NS-Prozess gegen Hubert Zafke: Im fal­schen Zug?

von Till Mattes

14.04.2017

Der Richter im NS-Prozess gegen den SS-Sanitäter Hubert Zafke am LG Neubrandenburg widersetzt sich wiederholt dem OLG Rostock. Nun hat er einen Befangenheitsantrag und eine Anzeige wegen Rechtsbeugung am Hals.

 

In dem Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts (LG) Neubrandenburg gegen den ehemaligen SS-Mann Hubert Zafke (96) geht es um Beihilfe zum Mord in über 3.000 Fällen. Doch das Verhalten der Kammer unter Vorsitz von Richter Klaus Kabisch lässt diesen monströsen Fall langsam in den Hintergrund treten. Der Richter hat Entscheidungen des OLG Rostock in der Sache zweimal links liegen lassen.

Jetzt hat Thomas Walther, der Anwalt eines Nebenklägers, deshalb Anzeige wegen Rechtsbeugung erstattet. Die Staatsanwaltschaft Stralsund prüft die Aufnahme von Ermittlungen. Zudem hat auch die im Zafke-Verfahren anklagende Staatsanwaltschaft Schwerin Befangenheitsanträge gegen die Richter gestellt. Da ist es fast eine Petitesse, dass Kabisch von Prof. Cornelius Nestler, dem Anwalt des zweiten Nebenklägers, auch noch wegen Beleidigung angezeigt worden ist.

Neubrandenburger Springprozession

Der ehemalige SS-Sanitäter Hubert Zafke steht seit 2015 vor Gericht, weil ihm Beihilfe zum Mord in mindestens 3.681 Fällen in Auschwitz zur Last gelegt wird. Als Sanitäter habe er den arbeitsteiligen Vernichtungsprozess in dem KZ vom 15. August bis 14. September 1944 unterstützt, so die anklageführende Staatsanwaltschaft Schwerin.

Nebenkläger im Verfahren sind die Brüder Walter und William Plywaski aus Boulder in Colorado/USA. Gemeinsam mit ihrer Mutter, Regina Plywaski, und dem Vater waren sie nach Auschwitz deportiert worden. Noch am Tag der Ankunft, dem 15. August 1944, war die Mutter ermordet worden. Dieser 15. August ist der erste Tag des Tatzeitraums in der Anklage gegen Hubert Zafke.

Die Berechtigung zur Nebenklage von Walter Plywaski hat das Oberlandesgericht (OLG) Rostock insgesamt dreimal festgestellt: Zum ersten Mal im Anfangsjahr des Prozesses 2015. Doch dann widerriefen Richter Kabisch und Kollegen die Nebenklageberechtigung Anfang 2016, worauf prompt nach einer anwaltlichen Beschwerde die Aufhebung des Widerrufs durch das OLG erfolgte.

Daraufhin ließ das Landgericht auch den Bruder William Plywaski als Nebenkläger zu. Anfang 2017 kam es dann zur Wiederholung der Neubrandenburger Springprozession, nun bezogen auf beide Brüder: Die Richter widerriefen die Berechtigung beider zur Nebenklage.

Richter: Tatvorwurf nicht in der Anklage

Richter Kabisch argumentiert in dem Beschluss, mit dem die Nebenklageberechtigung Mitte Februar dieses Jahres widerrufen worden ist und der LTO vorliegt, sinngemäß wie folgt: die Anklageschrift umfasse keinen Tatvorwurf, der im Zusammenhang mit der Ermordung von Regina Plywaski stehe. Sie sei nicht in einem der in der Anklageschrift benannten Deportationstransporte gewesen.

Auch gebe der Schriftsatz keine Konkretisierungen für den Tag der Ermordung, den 15. August 1944. Die bloße Einbeziehung dieses Zeitraumes reiche nicht aus. Deshalb deutet für Kabisch außer dem Datum nichts konkret "auf einen Verfolgungswillen der Anklage" hin.

Mit der ablehnenden Begründung indes hat sich die Kammer Mühe gegeben: Auf über fünf Seiten führt sie u.a. aus, wie die Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Fall Oskar Gröning auszulegen sei (BGH, Beschl. v. 20.09.2016, Az. 3 StR 49/16) und warum der Mord an Regina Plywaski und damit das Recht ihrer Söhne zur Nebenklage anders zu bewerten sei. 

