, nicht bis zum Bachelor. Ein Beispiel der Wertigkeit ist der LL.M. Eur. aus Würzburg. Der steht nämlich nicht nur Juristen, sondern auch WiWis offen. Um den machen zu können braucht man entweder das 1. Stex oder einen wirtschaftswissenschaftlichen Master. Der Master of Laws ist kein Master wie die anderen, sondern steht in gewisser Weise darüber. Dass man an der Fernuni Hagen mehr Stoff hat, wenn man den Bachelor und den Master of Laws macht, als wenn man woanders ein "normales" Jurastudium macht sehe ich so nicht. Abgesehen von dem Wirtschaftskram vielleicht. Recht haben Sie mit dem Einwand, dass zum 1. Stex, anders als zu den meisten anderen Studienabschlüssen, keine wissenschaftliche Arbeit als Prüfungsleistung gehört. Andererseits schreibt man schon während des Studiums mehrere davon und außerdem gehört eine solche Arbeit auch beim 2. Stex nicht zur Prüfung.

    • 12.01.2017 16:09, Michael

      @12.01.2017 15:51, Berliner

      "Sie können den Master of Law (LL.M.), der an den meisten Unis weltweit angeboten wird nicht mit dem Master, der sich fürher Magister nannte vergleichen. Der LL.M. ist ein Aufbaustudium, setzt also ein abgeschlossenes Studium voraus."

      Ja, nennt sich Bologna-Prozess, ist inzwischen bei beinahe jedem Studiengang in Deutschland so - riesige Ausnahme: die Juristen.

      "Dass das 1. Stex nicht mit einem Bachelor vergleichbar ist zeigt schon ein Vergleich der Regelstudienzeiten. Die dauert bis zum 1. Stex nämlich mindestens so lange, wie in anderen Studiengängen die Zeit bis zum Master, nicht bis zum Bachelor."
      Nein. Die Regelstudienzeit für einen Wirtschaftsjura nach Bologna beträgt 7 Semester (210 ECTS, zB an der FU Hagen). Die für klassisches Jura beträgt 9 Semester - aber auch nur wg. 2 Semestern, die man für den Schwerpunktbereich vorgesehen hat. Zieht man den ab, dann ist man 1:1 dort wo man mit Wirtschaftsjura ist. Das widerspricht zumindest der These, dass diese bis zum 1. Stex "mindestens" solange betrage, wie in anderen Fächern gar zum Master. Ihre Aussage!

      "Ein Beispiel der Wertigkeit ist der LL.M. Eur. aus Würzburg. Der steht nämlich nicht nur Juristen, sondern auch WiWis offen."

      Let me stop you right there. Das Problem ist, dass der geschützte Beruf bisher nicht für den Bologna-Prozess geöffnet wurde. Daraus folgt, dass bisher bei der Akkreditierung ein ziemlicher Wildwuchs herrscht. Deswegen gibt es Wirtschaftsjura sogar an der FH. Das heißt aber weder, dass man das nicht ändern könnte, indem man die Akkreditierung genauso streng regelt wie bei klassischem Jura (darf eine FH zB auch nicht anbieten), noch, dass jeder Wirtschaftsjura-Abschluss mit einem anderen Wirtschaftsjura-Abschluss vergleichbar ist, stand heute. Aber es gibt welche, die vom Niveau klar hervorstechen und sich kein bischen hinter klassischem Jura verstecken müssen - schon weil sie ebenso zum 1. Stex führen und schon daher mindestens den selben rechtswissenschaftlichen Anspruch haben müssen, da die Landesjustizprüfungsämter sonst gar keine Prüfungszulassung erteilen würden. Bekannte Beispiele für LLBs von höchstem Niveau sind in Deutschland neben der FU Hagen derzeit Mannheim und Bucerius. Dagegen ist fachlich so manche Provinzuni, die nur klassisches Jura anbietet, abgeschlagen (vgl. das Abschneiden der Prüflinge in den Staatsexamen von den jeweiligen Hochschulen).

      "Dass man an der Fernuni Hagen mehr Stoff hat, wenn man den Bachelor und den Master of Laws macht, als wenn man woanders ein "normales" Jurastudium macht sehe ich so nicht"

      Das ist keine Frage einer Meinung. Sie müssen nur die Studienordnungen vergleichen.
      Wenn Sie an der FU klassicher Jurist werden wollen, dann müssen Sie den Bachelor of Law machen und noch einen kurzen Ergänzungsstudiengang "Erste Juristische Prüfung" anhängen, das ist quasi der Schwerpunktbereich und ein Grundlagenfach (wie zB Rechtsgeschichte) und der Sprachenschein.

