Leistungsbewertung im Jurastudium: Warum die juris­ti­sche Noten­ge­bung besser ist als ihr Ruf

von Julia Marinitsch

28.11.2016

Zu hart, zu unfair, zu intransparent: Die juristische 18-Punkte-Skala wird von Studenten gefürchtet und außerhalb der Branche belächelt. Julia Marinitsch korrigierte knapp 1.000 Klausuren und fand dabei etwas Gutes am System. Ein Plädoyer.

 

"Neun Punkte von insgesamt 18? Das ist doch nur die Hälfte, warum freust du dich denn so?" So oder so ähnlich hat das wohl jeder deutsche Jurastudent schon einmal gehört. Und wie oft musste man der Familie erklären, dass das eine tolle Note und besser ist, als es sich anhört – in dem Wissen, dass sie es eh niemals richtig verstehen würde? Genauso frustrierend kann es im Klausurenkurs oder Probeexamen werden. Schon wieder nur fünf Punkte. Dabei lernt man nun schon seit einem Jahr, und trotzdem keine Klausur mit Prädikat!

Ein Schuldiger ist da schnell gefunden: der Korrektor mit Gottkomplex, der seine schlechte Laune an den Studenten auslässt. Auch der Klausurersteller hat seinen Anteil daran: Wer versteht schon forderungsentkleidete Hypotheken und wie soll man überhaupt in fünf Stunden auch noch die 27. Meinung zum Erlaubnistatbestandsirrtum herbeten? Aber Hauptsache, Bundesrichter Thomas Fischer erklärt, Jura sei leicht. Na danke.

Diese oder ähnliche Gedanken hatte wohl beinahe ausnahmslos jeder Examenskandidat. Und fest steht auch: Die juristische Notengebung ist anders. Sie ist härter als in vielen (nicht allen) anderen Fächern. Studenten finden das oft unfair und das Internet scheint ihnen recht zu geben: sei es, dass "scheele Blicke" ernte, wer das begehrte Prädikat nicht mitbringt, oder gar, dass das juristische Benotungssystem unbrauchbar sei.

Die traditionelle juristische Notenskala hat aber auch entscheidende Vorteile. Gerade sie gibt die Möglichkeit der Differenzierung, der Anerkennung und – so hart es für den Betreffenden ist – der ehrlichen Einschätzung.

Bewusstsein schaffen: Sechs Punkte sind keine schlechte Leistung

18 Punkte bekommt keiner, 17 Punkte der liebe Gott und 16 Punkte der Klausurersteller – aber auch nur, wenn es keinen Zweitkorrektor gibt. In diesem geflügelten Wort steckt nicht nur ein Körnchen Wahrheit, wenn man sich die Notenstatistiken ansieht. Die Traumnote "Sehr gut" (16-18 Punkte auf der Skala, 14 oder mehr Punkte im Examensschnitt*) erreichten den aktuellsten Zahlen von 2014 nach nur 22 Kandidaten - von insgesamt 12.028. Der Durchschnitt der einzelnen Examensklausuren liegt in der Regel bei fünf bis sechs Punkten. Das sieht nicht nur auf den ersten Blick nach einem unsagbar harten Benotungssystem aus. Es ist tatsächlich hart.

Diese Härte, dieses "zu große" Notenspektrum, gibt in der Bewertung aber eben auch die Möglichkeit der Differenzierung. Der Korrektor hat die Möglichkeit, in seiner Benotung auszudrücken, dass der Kandidat mit neun Punkten eben noch einen Ticken besser war als der mit acht Punkten.

Vorab einmal die "Legaldefinition" der beiden Notenstufen, mit der die meisten Teilnehmer das Staatsexamen abschließen: "ausreichend [ist] eine Leistung, die trotz ihrer Mängel den durchschnittlichen Anforderungen noch entspricht" und "befriedigend [ist] eine Leistung, die in jeder Hinsicht durchschnittlichen Anforderungen entspricht". Diese Definitionen macht bereits deutlich: Eine Klausur mit sechs Punkten ist keine schlechte Leistung – sie ist eine Leistung, die durchschnittlichen Anforderungen gerecht wird.

Großkanzleien und Staat schrauben Erwartungen in die Höhe

Das Empfinden, dass die juristische Notengebung zu hart sei, resultiert nicht aus der Note, sondern aus der Erwartungshaltung. Aber nicht nur der aus den eigenen Ansprüchen. Sie liegt auch in den Anforderungen der Großkanzleien und des Staates sowie den Unkenrufen mancher Bewohner des Elfenbeinturms. Zu oft wird den Studenten erzählt, dass nur mit neun Punkten das Juristendasein lebenswert sei.

Daran ist aber nicht die Notenskala und die juristische Benotung schuld, sondern die seit Jahren zu beobachtende "Juristenschwemme". Insgesamt 96.296 Studenten der Rechtswissenschaften gab es 2010/2011 an deutschen Universitäten, im selben Jahr nahmen 11.842 Kandidaten an der ersten juristischen Staatsprüfung teil. Die Zahl der freien Stellen passt sich dieser Entwicklung nicht an. Das Angebot der Stellen bestimmt die Anforderungen an die Nachfrage. Die Notengebung kann hierfür letztlich ein entscheidendes Kriterium sein – wenn sie denn hinreichend zwischen unterschiedlichen Leistungsniveaus unterscheidet.

Zitiervorschlag

Julia Marinitsch, Leistungsbewertung im Jurastudium: Warum die juristische Notengebung besser ist als ihr Ruf. In: Legal Tribune Online, 28.11.2016, https://www.lto.de/persistent/a_id/21272/ (abgerufen am: 23.08.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 28.11.2016 10:42, Ohje

    Glaubhaft zu dem Thema äußern kann man sich doch nur, wenn man einige Jahre echte (!) Examensklausuren (staatlicher Teil) korrigiert hat.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 28.11.2016 11:05, Franz

      Warum?

