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Ausbilder im Referendariat beleidigt: BVerfG soll über Nicht-Zulas­sung ent­scheiden

22.02.2017

Die Rechtsanwaltskammer Köln will eine Assessorin nicht zulassen, weil sie ihren Ausbilder im Referendariat beleidigt hatte. Inzwischen ist die Juristin mit einer Verfassungsbeschwerde zum BVerfG gezogen. Und bekommt nun Schützenhilfe vom DAV.

Die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft ist für viele Absolventen des Zweiten juristischen Staatsexamens der nächste Schritt und die Voraussetzung für die anstehende berufliche Laufbahn als Rechtsanwalt. In aller Regel dürfen Assessoren mit einer positiven Bescheidung ihres Antrags rechnen, ist doch mit der erlangten Befähigung zum Richteramt die wichtigste Voraussetzung erfüllt.

Garantiert ist die Zulassung damit aber nicht, wie der Fall einer Absolventin und ehemaligen Referendarin am Landgericht (LG) Aachen zeigt. Die Frau hatte 2012 ihr Zweites Examen bestanden und war im Anschluss zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Kanzlei tätig. 2014 beantragte sie die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft, die zuständige Rechtsanwaltskammer (RAK) Köln lehnte aber ab*. Die Frau habe während ihres Referendariats ein Verhalten gezeigt, welches sie als für den Anwaltsberuf als unwürdig erscheinen lasse, lautete die Begründung.

Ausbilder beschimpft, OStAin zu Grundkurs geraten

Gemeint war eine E-Mail, die die Juristin ihrem Ausbilder während der Strafrechtsstation geschickt und in der sie ihn wegen seiner angeblich unsachgemäßen Bewertung ihrer Leistungen scharf angegangen hatte. Dort schrieb sie unter anderem, er sei "ein provinzieller Staatsanwalt, der nie aus dem Kaff rausgekommen ist, in dem er versauert". Sein Weltbild entspreche dem "des typischen deutschen Staatsbürgers von 1940", mit seinem Leben und seiner Person sei er "so zufrieden wie das Loch vom Plumpsklo".

Weiter hieß es in ihrer Mail u.a.: "Als Sie mich vor sich hatten, sind Sie vor Neid fast erblasst. Ich konnte Ihren Hass geradezu sinnlich wahrnehmen. Am liebsten hätten Sie mich vergast, aber das ist ja heute out. Also taten Sie das einzige, wozu Ihnen Ihre begrenzte Position die Möglichkeit bietet: Sie stellten mir ein wirres Zeugnis aus, das an jeder Realität vorbeigeht.

Wegen dieser E-Mail war die Referendarin vom Amtsgericht (AG) Aachen wegen Beleidigung nach § 185 Strafgesetzbuch (StGB) zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt worden. In diesem Zusammenhang hatte auch die an diesem Verfahren beteiligte Oberstaatsanwältin Post von ihr erhalten, weil sie einer Verfahrenseinstellung nicht zugestimmt hatte. Die Referendarin hatte dabei die rechtlichen Fähigkeiten der Oberstaatsanwältin in Frage gestellt und ihr insbesondere zu einem Besuch einer Grundstudiumvorlesung geraten.

Die RAK sah darin einen Versagungsgrund nach § 7 Nr. 5 Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO), ein Verhalten nämlich, das die Frau als unwürdig erscheinen lasse. Die Entscheidung der Kammer wurde vom   Anwaltsgerichtshof (AGH) NRW und auch vom Bundesgerichtshof (BGH) bestätigt, der Ablehnungsbescheid blieb bestehen. Von anderer Seite wurde dagegen kritisch bemerkt, dass auf eine Tat abgestellt wurde, die nicht als Anwältin begangen worden war, sondern als Referendarin.

Nun liegt die Sache beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG). Die Betroffene sieht sich durch die Versagung in ihrem Grundrecht auf Berufsfreiheit nach Art. 12 Grundgesetz (GG) verletzt. Mit dieser Einschätzung steht sie nicht allein da. Rückendeckung kommt etwa vom Deutschen Anwaltsverein (DAV), wie aus einer umfassenden Stellungnahme hervorgeht.

Begriff der Unwürdigkeit zu unbestimmt?