      Die Module des Master of Law an der FU Hagen sind mit denen des EJP identisch (siehe die Modulnummern) - aber es kommen noch zusätzliche hinzu, die nicht Teil des EJP sind. Wenn Sie also den LLB und LLM an der FU Hagen machen, dann haben Sie deutlich mehr Stoff zu bewältigen, als wenn Sie nur den LLB und den EJP Ergänzungsstudiengang (für das 1. Stex) machen. Wie gesagt, einfach die Studienordnung vergleichen.

      "Andererseits schreibt man schon während des Studiums mehrere davon und außerdem gehört eine solche Arbeit auch beim 2. Stex nicht zur Prüfung."

      In jedem Studiengang sind wissenschaftliche Arbeiten anzufertigen, das ist keine Besonderheit von Jura. Wobei bei Jura einfach der Lehrstuhl das Thema ans Schwarze Brett klebt (heutzutage zusätzlich online), wer mitschreiben will schreibt mit, evtl. muss man sich pro Forma dazu beim Prüfungsamt anmelden, oft aber auch nicht einmal das. Und dann geben 200 Leute zum selben Sachverhalt und Thema eine Arbeit ab. In jedem anderen mir bekannten Studiengang ist es hingegen so, dass jeder Student ein individuelles Thema mit dem Dozent vereinbart.

      Das minimiert sowohl die "Gruppenarbeit", zwingt aber auch die Korrektoren dazu, eine Individualleistung stärker zu gewichten. Denn da kann natürlich niemand eine Lösungsskizze oder einen Korrekturbogen anfertigen, da wäre der Lehrstuhl mit nichts anderem beschäftigt, als 200 Lösungsskizzen anzufertigen. Daher können die Korrekturassistenten nicht einfach nur Stichwörter abhaken und dann Punkte daraus addieren - "Note drauf" - sondern müssen sich gezwungenermaßen ganz anders mit der Arbeit auseinandersetzen. In meinen Augen wäre das zu Gunsten von kompetenten Jungjuristen, zu Lasten von bloßen "word dropping, das Lösungsschema hab ich nachgeschaut und die Leerzeilen ausgefüllt"-Bearbeitungen.

      Bei Jura gibt es viel zu reformieren und ich sehe keinerlei Grund für den Stolz, denn quasi alle Juristen mit sich bezüglich unserer ach so tollen Ausbildung herumtragen. Die Examensphase ist "zweimal Ironman", ist schon richtig. Aber das ist ein Abi oder eine Meisterprüfung auch. Ein Hochschulstudium sollte schon einen wissenschaftlicheren Anspruch haben, finde ich. Und dafür dann auch noch einen akademischen Grad zu verleihen? Kommt mir nicht adäquat vor.

    • 12.01.2017 17:05, @Michael

      Haben Sie- in aller Höflichkeit- zufällig das erste Staatsexamen nicht bestanden und möchten es nun klein reden, weil Sie auf Wirtschaftsjura umgesattelt haben?

    • 12.01.2017 17:56, Berliner

      @Michael

      "Ja, nennt sich Bologna-Prozess, ist inzwischen bei beinahe jedem Studiengang in Deutschland so - riesige Ausnahme: die Juristen."

      Eben und deswegen vergleichen Sie hier Äpfel mit Birnen! Dazu übrigens ein schönes Zitat von einem Juraprofessor:"Ich bin froh, dass wir mit diesem ganzen Bachelor/Master-Sch++ß nichts zu tun haben"! Und zahlreiche Studierende anderer Studiengänge, die sich leider mit diesem Bachelor/Master-Sch++ß ausgiebig befassen mussten waren ganz seiner Meinung.

      "Die Regelstudienzeit für einen Wirtschaftsjura nach Bologna beträgt 7 Semester (210 ECTS, zB an der FU Hagen). Die für klassisches Jura beträgt 9 Semester - aber auch nur wg. 2 Semestern, die man für den Schwerpunktbereich vorgesehen hat. Zieht man den ab, dann ist man 1:1 dort wo man mit Wirtschaftsjura ist."