    • 28.11.2016 12:05, FinalJustice

      Auch wenn ich der Autorin ihre Kompetenz und ihren Einblick nicht absprechen möchte (ganz im Gegenteil, sie hat mehr Erfahrung, als das Gros der Klausurkorrektoren im Examen) - aber alleine, dass die Notwendigkeit gesehen wurde, die eigene Argumentation durch eine Angabe wie "korrigierte mehr als 1.000 Klausuren" untermauern zu müssen, ist für mich ein Indiz dafür, dass man erst einmal sich selbst überzeugen musste von der Validität der eigenen Stellungnahme, bevor man den Leser überzeugt. Das ist, tragikomischer Weise, ja genau der Knackpunkt jeder Kritik: Die 18 Punkteskala ist nicht zu beanstanden, genausowenig, wie sie es mit 10, 15, 20 oder 100 wäre. Der Trugschluss ist doch, dass sich - wie Prüfer und Prüfungsämter niemals müde werden zu betonen - eine Leistung, die keine exakte Wissenschaft darstellt und daher erheblich von persönlichen Eindrücken, Erwartungen und Interpretationen geprägt ist, objektiv anhand einer quantitativen Skala qualifizierbar sein soll. Jura und juristisches Können ist vieles, aber sicherlich nicht anhand eines Zahlenwertes zu bemessen. Ich bin der letzte, der behauptet, dass in jedem 4-Punkte-Kandidaten ein verkanntes Genie schlummert, welches ungerecht benotet wurde. Die Pointe liegt eher darin, dass mir bisher keiner, aber auch wirklich kein einziger Prüfer jemals auch nur ansatzweise erklären konnte, anhand welcher objektiv irgendwie greifbarer (und daher ÜBERPRÜFBARER!) Kriterien er die Höchstnote vergibt, geschweige denn, wo der Unterschied zwischen einer 16- und einer 18-Punkteklausur liegen soll. Man kommt mit juristischem Können in Notenbereiche zwischen 8-11, vielleicht 12 Punkte. In allem, was darüber liegt, landet man, so meine Überzeugung und Erfahrung, nicht mit Können, sondern mit Können und einer Riesenportion Glück.
      Die Autorin hat vollkommen Recht, Prüfer sind auch nur Menschen und Menschen machen Fehler. Die Problematik liegt nicht im Begehen von Fehlern, sondern in der juristischen Fehlerkultur. Ich weiß, dass das meine übliche Leier ist, aber ich halte an jeder Stelle mit einer gewissen Leidenschaft dagegen, wenn ich das Gefühl habe, die juristische Benotungs- und Korrekturkultur würde schöngeredet. Denn das wird sie und allein der Umstand, dass das immer und immer wieder geschehen muss, sollte doch eigentlich schon genügend Anhaltspunkte bieten, dass man sie hinterfragen sollte. Denn wenn es keine objektiv bemessbaren Kriterien dafür gibt, wann eine Leistung in die hohen Notenbereiche vordringt (und zwar unabhängig vom Korrektor), dann ist der große Benotungsrahmen von 18 Punkten reiner Selbstzweck, der eine Abstufung von Leistungen nur auf dem Papier ermöglicht.
      Das Bild des unfairen Prüfers wird ganz ohne Zweifel auch und zu einem erheblichen Teil durch die Überschätzung der eigenen Leistungen perpetuiert. Aber eben auch zu einem erheblichen Teil durch schlechte Prüfer, die den Stoff schlicht und ergreifend nicht (MEHR!) beherrschen. Es ist für mich absolut unvorstellbar, warum PRAKTIKER, die seit u.U. mehreren Jahrzehnten aus der Universitären Ausbildung raus sind, dazu berufen werden im 1. Examen zu korrigieren (meine Kritik richtet sich auch hauptsächlich gegen das 1. Examen. Korrekturen im 2. Examen sind meiner Erfahrung nach deutlich seltener zu beanstanden). Daher lobe ich mir Leute, wie die Autorin, die die entsprechende akademische Erfahrung haben, akademische Leistungen zu bewerten. Im 1. Examen haben Richter, Anwälte, Staatsanwälte und Verwaltungsjuristen als Korrektoren nichts verloren, das ist etwas, was ausschließlich von den Universitäten zu bewerkstelligen sein sollte. Dass die institutionellen Voraussetzungen dafür nicht vorliegen, ist mir auch klar, aber kann das eine Ausrede dafür sein, in einer so bedeutenden Prüfung mit der beruflichen und mittelbar privaten Zukunft von Menschen zu spielen?
      Was die Lösung nebst weniger Studenten im Fach Jura und mehr Stellen an der Uni wäre? Das Benotungssystem komplett überholen. Ich finde die Herangehensweise aus den Fachanwaltsklausuren sehr charmant: bestanden, knapp bestanden, durchgefallen. Wäre doch mal einen Versuch wert.

    • 28.11.2016 12:12, Reibert

      In der Tat, der Artikel hat schon etwas sehr dreistes. Jemand der nie eine Klausur im Examen korrigiert hat, sondern nur ÜBUNGSKLAUSUREN bei Alpmann Schmitt und an der Uni, maßt sich an, Aussagen über die Examensrealität zu machen.

      Das hat etwas von einem Eunuchen, der Sexualkundeunterricht hält.

      Beim LTO fragt man sich allerdings, was der Quatsch schon wieder soll. Es gäbe zur Praxis in den juristischen Examina Anwälte die Schwerpunktmäßig dieses Feld beackern und sicherlich interessantes zum Thema beizutragen hätten.

      Marcus Ronnenberg aus Hamburg, Benjamin Unger aus Hildesheim oder Frank Müller aus Münster um nur ein paar zu nennen.
      Warum fragt der LTO nicht mal einen von denen?

      Mir drängt sich der Eindruck auf, die Dame brauchte noch dringend eine Veröffentlichung für ihre Promotionsstelle und da keine Fachzeitschrift sie veröffentlichen wollte, musste nun der LTO herhalten...

    • 28.11.2016 13:46, Jemand_NRW

      @ Reibert:

      Das einzig dreiste hier ist Ihr anmaßender Kommentar. Sie erdreisten sich, die Leistung von Klausuren in vierstelligem Bereich mit einem Wisch als unerheblich abzutun.

      Was erdreisten Sie sich zudem, LTO vorschreiben zu wollen, welche Autoren sie zu bestimmten Themen zu befragen habe?

      Die Autorin dieses Artikels hat zu einem umstrittenen Thema einen Standpunkt dargestellt und ihn schlüssig begründet. Wenn Ihnen das nicht passt, ist das Ihr Problem - aber anstelle von inhaltsleerer Polemit sollten Sie lieber versuchen, inhaltlich-sachliche Argumente zu liefern.

    • 28.11.2016 13:46, Jemand_NRW

      @ Reibert:

      Das einzig dreiste hier ist Ihr anmaßender Kommentar. Sie erdreisten sich, die Leistung von Klausuren in vierstelligem Bereich mit einem Wisch als unerheblich abzutun.

      Was erdreisten Sie sich zudem, LTO vorschreiben zu wollen, welche Autoren sie zu bestimmten Themen zu befragen habe?

      Die Autorin dieses Artikels hat zu einem umstrittenen Thema einen Standpunkt dargestellt und ihn schlüssig begründet. Wenn Ihnen das nicht passt, ist das Ihr Problem - aber anstelle von inhaltsleerer Polemik sollten Sie lieber versuchen, inhaltlich-sachliche Argumente zu liefern.

    • 28.11.2016 13:48, Franz

      @FinalJustice:

      Glauben Sie nicht, dass es in Ihrem Bewertungssystem dann zur Diskussion darüber kommen würde, wann eine Klausur bestanden und wann nur knapp bestanden ist? An dem Problem, einen einheitlichen Bewertungsmaßstab zu schaffen, kommen Sie doch dann immer noch nicht vorbei.

    • 28.11.2016 23:29, Reibert

      Natürlich will ich dem LTO nichts vorschreiben. Ich habe mir mal erlaubt einen konstruktiven Vorschlag zu machen. Wenn Sie das dreist finden. Bitteschön...

      Ich will es mir doch nicht nehmen lassen, meine Aussage mit einem kleinen Beispiel zu untermauern.

      Da heißt es auf Seite 2:
      "Wesentliche Teile der Korrektur sind dennoch objektiv überprüfbar, ein wesentliches Abweichen von Erst- und Zweitkorrektor ist der Ausnahmefall."

      Lassen wir einmal bloße Formalität beiseite, dass die Prüfungsentscheidung in der juristischen Staatsprüfung der eingeschränkten gerichtlichen Kontrolle unterliegt (st. Rspr. seit BVerfGE 84, 34)

      Nur werden weder im universitären Klausurenkurs noch bei AS Zweitgutachen gefertigt.

      Vor allem aber -so entspricht es zumindest meiner Erfahrung (aber natürlich ist mein Horizont begrenzt) - liegt die fehlende Abweichung zwischen Erst- und Zweitkorrektor in vielen, wenn nicht der überwiegenden Mehrheit, Fällen daran, dass sich der Zweitkorrektor dem Erstkorrektor einfach anschließt. Also gar kein Zweigutachten i.e.S. erstattet.
      Da kann es natürlich sein, dass der Erstkorrektor hervorragend vorgearbeitet hat. Ebenso gut kann es aber auch sein, dass der Zweitgutachter die Klausur lediglich kursorisch, oder schlimmstenfalls gar nicht, gelesen hat.
      Oder sich der Zweitgutachter -er wird dieses selbstverständlich bestreiten- sich unbewusst vom Erstgutachter beeinflussen lässt.

      Dieses Risiko könnte unmittelbar beseitigt werden, indem Erst- und Zweitgutachter ihre Gutachten getrennt von einander erstatten (sog. verdeckte Korrektur.)
      Nur die gibts leider in keinem einzigen Bundesland.

      Weil es angeblich zu Aufwendig ist, bei der zukünftigen akademischen Elite unseres Landes, die später mal an wichtigen und wichtigsten Schnittstellen der Macht sitzen wird (jedenfalls ein Teil), jede Klausur einmal zu kopieren und dann getrennt an Erst- und Zweitkorrektor zu versenden.

      Mag man doch hier einmal in einem Bundesland ein Jahr lang einen Modellversuch machen. Und dann wollen wir doch einmal sehen, ob die Noten von Erst- und Zweitkorrektor immernoch ähnlich nah bei einander liegen.

