Staatsexamen oder Bachelor of Laws?: Der schwere und der leich­tere Weg

von Sabine Olschner

29.09.2016

Wer sich für Jura interessiert, hat zwei Studienabschlüsse zur Auswahl: das Staatsexamen und den Bachelor bzw. den Master of Laws. Vor dem Studienbeginn sollte man sich aber genau überlegen, welcher Abschluss für einen selbst der sinnvollere ist.

 

"Angehende Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Notare benötigen die Befähigung zum Richteramt, daher kommen sie um ein Jurastudium mit zwei Staatsexamina und das Referendariat nicht herum", erklärt Dr. Matthias Kober, Prodekan für akademische Angelegenheiten an der juristischen Fakultät der Universität Augsburg. Doch die oben genannten Berufe sind nicht die einzigen Einsatzgebiete für Juristen.

Auch in der Wirtschaft, in Behörden und Verbänden sind Juristen beschäftigt, etwa in der Personalabteilung, in der Compliance-Abteilung oder in der internen Rechtsabteilung, dem sogenannten Justiziariat. "Für diese Aufgaben muss man nicht unbedingt ein Volljurist sein, hier reicht unter Umständen der Abschluss Bachelor of Laws", weiß Kober.

Der Bachelor-Abschluss LL.B. (Legum Baccalaureus) wurde im Zuge der Bologna-Reform Anfang des Jahrtausends an mehreren Universitäten und Hochschulen eingeführt, weil Unternehmen sich Juristen wünschten, die auch Bilanzen lesen können und sich mit Wirtschaftsfragen auskennen. Deshalb enthalten die meisten Bachelor-Studiengänge nicht nur rechtswissenschaftliche Anteile, sondern auch wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen. "Dabei ist der Bachelor kein Abschluss zweiter Klasse", betont der Prodekan. "Er führt einfach zu einem anderen Ziel."

Gleichmäßigerer Prüfungsdruck im Bachelor

Auch der Weg zum Abschluss ist ein anderer: "Das Ergebnis des Staatsexamens hängt allein von der Leistung in der Abschlussprüfung ab. Wer das Examen nicht besteht, hat keinerlei Studienabschluss in der Hand", so Prof. Dr. Christian Waldhoff, Dekan der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. "Beim Bachelor ist es anders: Hier fließen die Leistungen des gesamten Studiums in die Endnote ein. Das übt weitaus weniger Druck auf die Studierenden aus."

Die meisten entscheiden sich trotzdem noch immer für das klassische Jura-Studium: Im Jahr 2014 haben laut dem Statistischen Bundesamt über 8000 Jura-Absolventen das Staatsexamen gemacht, rund 700 schlossen mit dem Bachelor of Laws ab, rund 900 mit dem Master of Laws.

Wer noch nicht weiß, ob er sich das juristische Staatsexamen zutraut, kann sich den Studiengang "Unternehmensjurist" an der Universität Mannheim anschauen: Hier haben die LL.B.-Absolventen die Option, nach ihrem Abschluss auch noch das Erste Juristische Staatsexamen zu erwerben. In den "Ergänzenden Studien zur Ersten Juristischen Prüfung" wird der nach dem Bachelor noch fehlende Staatsexamenspflichtstoff im Öffentlichen Recht und im Strafrecht gelehrt. Fällt der Studierende durch das Examen, hat er zumindest den Bachelorabschluss in der Tasche. Diese zweifache Abschlussmöglichkeit bieten derzeit nur wenige Hochschulen - an den meisten müssen sich Studieninteressierte für den einen oder den anderen Weg entscheiden*.

Wie die Wirtschaft Bachelor und Master bewertet…

Doch mit welchem Studienabschluss haben Absolventen die besseren Chancen? Ist der Bachelor bzw. der Master of Laws wirklich den beiden Staatsexamen ebenbürtig? Arbeitgeber sind unterschiedlicher Ansicht.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) zum Beispiel beschäftigt Mitarbeiter beider Abschlüsse. "Für die Rechtsberatung PwC Legal, bei der wir unsere Mandanten auch vor Gericht vertreten, ist ein Staatsexamen natürlich unverzichtbar", sagt Recruiting- und Personalmarketing-Leiter Dr. Folke Werner. "Für alle anderen Bereiche ist auch ein Bachelor of Laws oder das Erste Staatsexamen ausreichend." Die Karriereaussichten seien für beide Absolventengruppen gleich, so Werner weiter. "Mit beiden Abschlüssen ist es möglich, bis zum Partner aufzusteigen."

Bei den Einstiegsgehältern gibt es leichte Unterschiede, was natürlich unter anderem an den längeren Studienzeiten liegt. Auch ein Absolvent mit dem Master of Laws bekommt zunächst mehr Gehalt als ein Bachelor-Absolvent. "An Volljuristen schätzen wir ihre intensive Ausbildung mit dem großen Praxisanteil", fasst Werner zusammen. "Dafür ist das rund acht Jahre dauernde Studium lang und aufwendig. Bachelor- und Masterabsolventen hingegen sind früher einsetzbar und oft spezialisierter, was ebenfalls Vorteile für uns hat."

* Anm. d. Red.: Hier stand zunächst, dass es die Möglichkeit ausschließich in Mannheim gäbe. Geändert am 29.07.2016, 16:17.

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Staatsexamen oder Bachelor of Laws?: Der schwere und der leichtere Weg. In: Legal Tribune Online, 29.09.2016, https://www.lto.de/persistent/a_id/20726/ (abgerufen am: 20.09.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 29.09.2016 13:49, Moritz

    "Diese zweifache Abschlussmöglichkeit ist in Mannheim einzigartig. An allen anderen Hochschulen und Universitäten müssen sich Studieninteressierte für den einen oder den anderen Weg entscheiden."

    Diese Aussage ist falsch. Die Universität Bonn bietet den Studiengang "Law and Economics" (LL.B) an. Nach diesem Abschluss ist es möglich, auch noch auf "klassischem" Weg das Staatsexamen zu erwerben. Nach erfolgreichem LL.B. kann der Student in das 5. Fachsemester Jura eingestuft werden.

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  • 29.09.2016 13:52, Dr. Faustus

    Ich würde mich nicht auf eine solche Schmalspurjuristenausbildung einlassen. Man ist doch deutlich eingeschränkt. Auch wenn sich dies ggf. erst nach mehreren Jahren im Beruf verdeutlichen mag.

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    • 29.09.2016 14:15, Franz

      Naja, wer nicht in den Staatsdienst will, kann, soweit ich das beobachten konnte, mit einem Wirtschaftsjuristenabschluss recht gut fahren. Ich habe zwei Wirtschaftsjuristen in meinem Bekanntenkreis, die gehaltstechnisch besser dran sind als viele Volljuristen, die keine guten Noten erzielt haben.