      Sie können den Schwerpunktbereich aber nicht abziehen, der gehört an jeder deutschen Uni fest zum Jurastudium und auch zum Examen dazu! Die meisten Bachelor-Studiengänge sind auf 6 Semester ausgelegt, die meisten Master-Studiengänge auf 2. Jura ist an den meisten Unis auf 8 bis 9 Semester ausgelegt.

      "Das Problem ist, dass der geschützte Beruf bisher nicht für den Bologna-Prozess geöffnet wurde. Daraus folgt, dass bisher bei der Akkreditierung ein ziemlicher Wildwuchs herrscht. Deswegen gibt es Wirtschaftsjura sogar an der FH. Das heißt aber weder, dass man das nicht ändern könnte, indem man die Akkreditierung genauso streng regelt wie bei klassischem Jura (darf eine FH zB auch nicht anbieten)"

      Den Studiengang Wirtschaftsrecht gab es schon lange vor dem Bologna-Prozess. Das war immer ein Fachholschulstudiengang, während Rechtswissenschaft immer ein Universitätsstudiengang war. Das hat also mit Akkreditierung und Bologna nichts zu tun.

      "Bekannte Beispiele für LLBs von höchstem Niveau sind in Deutschland neben der FU Hagen derzeit Mannheim und Bucerius."

      Will ich gar nicht in Abrede stellen, stützt aber Ihre These nicht. Dazu ein Zitat über den von Ihnen erwähnten LL.B. der Uni Mannheim:"Nach einem zweijährigen Aufbaustudium das erste juristische Staatsexamen ablegen zu können, ist jedoch das Revolutionäre an diesem Studiengang." Soviel zum Thema "LL.B.=1.Stex!"

      "In jedem Studiengang sind wissenschaftliche Arbeiten anzufertigen, das ist keine Besonderheit von Jura. Wobei bei Jura einfach der Lehrstuhl das Thema ans Schwarze Brett klebt (heutzutage zusätzlich online), wer mitschreiben will schreibt mit, evtl. muss man sich pro Forma dazu beim Prüfungsamt anmelden, oft aber auch nicht einmal das. Und dann geben 200 Leute zum selben Sachverhalt und Thema eine Arbeit ab."

      Ich möchte wirklich mal wissen, wo Sie das glauben erlebt zu haben. Und bitte sagen Sie jetzt nicht: "Hab ich gehört"! Ich jedenfalls kenne solche Abläufe nicht. Wohlgemerkt: Ich rede jetzt nicht von Hausarbeiten (Fallösung), sondern von Seminararbeiten. Erstere sind keine wissenschaftlichen Arbeiten, und wollen es auch gar nicht sein. Sie sind eher mit Klausuren vergleichbar, wo ja auch jeder dieselben Aufgaben bearbeitet.

  • 12.01.2017 12:01, RA Splendor

    Angesichts des Überangebots an Volljuristen haben auch Zweitexaminierte, die nicht wenigstens in einem Examen 9 Punkte oder mehr aufweisen können, kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Und das sind, je nach Ausbildungsjahrgang, irgendwo zwischen 5 und 20% der Absolventen. Auch unabhängig vom Prädikat dürfte es ausbildungsadäquate Stellen (in abhängiger Beschäftigung) vielleicht gerade einmal für die Hälfte aller Absolventen geben.
    Die Fragestellung muss daher lauten: "Welche Berufsaussichten hat man ohne Prädikatsexamen?" und nicht "Welche Berufsaussichten haben Juristen mit nur einem Examen?". Der Unterschied zwischen Beiden ist auf dem Arbeitsmarkt nämlich (leider) nicht groß.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 12.01.2017 12:27, Reic

      Nein, das ist eigentlich nicht mehr das Problem.

      Wir haben es hier mit einem klassischen Schweinezyklus zu tun. Auf die Juristenschwemme früherer Zeiten haben die Studieninteressierten reagiert, die Absolventenzahlen beider Stex sinken seit Jahren deutlich im Trend:

      http://www.lto.de/jura/studium-zahlen/zahl-der-absolventen-eines-jurastudiums-1959-2012/

      Es dauert natürlich, bis sich das auch am juristischen Arbeitsmarkt bemerkbar macht. Im nächsten Jahrzehnt wird eine große Ruhestandswelle in der Juristerei erwartet, Bewerbermangel gibt es jetzt schon punktuell, selbst für das Richteramt bei der Justiz der Länder, sodass dort schon teilweise vom Prädikat als Voraussetzung wieder abgerückt wird.

