Jurafakultät der TU Dresden schließt früher als geplant: Juristen bald von der phi­lo­so­phi­schen Fakultät?

von Marcel Schneider

05.04.2018

Sachsens Juristennachwuchs konzentriert sich künftig in Leipzig. Das war bekannt, doch die Jurafakultät Dresden macht nun noch früher dicht als geplant. Die Studenten sind sauer – u. a. wegen eines ungewöhnlichen Lösungsvorschlags der TU.

Seit dem Wintersemester 2003/2004 kann man sich an der Technischen Universität (TU) Dresden nicht mehr für Rechtswissenschaften mit dem Abschluss Staatsexamen einschreiben. Mit dem Bachelorstudiengang "Law in Context" (LL.B.) und dem Masterstudiengang "Wirtschaftsrecht" (LL.M.) hat sich die juristische Fakultät in Dresden aber zwischenzeitlich halten können.

Entsprechend der "Hochschulentwicklungsplanung 2025 Sachsen" soll das gesamte Angebot an juristischen Studiengängen in Sachsen künftig an die Universität Leipzig wandern. Hatte dieses Vorhaben schon vielerorts für jede Menge Diskussionen gesorgt, so hat der Senat der TU aus Sicht der Dresdner Studenten nun noch eins draufgelegt: Im Rahmen seiner 35. Sitzung stimmte er der Auflösung der juristischen Fakultät zum 1. September dieses Jahres zu. Endgültig schließen sollte sie  eigentlich erst zum Wintersemester 2019.

"Eine Auflösung der Juristischen Fakultät zum 01.09.2018 ist unumgänglich, da nach aktuellem Stand die Anzahl der Professoren/innen […] spätestens [zu diesem Zeitpunkt] unter die für die Aufrechterhaltung der Fakultät notwendige Zahl sinken wird", heißt es im Protokoll zur Sitzung. Tatsächlich sind zum Wintersemester 2017/2018 bereits drei juristische Hochschullehrer von Dresden nach Leipzig gewechselt, zum kommenden Wintersemester sollen zwei weitere folgen.

Dresdner Fachschaft mit heftiger Kritik

Zwar sollen die aktuell eingeschriebenen Bachelor- und Masterstudenten ihr Studium noch wie geplant zu Ende bringen können. In einem offenen Brief äußert der Dresdner Fachschaftsrat Jura (FSR) jedoch deutliche Kritik. Unter anderem bemängelt er das schon jetzt wegen der fehlenden Professoren nur noch eingeschränkte Lehrangebot. "Wichtige Vorlesungen [fallen] aus dem Lehrplan", heißt es in dem Schreiben. Außerdem sei die Anzahl der Wahlfächer geschrumpft und Wiederholungstermine für Durchfaller würden inzwischen zu wesentlich ungünstigeren Terminen angeboten.

Am stärksten aber kritisiert der FSR, dass diejenigen Studenten, die nicht bis zur Schließung der Jurafakultät fertig werden, ihren Abschluss danach von der philosophischen Fakultät erhalten sollen – das nämlich ist der Lösungsvorschlag der TU, der aktuell im Raum steht. Die verbleibenden Juraprofessoren würden ebenfalls der philosophischen Fakultät unterstellt.

Bachelor beziehungsweise Master of Laws und auf der Abschlussurkunde dann das Siegel der Fakultät einer anderen Fachrichtung? Das geht nach Auffassung des FSR überhaupt nicht: "Wenn auf unserem Abschlusszeugnis Philosophische Fakultät steht, kann das negative Auswirkungen auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt haben", sagte FSR-Sprecher Julian Freudiger den Dresdner Neueste Nachrichten.

Ebenso befürchten die Studentenvertreter in ihrem Brief, dass die Prüfungsleistungen an anderen Universitäten für juristische Studiengänge nicht anerkannt werden könnten; insbesondere für den Fall, dass sich ein Dresdner Student dazu entschließt, das Staatsexamen in Leipzig oder anderswo nachzuholen: "Die Erbringung von Leistungen an einer philosophischen Fakultät ist nicht gleichwertig und wird den Absolventen der TU Dresden im Wege stehen."