      Dieses ist nur ein kleines Beispiel, ich könnte dutzende weitere bringen, warum ich die Ausführungen der Autorin für ziemlich daneben halte. Dieses wäre allerdings bei Ihnen, lieber Jemand_NRW, der an Polemik keinen Deut besser ist als ich, Perlen vor die Säue.

    • 29.11.2016 10:32, Reibert

      Bei nochmaligem Lesen komme ich zu dem Ergebnis, dass mein gestriges Posting zu sachlich war und ihm die beliebte Polemik fehlt. Diese sei hiermit nachgeliefert:

      Ihrer Logik zu folge, wäre Jemand (in und außerhalb NRW) der 1.000 Spielstunden bei Call of Duty hätte, ein ausgebildeter Kommando-Soldat. Und wahrscheinlich auch ein Experte in Sicherheitsfragen.

    • 29.11.2016 13:42, Jemand_NRW

      @ Reibert:

      Ich halte mal fest, dass in Ihrem ersten Beitrag die These aufgestellt wurde, dass Übungsklausuren (pauschal und ohne weitere Differenzierung nach Inhalt und Umfang) nicht mit Examensklausuren (respektive deren Korrektur jeweils) vergleichbar wären.
      Eine Begründung dafür haben Sie nicht angegeben. Stattdessen diesen Sexualkunde-Unterricht gegeben.

      Als Fazit kann man also getrost festhalten, dass an jenem Beitrag überhaupt nichts "konstruktiv" war.

      In Ihrer Antwort haben Sie dann Ihren Standpunkt dargelegt mit dem Beispiel, dass es besser wäre, wenn Erst- und Zweitkorrektor unabhängig voneinander arbeiten würden - darin stimme ich Ihnen übrigens zu!!
      Allerdings hat das nichts damit zu tun, dass die Autorin des Artikels hier auf LTO eine Ihnen nicht genehme Meinung publizieren darf (just dies war ja ursprünglich Ihr Hauptvorwurf!).

    • 29.11.2016 14:22, Reibert

      Ich pflege keinen Sexualkundeunterricht zu erteilen. Lernen Sie lesen, dann jeden wir weiter.

    • 01.12.2016 21:02, Jemand_NRW

      ...es war doch ein Fehler, zu versuchen, Sie mit Sinn und Verstand auf Ihre Unzulänglichkeiten hinzuweisen...

  • 28.11.2016 11:09, Rechtsreferendar

    Leider hat sich in die Darstellung des Notensystems ein Fehler eingeschlichen. Der Satz "Die Traumnote "Sehr gut" (16-18 Punkte) erreichten den aktuellsten Zahlen von 2014 nach nur 22 Kandidaten - von insgesamt 12.028" verweist auf eine Statistik zu den Gesamtergebnisses. Während bei Einzelbewertungen die Notenstufe Sehr gut erst mit 16 Punkten beginnt, sinkt die Schwelle bei dem Gesamtergebnis auf 14 Punkte. Der Unterschied ergibt sich beispielhaft aus der Gegenüberstellung von § 17 Abs. 1 JAG NRW und § 17 Abs. 2 JAG NRW.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 28.11.2016 13:49, LTO-Redaktion

      Lieber Rechtsreferendar,

      das ist tatsächlich unklar ausgedrückt. Entsprechend haben wir es mit einem Zusatz versehen, der das Missverständnis aus der Welt schaffen dürfte.

      Mit herzlichem Gruß
      Die LTO-Redaktion

    • 28.11.2016 14:10, GrafLukas

      Aufgrund der statistischen Verteilung wird aber jeder, der ein "sehr gut" mit 14,0 Punkten als Gesamtnote schafft, mindestens eine Klausur mit "echtem" sehr gut gehabt haben. Um nämlich nur ein Klausur mit "nur" 12 Punkten auszugleich, braucht es schon eine mit 16, um den Schnitt von 14 zu halten. Da es um den Anteil der Examenkandidaten ging und nicht die Anzahl der Klausuren, dürfte das hinkommen.

      Vermutlich sind es sogar ein paar mehr Kandidaten, die als "Ausrutscher" mal bei 16 landen, ohne dass deshalb gleich die Gesamtnote "sehr gut" ist. Ist mir im 2. Examen auch so gegangen.

  • 28.11.2016 12:21, Peter Silie

    Die Note ist in Jura ist wichtig, weil sie nicht Wissen sondern Fähigkeiten zeigt. Wissen wird nicht abgeprüft, man muss sein Handwerkszeug anwenden und eine Abstraktionsleistung erbringen. Das Examen ist im Prinzip ein großer IQ-Test. Das ist der Unterschied zu anderen Fachgebieten und natürlich auch der Grund, warum die Note aussagekräftig ist.

    Die Kandidaten mit Prädikatsexamen sind meiner Erfahrung nach immer gute Juristen. Andersherum gilt es nicht ganz, ich kenne auch gute Juristen mit schlechter Note. Da spielt dann meistens der Umgang mit Stress oder das Organisationsvermögen dazwischen.

    Am Ende sind die "Nicht-Prädikatsjuristen" furchtbar laut und suchen die Fehler beim Korrektor, im System usw. Das kann echt nervig sein, aber sich einzugestehen, dass man den Ansprüchen nicht genügt, ist eben auch nicht einfach.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 28.11.2016 13:56, Napoléon der+XVIII

      Ein IQ Tests ... so so und wie erklären Sie es sich dann, dass selbst Klausuren von, unter falschem Namen testenden Professoren mit gerade einmal ausreichend bewertet werden. Dies zeigt doch, wie krank dieses System ist.

    • 28.11.2016 14:12, GrafLukas

      Vermutlich wird ein Professor sich kaum die Zeit nehmen, die Klausur wirklich in 5 Stunden in Ruhe zu lösen, und vielleicht ist ein Prof auch weniger fit im Stoff als die Studenten (Welcher 40jährige schafft schon noch beim theoretischen Führerscheintest die volle Punktzahl?). Muss keine Entschuldigung sein, aber ein Erklärungsversuch.

    • 28.11.2016 14:26, Napoléon der+XVIII

      Lesen Sie mal den Selbstversuch von Adomeit.

    • 29.11.2016 12:33, Jurist

      Wo finde ich etwas zu diesem Selbstversuch?

  • 28.11.2016 13:17, Lion

    Die Autorin hat insoweit natürlich Recht, als dass eine größere Punkteskala eine diversifiziertere Notengebung erlaubt.

    Das Hauptproblem liegt aber - losgelöst von der von FinalJustice zu Recht angeführten Frage, wodurch man einzelne Bewertungen objektiv rechtfertigt und damit überprüfbar macht - darin, dass eine einzelne Klausur nicht durch einen einzigen Prüfer korrigiert wird. D.h. anstatt das alle Klausuren einem einheitlichen Wertungsmaßstab unterliegen, kommen hier verschiedentliche Maßstäbe zur Anwendung (bspw. in Abhängigkeit davon, ob eine Klausur von einem Praktiker oder einem Hochschullehrer begutachtet wird).

    Um die Auswirkungen anhand eines Beispiels aus der Praxis zu verdeutlichen: In einem Prüferseminar (welche leider nicht verpflichtend sind) erhielten ca. ein Dutzend langjährige Prüfer die selbe Bearbeitung einer Klausur zur Korrektur vorgelegt. Die Differenz zwischen der niedrigsten und der höchsten Bewertung lag dabei bei 8 Punkten.

    Die Tatsache, dass vor dem Hintergrund der besonderen Wichtigkeit der Examensnoten der Zufall darüber entscheidet, ob (in Abhängigkeit des zugewiesenen Prüfers) eine Klausur mit ausreichend oder vollbefriedigend bewertet wird, was schon bei einer von acht Klausuren über den Zugang zu bestimmten beruflichen Optionen (bspw. Promotion, Bundesverwaltung, Justiz, Großkanzleien) entscheidend sein kann, ist der zentrale Kritikpunkt an diesem Benotungssystem.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 28.11.2016 14:03, Napoléon der+XVIII

      Und dann müsste man noch über das Thema RechtsBeugung sprechen .... jahrelang haben die Gerichte..Bis hoch zum BVERWG entschieden, dass die Notenvergabe gerecht sei und die Justizprüfungsämter haben das offensichtlich jahrelang auch wider besseres Wissen vorgetragen, womit wir bei Prozessbetrug ganz erheblichen Ausmaßes sind.

