Zum Umgang der LMU mit Wissenschaftsplagiat: Ent­schuld­bare Übe­r­ein­stim­mungen

von Hermann Horstkotte

09.01.2018

Die Ludwig-Maximilians-Universität in München zieht weite Toleranzgrenzen für wissenschaftliches Fehlverhalten. Wieso, das hält die Kontrollkommission im konkreten Fall geheim. Hermann Horstkotte hat dafür kein Verständnis.

Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, Martin E. Keck, muss nicht länger um sein Hochschullehrerexamen von 2004 fürchten. Auch bei erneuter Überprüfung der Habilitationsschrift konnte ihm "kein bewusstes oder grob fahrlässiges (Fehl-)Verhalten nachgewiesen werden". Das Verfahren wurde eingestellt. Das besagt eine Pressemitteilung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Auch die Max-Planck-Gesellschaft, Deutschlands Nobelpreis-Schmiede und Kecks Arbeitgeber, freut sich, "dass es nun endlich Klarheit in der Sache gibt", wie die Sprecherin auf LTO-Anfrage mitteilte.

Getrübt wird dieser Eindruck allerdings durch eine Plagiats-Dokumentation auf der Internetplattform Vroniplag Wiki, die nahezu jede zweite Seite von Kecks Werk unangefochten brandmarkt. Die Auseinandersetzung damit sprengt den bislang gewohnten Rahmen akademischer Plagiatsfälle: Kritiker verbreiteten online eine Satire auf die angebliche Fehlentscheidung der LMU und den als "Strafmann" bezeichneten Präsidenten der "Max-Plag-Gesellschaft". Ob der in Wirklichkeit gemeinte Präsident Martin Stratmann dagegen strafrechtlich vorgeht? "Nein", lautet die knappe Antwort seiner Sprecherin.

Der derzeitige Erkenntnisstand ist offenbar ein kommunikatives Desaster, jedenfalls im Vergleich mit anderen Fällen: So hatte die Uni Bayreuth den mehr als achtzig Seiten starken Kommissionsbericht zum Plagiatsfall des früheren Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg doch publik gemacht. Ebenso gelangte im Fall Annette Schavan die Stellungnahme des Dekans an den Senat ins Netz – womit die Hochschulleitung von vornherein rechnete, wie Beteiligte noch heute bestätigen. Aber warum anders die LMU?

Interessen vs. Interessen

Auf Nachfrage von LTO antwortet der Münchener Kommissionsvorsitzende, Rechtsprofessor Ansgar Ohly: Im Fall Guttenberg konnten die Bayreuther Gremien "bei ihrer Abwägung zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Persönlichkeitsinteresse berücksichtigen, dass es sich um einen bekannten Politiker handelte." Klingt so, als ob es auf Druck und Erwartung der Medien ankomme.

Im Falle Keck sprechen aber laut Ohly die "Persönlichkeitsinteressen des Beschuldigten dagegen, alle Details der Geschehnisse vor rund 15 Jahren offenzulegen. Genau das müsste hier geschehen, denn die Entscheidung ist aufgrund der Einzelheiten des Falls gefallen." Diese"Details der Geschehnisse" sollen plagiatsverdächtige "textliche Übereinstimmungen" und "das Fehlen von Zitaten", wovon Ohly selber spricht, anscheinend verständlich und entschuldbar machen.

Allerdings ist der Beschuldigte spätestens durch seinen Plagiatsfall wie Guttenberg oder Schavan zur Person der Zeitgeschichte geworden. Zur angeblichen Geheimhaltungsbedürftigkeit hat Ohlys Fakultätskollege Volker Rieble schon in seinem Buch "Das Wissenschaftsplagiat" (2010) festgehalten: "Wie sich eine wissenschaftliche Arbeit als mögliches Plagiat zu einem potentiellem Original verhält, ist wissenschaftliche Kritik und steht unter dem Schutz von Art. 5 Grundgesetz." Das "Wissenschaftlerpersönlichkeitsrecht", also persönliche Empfindlichkeiten ums Ansehen und Amt, seien nachrangig.

Auch das Bundesverwaltungsgericht hat der Transparenz in wissenschaftlichen Berufungs- und Qualifikationsverfahren den Vorrang gegeben, erneut vor einem Jahr (Beschl. v. 10.01.2017, Az. 20 F 3.16 ). Ohly übergeht ferner ein Monitum des Düsseldorfer Dekans, der in seinem Schavan-Bericht betonte: "Alle Reaktionen, in denen berufliche Ehrbarkeit höher gewichtet wird als der wissenschaftliche Diskurs, tragen in die Hochschule ein wissenschaftsfremdes Element hinein", das Prüfungen in Verruf bringen. Klingt idealistisch, zu lebensfremd?

Im Endeffekt jedenfalls führt der Datenschutz für den möglichen Plagiator zum Täterschutz statt zum Opferschutz für den betrogenen Leser.

"Ich hab es nicht gewusst" darf nicht gelten

Kecks "Freispruch" begründet sich auf "nicht bewusstes oder grob fahrlässiges Fehlverhalten". Insoweit geht es um nichts anderes als die Frage einer mehr oder weniger mangelhaften Sorgfaltspflicht, also persönliches Verschulden. Damit aber gerät der Fall von vornherein "aufs falsche Gleis" und wird "sehr wertungsabhängig", meint Wolfgang Löwer, Professor für Öffentliches Recht und Wissenschaftsrecht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und langjähriger Sprecher des bundesweiten Ombudsgremiums für gute wissenschaftliche Praxis. Im Gespräch mit LTO sagt Löwer: Sei das Tatbestandsmerkmal der "vorwerfbaren Täuschung" gegeben, so sei eine Qualifikationsentscheidung zurückzunehmen.