Im Kern wird es um die Auslegung von § 7 Nr. 5 BRAO gehen. Die Vorschrift solle, so der DAV, dem Interesse der Allgemeinheit an einer funktionsfähigen Rechtspflege und damit dem Schutz eines besonders wichtigen Gemeinschaftsgutes dienen. Dabei hat das BVerfG in früheren Jahren die Verfassungsmäßigkeit des unbestimmten Rechtsbegriff der Unwürdigkeit immer wieder bestätigt. Der DAV äußert allerdings Zweifel, ob das unter Zugrundelegung aktueller Maßstäbe noch verfassungsrechtlichen Anforderungen entspricht. Jedenfalls aber sei eine verfassungskonforme Auslegung notwendig.

Das bedeute auch, dass nicht gleich jede Verurteilung zur Feststellung der Unwürdigkeit führen dürfe. Die RAK hätte diese vielmehr aufgrund eigener Prüfung feststellen und die konkreten Umstände des Fehlverhaltens aufklären müssen, schreibt der DAV. Es hätte geklärt werden müssen, ob das Verhalten der Beschwerdeführerin anlassbezogen in dem Sinne war, dass es als rechtlich unter den Gesichtspunkten der Meinungsfreiheit und der Wahrnehmung berechtigter Interessen (noch) zu billigende Reaktion auf ein vorhergehendes Verhalten des Ausbilders angesehen werden könne.

Außerdem argumentiert der DAV mit § 113 Abs. 2 und § 114 Abs. 2 Nr. 5 BRAO, die für bereits zugelassene Rechtsanwälte gelten. Die dort aufgestellten hohen Hürden für einen Ausschluss aufgrund eines außerhalb des Berufs liegenden Verhaltens hätte die Kammer Köln seiner Ansicht nach auch zum Maßstab nehmen müssen, an dem das Verhalten der Frau gemessen wird. Ein Verhalten, das schon bei einem bereits zugelassenen Anwalt keinen Ausschluss rechtfertigt, könne das erst recht nicht bei einem Anwärter.

Überdies habe die vorgeworfene Tat auch zur Zeit der Antragstellung bereits einige Jahre zurückgelegen. Die Kammer hätte damit zumindest prüfen müssen, ob die Tat durch zwischenzeitliches Wohlverhalten an Bedeutung verloren habe. Wann das BVerfG über die Verfassungsbeschwerde bzw. über deren Annahme zur Entscheidung befindet, ist noch nicht bekannt.

una/LTO-Redaktion

* Zunächst missverständliche Überschrift präzisiert am Tag der Veröffentlichung des Artikels, 14:19. Es geht um die Erst-Zulassung zur, nicht etwa um einen Ausschluss von der Anwaltschaft.

Zitiervorschlag

Ausbilder im Referendariat beleidigt: BVerfG soll über Nicht-Zulassung entscheiden . In: Legal Tribune Online, 22.02.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22180/ (abgerufen am: 05.08.2020 )

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Kommentare
  • 22.02.2017 14:24, Experte

    Die BRAK sieht das übrigens genauso: http://www.brak.de/zur-rechtspolitik/stellungnahmen-pdf/stellungnahmen-deutschland/2017/januar/stellungnahme-der-brak-2017-01.pdf

    • 22.02.2017 21:26, .

      Ich bin irritiert, ich hätte keine so fundierte Stellungnahme der BRAK erwartet.

  • 22.02.2017 14:36, Horst Meerhofer

    Die Gute sollte sich einweisen lassen. Hoffentlich wird sowas nie Anwältin.

    • 22.02.2017 15:28, Jemand_NRW

      Sehe ich ähnlich, mit der folgenden Abweichung:
      sowas ist schon viel zu oft Anwalt geworden!

    • 22.02.2017 16:26, @Jemand_NRW

      Hätte nicht gedacht,dass ich Ihnen jemals zustimmen würde. Aber heute ist es so weit. Sie haben vollkommen recht.

    • 01.03.2017 11:48, Jemand_NRW

      Gratuliere, weiter so - Sie sind auf dem richtigen Weg!