    • 28.11.2016 14:20, GrafLukas

      @Lion: Dem stimme ich weitgehend zu. Im Artikel erschöpft sich das in diesem Satz:

      >Wesentliche Teile der Korrektur sind dennoch objektiv
      > überprüfbar, ein wesentliches Abweichen von Erst-
      > und Zweitkorrektor ist der Ausnahmefall.

      Hier möchte ich der Autorin doch eine gewisse Naivität unterstellen: Zum einen findet eine Zweitkorrektur faktisch in 99 % der Fälle nicht statt - da steht unter der Korrektur "Ich stimme zu - Unterschrift Zweitkorrektor". Da braucht es schon außergewöhnliche Umstände, wenn der Zweitkorrektor wirklich abweichend korrigiert. Man bräuchte also eine echte, blinde Zweitkorrektur.

      Zum anderen fehlt es eben auch an der Überprüfung - obwohl die Kriterien objektiv überprüfbar sind, wird der Beurteilungsspielraum extrem weit gezogen, so dass Bewertungen, die in vielerlei Hinsicht fragwürdig sind, im Ergebnis doch stehen bleiben.

      Was die Autorin schreibt, gilt deshalb nur in folgendem Idealfall:
      1. Jeder Korrektur löst die Klausur für sich selbst und bekommt erst danach die Lösungsskizze und den Erwartungshorizont.
      2. Erst- und Zweitkorrektur erfolgen separat, erst das JPA setzt die Einzelnoten zusammen.

      Das ist natürlich vollkommen utopisch. Vermutlich würden aber die Durchschnittsnoten sogar in die Höhe gehen, weil die Korrektoren mehr "Mitleid" oder Verständnis für Fehler hätten, die ihnen selbst auch unterlaufen sind.

  • 28.11.2016 13:46, Martin

    Vielleicht würde eine Korrektur durch das jeweilige Prüfungsamt einer realistischen Bewertung gerechter, wenn es entsprechend spezialisiertes Personal selbst vorhält, das sich stark an der universitären Ausbildung orientiert. Die angeführten Zahlen verdeutlichen durch ihr ausuferndes Auseinanderklaffen einen gewissen Missstand, den es zu beheben gilt. Wenn der Prozentsatz der 16-18 Punktekandidaten derart gering ist, kann es nicht nur an der Leistung der Studenten liegen. Es kann nur an den Gesamtumständen liegen, wie etwa die Examensanforderungen (wir sprechen über das erste Examen), die Leistungsfähigkeit der Universitäten und die damit verbundene Leistungsfähigkeit der Studenten, sowie die Bewertung durch externe Prüfer.
    Schon aus gründen der eigenen Qualitätsprüfung/Sicherung sollte der Zweitkorrektor nicht die Korrektur des ersten lesen dürfen. " ... schließe mich dem Erstkorrektor an ..."
    Des Weiteren finde ich die Möglichkeit von zwei Prüfungsversuchen (ohne Freischuss) für ein solch umfangreiches und anspruchsvolles Studium zu knapp.

    Zwar werden gegenwärtig Reformierungsversuche auf den Weg gebracht, aber sie greifen nicht die o.g. Überlegungspunkte an.

    Ein akzeptabler Prozentsatz der Prüflinge sollte auch den 16-18 Punktebereich erreichen können. Welchen Sinn ergibt es denn, wenn das erste Staatsexamen "objektiv" bis in die Barthaarspitze eines Grizzlybärs ausdifferenziert werden kann? Die Betonung liegt hier auf "kann", da dies praktisch aus o.g. Gründen fast nie erfolgt.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 28.11.2016 13:54, Franz

      Warum sollten denn möglichst viele die hohen Punktzahlen bekommen? Was wäre gewonnen?

      In der Frage, ob der Zweitkorrektor die Bewertung des ersten sehen soll, bin ich bei Ihnen. Das sollte geändert werden, auch wenn damit sicherlich ein hoher Arbeitsaufwand mit Drittkorrekturen entstehen wird.

      Die Prüfungsversuche finde ich auch ausreichend bemessen. Wo würden Sie denn die Grenze ziehen? Bei drei Versuchen? Fünf?

    • 28.11.2016 14:04, Napoléon der+XVIII

      Zwritkorrekturen sind ein Witz schlechthin

    • 28.11.2016 17:07, Martin

      @Franz
      Hallo Franz,
      es sollen ja nicht möglichst viele diese hohen Punktzahlen bekommen.
      Ich hatte geschrieben, dass "Ein akzeptabler Prozentsatz der Prüflinge" diese Punkte erreichen sollten. Man kann das auch als "gesunden" Prozentsatz beschreiben, um die Erkrankung des o.b. Systems darzustellen.
      Demnach sollen so viele diese Punkte erreichen können, die es verdienen. Die Tatsache, dass es so wenige sind, zeigt, wie unzureichend das System ist. Die Studenten sind nicht zu dumm oder faul. Das System ist im Hinblick auf die Bedeutung des Examens schlampig angelegt. Von den Studenten wird ein sehr hohes Maß an Genauigkeit abverlangt. Demgegenüber sollte das Bewertungs und Prüfungssystem ebenso genau praktiziert werden. Ob das tatsächlich verfassungskonform umgesetzt wird, ist sehr fraglich.
      Martin

    • 28.11.2016 17:25, Franz

      Was ist denn Ihrer Meinung nach ein gesunder Prozentsatz? Ich sehe das so, wie Sie es beschreiben, eher kosmetisch bzw. als reinen Selbstzweck, wenn mehr Leute die oberen Notenbereiche erklimmen. Wer hat es denn verdient, 14 Punkte und mehr zu bekommen? Und wer sagt, dass es nicht jetzt schon so ist, dass nur Leute, die es verdienen, diese Note erreichen? Warum ist ein System unzureichend, das eine Skala anwendet, die Noten vorsieht, die nur sehr wenige erreichen (können)?

      Solange die Vergleichbarkeit gewahrt ist, sehe ich es nicht als Problem, wenn 14 Punkte nur sehr, sehr wenige schaffen. Wie die Vergleichbarkeit zu schaffen ist, ist dann die entscheidende Frage, die hier ja auch diskutiert wird.

    • 28.11.2016 22:02, Zypri

      Das Notensystem jetzt zu ändern wäre aus meiner Sicht ein schwerer Fehler. Es ist nicht nur nichts gewonnen, sondern es verschlimmert die Situation auch noch. Eingestellt wird doch zuvorderst aufgrund der Examensnote. Und wenn es nur daran liegt ob ein Bewerber die Möglichkeit bekommt sich vorzustellen, weil er die geforderte Schwelle erreicht oder auch nicht.

      Es wäre nichts gewonnen, wenn ein Examen von 2014 mit 10 Punkten weniger "wert" ist als ein Examen von 2017 mit 10 Punkten, weil 10 Punkte 2017 einfacher zu erreichen sind. Nein, es würden auch noch alle schlechter gestellt, die vor einer fraglichen Systemumstellung Examen geschrieben haben. Das wertet die früher vergebenen Punkte noch mehr ab.

      Klar kann man jetzt schreien, dass sich dann nie etwas ändert. Aber das ist auch wie schon vielfach gesagt nicht notwendig. Wenn alle betroffenen Verkehrskreise über die Skala im Bilde sind und sich eben darauf verständigen, dass 10 Punkte ein überdurchschnittliches Ergebnis sind, würde es auch nicht schaden, wenn die Skala bis 100 Punkte gingen.

      Kritik an der Einzelbewertung von Prüfungsleistungen und am subjektiven Eindruck würden sich jedenfalls auch nicht ändern nur weil Jura-Studierende auf einmal eine 1,3 statt 12 Punkten bekämen.

