Wissenschaftsplagiat: Ein Men­schen­recht auf den Dok­torhut?

von Hermann Horstkotte

03.03.2018

Die Politikberaterin Margarita Mathiopoulos hat wegen akademischen Schwindels ihren Doktortitel verloren und kein deutsches Gericht gibt ihn ihr zurück. Jetzt zieht sie vor den EGMR – und kann deshalb einstweilen Honorarprofessorin bleiben.

Es war der letzte Versuch hierzulande und auch der ging schief: Das Bundeverfassungsgericht (BVerfG) hat, wie Margarita Mathiopoulos gegenüber LTO bestätigte, ihre Beschwerde gegen ein rechtskräftiges Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) ohne Begründung nicht zur Entscheidung angenommen.

Das BVerwG hatte, wie die Instanzen zuvor, im vergangenen  Sommer die Entscheidung der Uni Bonn bestätigt, den Doktorgrad wegen umfangreicher Plagiate in der Dissertation über Amerika zu entziehen.

Nun sieht  die Politikberaterin in einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) einen letzten Hoffnungsschimmer, um zu bleiben, was sie ist. Dabei geht es ihr nicht nur um den Doktor, sondern auch um ihre ehrenamtliche Honorarprofessur an der Technischen Uni Braunschweig (von 1995) und der Uni Potsdam (seit 2002). Denn Amt und Titel "sollen" an der TU satzungsgemäß bei "unwürdigem Verhalten", namentlich wissenschaftlichem  Fehlverhalten widerrufen werden; in Potsdam ist die Promotion "in der Regel" sogar Voraussetzung für den Professoren-Titel. Der "kann" aberkannt werden, wenn sonst das Ansehen der Hochschule leidet. Für Mathiopoulos geht es also jetzt um alles, kurz gesagt den "Prof. Dr.".

Streit im Wandel der Zeit

Die ganze Sache war überhaupt nur strittig geworden, weil die Uni Bonn 1991, vier Jahre nach Erscheinen der politikwissenschaftlichen Arbeit und ersten kritischen Stimmen aus der Fachwelt, einen Täuschungsvorsatz gleichwohl verneint und von irgendwelchen Sanktionen abgesehen hatte. Dann aber kam  Mathiopoulos 2011 doch noch zu Fall: Die Internetplattform Vroniplag Wiki monierte auf fast jeder zweiten Buchseite Plagiatsfunde, die die Uni zum Umdenken bewegten – seinerzeit, als die Plagiatsaffäre um Bundesverteidigungsminister Guttenberg hochkochte und alle Hochschulen sich wie nie zuvor für redliche Wissenschaft sensibilisierten. Die zuständige Philosophische Fakultät in Potsdam beschloss ganz voreilig – nämlich "für den Fall, dass die Bonner Entscheidung (gegen Mathiopoulos) rechtskräftig wird" –, ihr auch die Honorarprofessur zu entziehen. Dasselbe kündigte die TU Braunschweig an. Aber passiert ist das bislang nicht. 

Im Gegenteil versichert die TU ausdrücklich, die Titel-Frage nun angesichts der "geplanten Klage" in Straßburg zu klären. Eindeutiger erklärt Potsdam, "dass wir eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte abwarten werden. Erst danach  ist die Uni wieder  am Zuge" - also womöglich erst in ein paar Jahren, wenn die Honorarprofessorin schon das Pensionsalter erreicht hat. Statt Übereilung ist offenbar Geduld angesagt – mittlerweile, seit Wissenschaftsplagiate quasi normal zu sein scheinen und anders als früher kein Medienhype oder politischer Aufreger mehr sind.

Salto rückwärts in Straßburg?

Nichts kann die Hochschulen daran hindern, nach dem rechtsgültig entzogenen Doktor auch den Professorentitel abzuerkennen. Aber was kann der Gang nach Straßburg Mathiopoulos denn überhaupt noch bringen? 

Der Bonner Rechtsprofessor Klaus F. Gärditz erläutert: Rechtskräftig beendete Verfahren sind  wiederaufzunehmen, wenn der EGMR von ihm geschützte Grundrechte verletzt sieht, etwa den Anspruch auf einen fairen Prozess. Doktorhüte selber oder andere akademische Würden gehören allerdings nicht zum direkten Schutzbereich.

