Fehlerkultur in Kanzleien: Fatale Folgen von Feh­lern

von Sabine Olschner

02.09.2017

Dürfen Anwälte auch mal Fehler machen? Die meisten Kanzleien meinen: Nein. Sie kommen aber vor, daher sollte man sich mit dem Thema Fehlerkultur durchaus befassen.

 

"Irren ist menschlich." "Wo gehobelt wird, fallen Späne." "Aus Fehlern lernt man." Es gibt immer mehr Unternehmen, die ihren Mitarbeitern signalisieren: Fehler dürfen gemacht werden und man darf darüber reden, denn das sorgt dafür, dass das Missgeschick beim nächsten Mal nicht wieder passiert. Manchmal entstehen aus Fehlern sogar bahnbrechende Erfindungen – wie etwa das Post-it, das es nur gibt, weil jemand ein zu schwaches Klebemittel entwickelt hat. Das Thema Fehlerkultur wird daher bei vielen Unternehmen mittlerweile groß geschrieben.

Nicht so bei Kanzleien. Spricht man sie auf das Thema Fehlerkultur an, erhält man Antworten wie: "Das ist für uns kein Thema." oder "Bei uns werden keine Fehler gemacht!" Schon im Studium werden angehende Juristen darauf getrimmt, auf 100 Prozent Fehlerfreiheit zu achten und damit jedes Risiko zu vermeiden. Wer sich Tippfehler erlaubt, wird schief angeschaut, bei größeren Vergehen kann es richtig Ärger geben, zum Beispiel, wenn Sachverhalte falsch gewürdigt oder Argumentationen falsch aufgebaut werden. Dabei ist keiner vor Fehlern gefeit: Missverständnisse zwischen Mandanten und Anwälten können zum Beispiel in Fehler resultieren, wenn beide nicht "die gleiche Sprache" sprechen, was vor allem bei rechtlich unerfahrenen Privatmandanten vorkommen kann.

Hinterfragen fördert die Weiterentwicklung

"Fehlerintoleranz ist bei der juristischen Arbeit gut und wichtig", sagt Christoph H. Vaagt, Managing Partner der Law Firm Change Consultants, die Kanzleien und Rechtsabteilungen bei Veränderungsprozessen beraten. Ein falsch gesetztes Komma oder die Verwechslung von "ein" mit "kein" in einem Schriftstück kann schließlich fatale Folgen haben. "Aber sich und seine Arbeit immer mal wieder zu hinterfragen, kann hilfreich sein, die Kanzlei weiterzuentwickeln."

Wie in einer Anwaltskanzlei mit Fehlern umgegangen wird, hänge meist von den führenden Partnern ab. "Gelobt wird selten", so Vaagts Erfahrung. "Stattdessen wird jeder Fehler dick rot angestrichen." Dabei gebe es oft viel mehr Spielraum, wenn es um das Thema "fehlerfrei" geht, ist der Berater überzeugt. Ist es nicht schon ein Fehler der Kanzlei, wenn der Mandant nach eigener Einschätzung zu lange warten muss?

Beschwerden sind Chefsache

Die Kanzlei Römermann Rechtsanwälte hat zum Beispiel erkannt, dass man die dankbarsten Mandaten erhält, wenn man sich ernsthaft mit Beschwerden auseinandersetzt. "Der Mandant merkt dann, dass wir ihn ernst nehmen. Oft ist nach einem Gespräch der größte Ärger schon verraucht", berichtet Kanzleigründer Prof. Volker Römermann, der sich schon seit über 20 Jahren mit dem Thema Fehler- und Beschwerdekultur beschäftigt. Ist etwas schiefgelaufen, ruft er meist persönlich den Betroffenen an – Beschwerden sind für ihn Chefsache. "Oft kann man so aus Fehlern noch etwas Positives machen: nämlich eine langfristige Kundenbeziehung aufbauen."