      Es muss halt jeder selbst wissen, wo er hin will und was er dafür tun möchte.

    • 29.09.2016 14:21, Florian

      Um eine "Schmalspurausbildung" handelt es sich ganz gewiss nicht. Die Einschränkungen bestehen in der Tat, allerdings nicht aufgrund der schlechteren Qualität der Ausbildung oder der Absolventen, sondern m. E. aufgrund überkommener und zum Teil sicherlich auch überholter Anforderungen - da spielen sicherlich auch Vorurteile eine Rolle ("Schmalspurausbildung"). Solche Einschränkungen wirken sich jedoch in erster Linie bei dem Einstieg in die Berufstätigkeit aus, weil schlicht die Auswahl begrenzt(er) ist. Im Laufe der Zeit, mit zunehmender Berufserfahrung und Spezialisierung der einstigen Absolventinnen und Absolventen, relativiert sich der Unterschied eher, anstatt sich zu verdeutlichen.

    • 29.09.2016 14:41, das reicht

      @ Franz und Florian: Lohnt das, dem "Dr." Faustus zu entgegnen? Da sind doch längst alle Argumente ausgetauscht. Und wer heute noch so clever Differenziertes wie "Schmalspurjuristen" vom Stapel läßt, der hat lange mehr in keinem Taxi gesessen, das bis unters Dach voll war mit Volljuristen. Besonders: vorn links.

    • 29.09.2016 16:21, Hans-Dieter

      Also allein das Wort "Schmalspurjuristenausbildung" zu benutzen und damit selbigen Studiengang abzuwerten zeigt doch eindeutig wer hier auf einer "Schmalspur" unterwegs ist...

    • 29.09.2016 17:32, Franz

      @das reicht:

      Ja. Wegen eines unschönen Wortes nicht in die Diskussion einzusteigen, halte ich für verfehlt.

    • 01.10.2016 00:39, Sebastian

      So sehe ich das auch. Der Weg zum Volljurist ist lang und steinig, aber das wissen Arbeitgeber auch. Und es gibt zuviele Volljuristen, als dass für die Absolventen der "Light-Version" ausreichend viele lukrative Jobs übrig bleiben.
      Dieser Weg...wird kein leichter sein.....

    • 01.10.2016 08:17, Ignorantia facti

      Volljuristen, die argumentieren wie Sebastian, wird es nicht fallen, unter einem Chef zu arbeiten, der mit der "Light-Version" erfolgreich war.

  • 29.09.2016 14:41, Denis Basak

    Ich habe sowohl an der Universität als auch an der früheren FH (heute "University of Applied Sciences") schon gelehrt. Mein Eindruck: Die Wirtschaftsjuristen sind genauso schlau und die Ausbildung ist auch nicht wirklich weniger anspruchsvoll - nur eben anders: Kaum Strafrecht, weniger Ö-Recht, dafür aber je nach Studiengang Steuerrecht verpflichtend und vor allem viel mehr Ökonomie. Dafür aber: Viel kleinere Semesterstärken, dadurch ein viel besseres Verhältnis Studierende/Lehrende - und eben kein alles dominierendes Staatsexamen am Ende. Für nicht wenige Studieninteressierte kann das eine gute Wahl sein.
    Studienbegleitend auf dem Weg zur Staatsprüfung bietet übrigens meines Wissens auch die Buccerius Law School einen LL.B. an. Grundsätzlich für Studierende, die einen Ausstieg vor der Hürde Staatsexamen zulässt (oder auch nach einem gescheiterten Versuch) mit einem Abschluss, der eine Weiterführung in einen Master erlaubt, auch keine schlechte Alternative - aber die Akkreditierung ist für viele klassische Fachbereiche eine Hürde, die sie nur ungern angehen wollen...

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  • 29.09.2016 14:41, Christian

    Weiß man das man in Richtung Wirtschaft will Do stellt sich schon längst nicht mehr die Frage entweder oder sonder die ob man auch das Staatsexamen will wie z. B. Beim Unternehmensjurist LL.B. In Mannheim mit anschließendem Aufbaustudiengang

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  • 29.09.2016 16:16, Rassjurfari

    Meines Erachtens ist der einzige Grund einen LL.B. einem Ass.iur. oder Dipl.-Jur. vorzuziehen, dass man ihn gegenüber dem Volljuristen billiger entlohnen kann und er gegenüber dem Diplomjuristen ohne Zusatzausbildung tatsächlich mehr vorweist. Das strafrechtliche Plus des Diplomjuristen braucht - auf die Gefahr hin das hier gleich ein zu erwartender Aufschrei ertönt - in der Praxis nämlich kein Mensch und die fehlende wirtschaftliche Ausbildung des Volljuristen lernt dieser schon mit der Zeit. Es wird immer noch so scheinheilig getan, als ob es im Berufsleben so sehr auf das in der Ausbildung vermittelte Wissen ankommt. Interessant ist vor allem die antrainierte Denkweise.

    Der Aufhänger des Artikels ist auch verfehlt, da sich niemand zwischen LL.B. oder Dipl.-Jur. entscheidet. Letztere gehen nämlich regelmäßig mit der Intention an das Studium Volljuristen zu werden, scheuen dann allerdings nach dem ersten Examenshammer den zweiten zum zweijährigen Referendariat. Den Durchfallern einen LL.B. zu ermöglichen und umgekehrt den Bachelorkandidaten das Diplom anzubieten ist natürlich sinnvoll.

    Im Übrigen möchte ich, da es auch in dieser Diskussion mal wieder approbiertes Mittel ist, seine eigene Argumentation durch den Bekanntenkreis zu untermauern, kurz feststellen, dass ich keinen einzigen taxifahrenden Volljuristen kenne oder in meinem Umfeld davon gehört habe. Woher das gepflegte Vorurteil kommt, frag ich mich schon lange.

    Am besten man ist Volljurist mit Zweitstudiengang BWL.

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  • 29.09.2016 16:32, Mikro

    Ich bitte noch zu erwähnen, dass zahlreiche Wirtschaftsrechtstudiengänge berufsbegleitend angeboten werden können. So besteht die Möglichkeit, ein juristisches Studium zu absolvieren, auch wenn der Papa kein Rechtsanwalt oder sonst vermögend ist. Ein Vollzeitstudium kam zumindest bei mir aus finanziellen Gründen nach der Schule nicht in Frage.

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    • 29.09.2016 17:36, Franz

      Wobei man in Teilzeit auch das klassische Jurastudium absolvieren kann. Problematisch wird das erst im Referendariat.

