Vergütung juristischer Praktika: Arbeiten für lau?

von Sabine Olschner

01.08.2017

Ob verpflichtend oder freiwillig: Die Arbeit in einer Kanzlei oder bei einem anderen Arbeitgeber für Juristen kennenzulernen, gibt wertvolle Einblicke in die Praxis. Doch wie hält die Branche es mit der Praktikantenvergütung? Ein Überblick.

 

Drei Monate Pflichtpraktikum sehen die meisten Bundesländer für ihre Jurastudenten vor. Da heißt es: passende Praktikumsplätze suchen, Bewerbungen schreiben, Konditionen prüfen. Wichtig ist auch, sich über die Aufgaben eines Praktikanten im jeweiligen Betrieb zu informieren – schließlich will man die Zeit sinnvoll nutzen. Doch auch die Frage nach einer Praktikantenvergütung ist angebracht. Schaut man sich Großkanzleien an, zahlen manche ihren Praktikanten ein vergleichsweise ansehnliches Gehalt: Vergütungen von 400 bis 800 Euro im Monat, teils sogar 250 Euro pro Woche sind dort zu bekommen. Anders sieht es oft bei kleineren Kanzleien aus, die Praktikanten beschäftigen: Nicht selten arbeitet man dort ohne Vergütung.

Ein Beispiel sind Voelker und Partner, eine regionale Wirtschaftskanzlei in Reutlingen. Sie beschäftigt einmal im Jahr vier Studierende ab dem vierten Semester vier Wochen lang in einem Gruppenpraktikum. "Wir wollen den Praktikanten einen umfassenden Einblick in das Kanzleileben geben", erklärt Partner Dr. Jan-David Jansing, der vor ein paar Jahren das Praktikantenprogramm konsequent organisiert hat. Es sieht vor, alle Kanzleimitglieder zu involvieren sind und die Praktikanten bei verschiedenen Anwälten einzusetzen. "Dadurch muss keiner die Praktikantenzeit allein hinter sich bringen und alle sind motivierter", so Jansings Erfahrung. Die Praktikanten werden auf reale Fällen angesetzt und erhalten darüber hinaus eine Langzeitaufgabe mit Praxisbezug. So haben sich die Vierergruppen zum Beispiel schon mit dem VW-Abgasskandal beschäftigt oder die Auswirkungen des Brexit auf britische Mandanten recherchiert.

Geld gibt es dafür nicht: "Für uns hat der Einsatz der Praktikanten keinen wirtschaftlich umsetzbaren Gegenwert", begründet Jansing die Entscheidung. "Unsere Praktikanten profitieren vielmehr von der Erfahrung, die sie bei uns sammeln." In Vorstellungsgesprächen oder auf Karrieremessen sei die Praktikantenvergütung auch kein Thema, sagt der Partner. Die Kandidaten, die sich bei seiner Kanzlei bewerben, hätten gerade wegen des Konzepts Interesse, auch wenn es keine Vergütung vorsieht. Bislang habe es jedenfalls keine Probleme gegeben, die vier Praktikantenplätze zuverlässig zu besetzen.

Rechtsbranche zahlt eher wenig

Rechtsanwalt Christoph Scholze von der Aid24 Rechtsanwaltskanzlei unterscheidet zwischen Pflicht- und Wahlpraktika, wenn es um Geld geht: "Pflichtpraktika werden bei uns nicht vergütet, für Wahlpraktika zahlen wir oft 10 Euro brutto pro Stunde oder mehr", erklärt der Kanzleigründer. Scholze bevorzugt Studierende ab dem zweiten Semester, die mindestens zwei Monate in der Kanzlei arbeiten wollen. Für das Wahlpraktikum nimmt er am liebsten Kandidaten, die er schon im Pflichtpraktikum kennengelernt hat: "Dann kann ich besser beurteilen, wie viel ihre Arbeit für die Kanzlei wert ist."