Eine Täuschung liegt objektiv vor, wenn ein Autor sich heimlich etwas zuschreibt, was von anderen stammt. Wenn das nicht nur ein- oder zweimal passiert, sondern als Strickmuster der Arbeit erkennbar ist, ist nach Löwer nur noch zu fragen, ob die Täuschung des Lesers "mindestens bedingt vorsätzlich" begangen, also billigend in Kauf genommen wurde. "Hier sind bei Vorliegen des objektiven Tatbestandes nicht viele Ausreden möglich", so Löwer. Vor Gericht helfen Einlassungen wie "Ich hab´s nicht gewusst" längst nicht mehr, sowenig wie der Einwand "Das machen doch alle" oder "War doch so üblich".

Führen dagegen hochschulinterne Untersuchungen – wie an der LMU unter bemerkenswerter Berücksichtigung "aller Details der Geschehnisse" - zu einem anderen Ergebnis, das indes das Geheimnis der Uni bleiben soll, entsteht zumindest die Frage: Können auch schwarze Schafe zu Unschuldslämmern mutieren?

Denunzianten oder verdeckte Ermittler

Wie in anderen Fällen, bleiben die Hinweisgeber auf Kecks Habilitationsschrift anonym. Na und? Zu solch "vielfach kritisierter 'Denunziation' durch Plagiatsjäger" stellte der Düsseldorfer Dekan in der Causa Schavan klar, das doch jeder das Recht habe, sich ein Bild von Veröffentlichungen zu machen: "Die Motive sind dabei völlig gleichgültig, so dass auch die Identifizierung anonymer Plagiatsjäger keine Bedeutung hat."

Die Denkschrift der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur "Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" ist etwas zurückhaltender: Auf anonyme Hinweise überhaupt einzugehen, sei eine Abwägungsfrage von Fall zu Fall. Wenn Whístleblower aus Angst vor persönlichen Nachteilen Anonymität für erforderlich halten, müsse das mit bedacht werden. Am Ende will aber der LMU-Ausschussvorsitzende Ohly "anonyme Informanten nicht über Entscheidungen informieren", sondern höchstens, wenn auch nur eingeschränkt, die Presse – die habe ein Recht darauf.

Zudem muss das Kommissionsvotum nicht das letzte Wort gewesen sein. Rechtsprofessor Klaus F. Gärditz, Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht an der Universität Bonn, zum Beispiel bemerkt grundsätzlich: "Wurde das Verfahren aufgrund einer unergiebigen Vorprüfung eingestellt,könnte es jederzeit wieder aufgenommen werden."

Zitiervorschlag

Hermann Horstkotte, Zum Umgang der LMU mit Wissenschaftsplagiat: Entschuldbare Übereinstimmungen . In: Legal Tribune Online, 09.01.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26361/ (abgerufen am: 22.01.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 09.01.2018 11:13, Eigentlich verständlich

    Die Gründe für solche Entscheidungen lieber nicht offenzulegen kann klug sein. Potenzielle Plagiatoren könnten sonst auf den Gedanken kommen, an manchen Hochschulen sei es leichter, mit abgeschriebenen Ideen anderer promoviert oder habilitiert zu werden. Das zieht die falschen (?) Leute an. Das wiederum könnte sich auf das Rennommee auswirken. Liegt München weit weg von Österreich?

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    • 09.01.2018 11:29, Ass

      Warum Österreich?

    • 09.01.2018 11:37, Eigentlich verständlich

      In Österreich ist der Umgang mit Wissenschaftsplagiaten traditionell - ähem - großzügig. Wegen des von den Universitäten hochgehaltenen Prinzips der Amtsverschwiegenheit sind die Maßstäbe, die an akademische Qualifikationsarbeiten im Plagiatsverdachtsfall angelegt werden, ziemlich intransparent. Auf einschlägigen Dokumentationsplattformen finden sich eindrucksvolle Beispiele.

    • 09.01.2018 14:49, K.A.

      Haben Sie mal in Österreich promoviert oder dort einen Abschluss gemacht? Nein? Ich schon. Ich musste 2010 meine Arbeit elektronisch einreichen und diese wurde über eine Software auf Übereinstimmungsmerkmale geprüft. Vorab musste man sein Diss-Thema festlegen, das wird republikweit geprüft und dann republikweit gesperrt.

      Das Eldorado für wissenschaftliche Tiefflüge ist in der Tat Deutschland - das will man hier nur nicht glauben.

    • 09.01.2018 19:43, Eigentlich verständlich

      @K.A.: elektronische Fassung einreichen - das ist hart. Hier in D haben sie auf dem Stand von 2018 noch immer keine Software, die halbwegs verläßlich Plagiate identifiziert; aber das ist in A vermutlich schon 2010 anders gewesen.
      Und in Sachen Tiefflüge könnten Sie Recht haben. Hier (http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Rm) findet sich ein bemerkenswertes Beispiel: Der Kandidat wurde in D wegen Plagiaten in der Diss hohnlachend vom Hof gejagt, in A mit Kußhand promoviert (mit den gleichen Plagiaten, wohlgemerkt) - und dann in D angestellt. Als Professor.

    • 10.01.2018 08:24, Mike M.

      Elektronisches Einreichen ist gut. Ob die Software in Österreich einen besseren Dienst leistet, wage ich zu bezweifeln. Sie müsste ja Zugang zu allen möglichen kostenpflichtigen Datenbanken haben, zu nicht digitalisierten Büchern etc. Das hat sie in Österreich auch nicht. Heraus kommen sehr viele falsch positive, aber eben manchmal landet die Software doch einen Treffer. Viel wichtiger ist aber, dass Erst- und Zweitgutachter genug Zeit für die Begutachtung haben.

