Juristische Jobs im Ausland: Mit deut­schem Recht nicht nur in Deut­sch­land

von Sabine Olschner

19.06.2018

Juristen, die sich im Studium nur mit deutschem Recht beschäftigt haben, können dennoch im Ausland arbeiten. Fünf Beispiele, wie es deutsche Absolventen beruflich dorthin geschafft und was sie dafür getan haben.

Nach dem zweiten Staatsexamen direkt ins Ausland? Das wird in den seltensten Fällen möglich sein. In der Regel sammeln Juristen zunächst einmal Berufserfahrung in einer Kanzlei oder einem Unternehmen in Deutschland, bevor sie jenseits der Grenzen tätig werden. In manchen Fällen kann es auch viele Jahre dauern, bis sich der Wunsch nach einem längeren Auslandsaufenthalt erfüllt, wie unsere Beispiele zeigen.

Secondment aus der Kanzlei

Als Sören Scheibel sich bei der Kanzlei Simmons & Simmons als Associate bewarb, fragte er bereits im Vorstellungsgespräch nach den Möglichkeiten, eine Weile im Ausland zu arbeiten. "Im Mai vergangenen Jahres trat ich meine Stelle an und schon im Juli wurde ich gefragt, ob ich Interesse an einem Secondment in Dubai hätte. Da habe ich spontan ja gesagt", erinnert sich der 34-Jährige.

Zusammen mit 18 Kollegen – die eine Hälfte Anwälte der international tätigen Kanzlei, die andere vorübergehende Projektanwälte – war Sören Scheibel vier Monate lang für ein Finanzinstitut in Dubai im Bereich Compliance tätig. Das internationale Team arbeitete direkt beim Mandanten im Unternehmen, für Videokonferenzen mit dem Düsseldorfer Büro ging Scheibel auch mal ins Dubaier Büro von Simmons & Simmons. "Ich fand besonders die kulturellen Unterschiede und verschiedenen Herangehensweisen an die Arbeit sehr spannend", so der Associate, der im Vergleich zu seinen internationalen Kollegen vor allem von seiner generalistischen Juristenausbildung und dem dort erlernten analytischen Denken profitiert hat.

"Speziell deutsche Rechtskenntnisse waren für die Arbeit nicht notwendig, da es eher um die allgemeine Bewertung von Dokumenten ging", so Scheibel. Er empfand den Zeitpunkt, eineinhalb Jahre nach seinem Staatsexamen ins Ausland zu gehen, genau richtig. "Später hat man vielleicht mehr Dauermandate, da wird es schwierig, eine Weile weg zu sein."

Als deutscher Anwalt im Ausland

Schon vor dem Studium ging Michael Müller nach Japan, um Sprache und Kultur des ostasiatischen Landes kennenzulernen. Nach einigen Jahren kehrte er zurück nach Deutschland, arbeitete hier als Dolmetscher und beim öffentlich-rechtlichen japanischen Fernsehen in Berlin und studierte parallel dazu Jura. Nach einigen Jahren in einer deutschen Kanzlei zog er mit seiner japanischen Frau, die er in Berlin kennengelernt hatte, nach Tokio, um dort eine eigene Kanzlei zu eröffnen.

"Von hier aus betreue ich heute sowohl deutsche Mandanten, die geschäftliche Beziehungen mit Japan haben oder aufbauen wollen, als auch japanische Mandanten mit Geschäftsbeziehungen zu Deutschland", erklärt Müller. Mittlerweile beschäftigt der Anwalt mehrere japanische Mitarbeiter, die auf japanisches Recht spezialisiert sind und auch Prozessvertretung übernehmen können – was ihm als ausländischem Anwalt verwehrt ist.

"Zudem haben wir mit deutschen Anwälten in angrenzenden Ländern mit der 'Allianz Deutscher Wirtschaftsanwälte in Asien' ein Netzwerk gebildet, um internationale Unternehmen in mehreren Ländern in Asien beraten zu können", so Müller. Sein Rat für Juristen, die ebenfalls als selbstständige Anwälte im Ausland arbeiten wollen: "Haben Sie Mut und gehen Sie schon früh in die Ferne, bevor Sie in Deutschland zu sehr gefestigt sind." Die ersten zwei Jahre nach der Kanzleigründung waren eine harte Zeit für ihn, aber dank einiger japanischer Mandate aus der Berliner Zeit konnte er die Anfangszeit gut überbrücken.