Praktikanten findet Scholze meist über das Internet, vor allem über das Portal meinpraktikum.de, auf der die Studierenden auch Bewertungen über die Praktikumsanbieter hinterlassen können. Das Feedback für seine Kanzlei liest sich positiv - dass es für Pflichtpraktika keine Vergütung gibt, stört offenbar nicht.

Dass Kanzleien ihren Praktikanten nichts oder nicht viel zahlen, belegt auch eine 2014 veröffentlichte Studie der Online-Plattform. Demnach vergüten Kanzleien aus der Rechts- und Steuerbranche ihre Praktikanten im Schnitt mit 159 Euro pro Monat und liegen damit weit unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 400 Euro monatlich. Die Zufriedenheit der juristischen Praktikanten erreicht mit 77 Prozent allerdings trotz der geringen Vergütung einen recht hohen Wert.

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Vergütung juristischer Praktika: Arbeiten für lau?. In: Legal Tribune Online, 01.08.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/23721/ (abgerufen am: 21.10.2017)

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Kommentare
  • 01.08.2017 12:07, Lionel Hutz

    Das Problem ist doch, dass das Studium so organisiert ist, dass Studenten die Praktika in den ersten beiden Jahren ableisten wollen, damit sie sich dann auf die Examensvorbereitung werfen können. Auf diese Weise ist dann gesichert, dass die Studenten keinen echten Wert für den Betreuer bringen, weil sie einfach noch nichts können, was in 95% der real existierenden Jobs gekonnt werden muss. Wenn man sie dort einarbeiten will, lernen sie umgekehrt auch wenig, was sie im Studium oder Examen verwerten können.

    In der Praxis ist es doch wohl weiter so, dass Praktikanten bei gelegentlicher Anwesenheit mal überall schnuppern dürfen, aber auch keinen echten Mehrwert bringen. Wenn man sie Kopien oder Kaffee machen oder PowerPoint-Folien nach Anweisung malen lässt, ist das was anderes, da ist aber auch etwas wozu Jurastudenten in der Regel nicht missbraucht werden.

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    • 01.08.2017 13:17, Unternehmensjurist

      Ob das ein Problem ist oder nicht, hängt hier wohl vom Blickwinkel ab ;-)

      Ich finde es gut, die Praktika am Anfang des Studiums abzuleisten, weil man so die Gelegenheit bekommt, erste Berufsluft zu schnuppern. Gerade im äußerst theorielastigen Jurastudium halte ich es für sinnvoll, relativ früh mal "aus dem Hörsaal" zu kommen und einen Einblick in die potentiellen Berufe zu bekommen. Solche frühen Einblicke bestärken möglicherweise die Studienwahl oder man merkt, dass einem ein juristischer Beruf später wohl keinen Spaß machen wird.

      Im Referendariat oder den Semesterferien gibt es später noch genug Gelegenheit, sich etwas hinzuzuverdienen.

    • 02.08.2017 08:38, Praktiker

      Wie will man denn erste Berufsluft schnuppern, wenn man gerade erst BGB AT und Staatsorga hatte? Das ist doch Unsinn. Man wird bestenfalls mit irgendwelchen Hilfstätigkeiten beschäftigt, die auch ein Realschulpraktikant, der sich für eine Lehre zum Bürokaufmann interessiert, in einem Büro machen würde. Der einzige Unterschied zu jedem anderen Büro ist dabei die Branche, zu der das Büro zu rechnen ist. Aber mit Berufsluft schnuppern hat das, was man juristischen Laien - nix anderes sind Jurastudenten nach 1, 2 oder 3 Semestern nun einmal! - in einem Praktikum sinnvoll machen lassen kann, nun einmal nichts zu tun. Das, was die dabei machen können, ist weniger, als das, was Rechtsanwaltsfachangestellte machen - und man studiert ja Jura und macht keine Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten. Und wenn sich ein Jurist Zeit für den Praktikanten nimmt, dann läuft das trotzdem auf einem unrealistischen Niveau eines Proseminars ab und hat ebenfalls nichts mit der Berufspraxis zu tun.

      Und wegen einem Praktikum hat noch niemand Jura abgebrochen, sondern eher wegen 0 Punkten bei Grundlagenklausuren und Frust durch Überforderung im Studium.