Keine Angst vor Vorwurf der Rechtsbeugung

Am Ende des LG-Beschlusses findet sich der Grund für die Anzeige wegen Beleidigung gegen Kabisch, die Prof. Nestler bei der Staatsanwaltschaft Stralsund erstattet hat. Nestler hatte im Januar die Beschlussankündigung des Gerichts mit einer Gegenargumentation beantwortet. Er warnte dabei vor möglicher Rechtsbeugung, falls der Beschluss verabschiedet würde. Kabisch bezeichnete nun diese Ansicht als "narzisstisch dominierte Dummheit". Hierzu - wie auch zu den anderen Vorwürfen - wollte Kabisch auf LTO-Anfrage keine Stellung nehmen.

Nebenklageanwalt Walther teilt Nestlers Ansicht. Kabischs Argumentation überzeugt ihn nicht: "Auch ohne die ausdrückliche Nennung des Transportes, mit dem die Mutter der Nebenkläger nach Auschwitz deportiert wurde, sind die Nebenkläger zu Recht im Prozess vertreten. Denn die in der Anklageschrift genannte Tat, die Beihilfe zum Mord, bezieht sich ausdrücklich auf einen Zeitraum, nicht auf einzelne Transporte."

Deshalb habe auch das OLG die Brüder Walter und William Plywaski als Nebenkläger zugelassen und in der ersten Aufhebung des Widerrufs der Nebenklageberechtigung für seinen Mandanten im Februar 2016 die Gründe dafür  ausdrücklich genannt. "Auf der Basis, dass der angeklagte Zeitraum entscheidend ist, erfolgten auch die Urteile in NS-Prozessen in Lüneburg und Detmold", sagt Walther. Am LG Detmold war Reinhold Hanning wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden (Urt. v. 17.6.2017, Az. 4 Ks 45 Js 3/13-9/15). Am LG Lüneburg hatte der Prozess gegen Oskar Gröning stattgefunden (Urt. v. 15.07.2015, Az. 27 Ks 9/14, 27 Ks 1191 Js 98402/13 (9/14)). 

Zitiervorschlag

Till Mattes, NS-Prozess gegen Hubert Zafke: Im falschen Zug?. In: Legal Tribune Online, 14.04.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/22661/ (abgerufen am: 26.06.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 14.04.2017 18:21, Frage Fragen

    In diesem Prozess sollte man statt 100-jährige und den gesunden Menschenverstand zu verfolgen sich mit Fragen beschäftigen wie: sind Amerikaner die besseren Menschen? Oder dürfen Engländer die Mizoram, Nagaland, Meghalaya, Arunachal Pradesh, Manipur, Tripura, Sikkim, Hausa-Fulani, Nuba, Bedscha töten? Oder Franzosen die Kinh, Mường, Thái, Khơ-me, Hmông?
    Man kann sich auch mit der Frage beschäftigen war es richtig das "die französische Kriegsherren [bevorzugte] ohne Rücksicht auf Verluste und jeglichen Moral, das Verbrennen des Getreides, das Abschlachten des Viehs, Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen, und die Mittel der Tortur [Folter], um dem Feind die Versorgungsmöglichkeiten und dessen Kampfmut zu nehmen. Dies geschah jedoch im Namen der Freiheit, der Gleichheit, und der Brüderlichkeit."
    aus: http://www.lwg.uni-hannover.de/wiki/Zwischen_zwei_Kolonialreichen:_Algerien_im_19._Jahrhundert

    Wir es besser wenn sich die Franzosen gemeinsam mit den Amerikaner dem Vietcong mit Agent Orang oder Splitterbomben im Spielzeug "widmen"? Oder die westliche Welt den Völkern Koreas?
    Nach den Deutschen, Frauen, Kinder, Greise, Kriegsgefangene in Dresden, den Rheinwiesenlager.de, in Pforzheim, Potsdam, Magdeburg, Sudeten, Schlesien, Ostpreußen frage ich bewusst nicht.