    • 14.03.2017 20:10, Herr Geißen

      Brauchen wir wirklich noch mehr angepaßte Anwälte, die der Justiz ohne Widerstand in den Allerwertesten kriechen? Nein, das brauchen wir nicht, wenn ein sog. Staatsanwalt meint, er kann tun was er will, dann ist die Härte des ganzen Rechtsstaats (oder was davon übrig ist) gefragt, um solchen Leuten das Handwerk zu legen. Wenn man seine Referendare schlecht behandelt, muß man auch Kritik einstecken können. Nur ein Schlappschwanz würde dann gleich zu den gewaltbereiten CSU-Schlägercops laufen und anzeige erstatten. Was ist das nur für ein armseliger Wurm, der sich von einer Frau so plattmachen läßt, bestimmt keiner, der Eier in der Hose hat. Man sollte den Ausbilder anzeigen, und ihm die Befähigung als "Staatsdiener" entziehen. Solche Ausbilder brauchen wir nicht. Ich schäme mich für solche mickrigen Justizschreibtischtäter, die ein Ego kleiner gleich 0 haben, aber einen auf dicke Hose machen. Die Frau hat nur die Wahrheit gesagt. Wird man in Deutschland jetzt dafür bestraft? Unglaublich. Die Regierung gehört endlich abgewählt.

    • 20.11.2017 07:22, OG

      Volle Zustimmung, Herr Heißen.

    • 20.11.2017 07:22, OG

      Volle Zustimmung, Herr Heißen.

    • 23.11.2017 16:34, ernstmoritzarndt

      ... " Die Gute soll sich einweisen lassen ....". Diese Äusserung halte ich für völlig daneben; da kommen die schlimmsten Befürchtungen aus längst vergangenen Tagen wieder hoch. 1.) Die Petentin hat sicherlich den bekannten "Triller unter'm Pony". Man soll sie lassen, damit sie ihren Vogel spazieren führen kann. 2.) Jeder blamiert sich so gut er das kann: Wenn diese Dame meint, mit derartigen Argumentationsschemata arbeiten zu müssen, ist das ihr Problem. Die nimmt doch niemand Ernst. 3.) Wir haben es hier in der Tat mit einer Form des Berufsverbotes zu tun und ich denke, daß die Anforderungen an ein solches Verbot extrem hoch sind. Das ist gerade das Problem der Kammern, daß sie sich mit derartigem Quatsch beschäftigen, als systematisch die Essentialia unseres Berufes zu verteidigen: Verschwiegenheitsrechte/Pflichten, Parteiverrat, Versicherungspflicht .... da spielt die Musik und nicht bei den Dingen, die hier Verfahrensgegenstand sind.

    • 04.07.2018 21:51, Angelika Hünetbein

      Hat sie leider nicht. Sie treibt weiter ihr Unwesen per Mail, wenn es nicht so geht, wie sie es will.

  • 22.02.2017 15:11, Gast

    Traumfrau.

  • 22.02.2017 16:24, Hmm

    Wi-der-lich. Bitte bitte mit saftiger Missbrauchsgebühr nach Hause schicken. Soll sie Taxi fahren gehen.

  • 22.02.2017 17:12, Michi

    Sympathien sollten nicht über Sachfragen entscheiden. Zumal ich hier offen gesagt nicht weiss, wo ich hier meine Sympathien verteilen sollte. Denn so unangemessen dieses Verhalten sein mag, ich kann mir durchaus vorstellen, was die Referendarin hier so aus der Fassung gebracht hat.

    Unter dem Strich bleibt der Eindruck, dass so mancher Jurist geworden ist, mit dem man am liebsten eigentlich nichts zu tun hätte. Aber das reicht nun einmal nicht, um jemanden aus dem freien Beruf auszuschließen.

    Vielleicht kommt ja noch etwas gutes dabei heraus und das BVerfG trifft eine Grundsatzentscheidung, mit Bedeutung über den Einzelfall hinaus. Die BRAO ist schon etwas melodramatisch, mit ihrem schwammigen Passus zum "Verhalten (...) dass [den Bewerber] unwürdig erscheinen lässt, den Beruf eines Rechtsanwalts auszuüben". § 7 Nr. 5 kann man eigentlich ersatzlos streichen, die 9 anderen Ausschlussgründe sind mehr als ausreichend und konkret formuliert.