      Und wie das so im "Schweinezyklus"-Modell typisch ist, wird darauf dann wieder mit mehr Absolventen reagiert werden und dann gibt es wieder eine Juristenschwemme. Doch halt - woher sollen diese jungen Leute kommen, die in den letzten Jahren nicht geboren wurden, somit auch nicht demnächst das Abitur machen können und dann ein Jurastudium aufnehmen können?

      Uns geht der Nachwuchs in Deutchland aus, keine große Nachricht. Die Ruhestandswelle unter Juristen ist ebenso absehbar. Wenn viele Alte ausscheiden, weniger Junge nachkommen, dann ist klar, dass der juristische Arbeitsmarkt mittelfristig einen Mangel, und keinen Überschuss, zu beklagen hat.

      Dass trotzdem noch das Bild der "Juristenschwemme" dominiert ist zwar stand jetzt eine korrekte Feststellung, aber sehr trügerisch, wenn es um die Zukunft geht. Wer jetzt mit einem Studium anfängt, der hat, wenn man davon ausgeht, dass die heutige Jugend vielleicht mit 70 in den Ruhestand wird gehen "dürfen", nach dem Studium noch gute 45 Berufsjahre vor sich. Und da ist dann weniger entscheidend, ob die Zahl der Anwaltszulassungen gerade heute einen neuen Höchststand erreicht hat, sondern wie die Situation in 10 Jahren aussieht.

      Und da wird es, das ist absehbar, die demografische Statistik lässt nicht mit sich diskutieren, einen eklatanten Mangel an Jungjuristen geben. Und man dürfte durchaus bereuen, dass man - für viel Geld und mit hohem Aufwand - Jungjuristen an der Hochschule ausgebildet hat, die auch alle "Scheine" usw. bestanden haben, sogar das 1. Stex bestanden haben und auch das teure Ref durchlaufen haben (das kostet die Länder ja nicht wenig Geld, pro Jungjurist, alleine die monatliche Ausbildungsvergütung!) aber dann am 2. Stex gescheitert sind, weil die Zahl der Versuche begrenzt ist. So verschwenderisch mit der knappen Ressource "Mensch" umzugehen ist nicht klug.

    • 12.01.2017 17:28, Ludwig

      Lieber Herr Splendor,

      Ihre Ansicht hier ist unvertretbar. Sie sagen:"Angesichts des Überangebots an Volljuristen haben auch Zweitexaminierte, die nicht wenigstens in einem Examen 9 Punkte oder mehr aufweisen können, kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt." Nun ja, in NRW kann man damit immerhin Richter und Staatsanwalt werden (ab 7,75 Pkt. im 2. Examen). Mit passablen Lebenslauf (z.B. gutem erstem Examen, Englischkenntnisse, gute Stationen im Referendariat)hat man auch sehr gute Chancen mit einem oberen Befriedigend als Rechtsanwalt. Und das auch mit 6-stelligen Gehalt. Ja, auch für 120.000€. Viele Kanzleien weichen inzwischen die Regel 2x Prädikat auf. In den meisten Behörden wird man auch mit solidem Befriedigend genommen im zweiten Examen. Ich sehe da kein Problem.

    • 12.01.2017 17:31, RA Lobby

      Vier gewinnt!

    • 12.01.2017 23:40, SpookyMulder

      Wo haben Sie denn Ihre Zahlen her RA Splendor? Da stimmt ja vorne und hinten nichts dran. "Kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt"? Was für ein Schwachsinn!

    • 20.01.2017 10:16, Gunther Marko, Sulz am Neckar

      An "RA Splendor":
      Woher wollen Sie das denn so genau wissen, werter Herr Kollege !?
      Etwa aus eigener bitterer Erfahrung ?
      Wie verwerflich abgehoben und verwöhnt muss man denn nur sein, um nicht einmal mehr einen schlichten "Qualitätswein" geniessen zu wollen, zumindest was die Einstellung oder den sonstigen beruflichen Werdegang von Absolventen des 2. Staatsexamens betrifft !?
      Da gibt es gewiss auch sehr, sehr viele andere Wege, die sich eröffnen.
      Ohne das man diese verbittert beschreiten muss, versteht sich.