    • 30.09.2016 01:18, Björn

      @Franz:

      Sie meinen vermutlich, dass es im "Repetitorium" problematisch wird. Das Referendariat zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass man Geld erhält, womit man dann nicht auf ein anderweitiges Gehalt angewiesen ist.

    • 30.09.2016 07:25, Franz

      @Björn:

      Nein, ich meinte das Referendariat. Das Referendariatsgehalt ersetzt kaum das, was bei einem Teilzeitjob gezahlt wird (was natürlich wieder auf den Job ankommt). Den kann man nebenher nur noch in Grenzen ausüben.

      Es kommt also darauf an, an was man sich in der von Mikro geschilderten Situation gewöhnt hat. Ggf. wird man eben kürzer treten müssen. Das meinte ich mit "problematisch".

    • 30.09.2016 09:47, Björn

      Achso, in der Konstellation stimmt das natürlich, wenn man erst einen Beruf ausgeübt und an einen Lebensstandart gewöhnt hat, und erst sich erst später für ein Jura-Studium entscheidet.

      Ich bin vom Fall ausgegangen, dass jemand direkt nachm Schulabschluss ein Jura-Studium in Betracht zieht und dies mit Teilzeitjob und BAföG finanziert. Hierbei wäre es eher ungewöhnlich sich an einen höheren Lebensstandart gewöhnt, da er/sie ja weiß, dass Zeiten auf ihn/sie zukommen. Zumal dann auch die Einnahmen grundsätzlich eher auf Höhe des Referendariats-Besoldung liegen würden.

  • 29.09.2016 16:45, Mikro

    Ach so, zum Thema Schmalspurjurist. Ich habe zwei Kommilitonen, die als Wirtschaftsjuristen jetzt Leiter von Rechtsabteilungen sind. Unfassbar, für die arbeiten Volljuristen. Vielleicht liegt es daran, dass man im Studium was über Management und Personalführung gelernt hat. Ich habe im Übrigen auch einen Volljuristen in meiner Abteilung. Der hat sich auch noch nicht über seinen Wirtschaftsjuristenchef beschwert. Glück auf!

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  • 29.09.2016 17:38, Mike M.

    "Auch in der Wirtschaft, in Behörden und Verbänden sind Juristen beschäftigt, etwa in der Personalabteilung, in der Compliance-Abteilung oder in der internen Rechtsabteilung, dem sogenannten Justiziariat. "Für diese Aufgaben muss man nicht unbedingt ein Volljurist sein, hier reicht unter Umständen der Abschluss Bachelor of Laws", weiß Kober."

    Sehr viele Unternehmen wollen Volljuristen, die ein paar Jahre als Rechtsanwalt forensisch tätig waren. Ich halte das auch für sinnvoll. Jedenfalls ist man als Volljurist viel flexibler. In Behörden sehe ich überhaupt keine Anstellungsmöglichkeiten für externe Bachelors von Uni oder einer FH Pusemuckel. Denn der Öffentliche Dienst bildet den gehobenen Dienst an seinen Fachhochschulen selbst aus (duales Studium). Man sollte den Studienanfängern jedenfalls keinen Sand in die Augen streuen. Nur bei sehr BWL-nahen Studiengängen (Steuern und Bilanzen) sehe ich einen eigenen Bedarf, da diese Inhalte im Jurastudium kaum vorkommen.

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  • 29.09.2016 17:41, GrafLukas

    > "Dabei ist der Bachelor kein Abschluss zweiter Klasse", betont
    > der Prodekan. "Er führt einfach zu einem anderen Ziel."

    Ja, zu einem mit dem man NICHT
    - Rechtsanwalt
    - Syndikusanwalt
    - Richter
    - Staatsanwalt
    - Universitätsprofessor
    - Beamter (höherer Dienst)
    werden kann. Vermutlich lässt sich die Liste noch fortsetzen - das war jetzt nur "top of my mind".

    Das tolle am Volljuristen ist ja gerade, dass man sich 8 Jahre lang nicht entscheiden muss, was man werden will (ok - gute Noten vorausgesetzt). Insoweit ist auch die Bezeichnung "Schmalspurjurist" vielleicht einerseits despektierlich, enthält aber andererseits einen gewissen Kern - es fehlt eben einfach das "rechtliche Dürfen" für viele Berufe.

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    • 29.09.2016 18:20, Mike M.

      Jedenfalls finde ich es unverantwortlich, wenn Fachhochschulen (und Universitäten ohne richtige Jura-Fakultät) den Studienanfängern vorgaukeln, sie machten mit dem LL.B. etwas ganz Tolles und Exklusives. Das ist eben noch höchst ungewiss, wie die Leute auf dem Arbeitsmarkt ankommen. Hochspezialisierte Inhalte klingen natürlich immer schlauer als Bürgerliches Recht, Öffentliches Recht und Strafrecht. Hochspezialisierte Inhalte machen aber auch unflexibel und sind später vielleicht völlig irrelevant. Derzeit läuft Arbeitsmarkt ja gut, aber wie sieht es in fünf Jahren aus?

    • 29.09.2016 18:55, das reicht

      @ Mike M.: Man fragt sich, wie sich staatliche Universitäten und Fachhochschulen für derart unverantwortliches Vorgaukeln hergeben können. Kann dagegen nicht irgendeine Aufsichtsbehörde etwas unternehmen? Ganze Generationen von 17- oder 18jährigen schutzbedürftigen Menschen folgen Rattenfängern - und keiner tut etwas? Wie lange noch?

    • 02.10.2016 16:53, Frank

      Ein weiteres Zitat aus dem Text passt hierzu und ist erhellend im Hiblick auf die Einstufung der unterschiedl. Abschlüsse: "Für alle anderen Bereiche ist auch ein Bachelor of Laws oder das Erste Staatsexamen ausreichend." Ausreichend, mehr nicht.

    • 28.12.2016 16:46, Daniel L

      @GrafLukas
      Entschuldigen Sie bitte, aber woher nehmen Sie die Erkenntnis, dass Wirtschaftsjuristen nicht zum Universitätsprofessor berufen werden dürfen?
      Nach einem erfolgreich abgeschlossen Bachelorstudium des Wirtschaftsrechts (LL.B) ist es möglich, das Masterstudium des Wirtschaftsrechts (LL.M) zu bestreiten. Hat man auch dieses mit Erfolg absolviert, ist man grundsätzlich qualifiziert, zum Dr. jur. zu promovieren. Natürlich ist es (im Anschluss daran) möglich, zum Universitätsprofessor berufen zu werden. Die Forschung und Lehre und frei und steht in keinerlei Abhängigkeit zu einer staatlichen Examensprüfung. Wäre Ihre Behauptung zutreffend, so wären die Erkenntnisse der letzten Jahre im Bereich der Ökonomischen Analyse des Rechts wohl weniger beeindruckend und relevant gewesen, um nur ein Beispiel anzuführen.

