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Master-Abschluss in Jura: Mehr als nur die Job-Ein­tritts­karte?

von Sabine Olschner

10.06.2020

Ein LL.M.-Abschluss schadet beim Bewerben nie. Aber betreibt man den Aufwand nur, um bessere Jobaussichten zu haben? Bleibt der zusätzliche akademische Grad vielleicht sogar nur ein Stück Papier, das später niemanden mehr interessiert?

Mit dem juristischen Master-Abschluss halten Absolventen etwas in der Hand, das potenziellen Arbeitgeber zeigt: Hier war jemand bereit, nach den juristischen Examen noch eins oben drauf zu setzen. Der Verdacht, dass der Kandidat über besondere Sprachkenntnisse verfügt, ab und an über den Tellerrand blickt oder sich besonders gut mit einem Rechtsgebiet auskennt, liegt nahe.

Aber beschränkt sich der Vorteil, sich das Kürzel "LL.M." anhängen zu dürfen, darauf? Taugt der ganze Aufwand nur für den Karriere-Boost? Wir haben drei Absolventen gefragt, ob und gegebenenfalls wie sie noch auf andere Weise von ihrem Masterstudium profitiert haben.

Kapstadt: vergleichsweise günstig, neue Soft Skills inklusive

Lea Imschweiler wusste schon sehr früh während ihres Jurastudiums, dass sie später einmal einen LL.M draufsetzen wollte. "In einer Info-Veranstaltung an der Universität Frankfurt habe ich das erste Mal von der Möglichkeit eines Masterstudiums in Jura gehört. Ich fand die Aussicht sehr reizvoll, eine andere Kultur kennenzulernen, meine Sprachkenntnisse zu verbessern und Jura aus internationaler Perspektive zu betrachten", berichtet die Juristin.

Blieb die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt: "Ich habe festgestellt, dass das eine ganz individuelle Entscheidung ist", so Imschweiler. "Ich persönlich wollte nach dem LL.M. nicht noch das Examen vor mir haben, daher habe ich erst nach dem Zweiten Staatsexamen das Masterstudium begonnen. Damit war ich aber auch eine der ältesten Studierenden in meinem Studiengang."

Imschweiler entschied sich für Kapstadt als Universitätsstandort. Die Stadt und einige ihrer Bewohner hatte sie bereits während ihrer Wahlstation im Referendariat kennengelernt – und sich dabei in Südafrika verliebt. Treffen bei der Deutsch-Südafrikanischen Juristenvereinigung in Berlin taten ihr Übriges.

Der Vorteil an einem LL.M. in Südafrika: Die Studiengebühren sind mit 5.000 bis 7.000 Euro für internationales Verhältnisse vergleichsweise günstig. In den USA verlangen renommierte Universitäten nicht selten weit über 60.000 Dollar – und das nur an Studiengebühren. "Insgesamt hat mich das Jahr rund 20.000 Euro gekostet", sagt die 30-Jährige. "Aber ich habe mir auch eine Wohnung mit Meerblick und ein Auto gegönnt, weil die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den Campus nicht ideal ist. Wer sparsamer lebt und sich zum Beispiel ein Zimmer auf dem Campus nimmt, kann auch mit weniger auskommen."

Weitere Kosten fielen für den erforderlichen TOEFL-Sprachtest an, für das Visum sowie für Auslandsversicherungen. Sie beschaffte sich das Geld durch eine halbjährige befristete Projekttätigkeit und einen KfW-Bildungskredit. "Man sollte sich ausreichend Zeit für die Vorbereitung nehmen, damit die Fristen gewahrt werden", rät die Absolventin. Sechs bis neun Monate vor dem Studienstart sollten angehende Masterstudenten mindestens loslegen.

Wie viel Aufwand der LL.M. ist, kann jeder Student in Kapstadt weitgehend selbst entscheiden. Pflicht sind zwei Kurse pro Semester. Imschweiler konzentrierte sich auf das Commercial Law und schrieb in diesem Fach über die Semester verteilt vier kleinere Abschlussarbeiten statt einer großen Arbeit am Ende. Zusätzlich ist der Besuch weiterer Kurse möglich. Die deutsche Studentin entschied sich für Angebote zur Verbesserung ihrer Soft Skills, darunter zum Beispiel Kurse zu Verhandlungen und Mediation. "Besonders wertvoll fand ich zudem den Austausch über Wirtschaft und Politik mit den Mitstudenten, vor allem aus anderen afrikanischen Ländern." Diese Erfahrungen werden ihr künftig bei Aufgaben in einem internationalen Umfeld hilfreich sein, ist sie sich sicher.

Edinburgh: Kontakte für internationale Rechtsfragen

Auch Leonie Schönhagen profitiert von den Englischkenntnissen und den interkulturellen Fähigkeiten, die sie während ihres LL.M. verbessert hat. Sie arbeitet als Rechtsanwältin bei der britischen Kanzlei Ashurst, wo sie viel mit Kollegen und Mandanten aus Großbritannien zu tun hat. Ihren LL.M. machte sie nach dem Referendariat, sie entschied sich für die Universität Edinburgh. "Diese ist führend auf dem Gebiet Datenschutz- und IT-Recht – ein Schwerpunkt, den ich gern vertiefen wollte".