  • 12.01.2017 12:09, Wie?

    Wie schafft man denn bitte das zweite nicht, wenn man das erste geschafft hat?
    Beide sind doch einfach. Bestehen ist geschenkt. GUT bestehen ist halt schwierig.

    Hierzu sei folgender Artikel nahegelegt: http://www.zeit.de/campus/2014/06/thomas-fischer-jurastudium-vorurteile-auswendig-lernen

    Kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 12.01.2017 14:48, Thomas

      Dann lass mal hören wie du deine beiden Staatsprüfungen abgeschlossen hast
      Herr Prof. Dr. Dr. jur

    • 12.01.2017 15:00, Hagen

      Hier hat jemand aber entweder
      1. überhaupt keinen blassen Schimmer, oder
      2. Lust auf unnötige Provokation von und auf Kosten von Durchgefallenen und der weiten Mehrheit der Absolventen.

      Und lesen klappt offenbar auch nicht. Der verlinkte Artikel thematisiert das Studium - und nur das Studium. Das Ref beinhaltet ganz andere Voraussetzungen auf die Fischer gar nicht eingeht - weil er dieses auch gar nicht meint.
      Eine Frage: Wie glaubhaft ist denn die Aussage, Bestehen sei "aus eigener Erfahrung" geschenkt, wenn man nicht einmal ein Interview korrekt verorten kann?

      Mit gutem Willen sei Ihnen die Statistik einmal ans Herz gelegt. Da sehen Sie dann, wie "leicht" die Staatsprüfungen sind. Und mit den Unterschieden hinsichtlich den Anforderungen in den einzelnen Bundesländern sowie mit der Möglichkeit einfacherer und schwerer Durchgänge verteilt auf das Jahr könnten Sie sich vielleicht auch einmal auseinandersetzen.
      Abschließender Tipp: Allein die eigene Erfahrung ist immer ein schlechter Maßstab. Vor allem wenn man sich als noch so guter Jurist gerieren will

    • 13.01.2017 09:59, Wie? @ Thomas

      Zwei mal VB, Danke der Nachfrage. Und selbst so?

    • 13.01.2017 13:01, Der Präsident

      "Zwei mal VB, Danke der Nachfrage."

      Lassen sich mich raten: Doppelprädikat. Anschließend Landesjustizdienst. Ein Jahr als Staatsanwalt, danach Amtsrichter in Hintertupfingen. Dort scheiden Sie jetzt die nächsten 45 Jahre Inzuchtehen.

      Seit dem Ende der juristischen Karriereleiter und zufiel Tagesfreizeit.

    • 14.01.2017 14:06, Wie@ Der Präsident

      Fast. Sie vergessen,dass ich das in maximal zweieinhalb-Tagewoche bei voller Besoldung mache. Und der Ort heisst nicht Hintertupfingen ;-) Aber da bleibt dann mehr Zeit für spannende NebenjobS (Plural).

      Den effektiven Stundenlohn können Sie sich ja mal ausrechnen und wir diskutieren dann in meiner Freizeit weiter. Zum Beispel Dienstags ganztags .. Oder Donnerstags ganztags .. Oder Freitag ab 11.15 Uhr ;-) Aber da müssen Sie (Großbude? Syndikus?) vermutlich gerade irgendeinen widerlichen Mandanten und/oder Abteilungsleiter die Füße küssen.

      So macht halt jeder seins und lacht den anderen aus, weil beide meinen, nur die eigene Wahl sei richtig... Weil Menschen halt so sind.

    • 16.01.2017 12:35, Der Präsident

      Lieber Richter (Sie sind doch, oder tickt ihr nur alle gleich?),

      da haben Sie überhaupt nicht gegriffen worum es geht. Wes geht hier nicht um Law Firm vs. Justizdienst, sondern darum, dass für armselige Existenzen wie Sie, das Doppelprädikat der einsame Höhe seiner juristischen Laufbahn blieben wird, weswegen Sie darauf abheben.
      Kommen Sie wieder, wenn Sie fünf mal in Folge mit "gut geeignet" beurteilt worden und mit 43 Richter am BGH sind. Das würde dann auch beeindrucken und Sie dürften hier große Reden schwingen.
      Aber kein Richter auf Probe am Amtsgericht Hintertupfingen, Strunzenöd oder weiß der Teufel wo...