  • 22.02.2017 18:06, Ingo

    Ich finde die Argumentation des DAV stichhaltig, eine Nichtzulassung ist ein Berufsverbot das nicht durch eine "Verwaltungsentscheidung" des RAK Köln vorgenommen werden kann. Ob die Antragstellerin dann später als Rechtsanwalt mit einem solchen Verhalten Erfolg hätte wird sich dann zeigen. Bei einer Bewerbung zum Richteramt, Staatsanwaltschaft etc. da kann ein solches Verhalten mit bewertet werden. Aber ein Zugangsverbot ist nicht angebracht.

  • 22.02.2017 21:25, Theresa

    Dem kann ich nur zustimmen. Wer das Ref mal durchgemacht hat, weiß, was einem da blüht. Das rechtfertigt in keinster Weise ihr Verhalten. Allerdings ist sie dafür bestraft worden. Daraus nun ein faktisches Berufsverbot zu machen ist m.E. zu viel. Es wird sich zeigen, ob sie als Anwältin erfolgreich sein wird. Der Staatsdienst wird es ohnehin nicht mehr, was ja auch Strafe genug ist, sollte sie je eine Laufbahn beim Staat angestrebt haben.

    • 24.02.2017 21:29, Das Ref

      Das böse böse Referendariat. Zwei Jahre Eier schaukeln für 1000 Euro im Monat. Ich hatte vor und nach dem Ref nie wieder so viel Freizeit. Ein bisschen Arbeitsgemeinschaft. Ein paar Urteilsentwuerfe. Ein paar Klausuren. Das ist das Gegenteil von Stress.

      Und wenn einen das schon so aus der Bahn wirft, dann ist man ungeeignet .. Und zwar nicht nur für die Juristerei.. Sondern für den ersten Arbeitsmarkt insgesamt. Die Dame kann ja mal fragen, ob sie irgendwo in der Krankenhauswäscherei eine Anstellung bekommt. Oder am örtlichen Bauhof Müll sortieren... Wenn ihr das nicht auch zu anstrengend ist...

  • 23.02.2017 10:57, Timo

    Weiß eigentlich irgendjemand, was die Dame dazu berechtigt, eine so hohe Meinung von sich zu haben?

    Ich wäre NIEMALS auf die Idee gekommen, auch meinen weniger qualifizierten Ausbildern bzw. Ausbilderinnen im Referendariat so etwas an den Kopf zu werfen...

    • 23.02.2017 15:54, Dr. No

      Da sitzen aber leider auch viel zu viele dieser "Ausbilder", die meiner Gott zu sein. Wer weiß unter welchem Druck man als Referendar steht, kann auch nachvollziehen, dass dem ein oder anderen Referendar in Anbetracht gottgleichen Schaltens und Waltens die Nerven durchgehen. Da sollte man eigentlich ansetzten und solche Götter von der Ausbildung ausschließen. Wer mehrfach in den Evaluierungen als Ausbilder auffällig geworden ist, gehört von der Juristenausbildung ausgeschlossen.

    • 24.02.2017 12:32, Lexy

      @ Dr. No

      Dass Jura aus irgend einem Grund viele wenig umgängliche Menschen anzieht mussten wir alle ja schon im Jurastudium an der Uni lernen. Mancher hat dann später im Berufsleben auch noch "von Amts wegen recht" und das steigt manchem zusätzlich zu Kopfe.

      Wenn dann jemand gleichzeitig auch noch junge Menschen ausbilden soll (anleiten und entwickeln, nicht tadeln oder klein machen), dann ist für viele Refs ihre Zeit im Ref tatsächlich weder lehrreich, noch angenehm, sondern aus didaktischer Sicht schlicht eine Zumutung.

      Da kann man schonmal die sprichwörtliche Faust in der Tasche geballt haben, als Ref. Nur, die Faust muss halt in der Tasche bleiben.

  • 23.02.2017 14:50, McSchreck

    entscheidend dürfte doch sein, wie diese Person heute zu ihrem damaligen Verhalten steht. Sieht sie sich immer noch als die einzige, die Ahnung hat, halte ich den Ausschluss für richtig, so einen Anwalt sollte man keinem Mandanten zumuten.

    Hat sie eingesehen, dass manche Sachen einfach nicht gehe, kann man das auch anders bewerten. Oft ändern sich solche Leute aber nicht.