    Wird es im Irak, dem Jemen oder Syrien besser wenn dort die "Freunde des Nahen Ostens" die Bomben fallen lassen?
    Oder mit Uranmunition das Erbgut der dortigen, Juden, Jesiden, Sunniten, Araber, Schiiten und Allewiten, Drusen... beschädigen?
    Sind Abu-Ghuraib, Guantanamo Bay Naval Base, Bagram Theater Internment Facility Ausgeburten der Menschenrechte und der Gutmenschen?

    Aber was kümmert uns das wir sind doch Deutsche der ewige Jude. Nein das ist falsch Deutsche sind ja ewige Nazis. Oder etwa nicht?

    Gibt es eigentlich einen Altersrekord für Angeklagte? Und gilt die Totenruhe auch im Gerichtssaal?
    Aber vielleicht sollte das Gericht schon mal einen Sachverständigen nach Moskau schicken. Dort hat man Erfahrung mit der Mumifizierung, von unbedingt benötigten Leichen, am Körper von Lenin gesammelt. Nicht das der Angeklagte bei der Urteilsverkündung noch unangenehm riecht.

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    • 14.04.2017 19:03, Antworte Antworten

      Was ist das für ein Haufen Geblubber?
      Seit wann ist man im hohen Alter vor Strafe und Gerechtigkeit gefeit?

    • 15.04.2017 11:59, R.K.

      Um Himmelswillen.
      1. Klassisches "Whataboutism".
      2. Hätte die frühe Bundesrepublik die Täter damals konsequent der Strafverfolgung unterworfen, müssten wir heute keine 90-Jährigen anklagen.
      3. Wer vom "ewigen Juden" schreibt, hat sich ohnehin schon für sachliche Auseinandersetzung disqualifiziert.

    • 15.04.2017 18:23, Denke Denke

      Lieber @ R.K.

      Ich empfehle Ihnen dringend eine Priese, ach was, eine große Menge an gesunden Menschenverstand vor der Meinungsäußerung einzunehmen.
      Das hilft auch bei akuter PC und macht gegen Gutmenschentum immun.

      Zwei kleine Hinweise für Sie:
      (1) Die Deutschen die nach dem Krieg unter Aufsicht der Kriegsgewinner und Besatzungsmächte die Kriegsverbrechen der Deutschen verfolgen wollten oder mussten haben mehr fachlichen, wie auch juristischen Sachverstand bewiesen als im heutigen System der Justiz, die sich mit solchen Dingen befassen, vorhanden ist.
      Wer kümmert sich eigentlich um Kriegsverbrechen der Sieger? Und was geschah und geschieht mit den Deutschen die Kriegsverbrechen der Besatzer bei den Besatzungsbehörden meldet? Was geschah und geschieht mit den Opfern?
      ~
      (2) Lesekompetenz ist gut für das Verstehen von Texten und hilft auch beim Studium der Juristerei aber setzt natürlich auch ein gewisses Maß an humboldtschen Bildung* voraus.
      Da ich an die Bildungsfähigkeit des Menschen Glaube hier im obigen Text ist nicht vom „ewigen Juden“ sondern vom Deutschen als „ewigen Nazi“ die Rede.

      Aber gegen den Deutschen als „ewigen Nazi“ scheinen Sie ja nichts zu haben. Also etwas Bildung zum „ewigen Juden“:
      „Der Ewige Jude (auch wandernder Jude) ist eine Figur aus christlichen Volkssagen, die im 13. Jahrhundert entstand. Sie erzählten ursprünglich von [...] Menschen [...], der Jesus Christus auf dessen Weg zur Kreuzigung verspottete und dafür von diesem verflucht wurde, unsterblich durch die Welt zu wandern. Das anonyme deutschsprachige Volksbuch vom Ewigen Juden, gedruckt erschienen in Leiden 1602 [...] gab ihm den Namen Ahasveros (Ahasverus, eine Anspielung“ ....“
      Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Ewiger_Jude

      Sie merken die Wurzeln der deutsche Geschichte und Kultur sind mehr als 2000 Jahre alt?
      Oder auch diese Erklärung:
      "Ahasver [hebräisch »Fürst«] (Ahasverus)
      1. im Alten Testament Name des Perserkönigs Xerxes,
      2. in der Volkssage der Ewige Jude,
      3. übertragen: ein ruhelos umhergetriebener Mensch; ein verfolgter, ziellos und friedlos irrender Wanderer."
      Aus: http://www.lesekost.de/themen/HHL07A.htm