    • 17.01.2017 08:43, Thomas

      @wie

      Stecke gerade mitten im Referendariat.
      Ich habe im EJS leider auch "nur" befriedigend erreicht.

      Da ich nun nicht so qualifiziert bin wie Sie, müssen Sie mir das bitte nachsehen.
      Einige empfinden das Studium als leicht, was ihr gutes Recht ist. Nur diejenigen, die das auch offen ohne Rücksicht auf diverse andere Personen kundtun, um sich selbst zu profilieren, denen fehlt es an einer anderen Fähigkeit.

      Wobei es aber viel wichtiger ist, ein toller Jurist zu sein. Somit sind Sie ein besser Mensch. ich freue mich schon darauf, von Ihnen zu hören.

      Gruß

    • 20.01.2017 10:19, Gunther Marko, Sulz am Neckar

      Offensichtlich ein "Tausendsassa", der hier kommentiert.
      Die Bezeichnung "Wie" trifft's nicht im Geringsten, hi, hi, hi.

  • 13.01.2017 12:48, Reibert

    Auch ich bin seit langer Zeit dafür die Begrenzung der Wiederholungsversuche aufzugeben. Alleine die Begründung für die Begrenzung ist an Zynismus kaum zu überbieten: sie soll dem Schutz des Betroffenen vor sich selbst dienen.
    Denn ein Bewerber, bei dem mit hinreichender Sicherheit zu erkennen ist, dass er nicht geeignet ist, den zum Zweck der Abschlussprüfung entsprechenden Anforderungen zu genügen, soll vor sich selbst geschützt werden.
    (VG Berlin, Beschluss vom 10.03.2011, 3 L 166.11, juris)


    Ansonsten möchte ich den (recht kurzen) Beitrag aus Behördensicht ein wenig ergänzen.
    Für Diejenigen die die 2. Prüfung nicht bestanden haben, ist die Lage ernst aber nicht hoffnungslos.

    2012 hat das VG Wiesbaden mit der Legendenbildung aufgeräumt und überzeugend dargelegt, dass mit der 1. Prüfung per se keine Laufbahnbefähigung für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst einhergeht. (VG Wiesbaden · Beschluss vom 8. November 2012 · Az. 3 L 1139/12.WI, juris).

    Seit dem hat der öffentliche Dienst allerdings reagiert und öffnet immer mehr Stellen für Diplom-Juristen. Die entsprechenden Anforderungsprofile in den Stellenausschreibungen sind entsprechend ergänzt worden.
    Damit gibt es für Juristen mit nur einem Staatsexamen heute viel mehr Stellen, als es sie noch vor 5 oder 10 Jahren gab.

    Das ganze ist auch logisch, denn auf die im Wesentlichen prozessualen Erfahrungen des Referendariates kommt es in der Behörde nicht unbedingt an. Und das, was Jurist in drei Monaten Verwaltungsstation lernt, kann man ihm auch on the job beibringen.

    Entscheidend ist vielmehr eine gewisse Affinität zum öffentlichen Recht und zum öffentlichen Dienst. Hier kann aber ggf. ein Master-Abschluss im Bereich der öffentlichen Verwaltung nachgesetzt werden.
    Zudem ist wahrscheinlich wenigen bekannt, dass das sog. Speyer-Semester nicht an das Referendariat gekoppelt ist. D.h. jeder kann auch später noch nach Speyer gehen und dort Verwaltungsluft schnuppern.

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    • 13.01.2017 16:57, Franz

      Was ist daran zynisch? Ich habe einige Zeit an der Uni gearbeitet und genug Studenten gesehen, denen schon eine Begrenzung der Versuche für die große Übung gut getan hätte. Manche Leute sehen nicht ein, dass Jura scheinbar nicht das richtige ist, wenn man im 20. Semester den großen Schein nicht schafft. Ähnliches Unheil hätte m.E. der Wegfall der Versuchsgrenze zur Folge.

    • 13.01.2017 19:50, Reibert

      Na, da vergleichen Sie nun aber Äpfel mit Birnen.

      Im großen Schein ist der Student Anfang zwanzig und hat vielleicht zwei oder drei Jahre in seine Ausbildung investiert. Mal davon ab, dass er drei Klausurversuche und zwei Hausarbeitsversuche pro Semester hat.

