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Serie Law Journals: GoJIL: Völ­ker­recht, Peer Review und Open Access

von Anne Dienelt, Georg Schäfer, Tobias Tschappe

20.11.2010

Die beste deutsche Universität liegt laut einem Ranking der Times in Göttingen. An deren juristischer Fakultät betreiben Studenten ein ambitioniertes Projekt – das Goettingen Journal of International Law (GoJIL). Vier Attribute zeichnen die Zeitschrift aus: studentische Organisation, Peer Review, die Ausrichtung auf internationales Recht und die Veröffentlichung unter Open Access. Auf LTO.de stellt die Redaktion ihre Zeitschrift vor.

Bevor es zu den mittlerweile mehrfach von anderen renommierten Fachzeitschriften und Wissenschaftlern zitierten Ausgaben kam, mussten einige Semester ins Land ziehen. "Ende 2007 hat sich aus verschiedenen Fakultäten der Universität Göttingen eine Gruppe von Studenten in den Völkerrechtsvorlesungen und auf Exkursionen zusammengefunden", erinnert sich Editor-in-Chief Matthias Lippold. Sie starteten ein in Deutschland bislang einzigartiges Projekt: die Gründung eines von Studenten geleiteten, englischsprachigen Journals mit völkerrechtlichem Schwerpunkt, dessen Qualität durch ein Peer-Review-Verfahren gesichert und das unter Open-Access-Lizenz frei zugänglich publiziert wird.

Realisiert wurde das GoJIL nach dem Vorbild ähnlicher amerikanischer Law Journals mit Rückendeckung des Institutes für Völkerrecht. Zusätzlich gewann das Journal, das von der juristischen Fakultät durch Studiengebühren unterstützt wird, die deutschlandweit engagierte Joachim Herz Stiftung als Förderer.

Kern des GoJIL ist die als Editorial Board (EB) organisierte studentische Redaktion. Ihre Aufgabe ist neben der Artikelakquise, dem Kontakt zu Autoren und der Werbung vor allem das Editieren der Beiträge. "Jeder Artikel, der es nach einem gründlichen Begutachtungsprozess (Peer Review) in eine Ausgabe des GoJIL schafft, wird dabei nicht nur gegengelesen, sondern bis auf die letzte Fußnote nachgeprüft und einem Layout-Prozess unterworfen, um Veröffentlichungen auf einem durchweg hohen wissenschaftlichen Niveau zu garantieren" berichtet Editor Georg Schäfer.

Im Peer Review liegt ein entscheidender Unterschied zu amerikanischen studentischen Law Journals. Dabei wird die studentische Redaktion vom sogenannten Scientific Advisory Board unterstützt, welches aus Doktoranden und Habilitanden von Universitäten aus der ganzen Welt besteht. Die jungen Wissenschaftler, die Experten in ihren jeweiligen Forschungsschwerpunkten im Völkerrecht und den Politikwissenschaften sind, erhalten die anonymisierten Beiträge vom EB und begutachten sie auf ihren wissenschaftlichen Wert hin. "Nach Abschluss des Begutachtungsverfahrens wird die letztendliche Entscheidung aber immer im Plenum des EB getroffen, das sich somit als Ganzes für den Inhalt verantwortlich zeigt", erklärt Editor-in-Chief Tobias Tschappe.

Studenten publizieren neben Völkerstrafrechtlern von internationalem Ruf

Nach einer einjährigen Planungsphase wurde im Februar 2009 die Erste von mittlerweile fünf Ausgaben auf der Internetseite des GoJIL veröffentlicht. Für diese Ausgabe konnten bereits namhafte Autoren wie Prof. Thomas Buergenthal, seinerzeit Richter am Internationalen Gerichtshof und Mitglied im Beirat des GoJIL, und der bekannte Völkerstrafrechtler Robert Cryer gewonnen werden, die mit ihren Beiträgen ihr Vertrauen in das damals noch junge Projekt deutlich machten. Auch die regelmäßig veranstaltete Student Essay Competition, welche Studenten erste Publikationserfahrung auf akademischem Niveau bietet, wurde hier bereits eingeführt.