      Einen Denkanstoß möchte ich bei dieser Gelegenheit einbringen:

      Zahlreiche Wirtschaftsjuristen streben mit Ihrer Wahl des juristischen Studiums nicht an, in karrierische Konkurrenz mit examinierten Juristen zu treten, sondern wählen Ihren akademischen Werdegang, um sich auf die Prüfungen zum Steuerberater und/oder Wirtschaftsprüfer oder auf Ihre Tätigkeit als Insolvenzverwalter vorzubereiten. Für diese Tätigkeiten gibt es –wie bekannt ist- keinen klar vorgegebenen akademischen Werdegang.

      Darüber hinaus vermittelt das wirtschaftsjuristische Studium in der Hauptsache eine Tätigkeitsmaxime im Bereich der Kautelarjurisprudenz, während das klassische juristische Studium eher Tätigkeiten im Bereich der Dezisionsjurisprudenz fokussiert. Damit wird zwischen Juristen und Ökonomen/Unternehmern eine Lücke geschlossen, in der Vergangenheit viele Missverständnisse produziert und viel Geld gekostet hat. Die Vorteile der akademischen ökonomischen Qualifikationen der Wirtschaftsjuristen ist wohl kaum abzuerkennen. Gegenüber den Ökonomen ist es ja beinahe beleidigend zu behaupten, dass man die gleiche Qualifikation mit etwas Berufserfahrung von selbst aneignen könne.
      Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich darauf hinweisen, dass ich keine Aussage treffen möchte, die den Inhalt hat, examinierten Juristen zu unterstellen, sie sein nicht qualifiziert, im Bereich der Rechtsvorsorge tätig zu sein.

      Ich verwendete in meinem Kommentar den Begriff des „Volljuristen“ absichtlich nicht. Ich denke, dass ein einziger Volljurist in seiner grammatikalischen Bedeutung nicht existiert. Es scheint mir unmöglich, deutschlandweit oder sogar weltweit das Recht ganzheitlich, tiefstgehend und ohne Ausnahmen in all seinen Erscheinungsformen und Auslegungsmöglichkeiten in einem Menschen zu konzentrieren. Seit jeher spezialisieren sich die Menschen – tatsächlich auch die Juristen. Die Wirtschaftsjuristen tun dies früher, die klassischen Juristen später. Ein klassischer Jurist, der 20 Jahre beinahe ausschließlich Familienrechtsangelehenheiten bearbeitet hat, darf sich wohl als Experte im Familienrecht bezeichnen, wäre mit einem Strafprozess wegen Insolvenzverschleppung aber mit hoher Wahrscheinlichkeit maßlos überfordert. Es gilt zu bedenken, dass eine Spezialisierung zwar eine quantitative Einschränkung – jedoch nicht zwangsläufig eine qualitative Einschränkung sein muss.

      Ich achte Wirtschaftsjuristen und klassische Juristen gleichermaßen. Eine Diskussion darüber zu entfachen, wer (plump gesagt) der Bessere ist, scheint mir etwa so eindeutig zu sein, wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei.

      Ich bitte zu beachten, dass ich zum Wohle der besseren und flüssigeren Ausdrucksweise auf die feminine Form von Subjektbezeichnungen verzichtet habe. Dies soll keines Falls eine geringere Wertschätzung signalisieren.

      Beste Grüße

  • 29.09.2016 19:56, Frogsoul

    Theoretisch kann man auch mit 1. Stex schon in den höheren Dienst. Mit dem 1. SteX hat man ein fast fünfjähriges Studium abgeschlossen und erhält den akadem. Grad "Diplom-Jurist". Das steht einem Master gleich. Das die öff. Verwaltung Rosinen pickt und interne Vorschriften für die Einstellung hat und dann doch nur Juristen mit 2. Stex einstellt ist eine andere Sache. Nach Tvöd reicht für den höheren Dienst mämlich einh wissenschaftliches Hochschulstudium für den höheren Dienst aus. Das Studium an der Hochschule ist jedoch bei Jura nach dem 1. Stex abgeschlossen. Das 2 Sex ist eine Ausbildung beim Gericht, mit der die Befähigung zum Richteramt erzielt wird. Solange man also nicht vor Gericht vertreten will, reicht das 1. Stex für Stellen im höheren Dienst völlig aus, bei denen eine Vertretung vor dem Ladgercht und höheren Gerichten nicht gefordert ist.

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    • 03.10.2016 22:49, Mike M.

      Wenn Sie Beamter im höheren Dienst werden wollen, brauchen Sie aber entweder ein Assessorexamen nach durchgeführtem Vorbereitungsdienst(http://www.gesetze-im-internet.de/blv_2009/__14.html) oder einen Doktorgrad.

    • 04.10.2016 00:33, LL.B.

      Mitnichten, da es mittlerweile auch die Möglichkeit gibt, über ein Assessment-Center, also eine behördeninterne Eignungsprüfung, in den höheren Dienst zu wechseln.

    • 04.10.2016 14:34, GrafLukas

      Nach dem Prinzip der Bestenauslese wird aber stets der Bewerber mit 2. Examen vorgezogen werden, weil er letztlich zusätzliche Qualifikationen hat, die mal nützlich sein könnten. Da muss man also im Zweifel lange warten, bis es mal in einer Beförderungsrunde keinen Konkurrenten mit 2. Examen gibt.

  • 29.09.2016 20:53, Theresa

    Auch an der Uni Potsdam gibt es schon seit dem WS 2013/14 die Möglichkeit sowohl einen LL.B., als auch 1, und 2. Staatsexamen zu schreiben. Hier muss man sich auch nicht entscheiden, was man machen will, denn es geht beides (bzw. alle drei Abschlüsse gehen). Man kann sich somit an dieser Hochschule zunächst einschreiben und sodann im Verlauf des Studiums entscheiden, wie man weiter verfahren möchte.

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    • 28.12.2016 16:49, Tom

      Wusste gar nicht, dass man an der Uni das 2. Staatsexamen ablegen kann ...

  • 30.09.2016 01:32, Björn

    In Münster an der WWU kann man die Kombinations-Bachelorstudiengänge "Wirtschaft und Recht" oder "Politik und Recht" studieren und im Anschluss an den Bachelor in das 4. Semester des Jura-Studiums einsteigen, um zusätzlich noch das Staatsexamen zu absolvieren.