    • 10.01.2018 11:11, race to the bottom

      Die Frage nach dem Unterbietungswettbewerb zwischen zwei benachbarten Ländern in Sachen "wissenschaftliche Standards" lenkt vom eigentlichen Problem ab, das im Artikel angesprochen wird: Kann eine Universität oder eine MPG oder sogar der gesamte Wissenschaftsstandort Deutschland es sich leisten, die Kriterien geheimzuhalten, nach denen entschieden wird, ob eine objektiv abgeschriebene Arbeit ein Täuschungsversuch ist? (Ich tendiere zu: Nein.)

  • 09.01.2018 11:38, Hermann Horstkotte

    zur Frage von Ass: ... weil es in Österreich gnädiger zugeht:)

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  • 09.01.2018 13:13, M.D.

    Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Wissenschaft zunehmend ihre Glaubwürdigkeit einbüßt. Wer das einmal gedacht?

    Erst glaubte man der Kirche nicht mehr und nun den Wissenschaftlern. Wer wird uns als nächstes die wahre Wahrheit verkünden? Die Bundespressekonferenz? Die Tides Foundation? Wikipedia? Richard David Precht? Lassen wir uns überraschen.

    P.S.: Hermann Horstkotte erinnert mich irgendwie an Udo Ulfkotte. Hier wäre eine Namensänderung ausnahmsweise mal angesagt. Ist nicht böse gemeint.

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  • 09.01.2018 13:37, JoeFrazier

    Die Max-Plag-Gesellschaft und die LMU blamieren sich hier, indem diese die eigenen Regeln nicht einhalten, bzw. nach eigenem Gutdünken auslegen. Hier wird so getan, als ob man es mit einem potentiellen Nobelpreisträger zu tun hat, stattdessen bekleidet der Plagiator "nur" die Chefarztposition des Instituts und ist höchst umstritten. Eine kleine Recherche bei Google lässt die Personalie für unglücklich gewählt erscheinen. Die MPG muss aufpassen, dass sie sich nicht einen zweiten Jan Hendrik Schön (https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Hendrik_Sch%C3%B6n) ins Haus geholt hat. Das hier gezeigte stellt zumindest die Glaubwürdigkeit dieses "Wissenschaftlers" mehr als in Frage.

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  • 09.01.2018 17:31, Martin Heidingsfelder

    Habe ähnliche Erfahrungen mit der LMU insbesondere der Medizinischen Fakultät gemacht. Ein klares Plagiat, meine Vorwürfe wurden bestätigt, wurden aber nur mit einer Rüge abgehandelt. Einen Nachweis oder eine Aussage, darüber wie intensiv über meine Vorwürfe hinaus geprüft wurde blieb die LMU jedenfalls schuldig. Offensichtlich wurden die Vorwürfe auch deutlich langsamer überprüft als im Fall Keck, der sogar ohne Rüge davon kommt obwohl bei Keck alles nach Aberkennung schreit. Die Arbeit Keck hatte ich im Sommer 2017 ebenfalls kursorisch geprüft und klare Plagiate festgestellt und Kontakt mit VroniPlag Wiki empfohlen. Das alles insbesondere den intransparenten Umgang mit klarem Fehlverhalten verstehe ich nicht. Der gute Ruf der LMU ist wirklich in Gefahr.

    Exemplarisch die Begründung der Rüge der LMU:

    "'Die von Herrn Heidingsfelder angemerkten, nicht korrekt gekennzeichneten Textübernahmen aus der Veröffentlichung von Herrn Prof. H. {DÄ 1996] sind vorhanden.' Des weiteren wurde festgestellt, dass einige Passagen in der Dissertation von Dr. XY nicht korrekt oder gar nicht zitiert worden waren, beispielsweise aus dem Internet bezogene zusammengefasste Informationen oder Tabellen. Bei einigen Abbildungen fehlten die Quellenangaben.

    Der Promotionsausschuss kam nach eingehender Prüfung und Abwägung des Gewichts der zweifelsfrei vorliegenden Mängel beim Zitieren zu dem folgenden Schluss: Ein systematischer wissenschaftlicher Täuschungsversuch liege nicht zugrunde. Dr. XY werde von dem Nachweis seines Fehlverhaltens in Form unzureichender Zitierweise schriftlich von dem Promotionsausschuss für Humanmedizin der Medizinischen Fakultät der LMU München in Kenntnis gesetzt und gerügt."

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  • 09.01.2018 19:27, Hermann Horstkotte

    Ermessensentscheidung
    Die müsste die LMU im Rechtsstreit darlegen. Indem sie die Sache intern niederschlägt, erspart sie sich das.

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  • 09.01.2018 19:34, JoeFrazier

    Entscheiden ist hier doch auch, dass nach dem Motto agiert wird, "wer hat, dem wird gegeben". Die hier vorliegende Entscheidung zementiert die berufliche Position des Professors, welche ihm durch eine Täuschung ermöglicht wurde. Der Ehrliche ist der Dumme, das ist die Botschaft, die die LMU hier verbreitet.

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  • 09.01.2018 21:44, Adolf Harnack

    Professor Keck ist nicht einer der zahlreichen medizinischen Privatdozent der es bis zum Chef der Chirurgie im Kreiskrankenhaus XY gebracht, sondern Direktor der Klinik des Max-Planck-Institut für Psychiatrie. Nach eigener Zuschreibung gehört man zu den weltweit führenden Einrichtungen. Unter der Leitung von Professor Keck wird die weltweit größte Psychotherapie-Studie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie mit Steuermitteln durchgeführt.
    Ohly Abwägung ist nach geradezu absurd. Das Persönlichkeitsinteressen des Beschuldigten mag bei jemanden überwiegen, der sich nach seiner Qualifikationsarbeit aus dem wissenschaftlichen Diskurs verabschiedet hat, nicht aber bei jemanden dem der Steuerzahler Million von Forschungsgelder anvertraut.
    Das Ganze ist aber nicht nur ein Problem der LMU, sondern vor allem der MPG. Welche Maßnahmen hat die MPG ergriffen? Warum veröffentlicht Keck nicht selbst den Untersuchungsbericht? In der SZ wird eine Sprecherin der MPG mit den Worten zitiert: “Die MPG freut sich, insbesondere für Herrn Prof. Keck, dass nun endlich Klarheit in der Sache hergestellt werden konnte.“ Über welche Klarheit freut sich den bitteschön die MPG? Es entspräche wissenschaftlicher Redlichkeit, wenn sich die MPG den Bericht LMU veröffentlicht.