Landesdirektor einer international tätigen Hilfsorganisation

Nach seinem Jurastudium bewarb sich Dr. Jasper Abramowski bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) – damals noch Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH (GTZ) – in Eschborn, weil er unbedingt als Projektmanager ins Ausland gehen wollte. Bald musste er jedoch feststellen, dass sich sein Wunsch nicht so schnell erfüllen würde.

"Ich hatte keinerlei Projekt- oder Führungserfahrung, hatte mich auf kein Rechtsgebiet spezialisiert und außer Englisch sprach ich keine Fremdsprache", erinnert sich der heute 59-Jährige. Also arbeitete er zunächst in der Rechtsabteilung der GTZ in Deutschland, wechselte dann in die Rechtsabteilung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris und kehrte schließlich zurück zur GTZ, wo er unter anderem die Bauabteilung und die Länderabteilung Afghanistan/Pakistan leitete. Als schließlich ein GIZ-Landesdirektor für Vietnam gesucht wurde, schlug seine Stunde: Seit Mitte 2017 leitet Jasper Abramowski 220 Mitarbeiter in Hanoi, voraussichtlich für drei Jahre.

"Ich bin froh, doch noch meinen Traum von einem Auslandsaufenthalt leben zu können – wenn auch spät", sagt der Jurist. Wer es in jüngeren Jahren ins Ausland schaffen will, kann für eine befristete Zeit als rechte Hand des jeweiligen Landesdirektors der GIZ arbeiten. Auch dafür ist für Juristen die vorherige Erfahrung in der Eschborner Rechtsabteilung gefragt.

Als Diplomat im Auswärtigen Amt

Das Auswärtige Amt lernte Martin Bergfelder kennen, als er vom Umweltbundesamt, wo er als Justiziar tätig war, an die dortige Wirtschaftsabteilung entliehen wurde. "Die Arbeit eines Diplomaten ist manchmal weit entfernt von juristischen Aufgaben, aber genau deshalb so reizvoll, wenn man vielseitig arbeiten will", beschreibt Martin Bergfelder seine Faszination.

Er ging zur Zeit der Aufstände in Kairo nach Ägypten und betrieb dort Krisenmanagement, mittlerweile ist er nach London gezogen und beschäftigt sich dort mit Fragen rund um den Brexit. In der Regel wechseln Diplomaten alle vier Jahre ihre Position. Ein abgeschlossenes Jurastudium ist keine Voraussetzung für den Beruf des Diplomaten, aber unter den rund 40 bis 50 Attachés jedes Bewerberdurchgangs finden sich eine ganze Reihe von Juristen. Bewerber beim Auswärtigen Amt benötigen die deutsche Staatsangehörigkeit, politisches Verständnis, die Bereitschaft, sich weltweit versetzen zu lassen, und sehr gute Sprachkenntnisse in zwei Sprachen der Vereinten Nationen, darunter am besten Englisch.

"Sinnvoll ist es zudem, Praktika oder Wahlstationen in einer Botschaft zu verbringen, um ein Gefühl für die Arbeit in einer Behörde zu bekommen, die sich durch Hierarchien, Bürokratie, Protokolle und viele Termine auszeichnet", rät Bergfelder. Auch den möglichen Einsatz in Krisengebieten dürfe man nicht scheuen.

Unternehmensjurist in einem internationalen Konzern

Während des Jurastudiums verbrachte Johannes Niesemeyer ein Semester in Australien. Als er vor vier Jahren bei der Fraport AG, der Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt am Main, als Syndikusanwalt einstieg, betreute er zwar das internationale Geschäft des Konzerns, aber an einen Auslandsaufenthalt dachte er damals noch nicht. "Ich war in der Rechtsabteilung für Konzessionen zuständig, unter anderem für zwei brasilianische Flughäfen", erzählt der Unternehmensjurist. "Als wir den Zuschlag erhielten, habe ich im Konzern angefragt, ob es möglich wäre, eine Zeitlang vor Ort zu arbeiten."