      Oder der hier:
      "Er war nunmehr der Länder satt // Wo man so viele Kreuze hat // Und man für lauter Creuz und Krist // Ihn eben und sein Kreuz vergisst." - Johann Wolfgang von Goethe, Der ewige Jude

      Das ist alles auch ganz leicht zu googeln, nur Mut! Sie schaffen das!
      Sie können dabei noch sehr viel lernen. Dafür wünsche ich Ihnen viel Erfolg.
      ~
      * „Unter dem humboldtschen Bildungsideal versteht man die ganzheitliche Ausbildung in den Künsten und Wissenschaften in Verbindung mit der jeweiligen Studienfachrichtung. Dieses Ideal geht zurück auf Wilhelm von Humboldt, der in der Zeit der preußischen Rekonvaleszenz auf ein erstarkendes Bürgertum setzen konnte und dadurch den Anspruch auf Allgemeinbildung förderte. Heute bezeichnet der Begriff die zentrale Idee der Einheit von Forschung und Lehre an Universitäten und ihnen gleichgestellten Hochschulen (im Unterschied zu reinen Lehrprofessuren ohne Forschungsaufgaben).“

  • 14.04.2017 19:24, Fresse Fressen

    Der Kommentator übersieht offentlicht, dass das LG Neubrandenburg hier nicht über das deutsche Volk zu Gericht sitzt, sondern über SS-Sanitäter Hubert Zafke. Daher blubbern die "Fragen" weit am Thema vorbei.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 14.04.2017 20:57, albert992

      An Antworte: "Seit wann ist man im hohen Alter vor Strafe und Gerechtigkeit gefeit?"
      Das hat er nicht gesagt.
      Er hat gesagt, sehr üble Verbrechen, für welche Höherrangige Verbrecher zur Verantwortung gezogen werden müssten, werden nicht verfolgt.
      Aber ein Mord, der am Tag des Dienstantritt des Sanitäters begangen wurde, wird akribisch verfolgt. Und zwar zulasten des Sanitäters.
      Das stößt mir auch unangenehm auf.
      Ich kann nur fordern: Bush, Blair, Schröder (Ramstein), Scharping, Fischer, uswusf vor Gericht. Wenn das erledigt ist,(bitte mit gleichem Verfolgungseifer) dann bitte gern dieser Mensch

    • 14.04.2017 21:04, el bajo

      Zurecht hab ich nach dem ersten Fragezeichen mit dem Lesen aufgehört. Nach einschlägiger Erfahrung war nurnoch kontextloser Blödsinn erster Güte zu erwarten.

  • 14.04.2017 21:17, el bajo

    Der Vorschlag lautet also: nachdem unsere Politiker an der Macht waren, erklären wir alle ihre Entscheidungen für justiziabel und klamüsern sie in Prozessen auseinander. Dabei sollten Sie aber dreierlei beachten: (1) Wenn diese Prozesse rechtsstaatlich vor sich gehen sollen (Ihrer Meinung nach wohl nach den Regeln des Strafrechts), so gilt es zunächst mal die treffenden Tatbestände zu schaffen. Denn die herrschende Lehren von der Erfolgszurechnung und dem subjektiven Tatbestand werden eine Subsumtion unter die bestehenden nur schwerlich zulassen. (2) Hat man das geschafft, so wird die prozessuale Aufarbeitung Jahrzehnte dauern; wenn man das Verfahren nicht unter Vergewaltigung unserer tradierten rechtsstaatlichen Prinzipien verkürzt. (3) Und tut man das, so kann sich jeglicher Politiker denken, dass er -wird er abgewählt- der Strafverfolgung ausgesetzt sein wird und vom politischen Gegner abgestraft wird. Die Folge hiervon können Sie in nicht so demokratischen Staaten beobachten: Wahlergebnisse werden als Fälschung deklariert und die Absetzung wird mit Gewalt verhindert. Aber es ist natürlich einfacher ein paar Namen zu nennen, die "vor Gericht" gehören. Und damit will ich in keinster Weise kritisieren, dass Sie die späte "Aufarbeitung" der NS-Verbrechen in dieser Weise kritisch sehen. Da sind Sie sicherlich in guter Gesellschaft. Aber vielleicht sollten Sie Ihre Beweggründe einmal überdenken.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 14.04.2017 23:22, Eben