Abschlussarbeiten in Gefahr?

Dass Dresdens Tage als Standort für juristische Studiengänge gezählt sind, war zwar kein Geheimnis. Die Abgänge der Professoren und die damit um ein Jahr vorgezogene Schließung der Fakultät könnten aber noch andere massive Folgen für die aktuell eingeschriebenen Studenten haben.

Zwar bedauert die TU auf ihrer Homepage die Einstellung des Bachelor- und des Masterstudiengangs ausdrücklich. Sie selbst spricht dort aber auch gleichzeitig von einem "reduzierten[n] Lehr- und Prüfungsprogramm" – und davon, dass sich "diese Einschränkungen […] auf die Kapazitäten im Bereich der Forschungsseminare oder Masterarbeiten auswirken" könnten. Mit anderen Worten: Wer keinen Platz im Seminar oder für seine Abschlussprüfung bekommt, weil zu viele Studenten auf zu wenige Lehrkräfte treffen, wird wohl warten müssen - und gegebenenfalls ein Semester dranhängen.

Der weiterführenden Kritik der Dresdner Studenten, dass die Konzentration der Jura-Studiengänge auf einen Standort angesichts des juristischen Nachwuchsmangels unklug und man in Leipzig mit den Bewerbermassen zudem überfordert sei, sieht man dort indes gelassen entgegen: "Wir haben aktuell noch nicht die Kapazitäten für die perspektivisch angestrebten 750 Erstsemester im Jahr erreicht", erklärte die Universität Leipzig gegenüber LTO. Das Problem werde sich allerdings mit der Besetzung zweier neu ausgeschriebener Lehrstühle und den noch ausstehenden Versetzungen der Professuren von Dresden nach Leipzig erledigt haben.

Zitiervorschlag

Marcel Schneider, Jurafakultät der TU Dresden schließt früher als geplant: Juristen bald von der philosophischen Fakultät? . In: Legal Tribune Online, 05.04.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27883/ (abgerufen am: 22.04.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 05.04.2018 14:32, Kurt B.

    Eine Landeshauptstadt ohne Juristenausbildung geht gar nicht. Gibt es sonst nur noch in Schwerin.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 05.04.2018 14:53, B.

      Was soll der Grund dafür sein? Auch in Magdeburg und Erfurt gibt es keine Juristenfakultäten. Das ergäbe dann schon 3, bald 4 Länder in denen es so wäre. Sicher hat es einen Grund, dass es ausgerechnet nur ostdeutsche Länder sind.

    • 05.04.2018 14:57, B.

      Oh, Stuttgart hat ja anscheinend auch keine.

    • 05.04.2018 16:59, E

      In Wiebaden kann man auch nicht Jura studieren. Who cares? Man kann weder die Qualität des Studiengangs, noch die Qualität des Landes bzw dessen Haupstadt daran messen, dass beides zusammenfällt. Ich habe viele Kriterien mitbekommen nach denen Studenten die Universität wählen. Ob die Uni in einer Landeshauptstadt liegt, war nie dabei. Warum auch?

    • 09.04.2018 11:07, Maximus Pontifex

      @ E: Doch, an der EBS.

    • 09.04.2018 12:07, Dr. Peus

      Das hat man in Sozi-Land NRW anders gemacht. An jeder D-Zug-Haltestelle eine Volluniversität, an jedem Haltepunkt der Bahn eine Hochschule, an jeder Bushaltestelle eine Zweigstelle solcher Etablissements.

  • 05.04.2018 14:35, Kurt B.

    Eine Landeshauptstadt ohne Juristenausbildung geht gar nicht. Kann ich ja auch nach Schwerin gehen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 05.04.2018 21:41, Felix

      Oder nach Magdedorf

  • 05.04.2018 17:13, ???