  • 23.02.2017 15:20, Rainer Thesen

    Ich lege keinen Wert darauf, eine solche Kollegin zu haben. Unseren Mandanten sind auch keine Anwälte zuzumuten, die nicht über ein Mindestmaß an Kinderstube verfügen.

  • 23.02.2017 16:16, HaJo

    Zwar macht es durchaus einen Unterschied, ob es um den Ausschluss aus der u.U. langjährig ausgeübten Anwaltschaft oder um eine Neuzulassung geht. Das Argument, ein Fehlverhalten, das einen Auschluss nicht rechtfertige, könne "erst recht" einer Neuzulassung nicht entgegenstehen, trägt daher nicht. Trotzdem: Ein mit 60 Tagessätzen eher marginal bestraftes Äußerungsdelikt kann einer Zulassung zur Anwaltschaft nicht entgegenstehen. Es entstünde sonst ein evidenter Wertungswiderspruch zu der Meinungsfreiheit, die vom BVerfG - zu Recht - ständig mit einer äußerst freiheitlichen Rechtsprechung verteidigt wird.

  • 23.02.2017 17:03, Martin

    Argumentation a la "so was könne man den Mandanten nicht zumuten" oder "sowas sei zu oft Anwalt geworden" ist blind vor eigener Arroganz und übersieht schlechthin die Tatsache, dass es unterschiedliche Ansprüche gibt. Kann sich jedermann einen Birkenstock als Strafverteidiger leisten? Muss jedee Volljurist den Prädikatsansprüchen genügen? Wohl nicht.
    Der Dame wurde ein Zugang zum Volljuristen-Beruf völlig verwehrt. RAin durfte sie nicht werden. In den öDienst kann sie de facto nicht mehr. Was bleibt ihr übrig? Sachbearbeiterin bei einer Versicherung/Bank? Für mich ist das ein klarer Eingriff in das Grundrecht der Berufsausübung..und wenn das ein Eingrif ist, kann er nicht durch eine geringfügige Vorstrafe gerechtfertigt werden. Hoffentlich nimmt sich das BVerfG der Sache an.

    • 01.03.2017 11:56, Jemand_NRW

      Es geht nicht um Birkenstöcke (?) oder Prädikatsansprüche, sondern um etwas ganz Simples und Grundlegendes - um es mit dem Wort eines vorherigen Kommentars zu sagen: um halbwegs gute "Kinderstube".

  • 24.02.2017 08:44, Keiler

    1.
    Ich wundere mich immer noch über meinen Ausbilder in der Zivilstation: Proberichter mit erheblichen fachlichen Lücken und menschlich unterste Schublade. Er meinte, mit meinen angeblichen Fehlern bei Kollegen und Bekannten hausieren gehen zu müssen. Hat man hiergegen als Referendar eine Handhabe? Nein.
    Genugtuung gab es in der mündlich Prüfung. Der Vorsitzende meinte im Vorgespräch:"und ihr Ausbilder in der Zivilstation war ein A....loch?".
    Das habe ich nicht beantwortet.

    2.
    Wenn die Latte für die Zulassung zur Anwaltschaft so niedrig liegt, dann sollte man bei den Zweikampf zugelassenen Anwälten genauso handeln:
    Was ich an Beleidigungen gegenüber Gegnern und deren Anwälten lese ist unterste Schublade. Dazu wird offensichtlich gelogen (ohne Sanktion), EBs werden nicht zurückgeschickt (um Vollstreckungen aus Urteilen zu vermeiden und Fristen zu "verlängern").
    Wen interessiert das keinen.

  • 24.02.2017 09:31, Andraimon

    Wenn die Referendarin bis zu der streitgegenständlichen Äußerung immer noch nicht gelernt hatte, sich angemessen zu artikulieren, dann soll "sie sich ihr Schulgeld zurückzahlen lassen" (um diese alte Redensart anzuwenden, ich weiß, daß es so etwas schon lange nicht mehr gibt), dann ist sie jedenfalls ungeeignet: Man kann seinem Mißfallen, Unmut, Abscheu, Ekel, Entsetzen (um eine Auswahl aus der Palette zu bieten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit) auch in einer Art und Weise Ausdruck verleihen, die einen selber unangreifbar macht (oder jedenfalls wesentlich weniger Angriffsflächen bietet). Wenn die Referendarin sich unserem Berufsstande zuwenden will, so sollte sie im Umgang mit dem gesprochenen und geschriebenen Worte einigermaßen zurechtkommen. Das, was da geboten wurde, ist indiskutabel, die Entscheidungen bis hin zum BGH sind nachvollziehbar. Ob sie inzwischen etwas dazu gelernt hat, kann ja das BVerfG im Rahmen einer Zurückverweisung an die Fachgerichtsbarkeit überprüfen lassen, falls denn der Verfassungsbeschwerde stattgegeben werden sollte.