    Wer von Rechtsbeugung und Befangenheit nach dem oben dargestellten Sachverhalt spricht, hat es entweder nicht verstanden oder betreibt hier einseitige Meinungsmache. Wenn ich den Sachverhalt richtig verstehe, hat die Kammer die auf die Beschwerde ergangene OLG Entscheidung umgesetzt, nur bei neuen Entscheidungen zu vergleichbaren Sachverhalten an ihrer Meinung festgehalten. Das ist Kern der Unabhängigkeit, bindende Präjudizien kennt die Dt. Justiz mit der Ausnahme der BverfgE nicht. Schlechter Artikel.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 15.04.2017 09:40, Magi

      Das ist der Pudelskern.

      Aber wenn das OLG schreibt, dass sich das LG nicht an die Bindungswirkung im selben(!) Sachverhalt zur damals angegriffenen Entscheidung gehalten hat (da es keine Sachverhaltsänderung gab), kommt man der Rechtsbeugung doch relativ nahe (vgl. z.B. § 358 I StPO).

      Aber ich gebe der StA Recht: Es ist kompliziert, vor allem bei einem Kollegialgericht. Ob die Tatbestandsmerkmale hier wirklich erfüllt sind und ob man jedem einzelnen Richter dies nachweisen kann (inkl. dem Vorsatznachweis), steht in den Sternen.

      Übrigens: Das Bertungsgehemnis schützt in so einem Verfahren nicht zwangsläufig (RGZ 89, 13, 16), d.h. die anderen Richter können sich straflos über das Abstimmungsverhalten äußern (umstritten ist dabei jedoch der Zeitpunkt). Ob sie das machen, steht auf einen anderen Blatt, zumal sie Beschuldigtenstatus haben.

  • 15.04.2017 09:46, FinalJustice

    Die Überschrift des Artikels ist mal wieder ausgesprochen geschmackvoll, liebes lto-Team ;)

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 16.04.2017 09:02, Enes Scholkaldetten

    Eine Verurteilung von Zafke ist aus 2 Gründen problematisch:
    1. Zunächst müsste ohne Verurteilung so viele Jahre nach der Tat der Rechtsfrieden gestört sein. Dies ist nur dann der Fall, wenn ohne Verurteilung des Zafke das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat unterminiert würde. Dies ist hier wohl kaum anzunehmen. Auch wenn die - nachträglich geänderten - Verjährungsregelungen nicht greifen, ist der Strafverfolgungsanspruch zumindest verwirkt, wobei sich das Umstandsmoment aus der jahrelangen Nichtverfolgung ergibt.

    2. Auch dogmatisch lässt sich eine Verurteilung nicht begründen. Einerseits ist die Kausalität von Zafkes Handlungen nicht gegeben. Denn wenn man seine "Beihilfehandlung" wegdenkt, wären genau so viele Betroffene getötet worden.
    Zudem stellt sich die Frage, ob (nach dem Strafrecht im Zeitpunkt der Tat) eine vorsätzliche, rechtswidrige Haupttat vorlag. Denn was damals Recht war, darf jetzt kein Unrecht sein.
    Aber selbst wenn die Tötungen der Insassen damals einen Straftatbestand erfüllt hätte ist die Frage, ob der Erfolg den jeweiligen Handelnden (objektiv) zuzurechnen ist. Denn letztlich erfüllte sich für die getöteten das ihnen vorbestimmte Schicksal (vgl. Final Destination). Daher ist schon das Erfolgsunrecht nicht gegeben.

    Letztlich ist dem Richter Klaus Kabisch nicht Rechtsbeugung vorzuwerfen, vielmehr verfolgt die Staatsanwaltschaft Unschuldige (aus rechtlichen Gesichtspunkten). John Demjanjuk hat der Verfolgungseifer der deutschen Justiz schon ins Grab gebracht. Will der hier agierende Staatsanwalt einen Greis auf dem Gewissen haben ?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 20.04.2017 15:39, McSchreck

      John D. wäre sicher auch ohne "den Verfolgungseifer" gestorben, allerdings in Freiheit. Er war aber kein junger gesunder Mann, sondern sehr alt und geschwächt.