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    • 09.01.2018 22:32, JoeFrazier

      Zusätzlich hat er wesentliche Ergebnisse einer der plagiierten Dissertationen ohne Namensnennung des Doktoranden im Nachgang hochrangig publiziert. Und jetzt teilt die MPG mit, der Doktorand hätte explizit auf eine Autorenschaft verzichtet; daher: kein Wissenschaftliches Fehlverhalten. Warum hätte er das tun sollen? Mehr dazu hier: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Benutzer:MekHunter/Mek_Andere_Arbeiten

  • 09.01.2018 22:25, Max Blank

    Keck ist nicht Direktor des (gesamten) MPI für Psychiatrie sondern lediglich der Leiter der Klinik (W2) vergleichbar einem Leiter eines Tierhauses an einem MPI.

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    • 09.01.2018 22:29, JoeFrazier

      Das mag sein, er verhält sich aber wie ein Direktor und ist erbarmungslos seinen Widersachern gegenüber.

    • 10.01.2018 11:36, Hermann Horstkotte

      Keck figurieert offiziell als "Direktor und Chefarzt" (https://www.psych.mpg.de/40994/organisation). Der Direktorentitel lehnt sich an die üblichen MPG-Bezeichnungen. Die satzungsgemäße Institutsordnung des MPI ist eine besonders komplizierte Konstruktion, ebenfalls die Gehaltszusagen in K.s Anstellungsvertrag (nicht einfach W2).Dazu habe ich im Vorjahr im TAGESSPIEGEL geschrieben.

  • 10.01.2018 09:45, Nicolaus

    Elite-Uni LMU...

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  • 10.01.2018 11:46, Hermann Horstkotte

    Doktor mit Tirolerhut
    Zu "Eigentlich verständlich" 9.1.19h43: der angesprochene Fall ist der: http://www.tagesspiegel.de/wissen/betrug-beim-doktor-plagiator-promovier-in-oesterreich/11311866.html

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  • 10.01.2018 14:54, Max Blanck

    Keck ist auf jeden Fall nicht "Wissenschaftliches Mitglied" der MPG und von daher nach MPG-Nomenklatura kein "Direktor". Die MPG wollte ursprünglich, so hört man, nur einen "Klinikleiter" bestellen. K. hat es aber geschafft, nach außen hin (und lange Zeit wohl auch nach innen) als Instituts-Direktor und Nachfolger von Prof. Holsboer wahrgenommen zu werden. Wahrscheinlich war seine erste Amtshandlung, entsprechendes Briefpapier zu ordern und die Homepage entsprechend gestalten zu lassen. Binder und Chen, die echten MPG-Direktoren, haben das offenbar so hingenommen.

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  • 10.01.2018 15:06, LTO-Leser

    Ein schrecklich schlampiger Beitrag.

    Beim „Wissenschaftlerpersönlichkeitsrecht“ geht es nicht um „persönliche Empfindlichkeiten ums Ansehen und Amt“, sondern um das Recht desjenigen, dem eine wissenschaftliche Erkenntnis zu verdanken ist, in der späteren wissenschaftlichen Diskussion auch als Urheber dieser Erkenntnis genannt zu werden - im Plagiatskontext also um ein Recht des Plagiierten und gerade nicht des (potentiellen) Plagiators.

    Die zitierte Aussage Riebles („Wie sich eine wissenschaftliche Arbeit als mögliches Plagiat zu einem potentiellem Original verhält, ist wissenschaftliche Kritik und steht unter dem Schutz von Art. 5 Grundgesetz.“) bezieht sich auf die Zulässigkeit öffentlicher Plagiatskritik à la Vroniplag und hat mit einer Verpflichtung der Universität, die Gründe für die Entziehung oder Nichtentziehung des Doktorgrads öffentlich zu machen, nichts zu tun.

    Die zitierte Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts (Beschl. v. 10.01.2017, Az. 20 F 3.16) betrifft einen Auskunftsanspruch des von einem Prüfungsverfahren Betroffenen und nicht im Mindesten die „Transparenz“ eines Verfahrens für die allgemeine Öffentlichkeit.

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    • 10.01.2018 16:51, Hermann Horstkotte

      Zum Schlampigkeitsvorwurf des LTO-Lesers:
      Im ersten Absatz verkürzt der Leser die Fragestellung auf "Urheber"-Recht. Dass das Urheberrecht für Fragen des Wissenschaftsplagiats nicht ausreicht, ist inzwischen common sense unter allen Experten (wie Löwer oder Gärditz). Volker Rieble hat mit seinem "Wissenschaftsplagiat" (2010) die nötige Blickerweiterung befördert.
      Dass Art. 5 GG Meinungsäußerungen à la Vroniplag Wiki erlaubt, sich aber nicht auf das Innenleben der Unis erstrecke, ist so abenteuerlich, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung nicht nötig, sondern höchstens für eine Fortsetzung der Satire auf das LMU plagiarism advisory board vorzumerken ist.
      Die Darlegungen im BVerwG-Beschluss ( https://www.bverwg.de/100117B20F3.16.0) ausschließlich für den aktuellen Streitfall gelten zu lassen, ist ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver vom Habilitationsfall Keck. Indes hält der Beschluss unter Rdnr.16 fest, dass die konkret entschiedene " Situation nicht grundsätzlich von der Bewertung etwa einer Habilitationsschrift als akademischer Qualifikationsschrift" verschieden ist. Außer eben, dass die LMU in ihrem Falle das "Evaluierungsverfahren" intern - so gar ohne den Habilitationsauschuss - niederschlägt statt sich öffentlicher Auseinandersetzung zu stellen: eine gelungene Parodie auf Bacons Prinzip de nobis ipsis silemus.