  • 24.02.2017 12:08, Hunde die Bellen...

    Dann hoffen wir mal, dass das BVerfG mehr Augenmaß beweist als einige kleine Kläffer in der Kommentar-Spalte.

    • 24.02.2017 23:03, .

      Danke. Es geht hier eben um die Frage, ob eine vergleichsweise lächerliche Straftat mit annähernd OWi-Charakter, die aus der Referendariatszeit ca. 4,5 Jahre vorher stammt und unter normalen Umständen unter Verweisung auf den Privatklageweg eingestellt worden wäre, ein Berufsverbot rechtfertigt - und das bei einer verfassungsrechtlich zweifelhaften - weil unbestimmten und konkretisierungsbedürftigen - Eingriffsnorm. Erst nachdem die AfD die Macht ergriffen hat, werden wir wieder soweit sein, dass einem "Stand" nur "sittlich anständige Volksgenossen" oder so angehören dürfen. Einen Gesinnungstest gibt es eben (noch) nicht. Solange muss man diese frühere Straftat dieser Assessorin nicht gut finden, sollte aber mal auf dem Teppich bleiben.

  • 25.02.2017 09:56, Andraimon

    Nach der Konstruktion unseres Rechtssystems ist mit der Erfüllung des staatlichen Strafanspruches, der Verbüßung der Strafe und Erledigung der evtl. begleitenden Maßnahmen, ~regelungen &c. der Rechtsfrieden wiederhergestellt (soweit die Theorie - ein gewisser Widerspruch dazu ist allerdings schon die Institution des Vorstrafenregisters). Wenn man aber im Strafverfahren wegen Beleidigung, so die obige Sachverhaltsdarstellung, weitere Beleidigungen hinzufügt, spricht dies nicht gerade in besonderem Maße für Realitätssinn; findet dies dann auch noch in dem Bereiche statt, den die Bewerberin sich freiwillig, ohne Zwang, als berufliche Fachrichtung erkoren hatte, dann sind in jeglicher Richtung Zweifel an der Eignung wohl angebracht - ist doch aus der Strafrechtsstation der Formelvers "...hat sich die bisherige Verurteilung nicht zur Warnung usw. dienen lassen". hinlänglich bekannt.
    Unter welchem Druck (so Dr.No) Referendare stehen sollen, erschließt sich mir nicht ("wer war der erste Referendar? - Jesus: er lebte bis zu seinem dreißigsten Jahre von seinen Eltern, und wenn er etwas tat, so war es ein Wunder") man wird alimentiert und hat dafür wenig Gegenleistung zu erbringen; daß das Assessorexamen mit seinen zwölf Klausuren auch bewußt als physische Strapaze angelegt ist, ist unbestritten, unbestreitbar, aber auch vorher bekannt, und man hat jahrelang Zeit, sich darauf vorzubereiten.

  • 25.02.2017 12:06, Theresa

    Wo haben Sie denn Examen gemacht??? Ich kann sagen, dass das in Bayern alles andere als ein Spaziergang is und man nach 20 Monaten die schriftlichen Prüfungen hat. Jahrelange Vorbereitung....is schon ne Weile her, dass das so war ;)

    • 25.02.2017 12:56, @Theresa:

      In Bayern, OLG Bezirk München, gut 10 Jahre her, VB. Geschenkt. Ganz einfach geschenkt. Das ging quasi nebenbei und mit viiiiiiel Freizeit.