    • 20.04.2017 19:42, Philipp A.+Kerner

      Enes Scholkaldetten schreibt: "Zudem stellt sich die Frage, ob (nach dem Strafrecht im Zeitpunkt der Tat) eine vorsätzliche, rechtswidrige Haupttat vorlag."
      Die Frage ist zweifellos zu bejahen. Mord und Totschlag waren in Deutschland wie auch in Polen strafbar. Die Nationalsozialisten haben viel Unrecht in der Form von Gesetzen begangen. Darüber, wie man diese Verwerfungen löst, kann man diskutieren, wobei ich Ihren Ansatz "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein" nicht für der Weisheit letzten Schluss halte.
      In Bezug auf die Shoa haben die Nationalsozialisten aber nicht einmal den Versuch einer formalen Rechtfertigung unternommen. Jeder der von der Shoa erfuhr, wusste gleichzeitig, dass sie Unrecht war.

  • 20.04.2017 16:24, ULLRICH DOBKE

    Was ist denn Gegenstand der Anklage? Ist eine entsprechende Erweiterung der Anklage erfolgt und zugelassen? Wenn nicht, dann können die Nebenklägervertreter ihren Hut nehmen!
    Mich wundert es im übrigen, wie man neben seinem Pflichtenbuch als Hochschulprofessor noch eine so umfangreiche Nebenklägertätigkeit wahrnehmen kann, ohne daß Forschung und Lehre Schaden nehmen. Ist die Nebentätigkeit genehmigt? Der Steuerzahler als Finanzierer des Professors erwartet zu Recht, daß er sich Forschung und Lehre mit voller Hingabe widmet! Vielleicht nimmt noch jemand Stellung, vielleicht sogar Prof. Nestler selbst?
    Im übrigen meine ich, daß uns Berufsjuristen die fragwürdigen Entscheidungen der Justiz und aber sicher auch OLGs ja hinlänglich bekannt sind. Die Fehler, die bei den Staatsanwaltschaften gemacht werden schließe ich ausdrücklich mit ein ! (:o/)

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 20.04.2017 17:10, ULLRICH DOBKE

    Ich habe noch ein Problem! Lieber Artikelverfasser, habe ich richtig verstanden: ein Sanitäter, der in der sicher mehr als fragwürdigen SS sein Dienst machte, wurde wohl in diese Dienststellung abkommandiert für den Zeitraum
    15.8. - 14.9.44?!
    Seine Anwesenheit allein soll also schon reichen für den Anklagevorwurf und den weiteren Vorwurf der Nebenklage?!
    Bis auf diesen einen Monat befehlsgemäßer Anwesenheit als Sanitäter (in welchem Verhältnis zu den bedauernswürdigen Zwangsinsassen des KZs eigentlich?), stellt sich mir die Frage des Lebens des Angeklagten danach (fast 75 Lebensjahre
    unbescholten?) und auch davor eines untadeligen Lebens- wandels? Wie sieht das mit den Überlebenden des Bundesjustizministeriums aus, die Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus (schamhaft?) deckten, also im Verdacht stehen und gestanden haben Strafvereitelung im Amt u.ä. begangen zu haben, insbesondere aber auch mit Blick auf Staatsanwaltschaftsmitarbeiter die ihre Aufgaben möglicherweise bewußt vernachlässigten?
    Ich finde eigentlich, daß zu viel Aufhebens gemacht wird und pflichte insoweit auch dem ersten weitrahmigen Kommentator zu: Wir müssen im Vergleich zu anderen nicht die Besten sein in Aufarbeitung, für mich wirkt es mittlerweile überzogen und hat einen zu politischen Hintergrund!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 21.04.2017 21:41, Fisch

    Ich denke, dass jedes, durch Völkermord ausgelöschte Menschleben, das Aufheben mehr als wert ist.
    Was hat die Aufarbeitung der Völkermorde des einen Landes mit den anderen Nationen zu tun?
    Ein unpassenderes Wort als -wegdenkt- hätte man im Zusammenhang mit diesem Thema nicht finden können.
    Leider.

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