  • 10.01.2018 16:07, Hermann Horstkotte

    Aufklärung im Selbstversuch

    Medizin-Wissenschaftler deutscher Unis die Bildung eines hochschulübergreifenden Office of Research Integrity
    (ORI) wie in den USA angeregt. Dort beurteilen neutrale Experten misconduct und begründen ihr Ergebnis mit Namen der Betroffenen ausführlich öffentlich: https://ori.hhs.gov/case_summary.
    Wie anders hierzulande: Auf Nachfrage stellt der Medizinische Fakultätentag fest:
    "Fällen von möglichem wissenschaftlichen Fehlverhalten gilt es immer von den verantwortlichen Einrichtungen individuell und in einem unabhängigen Verfahren konsequent nachzugehen."

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  • 10.01.2018 19:48, JoeFrazier

    Die im Artikel erwähnte Stellungnahme des Dekans zum Fall Schavan ist durchaus Lesenswert (http://www.tagesspiegel.de/downloads/10245842/2/abschlussberichtbleckmann.pdf).

    Auf Seite 11, Zeile 2 bis 4 kann man folgendes zum Fall Guttenberg lesen:
    >>Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Gruss, verstieg sich im Oktober 2012 sogar zu der öffentlich und namens der MPG gegebenen Erklärung, das bisherige Verfahren unserer Fakultät sei „der deutschen Wissenschaft nicht würdig.“<<

    Findet sich hier doch auf Seite 15 oben folgender Absatz:
    >>Beachtung verdient auch die Korrespondenz mit dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, der unmittelbar vor der Entscheidung über die Eröffnung des Entzugsverfahrens auf die Mitglieder des Fakultätsrats einwirken wollte. Dabei wusste er mitzuteilen, dass „nicht die wissenschaftliche Aussage der vorgelegten Dissertation, sondern der berichtende Teil von den Plagiatsvorwürfen betroffen ist“. Eine besondere Pointe mag man darin sehen, dass der MPG-Präsident die Mitglieder des Fakultätsrats mit seinem Interventionsversuch zugunsten der amtierenden Wissenschaftsministerin „nur darin bestärken“ wollte, „alles zu tun, um die Wissenschaft und wissenschaftliche Prinzipien nicht zum Spielball politischer Interessen werden zu lassen“.<<

    Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

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  • 10.01.2018 20:00, Prawda

    Glückwunsch, lieber Herr Horstkotte! Sie sind hier nicht nur den äußerst fragwürdigen Machenschaften eines Einzelnen auf der Spur, sondern einem handfesten Wissenschaftsskandal an der LMU-„Eliteuniversität“ und der Max Planck Gesellschaft (MPG)! Herr Keck, aber auch die dekorierten Entscheider an der LMU und der MPG haben den Institutionen, an denen sie tatsächlich immer noch beschäftigt sind, und der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft massiv geschadet.

    Der Plagiatsfall Keck zeigt, dass keine klaren Kriterien für Titel-generierender Arbeiten und die Betreuung von abhängigem wissenschaftlichen Personal bestehen, sondern dass mit vielerlei Maß gemessen wird, dass sich Einzelpersonen schamlos am Wissenschaftssystem bedienen können (Titel = mehr Einkommen und Ansehen) und, schließlich, dass wissenschaftspolitische Abhängigkeiten mehr zählen als Wahrheit, Gerechtigkeit und verantwortungsbewusster Umgang mit Steuermitteln. Die vielfältigen Abhängigkeiten der LMU von der MPG (die einen eigenen großen Artikel wert wären um diesen Fall hier zu beleuchten und sich bspw. in der personellen Verzahnung von LMU/MPG Gremien abbilden, die das gegenseitige Zuschanzen von Preisen, Publikationen, Drittmitteln etc. ermöglichen) haben es vermocht, Herrn Keck bislang von der Aberkennung seiner Habilitationsschrift zu bewahren. Denn welche vom Plagiatsprüfungskommissionspräsidenten Ohly, übrigens ein Ex-MPG-Mitarbeiter der MPG (!), angeführten“ Persönlichkeitsinteressen des Beschuldigten“ sollten dagegen sprechen „alle Details der Geschehnisse vor rund 15 Jahren offenzulegen“, also das Faktum zu rechtfertigen, dass Herr Keck über 40% seiner Habilitationsschrift aus anderen Arbeiten, vor allem aus den seiner eigenen Doktoranden, kopiert hat? Theoretisch ist hier nur Weniges denkbar, nämlich eine zum damaligen Zeitpunkt fehlende Geschäftsfähigkeit und damit reduzierte Schuldfähigkeit (die hätte allerdings zum Ruhen seiner ärztlichen Approbation führen müssen und müsste jetzt eine psychiatrische Begutachtung zur Folge haben) oder ein besonderer Schutz eines verdeckt arbeitenden Geheimdienstmitarbeiters. Letzteres ist insbesondere im Hinblick auf die Persönlichkeitsstruktur des Beklagten nur sehr schwer vorstellbar.

    Publizieren heißt, etwas öffentlich zu machen. Und wer über 40% seiner eigenen Habilitationsschrift plagiiert muss damit rechnen, dass die Missetat ans Licht kommt. Die MPG und auch manche Universität ist zu groß geworden, sodass sie sich immer wieder und in vielen Bereichen staatlichen Kontrollmechanismen entziehen kann. Wehret den Anfängen. Und ein Hoch auf Vroniplag – denn ein Rechtsstaat ist nur dann ein Rechtsstaat, wenn Recht auch ausgeübt wird, und dazu müssen Fehlverhalten und Straftaten erst einmal aufgedeckt werden.