    • 04.08.2017 07:26, Dr. Martin Heinzelmann, LL.M.

      In der hiesigen (u.a. Bankrechts-)Kanzlei werden für Praktikanten im fortgeschrittenen Studium € 1.000,00.- brutto/Monat bezahlt. Es kann nicht sein, dass v.a. Wirtschaftskanzleien noch nicht einmal in der Lage/willens sind, für die erweiterten Unkosten, welche mit jeder Vollzeittätigkeit, auch im Rahmen eines Praktikums, für den Kandidaten einhergehen, aufzukommen und die Vergütung auf € 0,00.- festsetzen. Wenn die Kanzleimitarbeiter/Rechtsanwälte im weiteren nicht im Stande sind, Praktikanten sinnvolle Tätigkeiten zu übertragen (Recherchen/kleinere Gutachten) um daraus, nach Überarbeitung, Profit zu ziehen, dann sollten Sie vielleicht Ihre eigene Führungskompetenz oder die Qualität der von Ihnen angenommenen Bewerber überdenken. Es dürfte auch eine Frage der Außenwahrnehmung (und des Anstands) sein, wie man Bewerber mit Potential nach Abschluss der Ausbildung gewinnen will, wenn im Praktikum pro bono gearbeitet werden muss. In der Regel spiegelt sich eine solche Policy auch im Einstiegsgehalt und mittelbar in der Arbeitsmotivation des Kandidaten wieder, auch wenn die Bezahlung natürlich nur ein Faktor zufriedener Mitarbeiter ist.

    • 04.08.2017 12:27, Scrooge

      " Es dürfte auch eine Frage der Außenwahrnehmung (und des Anstands) sein, wie man Bewerber mit Potential nach Abschluss der Ausbildung gewinnen will, wenn im Praktikum pro bono gearbeitet werden muss.". Amen.

      Mir wäre schlicht peinlich, die Lebenszeit eines jungen Menschen 30-40 Stunden die Woche in Anspruch zu nehmen - und sei es zum Sortieren des Kopierpapiers, das ist doch letztlich mein Verschulden, wenn ich einem lernwilligen jungen Menschen nichts sinnvolles delegieren kann bzw. diesen nicht an die Hand nehme - und diesem für die Inanspruchnahme seiner Lebenszeit nichts, als einen Apfel aus dem Obstkorb der Kanzlei in die Hand zu drücke. Peinlich wäre mir das!

      Dass sich bei mir hinterher dann keiner bewerben wird, der es sich dank eines guten Abschlusses mehr oder minder aussuchen kann wo er anfängt, versteht sich dann auch von selbst. Denn die Art des Umgangs mit Praktikanten (oder auch den Rechtsanwaltsfachangestellten im Sekretariat) lässt oft tief blicken bzgl. der jeweiligen Kanzleikultur.

  • 01.08.2017 14:48, Unfug

    Unbezahlte Praktika, egal in welchem Beruf, egal zu welchem Zeitpunkt der Ausbildung, sind für niemanden sinnvoll. Die Ausbilder brauchen die Praktikanten maximal für Hilfatätigkeiten, die Praktikanten verschwenden ihre Zeit und bekommen nichts dafür.

    Wofür haben wir ein Mindestlohngesetz? Bezahlt Euere Praktikanten. Dann wird man Ihnen auch Arbeit geben, die Sie können, damit Sie sich "lohnen". So gewinnen alle.

    Gerade in Anwaltakanzleien gibt es tausende Dinge, sie auch ein Zweitsemester locker kann. Rechtsprechung sammeln/recherchieren (ob man den "Treffer" gelandet hat, muss der Chef natürlich selbst noch prüfen, aber man spart ihm Zeit), Mandantendokumente sortieren ("Herr Anwalt, hier sind meine Lohnabrechnungen der letzten vier Jahre. Rechnen Sie mal aus, was ich noch an Unterhalt bekomme..."), etc. pp.

    Umsonst arbeiten ist Unsinn.

