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Spaghettimonster-Kirche keine Weltanschauungs-Gemeinschaft: Kein Pas­ta­fari-Pass­foto mit Pira­ten­kopf­tuch

13.11.2015

Die Anhänger der satirischen "Spaghettimonster-Kirche" dürfen kein Piratentuch auf ihrem Passfoto tragen. Die selbsternannten Pastafari sind keine Weltanschauungs-Gemeinschaft, findet das VG Potsdam.

Dem Vorsitzenden der satirisch-kritischen "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland" ist zu Recht ein Personalausweis mit einem Passbild mit Piratenkopfbedeckung verweigert worden. Das entschied das Verwaltungsgericht (VG) Potsdam am Freitag, den 13. (November 2015, Az. 8 K 4253/13).

Geklagt hatte der Vereinschef Rüdiger Weida. Er wollte bei der Stadt Templin in der Uckermark einen neuen Personalausweis mit einem Bild beantragen, auf dem er ein Piratentuch trägt. Für die Anhänger der "Spaghettimonster-Kirche", die sich "Pastafari" nennen, ist diese Kopfbedeckung typisch. 

Grundsätzlich sind in Deutschland Kopfbedeckungen auf Passbildern jedoch nicht erlaubt, die Passbehörde kann lediglich aus religiösen Gründen Ausnahmen zulassen. Der 64-jährige Pasta-Verehrer berief sich daher auf die im Grundgesetz vorgeschriebene Gleichbehandlung von Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften.

VG Potsdam: kein weltanschaulicher Erklärungsansatz

Das wurde von den Behörden jedoch zu Recht abgelehnt, befand nun das Verwaltungsgericht. Der "Spaghettimonster-Kirche" fehle ein "eigener weltanschaulicher Erklärungsansatz", so die sachliche Begründung der Richter. Sie sahen vielmehr eine "parodistisch-kritische Auseinandersetzung" mit als intolerant und dogmatisch empfundenen Lehrmeinungen. Eine Berufung zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ließ das Gericht nicht zu.

Liest man das "Glaubensbekenntnis" der "Kirche" so ist diese gerichtliche Deutung nicht ganz fernliegend: "(...) von dort wird er kommen, zu parodieren die Dummen und Drögen." Laut ihrem Internetauftritt haben die Pastafari sich zunächst in den USA als Gegenbewegung zum Vordringen von Kreationismus und Intelligent Design in den Schulunterricht entwickelt und wenden sich darüber hinaus gegen jeglichen Dogmatismus. Ihr Ziel sei die Förderung wissenschaftlicher Weltanschauungen, ihre Religion ein Mittel, um dies zu erreichen.

Dennoch verstehen sich die Anhänger der satirisch-kritischen Religion als Weltanschauungsgemeinschaft und damit "völlig gleichberechtigt mit anderen Religionen". Zudem ist die "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland" nach eigenen Angaben eine wegen Förderung kirchlicher und gemeinnütziger Zwecke als gemeinnützig anerkannte Körperschaft.

Die "Kirche" hat schon mit einem Schilderstreit in Templin für Aufmerksamkeit gesorgt. Bei der Klage gegen das Land Brandenburg geht es darum, wo der Verein seine Hinweise für seine "Nudelmessen" aufhängen darf - in Anlehnung an die Gottesdienste der traditionellen Kirchen.

ahe/LTO-Redaktion

Mit Materialien von dpa.

Zitiervorschlag

Spaghettimonster-Kirche keine Weltanschauungs-Gemeinschaft: Kein Pastafari-Passfoto mit Piratenkopftuch . In: Legal Tribune Online, 13.11.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17546/ (abgerufen am: 10.12.2019 )

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Kommentare
  • 14.11.2015 01:57, Kritiker

    Dieser Schwachsinn ist nicht einmal eine Berichterstattung wert.

    • 14.11.2015 09:12, Alex

      Warum nicht? Diese Glaubensgemeinschaft hat nunmal ihre eigene Sicht auf die Welt, genau wie jede andere Religionsgemeinschaft auch. Immerhin gibt es jetzt Rechtssicherheit für deren Mitglieder.