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  • 11.01.2018 09:36, Hermann Horstkotte

    Kommentar RIEBLE:
    auf Nachfrage
    zum Forumsbeitrag vom 10.01.2018 15:06, LTO-Leser
    antwortet Prof. Dr. jur. Rieble:
    "der Leser hat in einem Punkt recht: Die Wissenschaftsfreiheit als Äußerungsrecht kommt nur dem (privaten) Kritiker zu, nicht aber der Universität, die als Korporation über das Fehlverhalten ihrer Mitglieder wacht. Aber eben darin liegt ja auch der Trick: Indem die Universitäten alles auf die Ebene eines Quasi-Disziplinarverfahrens ziehen, bei dem der „Beschuldigte“ wie im Beamten, Soldaten- oder Strafrecht geschützt ist, weicht sie ihrer Verantwortung für saubere Wissenschaft aus. Fehlerhafte Publikationen müssen zurückgezogen werden (Retraction) und Qualifikationsschriften müssen aberkannt werden. Das gebietet der Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung. Ihm weicht die LMU aus: Es wird nach persönlicher Vorwerfbarkeit gesucht, wo es nur um Unwissenschaftlichkeit und Autorverfälschung geht."

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  • 11.01.2018 09:57, JoeFrazier

    Interessanter Beitrag des Ausschussvorsitzenden Ansgar Ohly bei Spiegel Online (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/wissenschaftler-als-autoren-der-schwaechere-gibt-meist-nach-a-675752.html) unter der Überschrift "Der Schwächere gibt meist nach" lässt er sich wie folgt zitieren:

    >>In einem bekannten Fall hat ein Professor eine Staatsexamensarbeit umgeschrieben und unter eigenem Namen veröffentlicht. Er ist trotz Klage wegen "Diebstahl geistigen Eigentums" nicht urheberrechtlich belangt worden. Diese Form des Plagiats gilt zwar als wissenschaftliches Fehlverhalten, ist in Bezug auf das Urheberrecht aber kein Problem.<<

    Wie kann er bezogen auf diese Aussage im vorliegenden Fall zu diesem Ergebnis kommen?

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  • 11.01.2018 10:40, Hermann Horstkotte

    O-Ton GAERDITZ
    Auf dem Hintergrund zum o.a. Statement von Prof. Dr. jur. Rieble ergänzt sein Kollege Prof. Dr. jur. GAERDITZ auf Nachfrage:
    "in der Tat muss man zwischen Vorwerfbarkeit und objektivem Fehlverhalten trennen. Die Universität hat aber - gerade auch mit Blick auf die Rechtsprechung des BVerwG - kein Mandat, wissenschaftliche Fehler unterhalb der Schwelle vorwerfbaren Fehlverhaltens festzustellen. Dies obliegt vielmehr nach (mE zutreffender) Rechtsprechung, der Scientific Community, die im Rahmen der den Akteuren zustehenden individuellen Wissenschaftsfreiheit auch "schlechte Wissenschaft" identifizieren und als solche benennen darf."
    Vorwerfbares Fehlverhalten ist freilich dann gegeben, wenn, wie im Art. mit Prof. Dr. jur. Löwer ausgeführt, "OBJEKTIVES Fehlverhalten" mit "mindestens bedingtem Vorsatz" vorliegt.
    Wie die LMU-Kommission unter Prof. Dr. jur. Ohly bedingten Vorsatz i.F. Keck ausschließt, ist (bislang) ihr Geheimnis:)

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    • 12.01.2018 09:50, Hermann Horstkotte

      "Diskretionäre Milde"
      Bei der Unterscheidung zwischen einer Tatbestands-Feststellung (wie fehlende Zitatnachweise / Quellenangaben) und daraus zu ziehenden Rechtsfolgen bleibt festzuhalten, dass die Behörde (Uni) dabei an pflichtgemäßes Ermessen gebunden ist. Sie kann (nach dem schönen Wort einer Fachautorität in der Sache) "diskretionäre Milde" walten lassen (an der LMU nach dem Hinweis von Heidingsfelder vielleicht in Form einer "Rüge"). Das pflichtgemäße Ermessen findet seine Grenze aber an "Willkür", ein konkretes Beispiel: Anfang der 1990er Jahre hatte die PhilFak der Uni Bonn ein Überprüfungsverfahren wegen Plagiatsvorwürfen gegen die Diss. M. eröffnet und dann eingestellt. Bei einer nochmaligen Überprüfung (auf dem Hintergrund einer Dokumentation von Vroniplag Wiki) zwanzig Jahre später bezeichnete der Rechtsvertreter der PhilFak die frühere Verfahrenseinstellung als "willkürlich" (https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/ovg-nrw-urteil-19a25413-plagiat-kernfragen-doktorwuerde-mathiopoulos/) - mit Erfolg, der Doktorhut wurde rechtskräftig entzogen.

  • 11.01.2018 22:42, woklonline

    Zitat Harnack (9.01.): „Das Ganze ist aber nicht nur ein Problem der LMU, sondern vor allem der MPG.“
    So ist es! Die Interessensgeleitetheit der MPG machte bereits Bleckmann in seinem Abschlussbericht zur Causa Schavan deutlich:

    »Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Gruss, verstieg sich im Oktober 2012 sogar zu
    der öffentlich und namens der MPG gegebenen Erklärung, das bisherige Verfahren unserer
    Fakultät sei „der deutschen Wissenschaft nicht würdig.“« (Bleckmann, S.11) http://www.tagesspiegel.de/downloads/10245842/2/abschlussberichtbleckmann.pdf)

    »Eine besondere Pointe mag man darin sehen, dass der MPG-Präsident die Mitglieder des Fakultätsrats mit seinem Interventionsversuch zugunsten der amtierenden Wissenschaftsministerin „nur darin bestärken“ wollte, „alles zu tun, um die
    Wissenschaft und wissenschaftliche Prinzipien nicht zum Spielball politischer Interessen werden zu lassen“«. (Bleckmann, S.15)

    Es könnte sich der Eindruck aufdrängen, dass die Gilde der Plagiatorenverteidiger aus den Fehlern in Sachen Schavan gelernt habe. „Rheinische Lösungen waren dagegen ganz ausgeschlossen.“, schrieb Bleckmann (S.22) Sachsen-Anhaltinische Lösungen anscheinend nicht.