Wer Beschwerden ignoriert, verschenkt Potenzial, ist Römermann überzeugt. "Unsere Leistungen beruhen auf Vertrauen, daher müssen wir alles immer aus Mandantenperspektive sehen." Leider werde so etwas an den Hochschulen nicht gelehrt. Viele Kanzleien konzentrieren sich allein auf den Inhalt und unterschätzen die dienstleistungsorientierten Elemente ihrer Arbeit. Der Mandant hingegen kann die juristischen Inhalte selten nach ihrer Qualität beurteilen und schaut deswegen eher auf Äußerlichkeiten: War es im Besprechungsraum der Kanzlei zu laut? Wurde versäumt, dem Mandanten eine Abschrift des Sachverhalts zu schicken? Enthält das Anschreiben Tippfehler? Genau solche Kleinigkeiten machen in den Augen der Mandanten die Unterschiede von Kanzleien aus. Wer hier Fehler vermeidet, kann oft bei Mandanten punkten.

Zitiervorschlag

Sabine Olschner, Fehlerkultur in Kanzleien: Fatale Folgen von Fehlern. In: Legal Tribune Online, 02.09.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/24269/ (abgerufen am: 23.09.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 02.09.2017 17:47, Heinrich V.

    Das Problem ist ja, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass der Grossteil der Juristen nichts von ihrem Handwerk verstehen. Die kommen mit ihren 4 oder 5 Punkten von der Uni und werden auf die Mandatschaft losgelassen. So etwas darf nicht sein. Ich Pflege immer zu sagen "abyssus abyssum invocatis". Auf deutsch für die Durchschnittsjuristen hier: "ein Fehler zieht einen anderen nach sich". Der erste Fehler, der gemacht wird ist, jeden an der Universität zuzulassen. Sogar die bildungsfernen Arbeiterkinder (oder sollte ich sagen: Proletenbrut) dürfen mittlerweile -dank Bafög- an die Hochschulen. Vielen dank Willy Brandt.

    Der zweite Fehler ist, diese Prekariatsjuristen dann zu Anwälten zu erklären. Wenn die Eltern putzen gehen oder Kraftfahrer sind, wird an Allgemeinbildung nicht viel hängengeblieben sein bei den Kindern. Ich will mich doch nicht für gutes Geld von so jemandem beraten lassen.

    Die Zulassungskriterien zum Studium der Rechtswissenschaften müssen reformiert werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    RA Heinrich V

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 03.09.2017 14:23, Ghost

      Sie meinen ganz sicher: "abyssus abyssum invocat"

      Naja, schade! Aber sehen Sie es mal so: Peinlicher wird's für Sie jetzt nicht mehr...

    • 03.09.2017 15:07, 4gewinnt

      Dann empfehle ich Ihnen den Herren Guttenberg bei der Frage ob sie hier eine Volksverhetzung begangen haben.

  • 02.09.2017 19:16, R2D2

    Lieber Her RA H. V,
    ihr Text enthält viele Rechtschreibfehler, eine nicht ganz korrekte Übersetzung und das Gesetz ist das BAföG und nicht das Bafög. Naja, vielleicht gilt abyssus abyssum invocat ja tatsächlich.
    Freundliche Grüsse,
    ein Stipendiat aus der Arbeiterklasse

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.09.2017 20:11, Wicket Wystri Warrick

      Man darf Heinrich V. gar nicht ernst nehmen. Es handelt sich dabei nämlich um einen Linksgrünen, der hier mit mehreren Namen unterwegs ist (Heinrich, Klaus, Monika etc.) und glaubt, er wäre mit seinen Kommentaren hier politisch aktiv. So versuchte er z.B als "Klaus" schon öfters die CSU zu diffamieren, und antwortete sich dann auch noch unter anderem Namen selbst, um den Anschein einer linksgrünen Mehrheit hier im Forum zu erwecken.