    Wenn ich mir den Kommentarbereich hier so anguck, scheint Mannheim nicht "eine von wenigen" Universitäten zu sein, die eine Kombination aus Bachelor und Staatsexamen anbietet, sondern eher eine viele. Da die Ausgestaltungen aber anscheinend unterschiedlich sind und somit auch etwas unübersichtlich, wäre das wohl ein guter Anlass um hierüber mal einen gesonderten Artikel zu schreiben, der detailiert die Studienmöglichkeit an den unterschiedlichen Unis beleuchtet.

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  • 30.09.2016 12:15, neuester Name

    Interessante Diskussion, und es besteht aus meiner Erfahrung tatsächlich ein Sinn im LL.B. Wie ich annehme haben die meisten Diskutanten das erste Stex bestanden. Aber was ist mit den Studierenden, welche das erste nicht bestanden haben und dann nur Abiturient mit Führerschein sind, trotz erworbener Kenntnisse? Da macht die Alternative Bachelor auch Sinn. Desweiteren ist es mitnichten so, dass für Absolventen der Wirtschaftsrechtlichen Studiengänge kein Bedarf besteht. Absolventen meiner Heimat-FH kommen relativ schnell unter (meist in weniger als einem halben Jahr nach Abschluss), und werden schon im Einstieg besser bezahlt als manch einer der das zweite Stex hat und wahrlich als "freier Mitarbeiter" ausgebeutet wird.

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    • 05.10.2016 19:14, Edward

      Da hast du durchaus recht, P. :-)

  • 30.09.2016 13:23, neuester Name

    Interessante Diskussion, und es besteht aus meiner Erfahrung tatsächlich ein Sinn im LL.B. Wie ich annehme haben die meisten Diskutanten das erste Stex bestanden. Aber was ist mit den Studierenden, welche das erste nicht bestanden haben und dann nur Abiturient mit Führerschein sind, trotz erworbener Kenntnisse? Da macht die Alternative Bachelor auch Sinn. Desweiteren ist es mitnichten so, dass für Absolventen der Wirtschaftsrechtlichen Studiengänge kein Bedarf besteht. Absolventen meiner Heimat-FH kommen relativ schnell unter (meist in weniger als einem halben Jahr nach Abschluss), und werden schon im Einstieg besser bezahlt als manch einer der das zweite Stex hat und wahrlich als "freier Mitarbeiter" ausgebeutet wird.

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  • 30.09.2016 23:19, Tom

    "Fällt der Studierende durch das Examen, hat er zumindest den Bachelorabschluss in der Tasche."

    Soviel zu dem Thema, dass der Bachelor kein Anschluss zweiter Klasse sei.

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  • 01.10.2016 16:22, Reibert

    "Im gehobenen Dienst werden Juristen sowohl mit dem Ersten Staatsexamen als auch mit dem Bachelor of Laws eingesetzt."

    Entgegen landläufigen Legenden vermittelt das erste juristische Staatsexamen alleine eben keine Laufbahnbefähigung für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst. https://openjur.de/u/598707.html

    Insofern ist der LL.B. eine hervorragende Möglichkeit Menschen die endgültig durch das Zweite Staatsexamen gefallen sind und bereits etwas Anfang 30 sind und ca. 8 Jahre in ihre Ausbildung investiert haben doch noch eine berufliche Perspektive zu erweitern.

    Ebenfalls ist er gut geignet für Leute die endgültig durch das Erste Staatsexamen gefallen sind und fünf Jahre Studium nicht wegwerfen wollen oder können. (z.B. weil ein anderes Studium oder eine Ausbildung nicht mehr förderfähig sind).

    Schade, dass ein guter Teil der hier diskutierenden Personen sozial derartig inkompetent sind, dass sie überhaupt nicht in Erwähgung ziehen, dass es Menschen gibt die in den Prüfungen weniger Erfolg hatten und dennoch eine berufliche Perspektive brauchen.

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    • 03.10.2016 22:59, Mike M.

      Insoweit muss ich Ihnen Recht geben. Man könnte durchaus erwägen für die großen Scheine + Schwerpunkt einen LL.B. zu verleihen - ohne Mehrbelastung. Das macht z.B. die Bucerius Law School. Etwas bringen tut das freilich nur diejenigen die später durch das Examen fallen.

      Nur bestätigen ihre Ausführungen auch das Vorurteil, dass ein Bachelor ein Abschluss zweiter Klasse ist. Wenn man dagegen Wirtschaft & Recht auf Bachelor und zusätzlich Recht auf Staatsexmanen studiert, besteht die Gefahr, dass man sich verzettelt. Sprich, die Note im Staatsexamen - und nur die ist eigentlich relevant - könnte schlechter ausfallen.

    • 05.10.2016 16:40, Reibert

      Richtig, dass liegt aber daran, dass die ganze Situation unbefriedigend ist.

      Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass die Limitierung von Examensversuchen verfassungswidig ist (das BVerfG siehts leider anders) und darüber hinaus gefährlicher Unsinn ist.

      Es kann nicht sein, dass man für den Führerschein unendlich viele Versuche hat, obwohl man dann ein gefährliches Fahrzeug führen darf, durch das monatlich bundesweit mehrere Hundert Menschen zu Tode kommen.
      Anderseits im Staatsexamen nach zwei (drei) Versuchen Schluss ist, weil der Absolvent ja vor sich selbst geschützt werden muss. Und natürlich um die "hohe Qualität" der Juristenausbildung zu erhalten...

      WENN und (auch nur wenn), man allerdings anerkennt, dass die Zahl der Examensversuche beschränkt ist, dann brauchen wir dringend einen Abschluss zweiter Klasse.

      Dabei verkenne ich durchaus nicht, dass die Umstellung auf Bachelor/Master Folge des Bologna-Prozesses ist und die Bundesrepublik _rechtswidrig_ die Umsetzung des Bologna-Prozesses im Bereich Rechtswissenschaften verweigert.

      Persönlich wäre mir eine Umstellung auf rein universitäre Prüfungen, die dann auch unendlich oft widerholt werden können, erheblich lieber. Meinetwegen mit einem Staatsexamen als Sahnehäubchen für die Master, die das Richteramt (oder allg. den Staatsdienst) anstreben.

      Aber nach mir gehts hier leider nicht...

    • 06.10.2016 21:02, Eric

      Wenn es richtig gemacht wird, dann ist der LLB nicht einfach nur ein Trostpreis.