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    • 02.08.2017 07:30, jcm

      Meine Erfahrung mit Praktikanten stammt überwiegend aus dem Referendariat. "Praktikantenausbilder" waren die Referendare. Für die Praktikanten gab es schlicht nichts ansatzweise Sinnvolles. Wir haben dann von unseren Aufgaben versucht, abgrenzbare Teile herauszunehmen und den Praktikanten zu übertragen, etwa die Recherche von Rechtsprechung. Geklappt hat das nie. Es kam entweder nur Unbrauchbares oder "da gibt es nichts". Nach fünf Minuten eigener Recherche bei Beck Online zeigte sich regelmäßig, dass die Praktikanten mit den gängigen Recherchetools nicht umgehen konnten. Und zwar (überwiegend) nicht, weil sie zu dusselig waren, die Suchzeile zu finden (das kann man ihnen ja notfalls zeigen), sondern weil es ihnen an den Rechtskenntnissen fehlte, die sie für die Formulierung der Anfrage benötigen. Dafür können sie natürlich nichts, waren ja schließlich zumeist Anfangssemester (bis auf eine Examenskandidatin, die zu dusselig war, die Suchzeile bei Beck Online zu finden - Sonderfall). Ende vom Lied war immer vertane Zeit für alle. Vor diesem Hintergrund finde ich frühzeitig absolvierte Praktika, die einem später nicht mehr zeitlich im Weg sind, für den Praktikanten den gangbarsten Weg, auch wenn es im Zweifel 6 Wochen Langeweile bedeutet. Und dann bei einer möglichst renommierten Kanzlei, damit man für den Unsinn wenigstens einen schillernden Namen im Lebenslauf erhält (auch wenn jeder weiß, was er davon zu halten hat). Abschaffen wäre ehrlicher, aber das ist wohl kaum durchsetzbar. Außerdem wäre das schade für die vereinzelten Praktikanten, von denen ich gehört habe, aus deren Tätigkeit sich eine Anschlussbeschäftigung als Stud. HK ergeben hat. Ausnahmen bestätigen offenbar auch hier die Regel.

    • 02.08.2017 08:44, Praktiker

      "Und dann bei einer möglichst renommierten Kanzlei, damit man für den Unsinn wenigstens einen schillernden Namen im Lebenslauf erhält"

      V. a. sieht jeder Arbeitgeber, wann das Praktikum stattfand und wenn das zwischen 2. und 3. Semester durchgeführt wurde, dann sieht auch jeder Arbeitgeber, dass das Praktikum fachlich wertlos war und somit auch irrelevant war, bei welchem schillernden oder nicht schillernden Namen das Praktikum stattfand. Und bei der jeweiligen Firma wird man auch nicht weiter in Erinnerung geblieben sein (von wegen "schon ein Fuß in der Tür" oder gar "networking"), wie auch, man hatte ja noch nichts auf dem Kasten, das man hätte zeigen können, wenn es fachlich im Studium gerade um den Erlaubnistatbestandsirrtum geht.

      Die Arbeitgeber wissen das sehr wohl einzuordnen.

    • 02.08.2017 11:54, RAin

      So oft kommen vorbereitende und begleitende Tätigkeiten gar nicht vor. Man kann seine Mandanten auch "erziehen". Entweder die Unterlagen werden schon halbwegs sortiert mitgebracht oder das Sortieren ist eben zum üblichen Stundensatz zu bezahlen. Der Mandant kann und sollte nicht davon ausgehen, dass stets Praktikanten da sind, die kostenlos seine Vorarbeit erledigen. Ergo - bei uns gibt es das nicht.
      Unterhalt ausrechnen ist auch nichts, was ein Praktikant kann. Dafür sind vertiefte Kenntnisse im Familien- bzw. Unterhaltsrecht erforderlich.
      Recherchieren. Ja das kann ein Praktikant erledigen und habe ich während meiner Praktika auch gemacht. Ob das allerdings so verwertet werden kann, ist eine andere Sache. Die eine Anwältin meinte zu mir damals, ich hätte mit dem Kopieren des Kommentars mehrfach an der Stelle aufgehört, wo es für sie interessant wurde. Meine Recherche war somit nicht verwertbar. Heute weiß ich auf welche Merkmale es ankommt, damals wohl noch nicht.