Die Angst des Schützen vorm Elfmeter

Warum aber zögern die Braunschweiger und Potsdamer Hochschulspitzen, die angekündigte Aberkennung wahrzumachen? Sie müssen damit rechnen, dass Mathiopoulos dagegen wieder vor Gericht zieht.

Würden dann die damaligen Berufungsverfahren öffentlich erörtert, könnten sich die beiden Unis nur  blamieren: Die Plagiatsvorwürfe gegen die Doktorarbeit waren den zuständigen Stellen bekannt, wie sich beteiligte Professoren gegenüber LTO klar erinnern. Massive Bedenken wurden aber mit Gremienmehrheit übergangen. Ein Gutachter in Braunschweig verstieg sich sogar zu der abwegigen Behauptung, die Doktorarbeit sei "vor allem von außerwissenschaftlicher Seite zu Unrecht und ohne Grundlage angegriffen worden". Mit anderen Worten: Mathiopoulos, damals Ehefrau des Bundespolitikers Friedbert Pflüger (CDU) und erfolgreiche Managerin der Norddeutschen Landesbank, werde nur von böswilligen und inkompetenten Verleumdern schlecht gemacht. Umgekehrt hoffte man  in Braunschweig wie Potsdam vielmehr, dank der brillanten Kontakte der Honorarprofessorin zu einem internationalen Kreuzungspunkt von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu werden.

Das waren alles eher leere Träume. Sie vor Gericht platzen zu lassen, schadet unweigerlich dem vielbeschworenen "Ansehen" der Hochschulen. Da können gewiefte Anwälte wohl  nur raten, die Frage der Honorarprofessur möglichst lange in der Schwebe zu halten. Die Verantwortlichen in Braunschweig und Potsdam haben das anscheinend gut verstanden.

Zitiervorschlag

Hermann Horstkotte, Wissenschaftsplagiat: Ein Menschenrecht auf den Doktorhut? . In: Legal Tribune Online, 03.03.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27321/ (abgerufen am: 20.11.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 03.03.2018 11:47, Ist das sozusagen

    eine Win-win-Situation für die Abschreibende und die Hochschulen, die sie blauäugig berufen haben, und die Anwälte, die nunmehr in fünfter Instanz Honorar verdienen? Wenn ja: Gewinnt dabei auch der Wissenschaftsstandort Braunschweig/Potsdam/Deutschland?
    Oder ist es eine Lachnummer?

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  • 03.03.2018 13:04, Hermann Horstkotte

    „Die Wahrheit reitet auf dem Pfeil der Zeit“ (Susan Sontag)
    Der Entzug des Doktorgrades war und ist immer eine Ermessensentscheidung und mithin unweigerlich auch situationsbedingt. Dabei steht der Bonner „Freispruch“ für Mathiopoulos historisch im Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Fall der Diss. Elisabeth Ströker (derzeit Philosophieprofessorin an der Uni Köln); siehe etwa Prof.Dr. Theodor Ebert: Sag mir, wie hältst Du es mit dem Plagiat? Von Elisabeth Ströker zu Annette Schavan. In: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken 68 (2014). Heft 12, S. 1070-1080 ; dazu auch Dr. Klaus Graf (Geschäftsführer des Hochschularchivs RWTH Aachen, Lehrbeauftragter Uni Freiburg) https://erbloggtes.wordpress.com/2014/11/29/die-annettchenfrage-oder-plagiatsapologetische-argumenttypologie/.
    Die Ströker-Kommission sah die Titelfrage ausdrücklich „ unter den konkreten Bedingungen der Entstehung dieser Dissertation und unter dem Einfluss der damaligen Akteure“, also der Betreuer und Gutachter. Diese belesenen „Prüfpersonen“ seien durch die Doktorandin subjektiv nicht getäuscht worden. Juristischer Berater der Kommission war Prof. Dr. Wolfgang Löwer, der heute sagt: Mit dem Nichteinschreiten gegen Ströker habe man „einen etwas dubiosen Ausweg aus einer etwas vertrackten Lage“ gesucht. Der damalige Dekan Prof. Dr. Helmut Keipert erinnert sich: „Ebenso wie in Sachen M. Mathiopoulos hat Herr Prof. Löwer als juristischer Berater auch in diesem Fall die Fakultät ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass sie bei Aberkennung des Titels das Risiko nachfolgender Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang und sich daraus möglicherweise sogar ergebenden Regressansprüchen zu bedenken habe, während sie bei Nichtaberkennung vielleicht eine Beeinträchtigung ihres guten Rufs befürchten müsse. Auch in Abwägung dieser Eventualitäten hat sich die Fakultät damals für das Nichtaberkennen entschieden.“
    Diese „vertrackte“ Geschichte aus dem Anfang der neunziger Jahre hat Löwer nach eigenen Angaben neuerdings dazu gebracht, bei der Frage der Titelaberkennung „über Verjährung nachzudenken.“ So zählt er zu den Bonner Professoren, die die zwanzig Jahre spätere Ermessensentscheidung gegen Mathiopoulos nicht befürworteten.

