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Als Jurist bei der Polizei: Schussweste statt Schönfelder

von Jens Kahrmann

02.07.2013

Für viele ist der Beruf des Polizisten ein Kindheitstraum. Auch Volljuristen können ihn sich noch erfüllen. Der Bund sowie einige Länder suchen immer wieder juristisch ausgebildeten Nachwuchs. Das Jobprofil ist auch für Juristen denkbar breit: von der Einsatzleitung bei einer Großdemonstration über die Koordination von Streifenpolizisten bis hin zur Beantwortung von Rechtsfragen am Schreibtisch.

Zunächst sah es so aus, als würde Simon Paetzelt später eher mit Schönfelder unterm Arm als mit Schussweste über der Brust arbeiten. Nach dem Abitur entschied sich der Berliner für ein Jurastudium an der Humboldt-Universität.

Schon während seiner Studienzeit kam er aber zur Polizei – als Praktikant sammelte er dort Erfahrungen, die sein Interesse für das Berufsbild des Beamten im höheren Polizeivollzugsdienst weckten: "Die Vielfältigkeit der zu bewertenden Lebenssachverhalte und die Professionalität, mit denen sich meine jetzigen Kolleginnen und Kollegen den Aufgaben stellen, haben mich fasziniert."

Hindernisparcours und Assessment-Center

In Berlin können Juristen diesen Berufsweg einschlagen, ebenso etwa in Brandenburg, Niedersachsen und NRW, wenn Bedarf besteht. In Hamburg dagegen nicht.

Voraussetzung sind zwei mindestens befriedigende Examina und die körperliche Verfassung muss stimmen: In der Sporteignungsprüfung müssen Männer in etwas weniger als neuneinhalb Minuten zwei Kilometer zurücklegen können, Frauen bekommen zwei Minuten mehr Zeit. Zudem ist noch ein Hindernisparcours zu bewältigen, der an den Turnunterricht in der Schule erinnert.

Ob man die richtige Persönlichkeit für den Job ist, verraten psychologische Tests sowie ein Assessment-Center mit Rollenspielen. "Als Beamter im höheren Polizeivollzugsdienst hat man Führungsaufgaben und braucht entsprechende Menschenkenntnis. Man muss seine eigenen Vorstellungen durchsetzen können, aber gleichzeitig darauf achten, dass sich auch die einem anvertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihnen identifizieren können", erzählt Paetzelt.

Aber auch Entscheidungsfreude sei essentiell: "In der juristischen Ausbildung wird man darauf geschult, dass man alles hinterfragt und sehr viel nachliest. Dafür bleibt im Einsatz oft keine Zeit. Rechtsfeste Entscheidungen müssen dann sofort getroffen werden."

Nach dem Schießtraining das BWL-Modul

Rechtsassessoren, die in den höheren Polizeidienst wollen, müssen eine weitere Ausbildung durchlaufen, die in Berlin etwa eineinhalb Jahre dauert. Im ersten Jahr machen sich die Neulinge mit dem Aufbau und der Struktur der Polizeibehörde vertraut. Sie lernen die Dienststellen kennen und nehmen an Ausbildungsmodulen wie Verhaltenstraining oder einsatzbezogenem Schießtraining teil.

Nach dem ersten Jahr geht es für sechs Monate an die Deutsche Polizeihochschule in Münster-Hiltrup – Pflichtstation für alle Führungskräfte in der Polizei. Dort beschäftigen sie sich unter anderem mit Betriebswirtschaftslehre, Management und polizeilicher Führungslehre.

Paetzelt hat die Zeit in guter Erinnerung: "Man trifft dort mit Kolleginnen und Kollegen anderer Länderpolizeien und der Bundespolizei zusammen und kann sich austauschen. Gerade von den Erfahrungen der Aufstiegsbeamten, die schon wesentlich länger bei der Polizei sind, kann man profitieren."

Zitiervorschlag

Jens Kahrmann, Als Jurist bei der Polizei: Schussweste statt Schönfelder . In: Legal Tribune Online, 02.07.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/9048/ (abgerufen am: 15.07.2019 )

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