      Siehe zB die Fernuni Hagen. Da bauen auf dem LLB sowohl der Master wie auch der Staatsexamensstudiengang auf, wobei der LLB bei entsprechender Schwerpunktsetzung bei den Wahlpflichtmodulen und der Bachelorarbeit eigentlich bereits vollkommen ausreichend für wirtschaftsrechtliche Tätigkeiten qualifizieren würde.

      Für den LLB werden nennenswert nur beim Strafrecht und Öffentlichen Recht Abstriche gemacht, der Zivilrechtsteil ist weitgehend identisch mit dem, was jemand absolvieren muss, der LLB und das Ergänzungsstudium für das Staatsexamen parallel absolvieren möchte. Zusätzlich hat solch ein LLB Absolvent eben noch das, was kein klassischer Juraabsolvent hat, nämlich fundierte Grundkenntnisse der Betriebswirtschaftslehre, über mindestens drei verpflichtende BWL Module wie Internes und Externes Rechnungswesen, wo auch handfeste Mathematik und Stochastik beherrscht werden muss.

      Wenn ich mir das in Kombination anschaue, dann ist solch ein fertiger LLB eigentlich bereits all das, was für das Gros der juristischen Arbeitsfelder jenseits der Vertretungsberechtigung notwendig ist - nämlich fundierte Kenntnisse im Zivilrecht - zusätzlich aber noch mit betriebswirtschaftlichen Kompetenzen.

      Ich würde mir lieber einen guten LLB als Inhouse-Jurist in die Rechtsabteilung holen, als einen durchschnittlichen Volljuristen, dessen Zusatzwissen im Strafrecht Besonderer Teil oder auch in Pflichtfächern wie Rechtsgeschichte mir überhaupt nichts bringen. Und bis zu diesem Zusatzwissen hat der LLBler die selben Dinge studiert, zB an der FU Hagen, wo es keine separaten Sachenrechts-Kurse für LLBler und Staatsexamensstudenten gibt, sondern beide das identische Sachenrechts-Modul belegen und bestehen müssen und dabei identisch bewertet werden.

      Wenn an manchen Unis der LLB hingegen einfach analog des "Diplomjurist" als Trostpreis vergeben werden sollte, dann haben die Absolventen davon genauso wenig - nämlich exakt nix - wie schon bisher vom "Diplomjurist". Im Gegensatz zum LLB Absolvent, der nun einmal eine vollständige Akademikerausbildung inkl. Bachelorthesis absolviert hat, bleibt die Ausbildung von jemand mit nur 1. Staatsexamen schlicht und ergreifend unvollständig. Das ist ähnlich, wie zwar ein fertiger Arzt besser als eine Krankenschwester qualifiziert sein mag, um ein Extrembeispiel zu bringen, ein Arzt der es aber gerade einmal das 1. Staatsexamen bestanden hat und dann aufhörte bzw. endgültig nicht bestanden hat, der ist trotzdem schlechter qualifiziert als jede vollständig examinierte Krankenschwester. Es ist und bleibt eine unfertige Ausbildung.

      Nur, dass niemand auf die Idee käme, das Gegenteil zu versuchen zu faken, indem man einem solch gescheiterten Medizinstudent als Trostpreis mal eben das Krankenpflegerexamen auf Antrag aushändigt. Wahrscheinlich, weil das grob fahrlässig wäre und Menschenleben gefährden würde.

      Wieso man aber unfertige Juristen meint mit einer Mogelpackung mit erfolgreich studierenden Bachelorabsolventen gleichstellen zu müssen, das erschließt sich mir nicht. Man erweist denen nicht nur einen Bärendienst, man schadet auch den "richtigen" Bachelor of Laws, weil die Arbeitgeber als Gegenreaktion auf die "freihändige Vergabe akademischer Grade als Trostpflaster" an gescheiterte Jurastudenten nachvollziehbarerweise auf Distanz zu allem, außer dem Volljuristen bleiben.

      Vielsagend ist dazu folgendes Zitat aus dem Artikel:

      "Denn für die Betreuung und Bearbeitung komplexer Zusammenhänge und Themen zum Beispiel in den Bereichen Vereinsrecht, Versicherungsrecht, Datenschutz, IT-Recht, Kartellrecht, Markenrecht und Presserecht ist aus unserer Sicht eine Vollausbildung notwendig"

      Ein nicht nur als Trostpflaster verliehener Bachelor of Laws ist eine Vollausbildung und zwar in all den vorgenannten Rechtsgebieten! Mehr noch, weil der Unterschied zum Volljuristen beim universitären Teil v. a. darin besteht, dass Grundlagenfächer wie Rechtsgeschichte und große Teile aus dem Öffentlichen Recht und Strafrecht ausgelassen werden kann sich noch viel stärker auf diese vorgenannten Rechtsgebiete konzentriert werden. Man könnte jedem, der denkt nur der klassiche Volljurist habe eine "Vollausbildung", auch provokativ entgegen halten, dass der klassische Volljurist von allem ein bischen kann, aber nichts so richtig. Daher ja auch (folgerichtig) die zunehmend obligatorischen Spezialisierungen zB über den Fachanwalt.

  • 01.10.2016 16:44, LL.B.

    Vielleicht ist es geschätzten Kommentatoren verborgen geblieben, dass die Umstellung auf Bachelor und Master dem Bologna-Prozess und somit eine stärker vergleichbare Hochschullandschaft im europäischen Binnenmarkt erreichen sollte. Dieser mE löbliche Ansatz der Harmonisierung ist natürlich auch von Lobbyisten unterschiedlicher Institutionen und deren Zielen verfolgt und beeinflusst worden; insbesondere Juristen und Mediziner haderten mit der Umstellung, obwohl ausserhalb DEU niemand etwas mit Begriffen wie Staatsexamina oä was anfangen kann. Vllt. war das aber auch die Angst vor ungekannter Konkurrenz, die den durchschnittlichen Teil- und Volljuristen auf dem Arbeitsmarkt begegnen könnte und auch kann... Bestes Bsp. war in meinem Umfeld die freundschaftliche Beratung im Arbeitsrechtsstreit einer Nachbarin mit ihrem Arbeitgeber. Nachdem ich zwei kostenlose Schreiben für die Nachbarin aufgesetzt hatte und bat abzuwarten was vom Arbeitgeber käme, ging sie trotzdem zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht. Nach einer reinen Beratungsstunde war sie 200 € ärmer und der Volljurist hat meine Schreiben als genau richtig eingeschätzt - mehr tat der Anwalt indes nicht. Am Ende gab es eine ordentliche statt fristlose Kündigung und der Resturlaub wurde ausbezahlt.
    Im Endeffekt, meine ich, dass den Bachelor- und Masterabsolventen, um den Bologna-Prozess erfolgreich abzuschliessen, auch selbstständig rechtsberatend tätig sein dürften - vor allem in erstinstanzlichen Verfahren sind sich meiner Erfahrung nach viele der Damen und Herren Juristen "zu fein", um "Mütterchen-Mü" ihre 11,80 € im Verfahren gegen eine Krankenkasse oä geltend zu machen.
    Hier muss der Gesetzgeber neu ansetzen - und zudem kann auch ein "guter" Bachelor-Absolvent zB an der Fernuni Hagen ohne Master promovieren, wenn er fünf bestimmte Module mit mind. 2,0 erfolgreich bestanden hat, Promotionsordnung ReWi ab 21.12.13, Para 6, 4. Aufzählung.
    ISe lebenslangen Lernens ist das Bachelor-, Master-Sytem also weitaus besser geeignet als die Staatsexamensprüfungen.