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  • 12.01.2018 14:53, Hermann Horstkotte

    "Geschehnisse vor rund 15 Jahren"

    Der historisierende Hinweis des LMU-Komm.-Vors. Prof Ohly berührt eine laufende Debatte über "Verjährungsfristen" für mit wiss. Fehlverhalten belastete Arbeiten.
    Zeitweilig war etwa an der PhilFak der LMU eine Fist von fünf(!) Jahren für die Rücknahme des Doktorhutes gültig, inzwischen wurde diese Frist aufgehoben.
    Gemäß der aktuellen Promotionsordnung der JurFak Uni Münster ist die Rücknahme nur innerhalb von fünfzehn Jahren möglich.
    Ob auf dem Hintergrund in die Bewertung des Habilfalles Keck auch der besagte Zeitablauf hineinspielte? Die aktuelle Habilitationsordnung der LMU-MedFak kennt allerdings keine Fristenregelung für die Ungültigkeitserklärung der Habilitation (http://www.med.uni-muenchen.de/habil_prof/habilitation/habil_ordn_12_2016.pdf)

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    • 12.01.2018 15:46, Martin Heidngsfelder

      Die Verjährungs ist IMO "eine materiell rechtliche Regelung im Gewande einer Verfahrensklausel". Ein durch Betrug und falsche Angaben, arglistiger Täuschung, Drohung oder Bestechung erlangter begünstigender Verwaltungsakt unterliegt gerade nicht der Verjährung.
      Die Verjährung, der durch arglistige Täuschung erworbenen Doktorgrade in einer Rechtsnorm festzuzurren, dürfte nach meiner Einschätzung nur ein Landtag in sein Hochschulgesetz schreiben aber keinesfalls eine Fakultät mit einer Verfahrensordnung festlegen. Anschließend solte allerdings noch der entsprechende Landesverfassungsgerichtshof dies einer Normenkontrolle unterziehen, weil das IMO für den gesamten Verwaltungsbereich dann wegweisende Wirkung entfalten könnte.

      Promotionsordnung Uni Münster §28 Abs. 1

      § 28 Entziehung des Doktorgrades

      (1) Der Doktorgrad ist durch Beschluss des Fachbereichsrates zu
      entziehen, wenn bekannt wird, dass er aufgrund unrichtiger
      Angaben oder durch Täuschung erworben oder wenn ein
      nicht nur geringfügiges wissenschaftliches Fehlverhalten des
      Promovierten/der Promovierten im Zusammenhang mit der
      Dissertation vorliegt. Die Entziehung des Doktorgrades nach
      Satz 1 ist nur innerhalb von fünfzehn Jahren seit der Verlei-
      hung zulässig.

      https://www.jura.uni-muenster.de/de/wissenschaft/wissenschaftlicher-nachwuchs/promotion/

      "In Münster werden pro Jahr in 20 Prüfungsterminen ca. 100 Kandidaten geprüft. Damit steht die Münstersche Fakultät mit Abstand vor allen anderen Rechtswissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland an der Spitze." allerdings steht die Uni Münster nicht in Sachen Qualität an der Spitze sondern es ist wohl ein einträgliches Massengeschäft und auch die Auswahl der Kandidaten erstes Juristisches Staatsexamen mit vollbefriedigend lässt viel Spielraum.

      Bitte um eine Einschätzung und Meinungen insbesondere der mit Hochschulrecht vertrauten Juristen und von sonstigen Rechtswissenschaftlern dazu.

  • 13.01.2018 10:34, Hermann Horstkotte

    "Vorwerfbarkeit" und Schweigegebot
    Die Rechtsprechung verlangt Vorwerfbarkeit, wenn ein Doktorgrad oder die Habilitation für ungültig erklärt werden soll. Die Vorwerfbarkeit ist keine automatische Folge aus einem objektiven Tatbestand wiss. Fehlverhaltens, sondern eine (pflichtgemäße) Ermessensentscheidung der Fakultät.
    Wenn die Behörde dabei eine Vorwerfbarkeit (z.B. bedingten Vorsatz) verneint, ist ihr lt. Rechtsprechung jede andere Kritik an der fraglichen Arbeit untersagt. Das ist der angesagte Rechtsweg, um Problemfälle behördlich unter Tabu zu stellen und so zu erledigen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 17.01.2018 11:55, Hermann Horstkotte

    Selbstisolation der juristischen Betrachtungsweise
    Seit Luhmann spätestens weiß man vom Spannungsverhältnis, dass "Recht" und Rechtssystem eigenen Regeln folgen (müssen) und dabei doch Anforderungen der Außenwelt gerecht werden sollen; s. auch Marie-Theres Fögen, Das Lied vom Gesetz, 2007, S. 112.Aktuell zitiert in dem Zusammenhang die FAZ (17.1.2018, S. N3) Luhmanns Lehrstuhl-Nachfolger André Kieserling mit dem Satz: "Damit das System die eigenen Vereinfachungen nicht für die Sache selbst hält, muss Kritik immer mitlaufen."
    In dem Sinne wäre von der Organisation LMU (naiv?) zu erwarten, dass sie die juristisch isolierte Betrachtungsweise im vorliegenden Fall nicht gleich für das A und O hält, sondern die eigenen Regeln guter wiss. Praxis zum Maßstab nimmt.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 20.01.2018 19:33, wissenschaftalsbeute