    Das ist eine unzumutbare Situation. Zwar benötigt eine Landeshauptstadt tatsächlich nicht zwingend eine Juristische Fakultät, aber speziell in Ostdeutschland ist die Situation wirklich katastrophal, z.B. die Zusammenlegung von Rostock und Greifswald. Und da Dresden nicht nur Hauptstadt von Sachsen, sondern (neben Leipzig) auch eine der wenigen kulturellen und wirtschaftlichen "Metropolen" in Ostdeutschland ist, hätte es da eine andere Lösung erfordert.

    Es ist ja auch nicht so, dass es dort kein gutes Personal gab. Mit Prof. Götting hatte man dort z.B. eine richtige Koryphäe.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 05.04.2018 18:24, GrafLukas

      Ja, genau. Eine.

    • 06.04.2018 09:15, Kurt B.

      Auch Pegida-Hochburg!!

    • 07.04.2018 14:20, Idefix

      wenn die Alternative Berlin oder NRW heißt, Dresden jederzeit gerne. Selbst Magdeburg würde ich vorziehen. Aber ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks u. wo man sich aktuell am besten integriert.

  • 05.04.2018 18:40, Robert Peres

    In Wiesbaden kann man sehr wohl Jura studieren: https://www.ebs.edu/de/fakultaet/law-school

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 05.04.2018 19:22, Dr. Peus

      Karneval und der 1. April sind doch vorbei. Das nennen Sie "Jura" studieren?

    • 05.04.2018 21:23, "Doktor?"

      Was genau soll an einem Studium, das im Staatsexamen mündet (und die ersten Ergebnisse sind ja sehr ansehnlich...), denn kein "Jurastudium" sein?

    • 06.04.2018 09:20, Dr. Peus

      zu 05.04.2018 21:23, "Doktor?": Man lernt dazu. Etwas verborgen, dann aber in der Tat angegeben, Vollstudium. Konkurrenz belebt das Geschäft.

    • 07.04.2018 14:11, Goldankäufer

      EBS und diese privaten Institute gewinnen an Bedeutung und kommen in der Wirtschaft deutlich besser weg, als in Foren oder im restlichen Internet zunächst behauptet. Es gibt Sie überall auf der Welt, in Kanada können Sie diesen Abschluss sofort "verwerten". Leider sind sie etwas teuer, häufig gibt es am Ende aber für die Arbeit auch eine gute Note.

      Ich stehe staatlichen Schulen/Bildungseinrichtungen mittlerweile generell sehr kritisch gegenüber. Häufig bekommt man trotz großer Bemühungen keine guten Noten. Bekommt täglich zu allem Überfluss auch noch gesagt, dass man sich besser unmittlerbar für den Taxisschein anmelden sollte. Mich wundert es nicht, dass die Bildung in diesem Land den Bach hinunter geht...

      An privaten Instituten wird man gepushed, für den internationalen Markt vorbereitet, bekommt für geringen Einsatz sehr gute Zensuren und hat auch sofort gute Kontakte, da die Kommilitonen meist aus gutem Hause kommen.

      Insofern EBS # go for it!

  • 07.04.2018 13:49, Goldankäufer

    kann man mit diesem Master dort Promovieren? Gibt es noch Wohnraum in Dresden zu annehmbaren Konditionen und einen Job im Anschluss? Die Stadt an sich ist schön, die Menschen leider sehr gewöhnungsbedürftig.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 10.04.2018 16:59, Sardine

      ich kenne einen der hat einer privaten promoviert und danach gegründet. Da ist Geld da ohne Ende. Die Räumlichkeiten und die Lage sprechen für sich. Das Ganze können Sie sich als kleine Sardine sparen! Suche Sie das billigst-Mögliche mit halbwegs vertretbarem Ruf. Etwas, das auf eine gute Reputation schließen lässt und gute Noten ermöglicht. Den zweifach-Master D/F in Dresden finde ich übrigens recht interessant, aber die Stadt ist leider nur schwerlich zu ertragen.

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