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Markus Mette, Partner bei White & Case: "Man­danten in 185 Län­dern – viel mehr gibt es nicht auf der Welt"

24.07.2020

Markus Mette ist Recruitment-Partner bei White & Case. Im Interview spricht er über den Reiz internationaler Arbeit, Auslandsprogramme für Referendare und die guten Perspektiven in seinem Fachbereich IP/IT.

LTO: Herr Mette, wieso haben Sie sich nach dem Jurastudium für die Karriere in einer wirtschaftsberatenden Kanzlei entschieden?

Markus Mette: Für mich war immer klar, dass ich mich für Wirtschaftsunternehmen in ihren rechtlichen Belangen einsetzen möchte, sei es vor Gericht, sei es in Verhandlungen. Ich vergleiche das immer ein wenig mit der Rolle eines Klassensprechers: Man kämpft für Interessen einer Gruppe, man muss manchmal streiten können, man muss aber auch Brücken bauen können, um verschiedene Positionen überein zu bringen.

Was hat Sie an Ihrem Fachbereich IP/IT gereizt?

Die aktuelle Krise zeigt, dass digitale Konzepte die Zukunft in allen Bereichen sind. In den Bereichen IP und IT passieren große Entwicklungen, da ist noch ganz viel rechtlich ungeklärt in Bezug auf neue Produkte, neue Entwicklungen, neue Technik. Es ist ein sehr dynamischer Bereich, in dem keine Langeweile aufkommt und der intellektuell herausfordernd ist.

Was sollte ein junger Jurist mitbringen, der sich in diesem Bereich spezialisieren möchte?

Man sollte ein sehr guter Jurist sein, denn bei allen neuen Herausforderungen bleibt es dabei, dass das Handwerkszeug Jura ist. Allerdings sollte eine besondere Neugier für neue Entwicklungen, neue Produkte und eine gewisse Technikaffinität hinzukommen. Man muss bereit sein, sich interdisziplinär in andere Bereiche hinein zu denken: Wie ist das Geschäftsmodell? Was passiert da technisch?

Die Digitalisierung und Internationalisierung der Wirtschaft, der Verwaltung, im Prinzip des gesamten Lebens wird nicht zurückgehen - im Gegenteil. Aus der Corona-Krise resultiert eine Beschleunigung in vielen Bereichen hin zu mehr Digitalisierung. Daraus ergeben sich viele rechtliche Fragen.

Für jemanden, der jetzt an der Schwelle vom Studium in den Beruf steht, ist IP/IT deshalb ein sehr interessanter und gleichzeitig zukunftsträchtiger Bereich. Hier werden viele Juristen gesucht, sei es als Anwalt, sei es bei Unternehmen, sei es in der Verwaltung.

Mehr zum Thema: Arbeitgeberprofil von White & Case

“Man muss kein Nerd sein, um im Fachbereich IP/IT einzusteigen”

In welcher Tiefe müssen Bewerber in Technologie-Themen drin sein? Muss man sich mit ihnen schon während des Studiums auseinandersetzen oder lernt man das bei Ihnen on the Job?

Leider ist es so, dass das Jurastudium darauf nicht vorbereitet. Es gibt die eine oder andere Veranstaltung an der einen oder anderen Uni, aber flächendeckend ist das sicher ausbaufähig.
Die Leute, die zu uns kommen, sollen ein großes Interesse und eine große Neugier für Technologie-Themen mitbringen. Sie müssen aber kein „Tekkie“ und kein „Nerd“ sein, der nebenbei ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen hat. Sie lernen viel "on the Job".

Warum haben Sie sich nach dem Referendariat entschieden bei White & Case als einzusteigen?

Die Kombination aus der Internationalität und einem tollen Team haben mich dazu gebracht.

Wir haben im letzten Jahr Klienten aus über 120 Ländern bei Mandaten in über 185 Ländern beraten. Viel mehr gibt es nicht auf der Welt. Bei uns arbeiten Menschen aus 110 Nationen und sprechen über 90 verschiedene Sprachen.

Diese Internationalität hat mich schon während des Referendariats vor knapp 20 Jahren sehr beeindruckt. Ich konnte an Gesprächen mit internationalen Mandanten oder mit deutschen Mandanten, die international tätig waren, teilnehmen. Heute gehören solche Dinge zum Alltag, damals war das vielleicht noch nicht so.
Außerdem war das Team entscheidend. Ich fühlte mich bereits als Referendar sehr integriert. Die Türen standen offen, man diskutierte über die Fälle. Das versuchen wir auch heute zu leben. Einer meiner damaligen Ausbilder ist übrigens heute mein Co-Partner in der IP/IT-Abteilung in Hamburg.

Sie suchen ausgezeichnete Juristen mit internationalem Interesse. Gibt es weitere Kriterien, auf die Sie bei Bewerbern Wert legen?

Teamarbeit ist ganz wichtig. Uns Juristen wird manchmal von Nicht-Juristen nachgesagt, ein wenig eigenbrötlerisch und Einzelgänger zu sein. Teamfähigkeit war vielleicht früher nicht unbedingt die wichtigste Eigenschaft. Heute sind die Fälle so komplex, dass alleine arbeiten nicht zu einem besseren Ergebnis führt.

Sollten Bewerber schon Auslandserfahrung mitbringen?

Nicht vorhandene Auslandserfahrung ist kein striktes Ausschlusskriterium. Auslandserfahrung hilft aber, plausibel darzulegen, dass man an anderen Kulturen interessiert ist und prädesdiniert für eine Arbeit in einer internationalen Anwaltskanzlei ist. Es geht gar nicht unbedingt um einen Auslandsaufenthalt mit Jura-Bezug. Das kann auch ein Schüleraustausch, ein soziales Jahr oder eine Weltreise sein.