    • 14.11.2015 18:05, RA Dury

      Der "Schwachsinn" mit der unbefleckten Empfängnis und der "Schwachsinn" mit den 71 Rosinen oder Jungfrauen unterscheidet sich m.E. wenig von dem Schwachsinn eines "fliegenden Spaghetti-Monsters".

  • 14.11.2015 08:57, Frost

    Nein, dies ist sehr wohl einen Bericht wert. Es stellt sich nämlich schon die Frage der Gleichbehandlung. Mal weiter gesponnen: passt sich eine "Kirche" den formulierten Vorgaben an und man gibt sich weniger offensichtlich als Parodie.... Dann. Ja was dann?? Dann gibts an der Autobahn Nudeltempel Schilder....

    • 14.11.2015 17:28, derSkeptiker

      Eine vernünftige Alternative wäre nicht etwa ein Schilderwald sondern, auch den sogenannten "etablierten" Kirchen derartige Privilegien zu entziehen!

  • 14.11.2015 09:43, Natan

    Wer sich mit dem Pastafaritum auseinandersetzt wird wissen, dass sie viel eher einen eigenen "weltanschaulicher Erklärungsansatz" als viele andere Religionen. Zudem finde ich die Frage die sich hier aufwirft interessant:
    Ab wann ist etwas eine Weltanschauungs Gemeinschaft?
    Zudem die Pastafari als "intolerant" zu bezeichnen ist ein sehr großer Fehler. Die Pastafari haben noch keine Religion nicht toleriert! Das Christentum hat Kreuzzüge geführt. Die Pastafari nicht! Muslime haben durch den Dschihad gemordet und manche befinden sich immernoch darin! Die Pastafari nicht! Der Staat möchte das Pastafritum verbieten! Aber das Pastafaritum hat noch keiner Religion den Stecker ziehen wollen... Wer ist dann intolerant frage ich euch ? Ist das äußern von Kritik "intoleranz" ?
    Intoleranz ist "die Haltung, dass man die anderen Meinungen und Lebensweisen anderer Menschen nicht gelten lässt."
    Aber verstößt das Pastafaritum wirklich dagegen? Ich glaube nicht und ich bin mir sicher nach meiner Ausführung werdet ihr mir zustimmen.
    Ich sage nicht, dass man das Pastafaritum nicht kritisieren darf! Das ist ausdrücklich gewünscht. Aber so eine "intoleranz" dagegenüber zu zeigen ist falsch.
    Weiterhin möchte ich Sie darauf hinweisen, dass der Staat sich nicht in Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften einmischen darf. Er, in Vertretung also seine Beamten, haben nicht die Logik oder Glaubwürdigkeit von Glaubenswahrheiten zu prüfen, sondern diese zu akzeptieren.

    mfg Natan

    • 15.11.2015 15:12, Aras

      Diese Personen, sog. Pastafaris, meinen es per se satirisch. Man muss also solchem Ausfluss von Schwachsinn keine Plattform bieten.

    • 15.11.2015 23:48, RA Dury

      Der "Schwachsinn" mit der unbefleckten Empfängnis und der "Schwachsinn" mit den 72 Rosinen oder wahlweise Jungfrauen unterscheidet sich m.E. wenig von dem "Schwachsinn" eines "fliegenden Spaghetti-Monsters".

    • 16.11.2015 00:29, Aras

      @RA Dury
      Nur weil Sie es wiederholen wird es nicht besser. Der Unterschied zwischen dem einen und dem anderen ist die unverhohlene Unernsthaftigkeit der Spagetti-Idioten.

    • 17.11.2015 23:17, RA_Dury

      @Aras,
      es war nicht nur eine Wiederholung, sondern eine Antwort auf einen anderen Kommentar, in dem die Pastafari-Weltanschauung erneut als "Schwachsinn" abgetan wurde.
      Nun bezeichnen Sie diese Personen als "Idioten". Ich finde es genauso idiotisch, an ein Spaghettimonster zu glauben, wie an den "heiligen Geist" oder "Hui Buh, das Schlossgespenst". In meinen Augen ist das alles nicht ernsthaft ...

  • 16.11.2015 09:49, Heinz

    Am Besten sollten wir Satire abschaffen.

  • 16.11.2015 18:14, Synapsenkitzler

    Schade, so wird die einzig ernstzunehmenden Religion diskriminiert...