      Im zweiten Staatsexamen ist der Kandidat aber Ende 20, Anfang 30 und hat mindestens acht Jahre in seine Ausbildung investiert. Und hat durch Bestehen diverser Scheine und des 1. Staatsexamens bereits unter Beweis gestellt, dass er nicht völlig talentfrei ist.

      Ich halte es insgesamt gesehen für humaner ungeeignete Leute (was auch immer das sein mag) so früh wie möglich auszusortieren. Wie es durch die Zwischenprüfung ja auch gemacht wird.

      Und es bliebt dabei. Einen Staat der seine Bürger vor schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt dadurch schützt, dass er mit schlechten Chancen auf den Arbeitsmarkt zwingt, der ist zynisch; zutiefst.

  • 14.01.2017 11:36, Maikel

    @Michael
    Mir fällt leider in Ihren Kommentaren auf, dass Sie mit aller "Macht" versuchen den FH Studiengang "Wirtschaftsjurist" mit dem 1. Staatsexamen gelich zu stellen. Stellen Sie sich mal vor, sie müssten all das, was Sie in Ihrem Studium gelernt haben, in einer Prüfung mit 8 Klausuren innerhalb einer Woche vorweisen müssen. Da ich selbst ein Zweitstudium in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang (Bachelor) aufweisen kann, weiß ich , das ein Bachelorstudium nicht ansatzweise vergelichbar mit dem heutigen Jurastudium an einer Universität verglcihbar ist. Man lernt im bachelor für die Klausuren wie für das Abitur. Wissen reinstopfen und nach der Klausur vergessen. Es gib dabei keine Abschlussprüfung, wo man alles wissen muss.

    Ein Bachelorstudiengang oder Masterstudiengang in diesem Bereich wird sicherlich nicht einfach sein, es aber mit einem 1. Staatsexamen zu vergleichen, ist leider nicht möglich.

    Und noch zu Ihrer Bachelorthesis. Dies ist nichts anderes als eine Seminararbeit, die man im Schwerpunktstudium schreiben muss. Nach der Bachelorthesis ist das Studium aber vorbei und es gibt keine Abschlussprüfung mehr.
    .

    Maikel

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  • 14.01.2017 12:58, Frogsoul

    Alles Blödsinn. Ich spreche aus Erfahrung. Ich habe nach erfolgreichem Abschluss des 1. Staatsexamens im Freischuss eine Anstellung gesucht, da ich mich weder als Anwalt noch als Richter gesehen habe und es sehr viele Tätigkeiten gibt für die eine Befährigung zum Richteramt NICHT erforderlich ist. Nur 3 Monate nach meiner mündlichen Prüfung habe ich eine feste Anstellung bei einer Behörde gefunden. Einladungen zu Vorstellungsgesprächen hatte ich in dieser kurzen Zeit von 3 Behörden, 1ner Versicherung sowie einer anderen Firma bekommen. Ich verdiene nicht das, was man ggf. als Volljurist bekäme, aber man kommt gut mit dem Geld klar. Und das Beste ist: feste Arbeitszeit, sicherer Job und um Punkt 16 Uhr ist Feierabend! 2. Examen um dann 24/7 in einer bescheidenen Kanzlei zu arbeiten für 3,50 € mehr? Nein danke :-P

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    • 15.01.2017 21:08, Amen

      Recht so! Es gibt auch andere Sachen im Leben.

    • 20.01.2017 10:21, Gunther Marko, Sulz am Neckar

      Wow !

  • 18.04.2018 00:09, Marina

    Das mag ja stimmen, dass die Wirtschaftsjuristen noch ein Paar Extras wie Bwl -Fächer haben( mit Verlaub aber keine harte Mathematik, sondern ziemlich abgeschwächte Version davon).

    Was mir aber auffällt, dass speziell in Berlin ganz viele im ersten Examen gescheiterte Juristen sich dort tummeln und dabei sehr gute Noten erzielen, wo es beim Examen es nicht mal zum bestehen gereicht hat( kenne mindestens 3 davon).

    Die Behauptung, dass mein keine wissenschaftliche Arbeit verfasst, sehe ich als falsch an, da man die Schwerpunktarbeit schreibt, die oft auch 60-70 Seiten lang ist.

    Dass es ungefähr dem Master entspricht, zeigt schon Parallele zum Lehramtsstudium-man mach Master (früher das erste ex) und danach kommt das Referendariat sowie bei den Juristen.

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