Weinrechtler im Interview: ''Eine gewisse Affinität zum Pro­dukt ist zu emp­fehlen''

Interview von Pauline Dietrich

13.08.2021

Zum neunten Mal findet in Osann-Monzel der Weinrechtstag statt. Was das eigentlich ist und was man als Juristin oder Jurist im Weinrecht so macht, verrät Christian Schwörer im Interview.

LTO: Herr Schwörer, Sie sind einer der Referenten des an diesem Wochenende stattfindenden 9. Monzeler Weinrechtstags. Was macht man denn überhaupt an einem "Weinrechtstag"? 

Christian Schwörer: Tatsächlich hat sich der jährlich stattfindende Weinrechtstag zu einer Art Forum des Weinrechts entwickelt. Zum einen kommen natürlich Juristinnen und Juristen aus verschiedenen Bereichen wie Verwaltung, Ministerien, den Verbänden, zum anderen auch zahlreiche Winzerinnen und Winzer zum Gedankenaustausch zusammen. 

Es findet also wirklich ein Austausch zwischen Politik, Wissenschaft, Verwaltung und den Winzerinnen und Winzern zu rechtspolitischen und wirtschaftsverwaltungsrechtlichen Themen statt. Alles dreht sich rund um das Thema Wein – und das auch noch in einer wunderschönen Umgebung.  

Ist das "Weinrecht" denn überhaupt ein eigenes Rechtsgebiet? 

Nun, das Weinrecht ist natürlich ein Nischengebiet, aber es ist tatsächlich ein eigenes Rechtsgebiet, auch wenn es in der Juristenausbildung keine große Rolle spielt.  

Die meisten wissen nicht, dass es etwa ein eigenes Weingesetz und Weinverordnungen auf Bundes- und Länderebene gibt. Die Grundlagen  des aktuellen Weinrechts befinden sich im EU-Recht, 1970 haben die Mitgliedstaaten hier die Regelungskompetenzen weitgehend abgegeben.  

So wurde zum Beispiel das deutsche Weingesetz oder die Weinverordnung kürzlich wieder an die Vorgaben der gemeinsamen Marktordnung der EU, die ein eigenes Kapitel zu Wein hat, angepasst. Daneben spielen für den Weinrechtler aber auch Regelungen des Umwelt-, Agrar- oder auch Steuerrechts eine Rolle.

Christian Schwörer

Das heißt, man kann Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen durchaus als Weinrechtlerin bzw. Weinrechtler bezeichnen? 

Ja, das kann man, wobei man uns in Deutschland gut an zwei Händen abzählen kann. Tatsächlich gibt es auch Literatur zum Weinrecht. 

Wieviel Regulierung steckt denn im Wein? 

Viel. Tatsächlich kann man sagen, dass alles, was Wein angeht, reguliert ist. Ein Beispiel ist die Rebsortenklassifizierung. Eine Rebsorte muss immer klassifiziert werden, bevor sie verwendet werden darf. Eine neue Rebsorte darf also erst dann für die Herstellung von Wein verwendet werden, wenn sie in der Rebsortenliste steht. Hier ist aktuell zum Beispiel die Entwicklung von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (Piwis) ein Thema.

"Ich hatte jetzt meinen ersten Referendar in Ausbildung - das würde ich gerne fortführen"

Dieses Jahr lautet das Thema des Weinrechtstags "Die Zukunft des Weinbaus". Wie sieht die aus?  

Dieses Jahr gab es eine große Reform des Bezeichnungsrechts im Weinrecht. Bisher wurden Weine als Landwein, Qualitätswein und Prädikatswein bezeichnet. Zukünftig jedoch werden die Weine die Bezeichnungen geschützte geographische Angabe (g.g.A.) oder geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) tragen. Die Herkunft wird also deutlich wichtiger.  

Eine Änderung im europäischen Agrarrecht steht auch an, sodass die Winzerinnen und Winzer verpflichtet werden, einen QR-Code auf die Flasche zu drucken, über den man zu einer Zutatenliste des Weins gelangt. Der Brennwert des Weines muss künftig direkt auf dem Etikett erscheinen. Umweltrechtlich ist die Änderung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung relevant, wo es vor allem um mehr Insektenschutz geht.  

Gibt es denn noch Bedarf an Weinrechtlern? 

Ja, wir haben natürlich auch einen stetigen Generationenwechsel. Beim Deutschen Weinbauverband e.V. hatte ich jetzt sogar meinen ersten Rechtsreferendar in der Ausbildung und würde das auch sehr gerne fortführen.  

In Norddeutschland zu wohnen ist für eine Karriere im Weinrecht dann aber eher unpraktisch, oder? 

Die Kanzleien, die Weinrecht anbieten, befinden sich natürlich eher in den Weinbaugebieten. Aber auch unter anderem in Ministerien und in der Verwaltung gibt es Möglichkeiten, in dem Rechtsgebiet tätig zu sein.  

Eine gewisse Affinität zum Produkt ist jedenfalls zu empfehlen. Das macht den Beruf dann besonders spannend. Mir jedenfalls hilft das sehr.  

Und welchen Wein trinken Sie am liebsten? 

Ich bin eigentlich ein Burgunderfan, insbesondere Grauburgunder. Aber es kommt immer auf den Anlass an. Mittlerweile trinke ich auch Spätburgunder sehr gerne, das war früher noch anders. Aber man muss an gewisse Dinge eben auch herangeführt werden. 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schwörer. 

Christian Schwörer ist Rechtsanwalt und der Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbands e.V. Am Freitag, 13. August 2021 findet der Monzeler Weinrechtstag statt.

Zitiervorschlag

Weinrechtler im Interview: ''Eine gewisse Affinität zum Produkt ist zu empfehlen'' . In: Legal Tribune Online, 13.08.2021 , https://www.lto.de/persistent/a_id/45729/ (abgerufen am: 19.10.2021 )

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