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    • 04.03.2018 10:49, Karl W.

      Uh, ein Blog das gegen § 55 RStV verstößt hier so zu zitieren ist aber auch mutig.

    • 04.03.2018 11:18, @Karl W.

      Nennen Sie fünf Blogs, die sich gründlich mit Wissenschaftsplagiaten befassen, und die nicht gegen § 55 RStV verstoßen. Fünf reichen. Zehn wären aber auch gut. Danke!

    • 04.03.2018 21:46, Karl W.

      Was interessiert denn das "auf andere Zeigen" im Rechtssinne? Zumal der zitierte Blog weit ab von wissenschaftlicher Erkenntnislehre ist.

    • 05.03.2018 07:33, @Karl W.

      Das gute alte Pranger-Argument. Das habe ich seit 2013 nicht mehr gelesen. Glückwunsch, Karl, in ein paar Jahren sind Sie auf dem Stand der Diskussion. Wenn Sie sich beeilen.

    • 05.03.2018 09:16, Thorsten E.

      Das übliche Argument "Wasch' mir den Pelz, aber mach mich nicht nass". § 55 RStV gilt, ganz einfach. Egal, was sich der kleine Blogger auch zurecht denken mag.

    • 05.03.2018 09:18, @Thorsten E.

      Sie haben einen ganz hervorragenden Punkt gemacht. Das Gesetz gilt. Cool. Für viele unserer nichtjuristischen Leser wird das neu sein. Hätten Sie jetzt auch noch was Inhaltliches?

    • 05.03.2018 09:30, Thorsten E.

      Woher die Gereiztheit? Die einschlägige Kommentarliteratur und Rechtsprechung bestätigt den Ansatz von Karl W. doch. Da ist auch der Inhalt, den Sie wollen - notfalls können Sie Zugriff auf die Literatur nehmen, wenn Sie in die lokale Bücherei gehen oder sich an einen juristischen Lehrstuhl wenden oder in die Uni-Bib gehen.

      Da gibt es wenig dran zu stänkern. Der RStV hat einen völlig anderen Anknüpfungspunkt als das TMG: Blogs fallen stets unter § 55 RStV.

    • 05.03.2018 09:42, @Thorsten E.

      Jetzt haben Sie nochmal gesagt, dass das Gesetz gilt - und alle Juristen überzeugt sind: Das Gesetz gilt.
      Haben Sie noch was Inhaltliches? Ich meine: zum Thema des Arikels.
      Wenn nein: Gehen Sie abmahnen.

    • 05.03.2018 10:22, Thorsten E.

      Schon eher unüblich, dass der Autor die Kommentatoren derart angeht, wo doch LTO gerade von diesen Kommentatoren lebt.

      Lässt entweder auf eine eigentümliche Geschäftspolitik von WoltersKluwer schließen, oder auf einen Trittbrettfahrer - der den Namen des Autors missbraucht - oder auf eine seltsame Wahrnehmung des Autors und der Breitenwirkung seines Artikels und der daneben in Kommentaren verlinkten Informationen.

    • 05.03.2018 11:10, @Thorsten E.

      Interessante Gedanken. Wollen Sie es nicht mal mit einer Verschwörungstheorie versuchen? Vielleicht bietet Ihnen Wolters Kluwer ein Forum?

    • 05.03.2018 11:33, Thorsten E.

      Danke, aber der einzige, der recht schreibselig ist - weil er wohl kein anderes Forum finden mag - sind Sie. Ich konsumiere die Inhalte hier und kommentiere gelegentlich. Wenn das auf Abneigung Ihrerseits stößt, dann empfehle ich Ihnen, sich noch einmal mit dem Internet der heutigen Zeit zu beschäftigen - oder ist es für Sie auch #neuland?

    • 05.03.2018 11:37, @Thorsten E.