      Selbst die Arbeit von Referendaren kann nicht eins zu eins verwertet werden. Der Referendar, den ich vor einiger Zeit betreut habe, hatte zwar sehr viel Wissen, die Umsetzung im Schriftsatz war allerdings noch nicht so optimal. Verwerten konnte ich seinen Entwurf nicht, sondern habe nochmal neu angefangen.

      Man steckt somit viel Arbeit in die Praktikanten, bekommt aber kein oder ein kaum verwertbares Ergebnis. Eine Bezahlung halte ich da nicht für gerechtfertigt.

    • 02.08.2017 16:04, Moer

      "Man steckt somit viel Arbeit in die Praktikanten, bekommt aber kein oder ein kaum verwertbares Ergebnis. Eine Bezahlung halte ich da nicht für gerechtfertigt."

      Erzählen Sie das mal einem Azubi einer dualen Berufsausbildung! In der dualen Berufsausbildung sind Ausbildungsvergütungen indiskutabler Bestandteil. Aber müssen Jura-Praktikanten etwa nicht von irgendwas leben?

      Die Haltung, dass für Praktika keine Vergütung notwendig sei, kommt noch aus der "guten, alten Zeit", als die Oberschicht unter sich blieb und Studenten, zumal in Fächern wie Jura, maßgeblich von Papi durchgefüttert wurden.

      Heute, da inzwischen die Hälfte eines Jahrgangs studiert, verhält sich das anders, mehr als das Kindergeld zu überweisen können die allermeisten Eltern nicht regelmäßig zuschießen, zumal in Familien wo es noch 1 oder 2 jüngere Geschwister gibt, die auch noch versorgt werden wollen, da bleibt für den Ältesten, der gerade studiert, nichts mehr übrig (zigfach hatte ich derlei Praktikanten unter meiner Fuchtel). In der Zeit, in der ein Praktikum absolviert wird, kann auch keinem Ferienjob nachgegangen werden. Das Bafög reicht gerade mal für Miete und Fixkosten. Trotzdem sind die Praktika verpflichtend.

      Die Entlohnung für Praktikanten ist selbstverständlich keine "leistungsgerechte Vergütung" - sondern eine Ausbildungsvergütung zur Sicherung des Lebensunterhalt und ich meine, es ist aus Anstand angebracht, den jungen Leuten was zuzuschießen, damit es Abends, nach einem so oder so anstrengenden Tag im Praktikum, nicht nur Dosenravioli gibt. Das ist weniger eine Frage des "Stundenlohns", als einer persönlichen Vereinbarung. Man bekommt ja den Lebenslauf vorgelegt, der Bewerber stellt sich vor, erzählt von sich, man sieht auch welche Kleidung er trägt, man sieht der macht zeitweise Nachtschichten im Paketzentrum - bestimmt nicht aus Freude, sondern weil er um jeden Euro kämpft, um sein Studium nicht abbrechen zu müssen. Und da würde ich mich persönlich sogar schäbig fühlen, den ohne Vergütung ins Praktikum zu nehmen.

      Ich habe es bisher immer so gehalten und das auch intern gegen manchen Widerstand von Kollegen durchgesetzt und die Abteilung war damit auch kein bischen ärmer oder schlechter in den Zahlen, auf den Monatsumsatz umgelegt sind wenige hundert Euro für einen Praktikanten als Fixvergütung "Peanuts" und der wird jeden Euro davon sehr gut gebrauchen können. Und der Kampf um Talente wird nicht einfacher, vielleicht ist genau das nachher einer der Besten seines Jahrgangs und erinnert sich dann positiv an die Zeit bei uns zurück und lässt sich für einen Berufseinstieg gewinnen - jeder Headhunter verlangt höhere Honorare.