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    • 02.10.2016 17:05, Frank

      Nur weil es in einer Prüfungsordnung der Fern Uni Hagen (die ja selbst auch Eigeninteressen hat) drin steht, dass man ggf. mit einem guten Bachelor evtl. promovieren kann, heißt das noch lange nicht, dass a) das gut ist, b) es der Regelfall werden sollte, c) das "Bachelor-, Master-System" sich pauschal also weitaus besser geeignet erweist als die Staatsexamensprüfungen, d) pauschal alle Bachelor- und ggf. Master-Absolventen weitaus besser geeignet für eine volljuristische Tätigkeit als Juristen mit beiden Staatsexamensprüfungen oder gar die besseren Menschen sind (den Eindruck vermitteln allerdings viel Beiträge pro Bachelor). Wer mit einem Bachelor beginnt, fängt etwas anderes an, als ein Jurastudent an einer Uni; wer Zahnmedizin studiert, kann dadurch ja auch nicht Augenarzt o.ä. werden. Und was das spätere Gehalt (sowieso allenfalls ein Indikator für wirtschaftlichen Erfolg) mit der Qualität der Ausbildung, des generellen Ausbildungsgangs oder einzelner Absolventen haben soll, entzieht sich meiner inzwischen über 25 jährigen praktischen Erfahrung ... (PS: betriebswirtschaftliche Kenntnisse anhand von Abschlüssen gleich welcher Art werden überbewertet, das für die Praxis notwendige lässt sich in ausreichendem Umfang in der Praxis lernen. "Soft skills" hat man ohnehin oder auch nicht; lassen sich aber nicht erlernen.)

    • 04.10.2016 00:46, LL.B.

      Das ist abwertend, was Sie da äussern und stand nicht in meiner Intention. Bessere Menschen? Weil? Warum? ME sollte nichts hineininterpretiert werden, was nicht eindeutig gesagt wurde - Grundlagen der Fallanalyse... Bachelor- und Master sind, wie schon gesagt, etwas anderes; weil mit einem anderen Ziel eingeführt worden. Wenn man sich, und das habe ich, vor einem rechtswissenschaftlichem Studium intensivst informiert über die Unterschiede u Gemeinsamkeiten zwischen Bachelor und Examen, dann habe ich mich vor dem Hintergrund des "sicheren Wegs" für ein drei-jähriges Studium mit Abschluss entschieden, um möglichst zeitnah ins Berufsleben einsteigen u für die Familie Geld verdienen zu können, ohne Gefahr zu laufen, nach fünf Jahren nur mit nem Abi dazustehen... u mittlerweile kann man sogar in Hagen die EJSP nachholen u doch noch zumindest das Anwaltsexamen abschliessen. Toll!?! Im Übrigen sind die Unterschiede bei den Lerninhalten nicht allzugross, ausser, dass halt die Referendariate nicht vorgesehen sind, wodurch im Endeffekt die fünf bzw sieben Jahre auch entstehen.

  • 05.10.2016 07:13, Frank

    Die abwertende Intention Ihrerseits ergibt sich aus Ihren Formulierungen " ... vor allem in erstinstanzlichen Verfahren sind sich meiner Erfahrung nach viele der Damen und Herren Juristen "zu fein ..." und " ... ist das Bachelor-, Master-Sytem also weitaus besser geeignet als die Staatsexamensprüfungen". Da war nicht hinein zu interpretieren. Das ist Ihre Aussage und damit ihre Meinung.

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    • 05.10.2016 10:21, LL.B.

      Wie Sie richtig zitieren, schildere ich meine subjektiven Eindrücke, dass ist noch nicht bewertend. Und m.E. doch auch nachzuvollziehen vom Standpunkt eines examinierten Juristen, der sich mit erstinstanzlichen Streitwerten und der, wenn er es richtig macht, eingehenden Einarbeitung in den Fall, kann dabei sein Salär doch nicht so richtig einbringen. Daher ist es doch nur folgerichtig, auch um Erfahrungen mit den Bachelor-Master-Absolventen zu sammeln, diesen zumindest einstweilen nach einem bestimmten Evaluationszeitraum die rechtliche Vertretung in erstinstanzlichen Verfahren ohne die Einschränkungen des RDLG zu ermöglichen. Oder auch die aussergerichtliche Beratungstätigkeiten zu ermöglichen (Widerspruchsverfahren, Fallgutachten...). Der geneigte Kläger kann dann immer noch, aber auf fachwissend basierend, zu einem Examensträger gehen. Mit einem wualifizierten Gutachten in der Hand nimmt das dem vertretungsberechtigten Anwalt sogar zeitlich intensive Recherchearbeit ab.

  • 05.10.2016 11:16, Anne Voigt

    Das Motto an der Universität Potsdam lautet nicht „entweder – oder“, sondern „sowohl – als auch“! Hier ist der LL.B.-Abschluss in der "ganz normalen" Juristenausbildung mit primären Abschlussziel "Erste Juristische Prüfung" (1. Staatsexamen) integriert. Die Studierenden legen wie gewohnt ihre Zwischenprüfung ab, erwerben die Scheine der Fortgeschrittenenübungen, die rechtswissenschaftliche Sprache und Schlüsselqualifikation. Ebenfalls muss das juristische Pflichtpraktikum absolviert werden. Zusätzlich zum Curriculum des Jurastudiums (1. Staatsexamen) wird eine juristische Bachelorarbeit angefertig und eine Spezialisierung in einem außerjuristischen Profilfach ausgewählt. Danach wird als erster Abschluss der Bachelor of Laws verliehen. Im Anschluss legen die Studierenden im Regelfall die Schwerpunktbereichsprüfung ab und die Erste Staatsprüfung. Das Studium bietet somit den klassischen Weg zum Volljuristen, aber auch die Spezialisierung über einen Bachelor of Laws mit anschließender Möglichkeit eines Masterstudiums.

    http://www.uni-potsdam.de/jura/studium/llb.html

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  • 06.10.2016 20:38, Eric

    In der Kommentar-Diskussion werden mal wieder Äpfel und Birnen verwechselt.