      Damit betrachte ich meinen Versuch, etwas zum Inhalt des Texts zu erfahren statt zu § 55 RStV, als gescheitert. Trotzdem danke!

    • 05.03.2018 11:46, Thorsten E.

      Wenn Sie mehr zum Inhalt des Artikels erfahren wollen, dann sollten Sie sich an den Autor wenden. Dies ist hier ein Kommentarbereich. Soviel zu #neuland.

    • 05.03.2018 12:10, @Thorsten E.

      Manchmal wünsche ich sie mir schon zurück, die guten alten LTO-Trolle. Die haben im Nullkommanix den Kommentarbereich in eine Wüste verwandelt. Das waren noch Profis.

    • 05.03.2018 13:39, Thorsten E.

      Experten und Strategen gibt's hier, wie man sieht, ja genug.

  • 03.03.2018 13:05, Hermann Horstkotte

    Braunschweiger Streitkultur
    Zu den frühen Bedenkenträgern im Braunschweiger Berufungsverfahren zählte der Frankfurter Prof. Dr. Gert Krell. Er bemerkt im Nachhinein gegenüber LTO: „Ich habe Herrn (Dekan) Menzel, der mich wegen des Gutachtens angefragt hatte, mündlich und anhand von Dokumenten per Mail davon zu überzeugen versucht, dass die Dissertation von Frau Mathiopoulos ein Plagiat ist und ich sie deshalb für die Honorarprofessur nicht empfehlen kann. (…) Ich warum damals noch ein sehr junger Professor und vielleicht noch nicht mutig genug; habe auch zu sehr auf die Kraft der Überzeugung durch Fakten vertraut. Im Nachhinein sage ich mir, ich hätte mein Gutachten unbedingt einreichen müssen.“ S. auch Krells Aufsatz http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/plagiatsfall-margarita-mathiopoulos-wieder-ein-boeses-ende-fuer-eine-dissertation-11167331.html

    Prof. Dr. Ulrich Menzel erinnert sich gegenüber LTO u.a. so: „ Die Arbeit der damals mit dem Fall M. befassten Gremien wurde von Anfang an dadurch beeinträchtigt, dass es von Seiten der Befürworter wie der Gegner gezielte Indiskretionen geben hat, über deren Motive man nur spekulieren kann. (…) Im Fall M. war es z.B. so, dass man am nächsten Tag vertrauliche Details aus der Beratung im Senat in der Braunschweiger Presse lesen konnte. Umgekehrt hat jemand die absolut vertraulichen Gutachten Frau M. zukommen lassen, die sie später, ein unerhörter Vorgang, auf ihrer persönlichen Internetseite veröffentlicht hat.“ Nach Protest Betroffener hat Prof. Mathiopoulos die Gutachten auf ihrer Webseite gelöscht.

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  • 03.03.2018 14:24, McMac

    Also, zu plagiieren und dann gegen die Aberkennung der Titel zu klagen - das ist schon maximal dreist.

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    • 03.03.2018 14:55, Diskus

      Wenn man nie richtig gearbeitet hat und mit seiner Tätigkeit nur am Futtertrog der Steuerzahler hängt (Uni), dann ist das die folgerichtige Entscheidung.

    • 03.03.2018 15:11, Hermann Horstkotte

      Nein, zu klagen ist ein gutes Recht - dreist höchstens, wie die Hochschulen durch Nichtstun ihre höchsten Güter (Dr., Prof.) verteidigen

    • 03.03.2018 15:45, Diskus

      Die Hochschulen wissen selber, dass die Titel wohl nicht mehr den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Wert zu haben scheinen, wie früher. Ob Sie einen "Dr." haben oder nicht, schützt Sie einerseits nicht vor Dummheiten, andererseits bescheinigt das auch nicht, dass Sie wissenschaftlich Wesentliches Leisten können. Es handelt sich dabei ja nur um eine subjektive Momentaufnahme.

  • 04.03.2018 09:44, Hermann Horstkotte

    @ Weselowski; Um hier keine Fake News wuchern zu lassen: Eine ehrenamtliche Honorarprofessur führt zu keinen Renten- oder Pensionsansprüchen und der Art.-Autor ist kein Prof.

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    • 04.03.2018 10:16, Günther Weselowski

      Gut. Dann haben sich die Einwände erledigt.