    • 02.08.2017 16:58, RAin

      Wer neben Studium und Arbeit keine Zeit für ein Praktikum hat, dem empfehle ich ein Praktikum bei Gericht. Einmal die Woche Verhandlung und wenn man sich die Akten für den nächsten Verhandlungstag gleich an dem Tag anschaut, ist es mit einem Tag pro Woche geschafft.
      Es spielt in dem Stadium sowieso nur eine untergeordnete Rolle, wo man das Praktkum gemacht hat.
      Auch mit Kanzleien kann man übrigens absprechen, wann und wie oft man hin muss. Ich habe zusätzlich zu meinen 3 Monaten Pflichtpraktika später noch 3 Monate freiwillig in einer Kanzlei Praktikum gemacht und dank Absprache trotzdem gearbeitet.

    • 04.08.2017 07:32, jcm

      Vor der Bewerbung auf ein Gerichtspraktikum aber besser kurz die einschlägigen Vorschriften einsehen und ggf beim Prüfungsamt nachhaken, ob das zulässig ist. In NRW zB findet die praktische Studienzeit lt JAG in der Regel bei einem RA/Unternehmen der freien Wirtschaft statt. Von Gerichten keine Rede. Ohne ggf erforderliche Ausnahmeregelung wäre mir das als Praktikant zu heiß, am Ende vom OLG gesagt zu bekommen, dass es mit dem Freischuss nichts wird, weil mangels RA-Praktikum die Zulassungsvoraussetzungen nicht gegeben sind...

    • 08.08.2017 11:16, LrafGukas

      "Wer neben Studium und Arbeit keine Zeit für ein Praktikum hat, dem empfehle ich ein Praktikum bei Gericht."

      Salopp gesagt ist dies doch nichts anderes, als das thematische Äquivalent zu "geh doch rüber wenns dir hier nicht passt!". Die ganze Diskussion um ein kleines Entgelt, schon aus Gründen des Anstands, kann man doch nicht dadurch abkürzen, indem man den Sinn und Wert des Praktikums als solches in Frage stellt.

      Es ist richtig, dass es noch viel zu viele pro Forma Praktika gibt, das müsste ebenso angegangen werden, wie das Thema Entgelt.

  • 01.08.2017 15:30, Heinrich V.

    Die Jurastudenten, als Elite unter den Akademikern, müssen sich beweisen. Sie müssen zeigen, dass sie gewillt sind unter unmenschlichen Bedingungen und ohne Bezahlung zu arbeiten. Nur dann verdienen sie es, in den Olymp der Großverdiener aufzusteigen. Wer sich für soetwas zu fein ist, sollte lieber eins dieser jämmerlichen Studiengänge wie Architektur oder Sozialwissenschaft studieren.

    Mit freundlichen Grüßen

    RA Heinrich V

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    • 01.08.2017 15:35, Dummschwätzer

      Heinrich, lern Deutsch!

    • 01.08.2017 15:57, Heinrich V.

      Was haben sie denn an meinem Kommentar auszusetzen?

      Mit freundlichen Grüßen

      RA Heinrich V

    • 01.08.2017 16:14, Dummschwätzer

      Heinrich, lies selbst.

    • 01.08.2017 22:09, Pieter

      Heinrich, lern Zeichensetzung.

  • 01.08.2017 16:46, Mal wieder falsch!

    Bereits die Überschrift ist mal wieder falsch! Gleiches gilt für den Artikel selbst. Ein Praktikant "arbeitet" nicht. Sonst wäre er nicht Praktikant, sondern Arbeitnehmer (und Scheinpraktikant).

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 02.08.2017 08:30, Praktiker

    Selbst bei Bewerbungen zu Praktika muss man sich eben "gut verkaufen". Wenn man sich kleinlaut um ein Pflichtpraktikum bewirbt und das war es dann, dann wird es auch keine Vergütung geben. Wenn man aber schon scheinfrei ist und somit fachlich was zu bieten hat, ggf. sogar einen Notenspiegel mit einigen guten Zensuren vorlegen kann und auch sonst einen entsprechenden Eindruck hinterlässt, dann wird man auch bei Pflichtpraktika eine Entlohnung erhalten können.