      Als "Heinrich V." gibt er den hochnäsigen Juristen mit Doppelprädikat, der sich über alles und jeden herablassend äußert. Aus Neid will er damit wohl wahre Doppelprädikatsjuristen in den Schmutz ziehen. Bei Gelegenheit kotzt er sich unter diesem Namen zudem auch über die AfD aus.

      Unterm Strich ergibt sich damit ein sehr mitleiderregendes und verstörendes Bild. Diese Person hinter den vielen Namen hat anscheinend ein so leeres Leben, dass sie genügend Zeit hat, um permanent im Forum zu hocken, und täglich schon fast im Stundentakt garstig-wirre Kommentare zu verfassen. Die Krönung dieses menschlichen Debakels ist dann aber auch noch diese kindlich-naive Überzeugung, dass man auf diese Weise irgendwie die politische Überzeugung seiner Mitmenschen auch nur im Geringsten beeinflussen könnte.

    • 03.09.2017 09:14, Heinrich V.

      Sehr geehrter Herr R2D2,
      fordern Sie mich lieber nicht heraus. Als Prolet werden sie ohnehin den kürzeren ziehen. Der Umstand, dass sie Stipendiat sind ist vollkommen unerheblich. Jeder Vollidiot bekommt heutzutage Stipendien hinterhergeschmissen. Wenn man dann noch nachweisen kann aus prekären Verhältnissen zu kommen oder einen Migratioshintergrund nachweisen kann wird es sogar noch einfacher. Vielen dank SPD. An ihrer Schreibweise und ihrem besserwisserischen Gehabe erkenne ich schon, dass sie keinerlei Selbstvertrauen haben und ihre Unsicherheiten und berechtigten Selbstzweifel mit Geseier über Stipendien ausgleichen. Das finde ich arm. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sind sie sich zu fein in dir Fußstapfen ihrer Eltern zu treten? Musste es denn Abitur und Studium sein?

      Entschuldigen sie mich nun, ich fahre in die Kirche.

      Mit freundlichen Grüßen

      RA Heinrich V

    • 03.09.2017 14:28, Ghost

      @ Heinrich V.

      Wieso soll er Sie nicht herausfordern? Beantragen Sie sonst Freigang in Ihrer Psychiatrie, um sich mit Ihm zu duellieren?!

  • 02.09.2017 20:45, McMac

    "Bei uns werden keine Fehler gemacht!"
    Wer das sagt, hat gerade einen großen Fehler gemacht. Und eine Dummheit.
    Fehler zu mache muss positiv bewertet werden. Wer keine Fehler macht kann nicht lernen, nicht wachsen, sich nicht verbesern. Und wer behauptet keine Fehler zu macen ist so unglaubwürdig, dass es schon lächerlich ist.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 02.09.2017 20:46, McMac

    " Wer sich Tippfehler erlaubt, wird schief angeschaut"
    Das ist besonders interessant. Ich kenne keinen einzigen Anwalt, der fehlerfrei schreiben kann.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 03.09.2017 08:57, @McMac

      Ich gehe noch einen Schritt weiter: Ich kenne keinen Anwalt, der selbst schreibt... Und Korrekturlesen kostet zu viel Zeit. Ein gutes Argument wird nicht durch einen Tippfehler falsch. Wir Kegeln viel zu viel Wert auf die Form und zu wenig auf den Inhalt. Was nützt es, wenn in fehlerfreie Text das Abstraktionsprinzip missachtet wird?

      Natürlich ist es Nice to Have wenn man nicht raten muss, welche Sprache man vor sich hat... Mehr aber auch nicht

  • 03.09.2017 12:47, Ano Nym

    <blockquote>"Entschuldigen sie mich nun, ich fahre in die Kirche."</blockquote>

    Um sich die Kollekte rechtswidrig anzueignen? Wie erfolgreich war Ihr heutiger Beutezug?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 03.09.2017 15:16, Heinrich V.