Außerdem reizte sie in Schottland der Europabezug in juristischen Fragen, der stärker ist als in anderen Teilen Großbritanniens. Für die Bewerbung verfasste sie ein Essay und ein Motivationsschreiben, reichte beglaubigt übersetzte Studienleistungsnachweise ein, erbrachte Sprachnachweise und Empfehlungsschreiben von Lehrkräften ihrer Universität. "Jedes Land und jede Uni hat andere Bedingungen. Das Gute in Edinburgh: Die Bewerbung an sich ist kostenlos", sagt Leonie Schönhagen. Auch das ist an manchen internationalen Unis anders.

Das einjährige LL.M.-Studium in Edinburgh schlug mit rund 14.000 Euro zu Buche, hinzu kamen die Ausgaben für Wohnung und Lebenshaltung. "Auch wenn der finanzielle Aufwand recht hoch ist, lohnt sich die Investition in einen selbst", ist die Absolventin überzeugt. Um den Aufenthalt zu finanzieren, war sie vor dem Auslandsjahr acht Monate als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ashurst in Deutschland tätig und bewarb sich für ein schottisches Förderprogramm für Studenten aus Europa sowie einen KfW-Bildungskredit. Als LL.M.-Studentin arbeitete sie dann zwei Tage in der Woche in der Kanzlei Ashurst in Glasgow.

Die Präsenzzeit an der Universität betrug wöchentlich acht Stunden, hinzu kamen rund zehn Stunden pro Seminar für das Lesematerial, ein wöchentliches Paper sowie sechs bis acht Essays pro Semester. Am Ende stand die Masterarbeit mit rund 10.000 Wörtern. Das alles zusammen bedeutete auch mal Wochenendarbeit. "Wenn man einen hohen Anspruch an sich selbst und das Masterstudium hat, ist der Aufwand schon recht hoch", sagt Schönhagen rückblickend.

Da es an der Universität einen eigenen Gemeinschaftsraum nur für die LL.M.-Studierenden gibt, vermisste sie das soziale Leben aber nicht. "Wir haben gemeinsam gelernt und zusammen viel Spaß gehabt", so die Juristin. Noch heute greift sie bei internationalen Rechtsfragen häufig auf die Kontakte aus dem LL.M.-Studium zurück.

Düsseldorf: Master-Inhalte auf den Fachanwalt anrechnen lassen

Nicht immer muss es ins Ausland gehen. Dominik Wolsing hat sich bewusst für einen LL.M.-Studienplatz in Deutschland entschieden: An der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf absolviert er derzeit den berufsbegleitenden Masterstudiengang "Gewerblicher Rechtschutz". Dazu arbeitet er seit über einem Jahr als Rechtsanwalt in der Kölner Kanzlei Lampmann, Haberkamm & Rosenbaum. "Ich finde es gut, dass erlernte Wissen sofort in der Praxis anwenden zu können", sagt der 32-Jährige, der bereits während des Studiums und des Referendariats im Ausland war und anschließend lieber direkt ins Berufsleben einsteigen wollte.

Ein großer Vorteil des Düsseldorfer Studiums ist für ihn: Einen Teil davon kann er sich auf die Ausbildung zum Fachanwalt anrechnen lassen – und den Titel will Wolsing auf jeden Fall haben. "Ich habe mir zwei Jahre statt nur eines für das LL.M.-Studium Zeit genommen – so bleiben weder die Arbeit noch das Studium bei mir auf der Strecke". Aufwendig ist das Masterstudium so oder so: Jede Woche Freitag von 15 bis 20 Uhr und Samstag von 10 bis 18 Uhr geht es an die Uni. Dazu muss der Stoff vor- und nachbearbeitet werden. "In einem Jahr wäre das Ganze nur machbar, wenn man Teizeit arbeitet", ist der Student überzeugt.

Patentrecht, Markenrecht sowie Grundlagen zu Urheberrecht, Designrecht, Wettbewerbsrecht und Kartellrecht stehen auf dem Stundenplan. "Nach Feierabend bin ich meist noch drei bis vier Stunden Stunden in der Woche mit Lernen beschäftigt, zu Prüfungszeiten natürlich auch mehr", sagt Wolsing.

7.000 Euro zahlt er für das Studium, wobei er durch die Anrechnung der Leistungen rund 2.500 Euro beim Fachanwalt einsparen wird. "Das ist ein angemessener Preis, finde ich. Und im Gegensatz zu denjenigen, die im Ausland studieren, habe ich auch keine weitere Kosten, ich lebe schließlich hier." Insgesamt brauche man ein gutes Zeitmanagement, um LL.M-Studium und die Arbeit als Anwalt unter einen Hut zu bekommen, sagt der Jurist. "Aber ich kann es jedem, der sich in seinem Fachgebiet weiterbilden will, sehr empfehlen."

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Master-Abschluss in Jura: Mehr als nur die Job-Eintrittskarte? . In: Legal Tribune Online, 10.06.2020 , https://www.lto.de/persistent/a_id/41858/ (abgerufen am: 22.09.2020 )

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