    Es dreht sich eben immer darum, ob der Praktikant auch einen gewissen Mehrwert bringt, wobei natürlich keiner von einem Praktikanten die Wertschöpfung eines Paralegals erwartet. Daher sollte man Studenten v. a. raten, mit dem Praktikum möglichst lange zu warten, also genau umgekehrt, wie es die meisten machen. Davon haben alle mehr. Der Praktikant, weil er Richtung Examen einfach erst die notwendigen Rechtskenntnisse hat um überhaupt einen eigenen Nutzen aus einem Praktikum zu ziehen (auch ein Quentchen Motivation für die oftmals frustrierende Examensphase, nach dem Motto "dafür mache ich das hier eigentlich alles") und eben auch die jeweilige Firma, bei der das Praktikum abgeleistet wird. Selbst dann, wenn man keine Entlohnung verhandelt hat.

    Das Kernthema sollte mithin auch lauten, dass die Praxis der meisten Studenten, ihre Praktika viel zu früh durchzuführen, kompletter Unfug ist, Zeitverschwendung für alle Beteiligten.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 03.08.2017 15:49, Edlub

    Als Mandant einer Anwaltskanzlei betreute mich bis zum Zivilprozess ein junger Mann mit souveränen Aufreten, den ich niemals als Praktikant eingestuft hätte.
    In der Verhandlung war er mit Einverständnis des Vorsitzenden an der Seite des Anwalts, dem er laufend einflüsterte und den ich überhaupt zum ersten Mal sah. Das Verfahren ging mit einem vom Anwalt eimpfohlenen Vergleich aus. Im Anschluss erst erfuhr ich, dass mein Betreuer Praktikant ist und der Anwalt ein Schlitzohr, da er den Vergleich nur der Gebührenordnung wegen anstrebte. Später musste ich noch mit der Polizei drohen, damit er mir den vom Prozessgegner an ihn überwiesenen Betrag auch weiterleitete. Er behauptete 8 Wochen lang, noch nichts erhalten zu haben, obwohl die Überweisung bereits am Tage nach dem Vergleich stattfand...

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    • 04.08.2017 10:15, @Edlub

      Was will ihr Kommentar uns sagen? Dass Praktikanten toll sind? Oder dass Anwälte manchmal Schmier- und Gierlappen sind? Beides ist ja vollkommen korrekt, aber bedarf doch eigentlich kaum noch expliziter Erwähnung.

      Wie ist denn Ihre Meinung zur Bezahlung des Praktikanten? Denn das war das eigentliche Thema.

  • 04.08.2017 10:40, Edlub

    Zur Bezahlung: Ich kenne schon die verbreitete Meinung, dass ich als Mandant die Kanzlei zu bezahlen habe und mich eine Vergütung des Praktikanten, der sich für meinen Fall einsetzt, nichts angehe. Doch, und und möchte, dass auch der bezahlt wird, der die Arbeit leistet - und bestünde sie "nur" in Rechtsaufklärung und sammeln und ordnen der Unterlagen. Unbezahlter Einsatz, sprich Ausbeutung, sollte schlicht verboten werden!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 04.08.2017 19:57, @Edlub

      Exakt meine Meinung. Niemand sollte für umme schuften.

  • 04.08.2017 10:57, Lionel Hutz

    Das wertvollste Praktikum, das ich gemacht habe war beim VG. Ich hatte den Präsidenten des VG als Betreuer, dem das wichtig war und der uns (wir waren mehrere Praktikanten da) die aktuellen Fälle - wissend, dass wir als angehende Fünftsemster nur begrenzte Kenntnisse seiner Materien (Bau-und Wasserrecht, sowie Asylverfahren - es war Balkankrieg, jeder Richter musste Asylverfahren bearbeiten) hatten - eingehend erklärt hat (oder den jeweiligen Berichterstatter dazu gezwungen hat). Das war wirklich ein enormer Gewinn, ihm hat das gar nichts gebracht, außer dass es ihm augenscheinlich Spaß gemacht hat, Nachwuchsjuristen etwas zu coachen.