    • 29.11.2016 10:14, Martin

      @Franz
      Sie sehen vermutlich nicht das Problem, da Sie sich wieder an das Notensystem klammern und es aus den Gesamtumständen herausziehen ("das eine Skala anwendet"). Das 18-Punktesystem hat keinen Fehler. Es sind die Gesamtumstände bzw. das Zusammenwirken der von mir beschriebenen Umstände. Würde man der Bewertung (die Tätigkeit der Prüfer) ein Höchstmaß an Objektivität und Fehlerfreiheit zukommen lassen, so reduzierte sich der Mangel auf die Unis, die Studenten und die Leistungsanforderungen. Wäre die universitäre Ausbildung ein hinreichendes Spiegelbild zur Examensanforderung, so reduzierte sich der Mangel auf die Leistungsfähigkeit der Studenten.
      Die Zahlen sprechen für sich. Es kommt weniger darauf an, wer hier den Mangel behauptet. Es kommt mehr darauf an, wer ihn nicht erkennt und ihn folglich nicht hinterfragt. Logisch, die Systemmitglieder außerhalb der Studentenschaft sehen selten eine Notwendigkeit auf Überprüfung bzw. zur Hinterfragung. Man könnte sich aber fragen, ob hier oder da die Augen vor dem Offensichtlichen verschlossen werden.

      Ihre Fragetechnik beherrschen aber auch andere.
      Wer sagt ernsthaft und mit ruhigem Gewissen, dass es jetzt so ist, dass das System die Examensleistungen konstant objektiv und gerecht bewertet bzw. bewerten kann?

    • 29.11.2016 11:20, Franz

      @Martin:

      Die Fragen meine ich ernst und die Antworten darauf interessieren mich.

      Im Gegensatz zu Ihnen gebe ich Ihnen eine klare Antwort auf Ihre Frage: Ich behaupte nicht, dass das System objektive und konstant gerechte Bewertungen hervorbringt. Den Schluss von einer teilweise sehr fragwürdigen Korrektur auf ein an sich mangelhaftes System kann ich aber eben nicht nachvollziehen. Gleiches gilt für Ihre Aussage, dass es einen "gesunden" Prozentsatz an Kandidaten im Bereich "sehr gut" geben müsse.

      Wie stellen Sie sich denn ein funktionierendes System vor? Außer den hier diskutierten Vorschlag, die Zweitkorrektur blind durchzuführen, fällt mir eigentlich kaum etwas ein, was das System für alle Seiten zufriedenstellend verbessern würde. Was ich mir noch vorstellen könnte, wäre eine Art Supervisor beim Prüfungsamt, der über alle Klausuren noch einmal schaut und ggf. die Noten angleichen kann.

      Ich bin ja ganz bei Ihnen, dass die Ausbildung an den Universitäten mangelhaft ist und dass es Probleme bei der Korrektur der Klausuren gibt. Selbst wenn das erste Problem nicht existieren würde und die Ausbildung mustergültig auf das Examen vorbereiten würde, würde sich an Problem Nr. 2 nichts ändern.

      In einem Fach wie Jura gibt es nun einmal kein objektiv feststellbares richtig und falsch. Daher hängt viel an der Person des Korrektors. Ich sehe jedoch nicht, wie man hier die Bewertungsmaßstäbe weiter objektivieren kann. Selbst der von mir angedachte Supervisor kann das nicht leisten. Alles, was mir dazu selbst noch einfallen würde, wäre die Korrektur einer kompletten Klausur durch dasselbe Prüferpaar. Dadurch würde wenigstens das subjektive Element konstant bleiben. Das ist aber nicht praktikabel, soll die Korrektur nicht allzu lange dauern.

      Übrigens ist die Korrektur der Klausuren in meinen Augen sogar eher ein Nebenkriegsschauplatz. Die hier vorhandenen Probleme potenzieren sich in der Bewertung der mündlichen Prüfung.

    • 10.12.2016 15:10, Martin

      @Franz:

      Ich würde mich gern mit Ihnen darüber unterhalten. In einem Gespräch kann man schneller auf Missverständnisse eingehen. Zudem bietet der emotionale Ausdruck des anderen weitere Vorteile. Man kann sich sofort auf seinen Gesprächspartner einstellen, im Zweifel sofort nachfragen oder besser erklären.
      Kommen Sie zufällig aus dem Raum Berlin?
      Martin

  • 28.11.2016 15:29, Thomas

    Ein Artikel, so träge wie die juristische Notengebung. Warum dann nicht 0 bis 100 Punkte oder gar 0 bis 1000?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 08.12.2016 19:22, Martin

      Hallo Franz,
      ich würde mich gern mit Ihnen darüber unterhalten. In einem Gespräch kann man schneller auf Missverständnisse eingehen. Zudem bietet der emotionale Ausdruck des anderen weitere Vorteile. Man kann sich sofort auf seinen Gesprächspartner einstellen, im Zweifel sofort nachfragen oder besser erklären.
      Kommen Sie zufällig aus dem Raum Berlin?
      Martin

  • 28.11.2016 17:02, Hansi Hinterseher

    Oder mal was zum kreuzen, so wie die Medinziner es machen. Schablone drüber und fertig.

    Mir muss keiner erzählen, dass es zur Einschätzung, ob jemand für den Beruf taugt, unbedingt länger Aufsätze bedarf, die dann auch noch Streit in sich bergen, ob nah zu nah oder doch näher als nah zu werten ist ....

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 28.11.2016 17:02, Julia

    Es fehlt die Frage nach dem (mangelnden) objektiven Maßstab, der mE eine Hauptursache der empfundenen Unfairness ist. Viel zu oft lassen sich Korrektoren von der "Musterlösung" leiten - wohlwissend, dass ein fiktiver Sachverhalt keine Matheaufgabe mit nur einer möglichen Lösung ist.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 28.11.2016 17:12, Eric

    Die Autorin unterstellt, man könne objektiv feststellen, ob eine Leistung 6 oder 7 Punkte wert sei. Dies ist allerdings eine Illusion, sodass das auch die als Vorteil gesehene Differenzierung reine Fiktion ist.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 08.12.2016 11:25, Wesengleiches Minus

      Vollste Zustimmung. Und wenn man sich mal die Mühe geben würde, Klausuren nicht nach Gefühl zu bewerten, sondern Einzelpunkte vergeben würde für Teilleistungen, und diese Skala allen Korrektoren zur Verfügung stellen würde, würden die Ergebnisse weitaus besser ausfallen. Das ist meine Korrekturerfahrung. Nur leider scheinen Leute im Examen ja lieber nach Gefühl denn nach erwarteten Einzelpunkten zu korrigieren.

  • 28.11.2016 17:12, Eric

    Die Autorin unterstellt, man könne objektiv feststellen, ob eine Leistung 6 oder 7 Punkte wert sei. Dies ist allerdings eine Illusion, sodass auch die als Vorteil gesehene Differenzierung reine Fiktion ist.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 28.11.2016 20:11, Claude

    Bei den Kommentaren fragt man sich, müssen denn die 18 Punkte für so viele erreichbar sein? Dieses Bewertungsystem bietet eben die schöne Möglichkeit die absolute Ausnahme zu honorieren.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 28.11.2016 20:59, dolo.agit

    Die Möglichkeit der Differenzierung hängt ja nur davon ab, wie viele Punkte es insgesamt gibt. Mit 180 Punkten und entsprechenden Notenstufen könnte man noch feiner differenzieren, ist ja klar.

    Eine hier in den Kommentaren schon anklingende Problematik ist aus meiner Sicht die Zweitkorrektur: Solange der Zweitkorrektor die Erstkorrektur kennt, ist das schwierig. Gerade weil die Unterscheidung zwischen 6 und 7 Punkten sehr subjektiv sein kann, wäre es ehrlich und fair, zwei unabhängige Bewertungen vorzunehmen.
    Soll nicht heißen, dass Zweitgutachter ihre Arbeit nie vernünftig machen, aber allein das Vertrauen in eine bessere Bewertung würde einiges an Kritik abfeuern.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 29.11.2016 10:39, Lange

    Das Problem der faktisch nicht vorhandenen Zweitkorrekturen gehört abgeschafft. davon einmal abgesehen:
    Was wir jedoch dringend benötigen ist ein Zulassungsverfahren für Prüfer. Jeder Depp, der in irgendeinem Examen in der Nachkriegszeit mal eine Sternstunde hatte, darf heute über die Zukunft von Studenten und Referendaren entscheiden. Es gibt Korrektoren, denen die Rechtschreibreform unbekannt ist.
    Das Problem der willkürlichen, grob falschen und teils senilen Korrekturen wird sich nicht ändern, wenn die LJPAs nicht anfangen Qualitätsoffensiven zu fahren. Prüfer, die ohne jedwede Weiterbildung seit 30 Jahren nach dem alten Schuldrecht korrigieren, müssen aussortiert werden.
    Junge Juristen, die prüfen wollen, sollten entsprechende Fortbildungsnachweise erbringen. Zu einer Korrektur gehört schließlich mehr als ein simples "hätte ich so auch geprüft" oder ein "nicht überzeugend".
    Letztlich wäre es wohl eine Maßnahme die Prüfer etwa alle 3 Jahre das Examen anonymisiert selbst mitschreiben zu lassen, um zu kontrollieren, dass auch sie die Prüfung, die sie abnehmen überhaupt selbst bestanden hätten.