Die darauf folgenden Ausgaben zogen immer mehr Aufmerksamkeit auf sich und besonders die aktuelle Ausgabe (Volume 2 No. 2) vom August 2010 bekam viel positives Feedback. Sie wurde insbesondere für die erste umfangreiche Sammlung von Veröffentlichungen zum Ergebnis der Review Conference des Internationalen Strafgerichtshofes in Kampala gelobt und bietet darüber hinaus Beiträge zum IGH-Gutachten im Kosovo-Fall.

Alle Ausgaben wurden unter Open-Access-Lizenz publiziert. "Das bedeutet, dass der Zugang über das Internet für jedermann kostenlos möglich ist und somit auch etwa die finanzielle Ausstattung der Leserschaft nicht deren Zugang und Teilhabe am wissenschaftlichen Diskurs entgegensteht", erklärt Tobias Tschappe. "Damit möchte das GoJIL auch Nachwuchswissenschaftlern eine attraktive Möglichkeit für wissenschaftliche Publikationen auf einem hohen Niveau bieten."

Mittlerweile wurden Artikel des GoJIL in Veröffentlichungen anderer namhafter Zeitschriften wie dem European Journal of International Law, International & Comparative Law Quarterly, in der American University International Law Review sowie in diversen Fachbüchern (Commercial Law of the European Union) zitiert. "Dies zeigt, dass das GoJIL von einer internationalen Leserschaft wahrgenommen wird und einen eigenen Beitrag zur Diskussion völkerrechtlicher Themen leistet", stellt Editor-in-Chief Anja Dahlmann fest.

Aktuellstes Projekt: eine internationale Fachkonferenz

Neben den halbjährlich erscheinenden regulären Ausgaben werden auch Sonderausgaben mit einem jeweils speziellen Schwerpunkt veröffentlicht. Den Anfang machte dabei eine Ausgabe zu Russland und dem Völkerrecht anlässlich des georgisch-russischen Konflikts 2008. Darüber hinaus fand in Göttingen der Workshop "Strategies for Solving Global Crises - The Financial Crisis and Beyond" mit jungen Wissenschaftlern und Doktoranden statt, aus dessen Beiträgen Anfang 2010 ebenfalls eine Sonderausgabe entstand.

Das jüngste und sehr ambitionierte Projekt, das in Angriff genommen wurde, ist die internationale Fachkonferenz "Resources of Conflict - Conflict over Resources", die von Studenten und Promotionsstudenten geplant und organisiert wurde. Ein Blick auf die Liste der Panelists zeugt von der großen Aufmerksamkeit, die die vom 7.-9. Oktober in Göttingen stattgefundene Konferenz erlangt hat.

Im Zuge der vorherigen Ausschreibung wurden 83 Beiträge aus 33 Ländern eingereicht und von einem Auswahlkomitee aus Studenten, jungen Wissenschaftlern und Praktikern bewertet. Schließlich wurden 16 Beiträge für die Präsentation im Rahmen der Konferenz ausgewählt. Außerdem ist es den Studenten gelungen, Professor Bruno Simma, Richter am IGH in Den Haag, und Professorin Marie-Claire Cordonier Segger, Direktorin des Centre for International Sustainable Development Law in Montreal, für Keynote-Speeches zu gewinnen. Abgerundet wurde der internationale Charakter der Konferenz von der Zuhörerschaft, die selbst eine weite Anreise, wie etwa aus Australien, nicht scheute. "Wir waren vom durchweg guten Feedback der Teilnehmer positiv überrascht und planen auch in Zukunft Konferenzen und andere Veranstaltung zu organisieren", resümiert Matthias Lippold.

Informationen zu der englischsprachigen Konferenz sind im Internet unter www.gojil.eu abrufbar. Die Beiträge der Konferenz werden zudem in einer Sonderausgabe im Frühjahr 2011 erscheinen. Alle GoJIL-Ausgaben können auf der Homepage der Zeitschrift kostenlos abgerufen werden. Zusätzlich bietet eine Kooperation mit Amazon.de die Möglichkeit, zum Selbstkostenpreis jede Ausgabe auch als Printversion zu erstehen.

Website des Goettingen Journal of International Law

 

Anm. d. Red.: Dachzeile der Überschrift wurde am 14. und 21.7.2011 geändert

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Zitiervorschlag

Anne Dienelt, Georg Schäfer, Tobias Tschappe, Serie Law Journals: GoJIL: Völkerrecht, Peer Review und Open Access . In: Legal Tribune Online, 20.11.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/1984/ (abgerufen am: 26.10.2020 )

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