  • 04.03.2018 14:57, Hermann Horstkotte

    O-Ton Potsdam
    LTO-Leser Prof. Dr. Manfred Görtemaker, damals Dekan an der Uni Potsdam, ergänzt unseren „sehr fairen Artikel“ in einer längeren Mail u.a. so:
    „ (…) Vielmehr haben wir seinerzeit in Potsdam, nachdem die Bedenken - noch sehr allgemein und keineswegs detailliert belegt - bekannt geworden waren, vor der Entscheidung des Fakultätsrats eine gutachterliche Stellungnahme von einem Kollegen an der Freien Universität Berlin eingeholt, der erklärte, eine Berufung auf eine ordentliche Professur würde er - auch aus wissenschaftlichen Gründen - zwar nicht empfehlen, aber da es hier nicht um eine wissenschaftliche Berufung, sondern "lediglich" um die Verleihung einer Honorarprofessur "aus taktischen Gründen" (zur Förderung der Errichtung eines transatlantischen Zentrums für Sicherheitsfragen) gehe, könne man eine entsprechende Entscheidung wohl treffen. Ich habe dies damals im Fakultätsrat so vorgetragen, der dann in diesem Sinne entschieden hat.
    (…)Übrigens war die Verleihung einer Honorarprofessur "aus taktischen Gründen" kein Einzelfall. So wurde zum Beispiel bei uns in der Sportwissenschaft eine Honorarprofessur an einen hochrangigen Sportfunktionär verliehen, bei dem meines Wissens gar keine wissenschaftlichen Qualifikationen vorlagen.
    Eine ganz andere Frage ist es, wie man mit der Angelegenheit heute umgeht. Letztlich wird der Fall von uns bis zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs "dilatorisch" behandelt, um eventuelle weitere Prozesse - und damit auch weiteres Aufsehen - zu vermeiden. Zudem haben Sie natürlich recht mit Ihrem Hinweis, dass mit der Honorarprofessur ja keinerlei materielle Ansprüche verbunden sind, die gegenüber der Universität bzw. dem Steuerzahler geltend gemacht werden könnten. Wenn es anders wäre, hätten wir spätestens nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die Beschwerde von Frau Mathiopoulos nicht anzunehmen, vermutlich anders reagiert.“

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  • 04.03.2018 19:55, Konrad

    Herr Gräditz hat Ihnen doch offenbar erklärt, was vor dem EGMR geltend gemacht werden kann (und zweifellos auch hier geltend gemacht wird): kein "Men­schen­recht auf den Dok­torhut", sondern die Verletzung des Anspruchs auf ein faires Verfahren (Art. 6 Abs. 1 EMRK). Der alberne Titel hat deshalb mit fairem Journalismus nichts zu tun (ein Vorwurf, der auf viele Ihrer Beiträge zu diesem Ihrem Leib- und Magenthema zutrifft).

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    • 05.03.2018 09:46, Hermann Horstkotte

      @Konrad: Im Art. wird im Zusammenhang mit Prof. Gärditz (nicht: Gräditz) ausdrücklich auf den Anspruch auf einen fairen Prozess hingewiesen. Der Hinweis in Verbindung mit dem weiteren, dass akad. Würden nicht zum direkten Schutzbereich des EGMR gehören, relativiert die Überschrift erkennbar. (Wobei ein Teaser durchaus "albern" klingen darf.)

    • 05.03.2018 09:51, @Konrad

      Horstkotte schreibt EGMR, meint aber die EMRK.

  • 05.03.2018 09:27, M.D.

    Die Uni Bonn hat zur Titel-Aberkennung ein Video ins Netz gestellt:
    https://www.youtube.com/watch?v=EDl3WZ5HwFw

    6 Minuten freie Rede zum Thema "Beschiss kommt auf den Tisch". Es wirkt fast schon absurd, wie sehr man sich um eine nachvollziehbare Erklärung bemüht.

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    • 05.03.2018 10:42, Hermann Horstkotte

      "Hochschulautonomie"
      Besonders bemerkenswert am Video ist, dass der Dekan in freier Rede feststellt, die Uni Bonn habe sich von Vroniplag Wiki zum Einschreiten "gezwungen gesehen"; sonst wäre Prof. Mathiopoulos offenbar auch Doktor geblieben.