"Mobility-Programm bringt Referendare in internationale Büros"

Ihre internationale Aufstellung sorgt bereits für eine gewisse Diversity in der Kanzlei. Wie gut sind Sie denn in dieser Beziehung aufgestellt, wenn man nur Deutschland betrachtet?

White & Case nehme ich als sehr divers wahr und wir legen besonderen Wert darauf. Wir haben entsprechende Gruppen, die Initiativen dazu reichen zurück bis in meine Referendarzeit.
Unsere Erfahrung ist ganz klar, dass diverse Teams bessere Ergebnisse hervorbringen. Wir sind häufig mit neuen rechtlichen Problemen beschäftigt, mit Fragen, die noch nicht entschieden wurden. Vielfältige Teams kommen zu kreativeren Ideen als Teams, in denen alle in die gleiche Richtung blicken und gleich denken. Diversity ist deshalb ein wichtiger Bestandteil im Recruitment in Deutschland und international.

Dringt das bei Ihnen auf die Führungsebene durch? Oft ist es so, dass trotz solcher Programme auf Partnerebene ein relativ geringer Frauenanteil herrscht.

Soweit ich die Zahlen richtig im Kopf habe, liegt die Ernennungsquote von Partnerinnen aktuell bei ca. 30%. Natürlich können und müssen wir da besser werden. Unser Ziel ist es, dies in den nächsten Jahren noch zu steigern.

Die Versäumnisse der letzten 20 Jahre kann man nicht strukturell in ein bis zwei Jahren beheben. Die Ergebnisse von Projekten, die wir gerade angestoßen haben, werden sich erst in der Zukunft zeigen. Es gibt Programme, um Juristinnen an die Partnerschaft heran zu führen wie unsere Women’s Initiative, die Mentoring- und Coaching Programme anbietet. Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich in der Zukunft die Anzahl der Partnerinnen noch deutlich steigern wird.

Gibt es andere Bereiche, in denen Sie besser werden wollen?

Jedes Unternehmen und jede Kanzlei ist gut beraten, z.B. auf die Mitarbeiter zu hören, um besser zu werden. Wir haben Feedback institutionalisiert. Vorschläge für Verbesserungen kommen also aus dem Team.

Wir haben zum Beispiel aufgrund solchen Feedbacks ein neues Mobility-Programm für unsere Referendare entwickelt, die für die Wahlstation ins Ausland gehen wollen. Damit bringen wir die Leute in internationale Büros. Wir unterstützen sie dabei finanziell und organisatorisch, zum Beispiel kümmern wir uns um die Einreisebestimmung.

"Associates können sich für eine 70%- oder 80%-Stelle entscheiden"

Ein anderer Punkt, in dem Bewerber andere Erwartungen haben als noch vor 20 Jahren betrifft die Arbeitszeiten. Was für eine Work-Life-Balance erwartet Associates bei White & Case?

Es gibt zwei Ansätze: Die "Work" in "Work-Life-Balance" muss interessant sein und Spaß machen. Eine 30-Stunden-Woche mit langweiliger Arbeit zu haben ist auch keine Lösung. Gleichzeitig ist richtig, dass man sich erholen muss.

Wir versuchen den Tag so zu gestalten, dass es immer wieder Auszeiten und Pausen gibt. Wir bieten zum Beispiel sportliche Möglichkeiten: Es gibt Gruppen, die mittags eine Joggingrunde drehen. Es gibt Yoga- und Pilates-Angebote und einen mobilen Massageservice. Man kann also den Tag im Büro so gestalten, dass man abends nicht so erschlagen ist, als wenn man durchgearbeitet hätte. Auch haben wir Teilzeitmodelle. Die sind nicht an eine Elternschaft geknüpft. Associates können sich bei uns auch für eine Nicht-Vollzeitstelle entscheiden.

Kann man in Teilzeit Partner werden?

Vollzeit oder Teilzeit kann kein Kriterium sein. Es geht darum die richtigen Leute für die Partnerschaft zu identifizieren. Es gibt aktuell das Beispiel einer Kollegin aus dem White-Collar-Bereich. Sie war mit dem zweiten Kind schwanger, hat die Stundenzahl reduziert gearbeitet und ist Partnerin geworden.

Welche Fähigkeiten muss man mitbringen, um bei White & Case Partner zu werden?

Man muss sicherlich ein sehr guter Jurist sein, das ist klar. Man muss außerdem ein Team aufbauen und führen können und Empathie haben.

Außerdem muss der Mandant von den fachlichen Qualitäten überzeugt sein und man muss eine persönliche Beziehung zu ihm haben und eine Bindung aufbauen. Auf den Punkt gebracht: Der Mandant muss sagen: "Ich rufe den oder die an, weil ich mit ihm / ihr gerne zusammenarbeite."

Nicht zuletzt, auch wenn es abgedroschen klingt: Man braucht auch ein Quäntchen Glück, wie bei jeder Beförderung in jeder Branche oder bei Erfolgen im Sport.

Mehr zum Thema: Arbeitgeberprofil von White & Case

Zitiervorschlag

Markus Mette, Partner bei White & Case: "Mandanten in 185 Ländern – viel mehr gibt es nicht auf der Welt" . In: Legal Tribune Online, 24.07.2020 , https://www.lto.de/persistent/a_id/42212/ (abgerufen am: 04.08.2020 )

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