    Zunächst ist ein Bachelor Of Laws, auf dem auch ein klassisches Staatsexamen aufgesetzt werden kann, der an einer Universität (sei es die Fernuniversität Hagen) erworben wird sicherlich inhaltlich anders zu bewerten, als "Wirtschaftsjura" an einer Fachhochschule.

    Zweitens ist ein Bachelor of Laws nicht einfach nur ein anderer Abschluss, so sind zB an der Fernuni Hagen verpflichtend mehrere Module eines BWL Studiums zu belegen. Dieses zusätzliche Grundwissen ist auch nichts, dass sich ein klassischer Jurist mal eben nebenzu "reinpfeifen" kann. Auch wird in den rechtlichen Fächern ein gewisser wirtschaftlicher Schwerpunkt gelegt, zB deutlich mehr Insolvenz - oder Wirtschaftsstrafrecht als bei klassischem Jura, dafür weniger allgemeines Strafrecht "mit Mord und Totschlag". Bei klassischem Jura angebotene Zusatzveranstaltungen wie Arbeitsvertragsrecht sind ebenfalls beim Bachelor of Laws verpflichtet.

    Somit bekommt man, wenn man einen LLB Absolventen einer Uni einstellt, eben nicht einfach einen "kleinen Volljuristen", sondern einen Juristen mit deutlichen wirtschaftlichen Kompetenzen, die der normale Volljurist schlicht nicht vorweisen kann.

    Man vergleicht ja auch nicht Einzelhandels- und Großkaufmänner bei der dualen Berufsausbildung 1:1 miteinander o. ä.
    Da es recht wenige Volljuristen gibt, die zusätzlich noch BWL studiert haben, aber für die meisten Volljuristen leider wirklich das Klischee "iudex non calculat" zu gelten scheint, hat der Wirtschaftsjurist ganz eigene Kompetenzen.

    Freilich wird es sicherlich noch einige weitere Jahre dauern, bis dieser zusätzliche Akzeptanz am Arbeitsmarkt erhält, sodass ich aktuell schon jedem jungen Mensch dazu raten würde, zusätzlich entweder noch den Master oder eben das klassiche Staatsexamen anzuhängen und es nicht beim Bachelor zu belassen.

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  • 10.10.2016 14:58, Daniel

    Einiges spricht für nen LL.B.:

    - Bessere Noten (kenne keinen, der schlechter 2,3 abgeschlossen hat. Note 3 im Gesamtabschluss? Fehlanzeige :) ).
    - Aus vorgenanntem Grund auch geeignet für Examens-Loser, insbesondere beim 2. Examn. Kenne einige, die auf den Zug aufgesprungen sind. Die hatten dann plötzlich ne 1,7, aber kein Jurist nimmt sie verständlicherweise ernst.
    - Keine Aussicht das Leben wegzuwerfen, wenn man zweimal nicht besteht. Daher (auch) für weniger mutige geeignet.
    - Unwissenschaftlicheres Arbeiten. Den LL.B.ler erkennt man meistens daran, dass, sobald angrenzende Rechtsgebiete auftauchen, er an der Oberfläche hängenbleibt. Beispiel 1: Was bringt mir ein LL.B./LL.M. mit Schwerpunkt Steuerrecht, wenn ich a) beim Steuerstrafrecht die Grundlagen des allgemeinen Strafrechts nicht beherrsche oder b) bei der Prüfung von § 71 AO nicht weiss, was ein Teilnehmer i.S.d. des Strafrechts ist? Wer dann erst die Kommentare sichtet, brauchte doch Jahre zum Arbeiten. Beispiel 2: Wie soll ich etwas als LL.Bler im Arbeitsrecht arbeiten, wenn mir die tiefen Grundlagen von Art. 12 GG verborgen geblieben sind? Ein LL.Bler meinte dazu neulich, er wisse nicht, was der "Maunz/Dürig" sei. Das ist Oberflächlichkeit.
    - Als LL.Bler brauch man "nur" zuarbeiten oder wird Legal Assistant bei ner Großbude und darf dann für die Geldverdiener die Ergänzungslieferung einarbeiten oder Literatur "sichten". Weniger Verantwortung.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 10.10.2016 15:07, so isses

      Daniel trifft den Nagel auf den Kopf: "Unwissenschaftlicheres Arbeiten". Das ist die Steigerung von "unwissenschaftliches Arbeiten". Wenn es das ist, was die Absolventen eines Staatsexamensstudiengangs hochnäsig auf die Konkurrenz heruntergucken läßt, dann wundert es mich nicht, wenn Menschen mit einer bestimmten charakterlichen Grundausstattung hier posten, was das Zeug hält.

  • 10.10.2016 20:24, Daniel

    Stimmt, wer an der Oberfläche schwimmt, sucht Rechtschreibfehler :) Mensch, ihr LL.Bs seid nunmal Legal Assistants, warum soll das abwertend oder hochnäsig sein? Der Gesetzgeber weiss schon, warum ihr keine Anwälte oder Richter werden dürft. Das ist auch gut so.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 10.10.2016 21:07, I like it

      Wenn das für Sie ein Rechtschreibfehler ist, sind Sie genau richtig da, wo Sie jetzt sind. Und irgendwie tun mir die Leute ja auch leid, die zwar Anwälte werden dürfen, aber eben auch müssen. Da lob ich mir ein Festgehalt als Legal Assistant.

    • 11.10.2016 11:12, Eric

      Es ist nicht hochnäsig sondern schlicht falsch (ich bin im Übrigen kein "LLBler").

      Beispiel FU Hagen: dort kann jeder das Stex machen und bis ungefähr zum Schwerpunktbereich absolvieren LLBler und Stex Studenten die identischen Module und schreiben gemeinsame Prüfungen die identisch bewertet werden. Das, was dem LLBler fachlich noch zum Stex Anwärter fehlt ist dann nahezu 1:1 Bestandteil des LLM, der ebenso angeboten wird.

      Das ist keine Ausbildung von Assistenten sondern einfach eine überfällige Anpassung an Bologna.

      Dass manche FH oder Präsenzuni Bachelortitel vergibt wo weniger verlangt wird mag sein, aber das ist kein Grund Bologna im Bauschebogen abzulehnen. Die Entwicklung nach Bologna ist unumkehrbar. Irgendwann ziehen auch die Juristen nach.

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