    Letztlich gilt: Wer Übungsklausuren korrigiert, sollte sich auch nur dazu äußern. Beim Trockenschwimmen wird man schließlich nicht nass.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 29.11.2016 13:08, bei näherem Hinsehen

      Fühlen Sie sich jetzt besser?

    • 29.11.2016 14:31, Lange

      Das System der Prüfungsämter krankt an etlichen Stellen, wie nicht nur an verkäuflichen Klausuren zu sehen ist. Der Gerontensturm unter den Korrektoren ist nur eines der weiteren Probleme. Wie kann es sein, dass Finanzberater korrigieren dürfen? Wie will ein Korrektor eine unvoreingenommene Korrektur leisten, wenn er die Meinung des Erstkorrektors kennt? Weshalb darf ein Korrektor eine eigene, völlig vom Lösungsretenten des LJPA abweichende Lösung erstellen und diese allein als richtig werten? Der Notenrahmen ist nun wirklich nicht das Problem in diesem Land.
      Wenn die Prüferauswahl mangelhaft ist und zudem keine festen Prüfungsrichtlinien durchgesetzt werden, kann das mit dem fairen Prüfungsverfahren nichts werden.

      Darüber hinaus sollte sich die Verfasserin des Artikels weniger durch Korrekturen an Studenten auslassen, als sich einmal um ihre eigene Ausbildung zu kümmern. Möglicherweise darf sie dann nach dem zweiten Examen auch irgendwann einmal echte Klausuren korrigieren.

    • 29.11.2016 14:55, bei näherem Hinsehen

      Manchmal reicht es nicht, einen Eimer vollzukübeln. Dann mus eben ein zweiter her. Jetzt beser?

    • 30.11.2016 20:02, Lange

      Na, Korrektor und das Gefühl persönlich angegriffen zu sein? Nur weiter so. Mit Prüfungsanfechtungen verdient man gut.

  • 29.11.2016 11:25, Franz

    Ein netter Versuch die Lanze für die Notenskala zu brechen, geht aber an der Realität vorbei. Wichtig ist ein qualifiziertes Studienangebot für die Studenten - hierzu trägt das Notensystem nicht bei -.und nicht an der Skala von 18 Punkten festzuhalten

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 29.11.2016 13:50, Jemand_NRW

      wichtig ist auch, dass Frieden in Syrien einkehrt. Dazu trägt das Notensystem auch nicht bei.

      Will sagen: Sie können dem Notensystem nicht etwas vorwerfen, für das es nicht zuständig ist. Ein qualifiziertes Studienangebot ist wichtig, ja, aber es hängt nicht vom Notensystem ab (und würde sich auch durch ein Schulnotensystem nicht verbessern).

  • 29.11.2016 17:59, Noah

    ich will im Gegensatz zu meinen Vorrednern nicht bewerten was ggf. alles schief läuft bei einer Bewertung von Klausuren, aber die Notenskala ist verfehlt. Logisch wäre eine annähernde Normalverteilung. Die meisten müssten logisch im Durchschnitt liegen, verhältnismäßig weniger lägen unter oder über dem Durchschnitt. Dass Jura aber so eine special snowflake ist, dass die oberen vier Punktwerte an 0,18%, die unteren vier Punktwerte hingegen an 29% vergeben werden, das macht null Sinn. Das hat mit sinnvoller Differenzierung gar nichts mehr zu tun.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 29.11.2016 23:28, Napoléon der+XVIII

    Es sind doch die vermeintlichen Prädikatsjuristen, welche einem die tägliche Arbeit zur Hölle machen. Sie sitzen als Richter beim Amtsgericht und meinen von jedem Fachgebiet etwas zu verstehen, um den Fall sodann auf Basis ihres Wissens gegen die Wand zu fahren.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 30.11.2016 06:26, un nu?

      Gut, dass diese unbequeme Wahrheit endlich einmal jemanden gefunden hat, der sie ausspricht. An welche Konsequenzen dachten Sie?

    • 30.11.2016 15:07, Napoléon der+XVIII

      Nur die Höchststrafe ist da angemessen...... einen beA Anschluss

    • 01.12.2016 10:51, Prekariatsjurist

      Dabei sind es doch die genialen Anwälte mit Examen knapp über mangelhaft, die sich mit den Rechtsgebieten am Besten auskennen... Besser als die weltfremden Prädikatsprofessoren allemal.

    • 01.12.2016 11:22, bei näherem Hinsehen

      Wenn man das so liest, fragt man sich, wer eigentlich die Juristen sind, auf deren Rechtskenntnisse man sich verlassen soll. Die mit den guten Noten nicht. Die mit den schlechten Noten nicht. Die mit der großen Klappe vielleicht auch eher nicht. Hätten Sie eine Empfehlung?

  • 30.11.2016 11:47, Lionel Hutz

    Ein wesentlicher Vorteil des Notensystems bleibt unerwähnt. In Physik ist jeder der keine 1 kriegt ein Versager und wer nur 1,3 hat, ist schon mäßig. Wenn man in dieser Welt mal einen schlechten Tag hat und eine Einzelleistung verhaut, ist die Gesamtnote unverrückbar im Eimer.

    In Jura kann man solche Katastrophen noch auffangen. Meine schlechteste Einzelleistung im 1. und 2. Staatsexamen waren 4 bzw. 3 Punkte (Familienrecht ...). Meine beste Leistung waren aber 14 bzw. 15 Punkte und trotz der Katastrophen war das vollbefriedigend gesichert. Wenn es Standard ist, eine 1 zu kriegen, kann man einen Fehlschlag auch mit einem Geniestreich nicht mehr kompensieren.

    Doof ist die Skala nur, wenn man sich irgendwo bewerben (idR fachfremd) will, wo das Notensystem nicht bekannt ist. Der Volljurist mit 7,0 hat vermutlich immer noch bessere analytische Fähigkeiten als ein 2,0-Betriebswirt, obwohl letzterer auf den ersten Blick bessere Papierform hat.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 01.12.2016 16:57, Chris H.

      "Doof ist die Skala nur, wenn man sich irgendwo bewerben (idR fachfremd) will, wo das Notensystem nicht bekannt ist. Der Volljurist mit 7,0 hat vermutlich immer noch bessere analytische Fähigkeiten als ein 2,0-Betriebswirt, obwohl letzterer auf den ersten Blick bessere Papierform hat."

      Der einzige Ort, an dem sich der 2.0er Betriebswirt bewirbt hat als Logo ein nettes rotes großes A ^^

    • 07.12.2016 10:07, Lionel Hutz

      Komisch, ich sehe viele Bewerbungen und Bewerber aus dem nichtjuristischen Bereich und 2,0-er BWLer sind durchaus akzeptabel. Das sind vielleicht nicht durchweg die, die sich sofort für das Talent-Programm aufdrängen (das tun die 1er in Teilen aber auch nicht), aber es lohnt sich, die anzusehen. Im übrigen sind die Big4 nach Auskünften der dortigen Partner heilfroh, wenn sie überhaupt Leute mit akzeptabler Note kriegen, wobei der Satz "KPMG - Kinder prüfen mein Geschäft" langsam wahr wird, mein Lieblingszitat (sogar von einem Partner): "Wie, bei einer Zero-strike-call-Option wird gar kein Ausübungspreis gezahlt?" Ist sicher nicht Teil der Allgemeinbildung, als WP im Finanzmarktbereich kann man sowas aber schon wissen oder mit grundlegenden Englischkenntnissen ableiten ... sind das dann die 3,0er BWLer?