      Sie Schädling!!
      Sie sollten sich schämen. Das ist eine fürchterliche Anschuldigung.

    • 04.09.2017 11:09, @Heinrich

      "Schädling" ist großartig. Das merke ich mir zur Wiederverwendung.

      #Heinrich_for_Bundespräsident

  • 04.09.2017 16:09, GrafLukas

    Was ist denn das "Qualitätssystem der BRAO"?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 06.09.2017 21:02, @GrafLukas

      Qualität im Sinne der BRAO bedeutet, dass jeder Dahergelaufene Depp mit 4,0 Punkten in zwei Examina sich ein Schild "Anwalt" vor die Tür hängen und Bullshit verzapfen darf... Deswegen gibt es eine HaftPFLICHTversicherung für Anwälte...

Neuer Kommentar
TopJOBS
Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Ge­sel­l­­schafts­­­recht/M&A

Osborne Clarke Rechtsanwälte Steuerberater, Mün­chen

her­vor­ra­gen­de Voll­ju­ris­ten (m/w) mit be­son­de­rem In­ter­es­se am ge­werb­li­chen Miet­recht und/oder dem M&A-Trans­ak­ti­ons­ge­schäft

Lenga, Wähling und Partner Rechtsanwälte PartG mbB, Mei­ßen

SYN­DI­KUS­RECHTS­AN­WALT (M / W) BE­REICH GE­WERB­LI­CHER RECHTS­SCHUTZ

Adolf Würth GmbH & Co. KG, Kün­zel­sau

Rechts­an­walt (m/w) für Han­dels- und Ver­triebs­recht

Osborne Clarke Rechtsanwälte Steuerberater, Köln

Rechts­an­wäl­te (m/w)

Hogan Lovells LLP, Mün­chen

Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter (m/w) für den Be­reich Im­mo­bi­li­en­wirt­schafts­recht

Görg, Ham­burg

Rechts­an­walt (w/m) mit Schwer­punkt Steu­er­straf­recht

Wessing & Partner, Düs­sel­dorf

Rechts­an­walt (w/m) Bau-, Pla­nungs- und Um­welt­recht

Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Es­sen

Rechts­an­walt (m/w) Ge­sell­schafts­recht

up rechtsanwälte, Augs­burg

Rechts­an­walt (m/w) Pro­jects & Cor­po­ra­te/M&A

Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Düs­sel­dorf

Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Han­dels- und Ver­triebs­recht (Pro­duct Com­p­li­an­ce/Re­gu­lato­ry)

Osborne Clarke Rechtsanwälte Steuerberater, Ham­burg

be­ruf­s­er­fah­re­nen Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Com­mer­cial (Da­ten­schutz/IT)

Bird & Bird LLP, Düs­sel­dorf

Rechts­an­walt (m/w) im Be­reich Ar­beits­recht

Allen & Overy LLP, Frank­furt/M.

Voll­ju­ris­tin / Voll­ju­ris­ten mit Schwer­punkt Im­mo­bi­li­en­recht

dennree Gruppe, Töp­en

Neueste Stellenangebote
Voll­ju­ris­ten/in­nen als Re­fe­ren­ten/in­nen in den Ab­tei­lun­gen Ren­ten­ver­si­che­rung so­wie Re­ha­bi­li­ta­ti­on und So­zial­me­di­zin
Un­ter­neh­mens­ju­rist (m/w)
Pra­xis­stu­dent/in in der Rechts­ab­tei­lung
Syn­di­kus­rechts­an­walt (m/w)
Rechts­re­fe­ren­dar (m/w)
(As­si­s­tant) Ma­na­ger (m/w) Fo­ren­sic In­ves­ti­ga­ti­ons & Da­ten­schutz
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter (m/w) für den Be­reich Im­mo­bi­li­en­wirt­schafts­recht
Le­gal Coun­sel (m/w) - Com­mer­cial