  • 05.03.2018 13:25, Daniel

    Bin kein Jurist, aber wahrscheinlich ist das, was die Frau Prof Mathiopolus jetzt macht, also die Sachebis zum es geht nicht mehr in die Länge ziehen vor diesem Europagerichtshof, das Beste. Das geht bestimmt Jahre um jahre. Und sie is ja nicht mejhr die jüngste.
    Insgesamt versteh ich nicht, wie das mit den Aberkennungen läuft und was da richtig und falsch sein soll. Jedenfalls haben die ja damals der Frau Schavan CDU den Titel weggenommen wegen Abschreiben. In Düsseldorf, SPD. Aber der Herr Steinmeier SPD, unser Präsident, hat den Titel immer noch. Nicht weggenommen. In Gießen, SPD. Obwohl die auf der Plattform von vroniplag wikipedia meinen, dass bei Herrn Steinmeier es eigentlich mindestens genauso schlimm war wie bei Frau Schvan (kann man sich im Internet angucken, ist alles legal, rote Felder für alles was abgeschrieben ist ohne Zitate dazu).
    Ich finde das jedenfalls alles ziemlich komisch . Viell. werden doch Menschenrechte verbogen, wegen Ungleich-behandlung Danke.

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  • 06.03.2018 11:59, Holger Hembach

    Es ist richtig, dass ein Verfahren beim EGMR Jahre dauern kann. Wenn der Gerichtshof aber eine Beschwerde durch die Entscheidung eines Einzelrichters zurückweist (und das geschieht in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle), kann das sehr schnell gehen. Solche Verfahren sind oft schon in wenigen Monaten abgeschlossen.

    Allerdings frage ich mich, wie die Universitäten sicherstellen wollen, dass sie davon auch erfahren. Entscheidungen durch den Einzelrichter werden nicht mit dem Namen des Beschwerdeführers veröffentlicht. Frau Mathiopoulos könnte die Entscheidung also stillschweigend abheften und den Universitäten auf eventuelle Rückfragen mitteilen, dass sie von der Sache noch nichts gehört habe und darauf hinweisen, dass es beim EGMR eben häufig sehr lange dauere. Nach der Pensionierung hat sich das Problem dann ohnehin erledigt.

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    • 06.03.2018 21:46, Curry^

      Das ist doch dem Horstkotte sein Hobby; der wird das den Unis schon flüstern.

    • 07.03.2018 09:59, Hermann Horstkotte

      Stillhaltevereinbarung Prof. M/Uni Potsdam
      Auf Nachfrage teilt die Uni heute mit: "Frau Prof. Mathiopoulos hat mit der Universitätsleitung vereinbart, sie über den weiteren Fortgang des Verfahrens und jegliche Versänderungen der Rechtslage umgehend zu informieren." -
      "Umgehend" heißt lt. BGH so viel wie baldig und nicht irgendwann:)

  • 07.03.2018 12:56, Hermann Horstkotte

    Stillhaltevereinbarung Potsdam: Rechtsgrundlage
    Nach Verwaltungsverfahrensgesetz Brandenburg (wie anderer Bundesländer) § 55 ist eine solche Vereinbarung möglich, " wenn die Behörde den Abschluss zur Beseitigung der Ungewissheit nach pflichtgemäßem Ermessen für zweckmäßig hält."
    Endlose Zweifel, Ungewissheit sind offenbar eine "Berufskrankheit" im Professorenmilieu..

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    • 08.03.2018 11:35, Holger Hembach

      Ich glaube, die Zweifel treten vor allem dann auf, wenn sie einem gewünschten Ziel dienen. In jeder anderen Konstellation würde es heißen, dass die Einlegung einer Beschwerde beim EGMR ja nichts an der Rechtskraft der deutschen Entscheidungen ändere.

      Und was die umgehende Mitteilung angeht: Ich weiß nicht, ob der EGMR Journalisten in solchen Fällen Auskunft gibt, aber vielleicht lohnt sich eine Nachfrage zum Stand des Verfahrens in ca. sechs Monaten...

  • 08.03.2018 16:35, JvKirchmann

    Ich hoffe nur eines: dass solche Fälle juristisch ordentlich durchgeprüft werden. Offenbar stehen die Fakten - die Dissertation hätte nicht durchkommen dürfen - ja fest. Da kann ich Frau M. nur wünschen, dass sie nicht durchkommt und auch ihren Honorarprofessor verliert.Irgendwo sollten Forschung und Lehre auch etwas mit "Ethik" zu tun haben. Und die fängt schon bei der ordentlichen und ehrlichen Anfertigung von Seminararbeiten an. Mit Politikberatung mag sie gerne weitermachen, da ist sie bestens aufgehoben.