  • 01.12.2016 14:48, Gebrüder Grimm

    Auch wenn die Verteidigungsrede der Autorin zu flammend ausfällt und sie doch eher ein fiktives Ideal beschreibt, fällt eklatant auf:
    Die Kommentare pflegen wieder einmal die gleichen Ammenmärchen "geschundener Examenskandidaten" und angeblicher Opfer extremster Prüferwillkür, die mit der Prüfungsrealität noch weniger zu tun haben, als der LTO-Beitag selbst.
    Was wird da nicht alles zusammenfabuliert:
    Steinalte, inkompetene Prüfer, erfolgreiche Prüfungsanfechtungen im stundentakt (natürlich deutschlandweit), Prüfer- und Prüfungsexperten, die maximal 12 Klausuren selbst gesehen haben (wenn der erste Anlauf denn geklappt hat auch nur 6), sonst aber alles besser wissen, die Interna besser kennen als die Leiter der LJPAer selbst und aus Einzelschicksalen (dem Cousin von meinem Schwager seinem Bruder ist das auch passiert!) verbindliche Statistiken zaubern.

    Die gleiche handvoll irrlichternder Prüfungsversehrter heult sich dann wieder gegenseitig etwas davon vor, wie ihr wahres Genie von unfähigen Prüfern verkannt wurde...

    Wen man nicht liest, ist die schweigende Mehrheit von Kandidatinnen und Kandidaten, denn die sind mit ihrer Bewertung und den Ergebnissen zufrieden oder fühlen sich jedenfalls nicht ungerecht benotet. Schade eigentlich.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 01.12.2016 17:42, Ulrike Schultz

    Das Problem ist doch, dass Juristen die Notenskala anders nutzen als dies in anderen Fachern der Fall ist, in denen sehr gut und gut an der Tagesordnung ist. Dort spricht man ja inzwischen auch von grade inflation. Arbeitgeber, die mit der Notenpraxis in juristischen Examina nicht vertraut sind, können die Eignung und Qualität junger Juristen nicht einordnen. Für all die Abiturienten mit Einser und Zweier Abitur ist es ein Schlag in die Magengrube, wenn sie die ersten Hausarbeits- und vor allem Klausurergebisse bekommen. Das ist der Motivation nicht förderlich und führt zu erheblichen Selbstzweifeln.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 01.12.2016 20:24, Wolfgang

    Differenzierung hin, Prüferschelte her. Der wesentliche Aspekt bleibt meiner Ansicht nach unerwähnt: dass nämlich nur ein kleiner Bruchteil der Kandidaten im mittleren bzw. oberen Punktebereich landet. Wenn bei einem Notensystem von 0-18 2 Drittel bei 6 Punkten und darunter liegen, stimmt doch irgendwie die Verteilung nicht, oder? Wenn in einem Termin in einem Bundesland der viertbeste gerade mal 6 Punkte hat, muss schon mal die Frage her, ob hier irgendwas im Bewertungssystem nicht stimmt.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 02.12.2016 09:26, Nemo tenetur

    Man stellt sich doch die Frage, welche Prädikatsnoten gerade diejenigen erreicht haben, die sich im Kommentarbereich besonders sympathisch gerieren.
    Meiner Erfahrung nach sind die echten Prädikanden meist in sich ruhende Gestalten, die keine Überhöhung gegenüber anderen benötigen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 02.12.2016 13:30, M. Klostermayer

    Die Notengebung als solche (Skala 0-18, prozentuale Verteilung usw) ist, gemessen an ihrem Ziel - Vergleichbarkeit schaffen - schon ganz okay.
    Problematisch finde ich eher, worauf die Noten gegeben werden, also was schwerpunktmäßig abgeprüft wird und den Großteil der Endnote ausmacht.
    Einen guten Juristen zeichnet mE mehr aus als die Fähigkeit, bis zum Erbrechen eingeübte dogmatische Kunststückchen innerhalb kurzer Zeit möglichst klausurwirksam auszukotzen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 05.12.2016 22:28, Eric

    mir kommt diese Diskussion der Selbstversicherung offen gesagt wie das Pfeifen im Walde vor.

    Fakt ist, absolut konträr zu immer neuen Studentenrekorden in den letzten 10 Jahren ist die Zahl der Absolventen des klassischen Jurastudiums massiv gesunken. Auch die Anwaltsschwemme früherer Jahrzehnte wird dabei nicht verhindern können, dass sich bei einer Fortsetzung dieser Entwicklung die Existenzfrage stellen wird.

    Gleichzeitig studieren immer mehr junge Leute reformierte Rechtsstudiengänge nach dem Bachelor/Master-System.

    Nur der Gesetzgeber, mit seinem Monopolschutz der klassischen Juristen, sorgt derzeit noch dafür, dass die Zahlen beim Nachwuchs nicht komplett kollabieren. Man kommt oft halt trotzdem nicht an der Rep-Stex-18 Punkte-Litanei vorbei, wenn man in die Rechtspflege möchte.

    Das wird auf Dauer aber nicht ausreichen. Denn gleichzeitig geriert sich die klassische Juristenausbildung zwar ungeheuer elitär, ist aber bzgl. Wissenschaftlichkeit das Schlusslicht an jedem Campus und wäre an der FH, oder gleich an einer Justizhochschule, besser aufgehoben. Rep-Pauken statt Brüten über einer individuellen, akademischen Abschlussarbeit dominiert die Endphase des Jurastudiums, mit einem Abschluss aus einer Vergleichsarbeit, statt ein echter akademischer Grad. "Studium der Rechtswissenschaften", welch Übertreibung.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 07.12.2016 10:18, Lionel Hutz

      Das hat 1848 schon Julius Hermann von Kirchmann in seinem Vortrag "Von der Werthlosigkeit der Jurisprudenz als Wissenschaft" gesagt. Da sich die Welt auch in den folgenden 170 Jahren nicht darum geschert hat, fehlt mir der Glaube, dass sich jetzt etwas daran ändert. Zumal die Bachelorisierung ja weitere Studiengänge in großen Teilen deakademisiert.

  • 06.12.2016 09:08, Jurastudent

    Ich finde es muss grundsätzlich, wie in jedem anderen Studienfach möglich (eigene Erfahrung ) durch "menschliche" Mittel möglich sein sehr gute Noten zu bekommen. Es kann nicht sein, dass man quasi verhaltensaufällig, sozial inkompetent und nur durch völlige Isolation in den oberen Notenbereich kommen kann. Dazu ist ein Studium nicht da! Wenn es dann auch noch Professoren gibt, da is man schon das Obergenie, wenn man 7 Punkte bekommt. Das ist für einen motivierten Jurastudenten, der nebenbei arbeiten muss und sich vielleicht doch noch ein paar Freunde hält, einfach eine Unerträglichkeit. Leistungen, Fleiß und auch Können müssen in einem realistischen Rahmen gewürdigt werden! Jurastudenten sind keine Übermenschen und sollten es auch nich sein müssen!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 09.12.2016 09:44, Nanami

    Allein im Hinblick auf die losgetretene Diskussion hier scheint mir der Artikel gelungen, auch wenn ich die Darstellung der Autorin etwas verblümt finde. Jura ist jedenfalls in der Uni doch ziemlich Wischiwaschi und ich habe selbst mal Korrekturen korrigiert. Man darf gar nicht zu viele Klausuren hinter einander korrigieren um nicht zu hart in der Bewertung zu werden. Aber das 1. Examen ist letztlich sowieso nur Trockenschwimmen. Was ist, wenn -wie in der Realität (es sei denn, man ist beim BGH oder einer anderen gemütlichen Revisionsinstanz) - der Sachverhalt eben nicht feststeht? Wie finde ich die praktikabelste Lösung für den Mandanten? Welche Fallstricke gibt es prozessual? Das 2. Examen übersteht man nicht mit einer passablen Note, wenn man kein guter Jurist ist, das 1. Examen eher noch. Und rückblickend hab ich zwar auch gelitten und gedacht, was hat mich nur geritten diesen Mist zu studieren aber jetzt bin ich froh, durchgehalten zu haben und meiner Erfahrung nach könnte man kaum die klassischen Jobs (Richter, Rechtsanwalt) gut machen, wenn man in der Ausbildung notentechnisch nur gekuschelt hätte und nicht erheblich gefordert worden wäre. Meine persönliche Meinung

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 13.12.2016 18:24, Oder aber...