Ein halbes Jahr dauerte sein Einsatz in Porto Alegre im Süden Brasiliens. Niesemeyer baute die Rechtsabteilung mit auf, vermittelte das Wissen aus der Akquisitionsphase an seine brasilianischen Kollegen und bearbeitete zivil- und baurechtliche Fragestellungen. "Die meisten Verträge lagen zweisprachig auch auf Englisch vor. Als es dann an die weiterführende juristische Arbeit ging, stieß ich mit meinen fehlenden Portugiesisch-Kenntnissen natürlich an Grenzen", erinnert sich der 35-Jährige. Auch bei Fragen zum brasilianischen Verwaltungsrecht war er auf das Know-how seiner einheimischen Kollegen angewiesen.

Seine Qualitäten als deutscher Jurist lagen eher auf organisatorischer Seite. "Man sollte sich als Jurist von dem Gedanken lösen, dass man sich ja nur mit deutschem Recht auskennt. Die methodischen Kompetenzen eines deutschen Studiums können auch bei Auslandseinsätzen sehr hilfreich sein."

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Juristische Jobs im Ausland: Mit deutschem Recht nicht nur in Deutschland . In: Legal Tribune Online, 19.06.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/29217/ (abgerufen am: 24.09.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 19.06.2018 11:05, Gudrun Hummelsbach

    Diese Auslandsaufenthalte sind allesamt sehr kurz. Nicht länger als ein Auslandssemessemester. Ich dachte sie würden etwas über Personen bringen, die es im Ausland zu etwas gebracht haben. Jetzt habe ich voller Erwartung diesen Artikel gelesen und bin schwer enttäuscht worden.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 19.06.2018 11:22, Bavaria

      Artikel nicht gelesen? Ein Anwalt ist permanent in Tokio und die Diplomaten wechseln alle vier Jahre, sind daher höchstwahrscheinlich auch überwiegend im Ausland und nicht nur "ein Auslandssemester" lang.

    • 19.06.2018 11:47, Jens

      Liebe Frau Hummelsbach,
      Ihr Kommentar hat mich sehr bewegt. Ich kann Ihre Enttäuschung verstehen, Sie haben immerhin 1.100 Wörter gelesen und nicht die erhofften, wichtigen Informationen erhalten. In Zimmer A435 habe ich ein Taschentuch für Sie bereitgelegt.
      Mit herzlichen Grüßen
      Jens

  • 19.06.2018 13:44, Peter

    Grüß dich, Gudrun!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 21.06.2018 11:55, Kai-Lothar

    Kann mir nicht helfen, finde den Kommentar „Grüß Dich, Gudrun“ extrem witzig :......))))

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  • 25.06.2018 15:14, diebische Elster

    Dimplomatendasein muss man mögen mit dieser Versetzerei. Hört sich vorerst interessant an, ist auf Dauer aber nicht - oder zumindest nur schwer - mit Familie vereinbar. Uninteressant auch die asiatische Kante. Welcher Europäer will unter lauter Chinesen/Japanern leben?? Besser BWL SP IT, Controlling und dann ab nach Kanada. Zur Not einheiraten. In anderen Ländern werden aber die Inländer vorgezogen. Das ist der entscheidende Unterschied zu Deutschland. USA ist mit Trump für klassische Europäer gerade aber auch wieder empfehlenswert.

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    • 25.07.2018 14:55, Lawyer

      Mit anderen Worten: Welche/r Weiße will schon unter den Asiaten leben?! Lieber dorthin, wo Weiße sind, wie z.B. Kanada oder USA. Trump mit seiner Hetze gegen Latinos, Muslime und Migrant*innen generell, ist derzeit der Vorkämpfer einer weißen Welt. Dort soll man möglichst hin. Sehe aber keinen Widerspruch darin, Ausländer*innen abzulehnen, selbst aber in andere Länder auszuwandern. Bin ja schließlich weiß und habe jedes Recht dazu.

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