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    • 08.03.2018 17:55, Hermann Horstkotte

      Doktorhut mit "Ethik"?
      "Die Dissertation hätte nicht durchkommen dürfen" - aufgrund der Bonner Ermessensentscheidung 2011; nach der Ermessensentscheidung 1991 schien kein Einschreiten geboten.
      Begünstigende Verwaltungsakte können nach pflichtgemäßem Ermessen zurückgenommen werden. Insoweit alles okay.
      Die Entscheidungen - mal so, mal so - als Frage der "Ethik" zu verstehen, sie moralisch statt historisch zu betrachten, birgt indes die Gefahr, Sachverhalte zu vernebeln und zu verkennen. In der Bonner Gerichtsverhandlung attestierte der Rechtsvertreter der Uni Frau Mathiopoulos wegen ihrer Arbeitsweise eine "Charakterschwäche", was i.S. der Rechtsfindung völlig überflüssig war. Wenn sie mit falschen Angaben den begünstigenden Verwaltungsakt "erwirkt" hat, reicht das für die Rücknahme.

  • 15.03.2018 11:07, Hermann Horstkotte

    HonProf Mathiopoulos / TU Braunschweig
    Ergänzend zu M/Potsdam (Komm. 7.3.): Auf aktuelle Nachfrage teilt die Pressesprecherin der TU Braunschweig mit, "dass auch unsere Juristen mit den Anwälten von Frau Mathiopoulos im Kontakt stehen und vereinbart haben, von diesen umgehend über den Ausgang der Beschwerde in Straßburg informiert zu werden. Einen Vertrag darüber haben wir nicht."

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  • 26.03.2018 17:09, JoeFrazier

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass in der deutschen Akademie so ziemlich der Wurm drinzustecken sein scheint. Ein prominenter Fall aus München ( https://wissenschaftalsbeute.wordpress.com/2018/01/11/die-krise-der-max-planck-gesellschaft-gesellschaft-auf-abwegen-2/ ), bei dem ein Psychiater nur durch eine plagiierte Habilitationsschrift seinen Chefarztposten an einem Max-Planck-Institut ausfüllen kann, legt den Verdacht nahe, dass die deutsche Hochschullehrerherrlichkeit - insbesondere in der Medizin - zum großen Teil auf plagiierten Arbeiten beruht. Anders ist es meiner Meinung nach nicht zu erklären, weshalb das Verfahren bei 42% betroffener Seiten eingestellt wurde. Ein gewisser bayerischer Filz in der schönen Landeshauptstadt München tut sein übriges. Ich frage mich zum Beispiel, wie viele Stunden bei einem solchen gernegroß ein Tag wohl hat. 4 Facharztbezeichungen, 2 Dissertationen, 1 Habilitation, 2 Aufbaustudien, Chefarzt und zusätzlich im Vorstand diverser Fachgesellschaften... All das ist doch nur durch Schummelei möglich. Es ist natürlich auch die Gesellschaft, die diesen Blendern auf den Leim geht. Sic transit gloria mundi.

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  • 26.03.2018 19:01, JoeFrazier

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass in der deutschen Akademie so ziemlich der Wurm drinzustecken sein scheint. Ein prominenter Fall aus München ( https://wissenschaftalsbeute.wordpress.com/2018/01/11/die-krise-der-max-planck-gesellschaft-gesellschaft-auf-abwegen-2/ ), bei dem ein Psychiater nur durch eine plagiierte Habilitationsschrift seinen Chefarztposten an einem Max-Planck-Institut ausfüllen kann, legt den Verdacht nahe, dass die deutsche Hochschullehrerherrlichkeit - insbesondere in der Medizin - zum großen Teil auf plagiierten Arbeiten beruht. Anders ist es meiner Meinung nach nicht zu erklären, weshalb das Verfahren bei 42% betroffener Seiten eingestellt wurde. Ein gewisser bayerischer Filz in der schönen Landeshauptstadt München tut sein übriges. Ich frage mich zum Beispiel, wie viele Stunden bei einem solchen gernegroß ein Tag wohl hat. 4 Facharztbezeichungen, 2 Dissertationen, 1 Habilitation, 2 Aufbaustudien, Chefarzt und zusätzlich im Vorstand diverser Fachgesellschaften... All das ist doch nur durch Schummelei möglich. Es ist natürlich auch die Gesellschaft, die diesen Blendern auf den Leim geht. Sic transit gloria mundi.

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