    ...vielleicht sind auch einfach zwei Drittel der Leute einfach nicht "gut"? Nach über4.000 korrigierten Klausuren durch alle Uni-Semester bis hin zum ersten Staatsexamen muss ich sagen, der Großteil dessen, was man zu lesen bekommt, ist gruselig bis allenfalls mäßig. Die wirklich guten Prüflinge (9+ Punkte) sind leider die Ausnahme.

    Aber man kann ja Gottseidank mit 4,00 Punkten immernoch Fachanwalt für Familienrecht werden...oder Versicherungssachbearbeiter...oder Taxifahrer...oder - *würg* - Inkassoadvokat.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 14.12.2016 08:22, Eric

      Ich bin sehr gespannt, wie der erste Jahrgang der Prüflinge der FU am Landesjustizprüfungsamt bewertet werden wird, im Vergleich mit deren LLB an der FU, den sie zuvor erwarben. An der FU wurde ja nun der Ergänzungsstudiengang "Erste Juristische Prüfung" gestartet, als Alternative zum Master können Bachelor Absolventen nun auch an der Staatsprüfung teilnehmen (Schwerpunktbereichsprüfung an der FU etc., was eben dazu gehört).

      Die FU hat ausgewiesenermaßen eine anspruchsvollere Juristenausbildung als die meisten Massenunis. Ich habe mehrfach von Leuten dieses Feedback gehört, die zB wegen überraschender Mutterschaft in das Fernstudium an der FU Hagen wechseln mussten, um Studium und Familie besser miteinander zu vereinbaren.

      Und die haben salopp gesagt über den Anspruch mit den Ohren geschlackert, da sei es schwieriger, in den sog. "Einsendearbeiten", die an der FU im Vorfeld über das Semester hinweg bestanden werden müssen um überhaupt die Klausurzulassung zu erhalten (!), zu bestehen, als in jeder Vorlesungsabschlussklausur an der vorherigen Uni. Die eigentlichen Klausuren seien im Anspruch dann nochmal deutlich höher. Und wer beispielsweise für eine Hausarbeit an der FU weniger als ca. 50 Quellen verwendet bekäme seine Hausarbeit unkorrigiert zurückgeschickt, da es der Arbeit schon auf den ersten Blick an ausreichender Wissenschaftlichkeit mangele.

      Mangelnden akademischen Anspruch kann der FU niemand vorwerfen, ohne sich lächerlich zu machen. Zumindest nicht im Fach Jura. Ich bin hochgradig gespannt, ob - wie dies ja sein müsste, wäre das Stex wirklich solch eine objektive Kompetenzprüfung - dann die Endnote der Staatsprüfung mit der Endnote aus dem LLB der FU einigermaßen übereinstimmen. Falls nicht, dann würde dies endgültig die These, dass das Stex doch zumindest wirksam "die Spreu vom Weizen trenne", wenn es auch sonst viele Defizite habe, widerlegen.

    • 14.12.2016 08:35, Eric

      PS: oder ich drehe es einmal anders und lasse mal die mangelnde Wissenschaftlichkeit der Stex-Vergleichsprüfung als Abschlussprüfung außen vor. Wie sollen die Ergebnisse in der Masse auch mehr als bescheiden sein, wenn die Studenten nicht in Wissenschaftlichkeit geschult werden. Wie fängt das klassische Jura an? Mit einem Sprung in das kalte Wasser, die Methodik solle man so nebenbei lernen. Wie "gut" das gelingt sieht man daran, wie schlecht selbst der elementare Gutachtenstil bis in höchste Semester beherrscht wird. An der FU hingegen: das Studium beginnt mit einem breiten Propädeutikum, trotz Fernstudium wird dabei nicht auf tagesfüllende Seminare mit Anwesenheitspflicht verzichtet, da muss man dann halt anreisen. In Zivilrecht, in Strafrecht und im Öffentlichen Recht wird jeweils erstmal die Grundlage gelegt. Dann erst nimmt das Studium Fahrt auf.

      Dazu der stete Zwang - aber auch die stete Rückkopplung - über die offiziellen Einsendearbeiten die zu bestehen sind (siehe oben). Mit hohem Anspruch. Wie Klausuren und Hausarbeiten mit hohem Anspruch. Man zwingt die Studenten zu wissenschaftlichem Arbeiten, indem man eingereichte Arbeiten zurückweist die keine höhere zweistellige Anzahl verschiedener Quellen nutzen, weil es ihnen schon formal an Wissenschaftlichkeit mangelt. Und wenn all das bewältigt wurde, dann steht am Ende keine one size fits all Vergleichsprüfung, sondern eine individuelle wissenschaftliche Arbeit, die Bachelor Thesis, die dann auch "verteidigt" werden muss, mit der aber auch eine rechtswissenschaftliche Duftmarke gesetzt werden kann und die auch sinnstiftend ist! Man lernt nicht für das Stex, für den Korrektor, man studiert, damit man am Ende eine substantielle, vorzeigbare und die Jurisprudenz möglichst bereichernde, eigene Wissenschaftsleistung erbringen kann. Auf diesen Moment führt das ganze Studium sozusagen hin. Das ist eine ganz andere Herangehensweise. Von Anfang bis Ende zieht sich ein wissenschaftlicher Anspruch wie ein roter Faden hindurch.

      Ich bin ganz ehrlich, wäre ich heute Abiturient, dann würde ich mich nicht nochmal für klassisches Jura an der Präsenzuni entscheiden. Ich würde an der FU studieren. In meinen Augen ist dies eine vorbildliche Juristenausbildung, von der sich die Präsenzunis eine Scheibe abschneiden können (von Mannheim und Bucerius einmal abgesehen, dort hat man die Zeichen der Zeit schon erkannt).

Neuer Kommentar
TopJOBS
Rechts­an­wäl­te (m/w) Li­ti­ga­ti­on in Voll­zeit oder Teil­zeit

Noerr LLP, Ber­lin und 2 wei­te­re

Rechts­an­walt (m/w) Ver­mö­gens­nach­fol­ge

ESCHE SCHÜMANN COMMICHAU, Ham­burg

Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Pa­tent Li­ti­ga­ti­on

Bird & Bird LLP, Düs­sel­dorf

Rechts­an­wäl­te (m/w) für den Be­reich Cor­po­ra­te

Bird & Bird LLP, Düs­sel­dorf

Le­gal Coun­sel / Ju­rist (m/w) im Be­reich Di­s­tri­bu­ti­on mit Schwer­punkt Me­di­en­recht

ProSiebenSat.1 Media SE, Un­ter­föh­ring

Tran­sac­ti­on La­wy­er (m/w) im Be­reich Ban­king mit Schwer­punkt Real Es­ta­te Fi­nan­ce

Linklaters, Mün­chen

be­ruf­s­er­fah­re­nen Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Öf­f­ent­li­ches Wirt­schafts­recht

Bird & Bird LLP, Düs­sel­dorf

Rechts­an­walt (m/w) Cor­po­ra­te/M&A

Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Düs­sel­dorf

Rechts­an­walt (m/w) im Be­reich Ban­king & Fi­nan­ce mit Schwer­punkt Fi­nan­zie­rung

Mayer Brown LLP, Frank­furt/M.

Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Com­mer­cial Con­tracts (Schwer­punkt: Au­to­mo­ti­ve)

Bird & Bird LLP, Frank­furt/M.

Se­nior Syn­di­kus­an­walt (m/w) für den Vor­stands­stab Schwer­punkt Rechts­auf­sicht und Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce

KfW Bankengruppe, Frank­furt/M.

Rechts­an­wäl­te (m/w) Li­ti­ga­ti­on in Voll­zeit oder Teil­zeit

Noerr LLP, Dres­den und 2 wei­te­re

Glo­bal Mo­bi­li­ty Ma­na­ger / Rechts­an­walt (m/w)

Fragomen, Frank­furt/M.

Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Com­mer­cial (Da­ten­schutz/IT)

Bird & Bird LLP, Düs­sel­dorf