    MPG und LMU spielen Doppelpass und tragen zu einer fatalen Entwicklung bei, an deren Ende die Forschungsfreiheit in Frage gestellt werden wird.
    https://wissenschaftalsbeute.wordpress.com/2018/01/11/die-krise-der-max-planck-gesellschaft-gesellschaft-auf-abwegen-2/#more-74

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 22.01.2018 02:42, Michael

    Ich weiß nicht, ob das bekannt ist: Herr Keck betreibt zusätzlich zur Institutsseite eine eigene Website. Unter http://professorkeck.de/vita/ gibt er dort gleich am Anfang (oberhalb eines Fotos, das ihn am Schreibtisch zeigt) an:

    "Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat Prof. Dr. Dr. Martin Keck den Bayerischen Habilitationsförderpreis für seine wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Stressfolgeerkrankungen verliehen."

    Das Bayerische Ärzteblatt ( http://www.bayerisches-aerzteblatt.de/fileadmin/aerzteblatt/ausgaben/2002/10/einzelpdf/516_10_02.pdf ) weiß dazu:

    "Preisträgerinnen und Preisträger des Bayerischen Habilitationsförderpreises 2002
    Vier junge Wissenschaftlerinnen und sieben junge Wissenschaftler erhalten in diesem Jahr den Bayerischen Habilitationsförderpreis.
    Der Preis zielt darauf ab, hochqualifizierte promovierte Frauen und Männer für eine Weiterqualifikation an den Hochschulen zu gewinnen und so in den kommenden Jahren eine hervorragende Besetzung frei werdender
    Professuren zu gewährleisten.
    Der Förderpreis mit einer Förderungshöchstdauer von drei Jahren besteht aus einem monatlichen Stipendium von 2815 € und einem jährlichen Sachkostenzuschuss von bis zu 7700 €.
    Die Habilitationsförderpreise erhalten auch drei Ärzte:
    ...
    Dr. med. Martin Ekkehard Keck (Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Universität München)"

    Herr Keck könnte demnach für seine Habilitation vom Freistaat Bayern in den Jahren 2002 bis 2004 eine Förderung von maximal bis knapp 125.000 Euro erhalten haben. Auf seiner Internetseite gibt Herr Keck an, dass er "zunächst von 1996 bis 2005 am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München tätig war". Ob Herr Keck während der Habilitationszeit auch noch Einkommen aus einer Anstellung am MPI bezogen hat, geht daraus nicht hervor, dürfte aber nicht unwahrscheinlich sein.

    Die Habilitationsarbeit, die der dabei demnach reichlich mit Steuermitteln finanzierte Herr Keck zusammengestellt hat, genügt vorauszusetzenden wissenschaftlichen Kriterien als offenkundig in großen Teilen Plagiat keinesfalls. Insofern sehe ich auch den Freistaat Bayern in der Pflicht, die Habilitationsfördermittel von Herrn Keck zurückzufordern und angesichts dessen m.E. unverkennbar betrügerischen Verhaltens auch strafrechtliche Schritte gegen ihn einzuleiten.

    Zudem ist zu verhindern, dass Studierende weiterhin in eine höchst absurde und dabei kognitive Dissonanz aufnötigende Situation kommen könnten: Der ein in weiten Teilen Plagiat als Habilitationsschrift abliefernde und dazu in größerem Umfang Steuermittel missbrauchende Herr Keck wäre dann derjenige, der deren Arbeiten hinsichtlich der Einhaltung wissenschaftlicher Standards beurteilt. (Solch "verrückte" Situation muss Menschen irre machen. Wer will das? Und wie kaputt muss man sein, eine derart destruktive Konstellation an einer Universität nun wissentlich zuzulassen!?)

    Natürlich ist es auch keinem Menschen mehr zuzumuten, dem Herr Keck, der solcherart verwerflich manipulativ gehandelt hat, in dessen Funktion als Psychiater ausgesetzt zu sein. Herr Keck besitzt augenscheinlich nicht die ethisch-moralischen Voraussetzungen, die es erlauben könnten, ihm die Macht zuzugestehen, de facto unkontrolliert über "Ohnmächtige" höchst folgenreiche Diagnosen bzw. Gutachten zu verfassen. (Die Justiz- und Psychiatrieskandale der letzten Jahre, wie etwa die existenzvernichtende Misshandlung von Gustl Mollath und Ulvi Kulac, zeigen ein erschreckendes Zusammenspiel rechtsbedenklich agierender Staatsjuristen mit Willkürliches absondernden Psychiatrie-Professoren. Trotz der nach Jahren erfolgten Aufhebung der ursprünglichen Urteile hatte das für nicht nur meines Erachtens unverkennbar pflichtwidrig agierende Beamte keinerlei straf-, disziplinar- oder zivilrechtliche Folgen. In einem solch dysfunktionalen Umfeld einem mit "Vernichtungsmacht" ausgestatteten und Manipulationen offenbar nicht abgeneigten Psychiater Keck ausgeliefert zu sein, muss Angst machen und ist niemand zuzumuten.)

    Herr Keck hatte seine von uns Steuerzahler finanzierte Chance. Er hat diese nicht genutzt. Wünschen wir ihm alles Gute für seinen weiteren Weg. Eine weiterhin Anstellung am MPI oder einer anderen wissenschaftlichen Einrichtung kann dazu nicht gehören. (Wer solche Konsequenz nicht zieht, zerschlägt einen zentralen Pfeiler einer vernünftigen Gesellschaft und fährt diese ins Chaos. An verantwortlicher Position stellt so jemand eine Gefahr für uns alle dar und hat dort nicht zu suchen.)

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