    • 25.02.2017 14:55, Andraimon

      Natürlich in Bayern, sonst wüßte ich dies ja nicht; natürlich waren die zwölf Klausuren eine Strapaze; natürlich wußten wir dies vorher, man hat es uns ja ständig erzählt; und das Vierteljahr mehr, das wir nach Ihren Ausführungen hatten (meine Referendarzeit war zwei Jahre) macht ja wohl das Kraut auch nicht mehr fett (ich war allerdings keineswegs traurig darüber, daß die zwei achtstündigen Klausuren, die meine Mutter noch zu schreiben hatte, schon Jahre vor meinem Examen ersatzlos gestrichen worden waren, daß man diese nur noch als schaurige Erzählung kannte).
      Wenn die Antragstellerin sich nicht wesentlich geändert (gebessert) haben sollte, dann wäre es sicher interessant, zu erleben, wie sie sich bei einem etwas widerspenstigen Mandanten und zudem bei einem ironisch-provokativ auftretenden Gegner verhielte . . .

    • 01.03.2017 07:54, @Andraimon

      Das sind die lustigsten Verhandlungen, wenn man so ein HB-Männchen (bzw in diesem Fall "Frauchen") auf der anderen Seite sitzen hat. Man weiß genau, wann man welchen Knopf drücken muss, um den Kollegen drüben komplett aus der Fassung zu bringen. Ich lach mich immer kringelig und mach mir einen Spaß draus.

  • 25.02.2017 13:21, Theresa

    Na dann mach ich wohl was falsch ;). Immerhin sind es mittlerweile nur noch 11 Klausuren. In jedem Fall bin ich gespannt, ob das BVerfG es verhältnismäßig findet, ein faktisches Berufsverbot für die beleidigenden Äußerungen der Dame zu verhängen.

  • 25.02.2017 13:27, Theresa

    Und es würde mich auch interessieren, wie bisherige Fallkonstellationen aussahen, bei denen die Anwaltszulassung bereits tätiger Anwälte wieder entzogen wurden. Nur so als Vergleichsmaßstab. Ist z.B. ein Steuerbetrüger ein Schande für die Zunft? Und wann kann man mit einem Urteil rechnen?

    • 01.03.2017 07:52, @Theresa

      Mit dem Argument, dass ein Ausschluss voraussetzt eine "Schande für die Zunft" zu sein, machen Sie den Ausschluss aus der Anwaltschaft permanent und für alle Ewigkeit unmöglich.

      Eine Schande für etwas zu sein setzt voraus, dass ohne diese Schande das Konstrukt eine irgendwie geartete Ehre oder Ansehen hätte :o) Die Zeiten, dass Anwälten (im allgemeinen) dieser Ruf vorauseilen würde .. sind vorbei. (Was nicht ausschließt, dass es durchaus sehr sehr gute Anwälte gibt, die sich korrekt verhalten. Aber das ist nicht mehr das "Gesamtbild", dass die Verkehrsauffassung erwartet)

  • 01.03.2017 09:55, Weiblich

    Einfach weiblich!
    Die darf das weil sie ein Mädchen ist, weil sie ein Mädchen ist.
    Und ihre Unterstützerinen vom vom Juristinnen Verband ... he weil sie die Mädchen sind, weil sie die Mädchen sind.
    ~
    Was sind da schon die alten weißen Säcke von 1940, die im Kaff hängen geblieben sind. Was für ein Bild.
    Heh, weil sie die Mädchen sind, weil sie die Mädchen sind.
    ~
    Gender ersetzt eben so ziemlich jede Bildung, die moralisch, die charakterliche, die juristische, außer die sexuelle, die muss in der Kinderkrippe erworben werden...
    Weil sie die Gender sind, weil sie die Gender sind

    • 01.03.2017 10:48, HaJo

      Nicht weiblich, sondern dämlich!

  • 17.11.2017 17:33, Sündikuss

    Ich würde die sofort als Anwältin nehmen. Natürlich nicht für jede Art von Verfahren - aber für das eine oder andere schon. Die richtige Frau, im richtigen Fall.

    • 17.11.2017 17:35, McSchreck

      wenn Sie sicher verlieren wollen, bitte schön.

      Aber jemand, der so wenig mit Hirn und so viel mit Emotion arbeitet, wird kaum eine gute Vertreterin Ihrer Interessen sein.

  • 17.06.2018 23:55, peter weis

    Ich würde sie gerne als wissenschaftliche Mitarbeiterin testen: Ihr Stil ist kernig, wenn auch etwas zu heftig und sie ist jedenfalls mit ganzem Herzen dabei.