    Dafür auch noch Geld zu verlangen, fände ich etwas überzogen. Lebensunterhaltssicherung? Ist halt so im Studium, die Uni kostet in Deutschland richtigerweise und zum Glück nichts wirklich nennenswertes, zahlt einem aber auch keinen Lebensunterhalt und BAföG gibt's ggf. auch für Pflichtpraktika.

    Das Studentenpraktikum ist gerade dann sinnvoll, wenn vom Studenten kein bezahlbarer Mehrwert erwartet wird, sondern man im Gegenteil extra Zeit aufwendet, ihm/ihr etwas zu erklären.

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    • 04.08.2017 15:49, AC

      Wenn das so läuft wie bei Ihnen mag man das noch so rechtfertigen können.

      Die Regel ist aber doch leider, dass das Praktikum zwar nicht bezahlt wird, der Praktikant aber trotzdem als DE FACTO Arbeitnehmer eingesetzt wird (nämlich als Bürohilfe). Da wird auch vielfach die Unbedarftheit, Naivität und Unsicherheit junger Leute ausgenutzt, wohlwissend, dass das mit einem Praktikum wenig zu tun hat, was man die machen lässt. Und der "Praktikant" bekommt am Ende seinen Stempel und kann sich damit zum Examen anmelden und hakt das gedanklich ab.

      Mit der Zeit werden die Erinnerungen daran immer nostalgischer, wie das halt so ist wenn man älter wird und irgendwann schlägt das berühmte "das haben wir schon immer so gemacht, da könnte ja jeder kommen" zu und man fängt selbst an, "Praktikanten" auf diese Art und Weise zu beschäftigen. Ich habe mir geschworen, das selbst nie so zu machen. Ich gebe mir Mühe mein Wissen weiterzugeben - und ein Taschengeld gibt es obendrauf. Nur weil sie aus dem Praktikum was mitnehmen ist deren Lebenszeit trotzdem auch etwas wert. Für mich wortwörtlich ein Zeichen der Wertschätzung.

  • 04.08.2017 16:36, RAin

    Ich weiß ja nicht, was ihr alle für Praktika gemacht hat, aber von uns hat so gut wie niemand während des Studiums ein Praktikum gemacht, was ihn beruflich weiterbrachte.
    Für die meisten war das einfach nur notwendige Voraussetzung, um sich zum Examen anmelden zu können.
    Ich kenne sogar Leute, die haben sich einfach irgendeinen Anwalt gesucht, der ihnen eine Bescheinigung ausstellte, ohne dass die jemals einen Finger gekrümmt hätten.
    Ich kenne dagegen NIEMANDEN, der 5 Tage die Woche je 8 Stunden in einer Kanzlei arbeiten musste.
    Das ginge auch gar nicht, sonst wäre der Nebenjob, den man hatte, schnell an den nächsten Willigen vergeben worden. Den Nebenjob braucht man aber länger als nur 3 Monate um über die Runden zu kommen.
    Es kann sein, dass es das in Großkanzleien gibt, aber wozu? Zu oft hat man die Stories gehört, wie diese (oder auch andere lokal bekannte Kanzleien) die Leute fallenließen, weil die Examensergebnisse nicht stimmten, egal wie derjenige sich vorher reingekniet hat.
    Wer also Vollzeit (wahrscheinlich noch plus Überstunden) für Null Euro arbeitet, ist doch selber schuld wenn er sich ausbeuten lässt. Den Job hat er damit noch lange nicht sicher, zumal zwischen Studium und erstem richtigen Job auch noch ein paar Jahre liegen.

    Komisch auch, dass die Behörden oder andere staatliche Einrichtungen sowohl bei Studenten als auch Referendaren so beliebt sind, obwohl es kein Geld dafür gibt.

    Wenn ich etwas Geld bekommen habe, habe ich natürlich nicht Nein gesagt, wirklich viel gearbeitet habe ich aber nirgendwo bzw. wenn, dann aus echtem Interesse wie in meinem Praktikum bei der Kripo.

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