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Wissenschaftsplagiat: Die unend­liche Geschichte der (Dr.) Mar­ga­rita Mathio­poulos

von Hermann Horstkotte

11.12.2015

Durfte die Uni Bonn einer prominenten Politikerin den Doktorgrad entziehen oder nicht? Die verwickelte Geschichte im Spannungsfeld von Promotion und Prominenz, Wahrheit und Wirklichkeit beleuchtet Hermann Horstkotte.

Der Aufwand erscheint rekordverdächtig: Seit mehr als einem Vierteljahrhundert streitet die Uni Bonn mit der Politologin Mathiopoulos über ihre Dissertation  von 1986. Jetzt hat das Oberverwaltungsgericht für Nordrhein-Westfalen (OVG NRW) in Münster zwar bestätigt, dass die Bonner Uni Mathiopoulos den Doktortitel  vor drei Jahren zu Recht aberkannt hat (Urt. v. 10.12.2015, Az. 19 A 254/13).

Die prominente Politik- und Unternehmensberaterin  kann und wird aber dagegen in Revision gehen. Dann muss das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) entscheiden, ob die Philosophische Fakultät ihr den Doktorgrad wegen Plagiats entziehen durfte.

Im juristischen Kern geht es nach dem Richterspruch letztlich um zwei noch strittige Fragen: Ob es verfassungsgemäß ist, dass die Kriterien für einen Entzug des Doktorgrades nicht gesetzlich geregelt, sondern einfach  der Promotionsordnung der Uni überlassen sind; und ob eine erste Überprüfung von Plagiatsvorwürfen für alle Zukunft bindend ist oder später ins Gegenteil verkehrt werden kann. Dabei geht es nicht zuletzt um den Vertrauensschutz für den Prüfling.

Im Schatten von Guttenberg

Vor vierzehn Jahren hatte die Uni Mathiopoulos nämlich schriftlich mitgeteilt, dass "für die Philosophische Fakultät kein Anlass besteht, gegen Sie wegen des Vorwurfs der Täuschung einzuschreiten." Damals waren schon in Buchbesprechungen Plagiatsvorwürfe erhoben worden.  Ohne plagiierte Textpassagen  im einzelnen aufzulisten, monierten  auch die Bonner  Professoren  eine kritikwürdige Zitierweise als  "durchgängiges" Kennzeichen der Doktorarbeit;  eine angebotenen Nachbesserung hielten sie freilich für ganz unnötig.

Aber auf einmal erschien alles ganz anders, als das Vroniplag Wiki 2011 im Internet einen großen Haufen angeblicher Plagiatsstellen dokumentierte. Schon durch den Fall Guttenberg war die Stimmung in der breiten Öffentlichkeit derzeit aufgeheizt oder verdorben. In der Situation widerrief die Bonner Fakultät den Doktortitel.

Sie setzte sich damit über eine Minderheitsmeinung im Kollegenkreis hinweg, wonach der "Freispruch" von '91  vielleicht eine problematische Ermessensentscheidung, trotzdem aber ein bindender Verwaltungsakt war. Die nachgelieferte Erbsenzählerei stelle keinen neuen Sachverhalt gegenüber den damaligen Feststellungen über die "durchgängigen" Zitierfehler dar. Das sehen natürlich auch Mathiopoulos´ Anwälte so.

Schon in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht (VG) Köln, dem jetzt das OVG folgte, schlugen die Wellen plötzlich hoch. Der Rechtsvertreter der Uni, selbst Bonner Professor, erblickte  in der Arbeitsweise der Doktorandin eine "Charakterschwäche" und warf der ´91er Kommission unmissverständlich  vor, "den Täuschungsvorsatz unter willkürlicher Bewertung der bekannten Zitierfehler verneint" zu haben – noch schärfer geht´s kaum, Willkür ist ja strafwürdiges Amtshandeln.

Auf glattem Bonner Parkett

Das Hü und Hott im Falle Mathiopoulos lässt sich offenbar nur historisch erklären, mit einem realistischen Wissenschaftsbegriff, der die Hochschule nicht als Isolierstation versteht, sondern stets mit den Einflüssen aus dem sozialen Umfeld rechnet.

Die Vorzeige-Migrantin Mathiopoulos war schon zur Schulzeit ein Promi in der "Bundeshauptstadt" Bonn, ihr Vater ein griechischer Exil-Journalist und die Familie befreundet mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Willy Brandt. Als die Plagiatsvorwürfe aufkamen, war die Philosophische Fakultät zudem  mit einem weiteren Fall dieser Art belastet, der Dissertation einer Fachphilosophin, die mittlerweile längst  Professorin in Köln geworden war. Allein schon weil wir die davonkommen ließen, sagen damals Beteiligte heute, wäre es vergleichsweise schwer gewesen, Mathiopoulos wegen ihrer Zitierfehler zu hängen.

Vielmehr wurde die Politikwissenschaftlerin  mit Berufung auf ihre Dissertation, weitere Veröffentlichungen und ihre "Vernetzung" in der internationalen Fachwelt  1995 und 2002 Honorarprofessorin an den Unis in Braunschweig und Potsdam. Der renommierte Politologe Claus Leggewie schrieb in einem empfehlenden Gutachten: "Die TU Braunschweig hat einen großen Fisch´ an der Angel, sie sollte ihn nicht vorbeiziehen lassen." Inzwischen spricht Leggewie von einem Irrtum.

Irrtümer auszuräumen, gehört zum Kerngeschäft der Wissenschaft. Nachdenklich stimmt freilich, wenn der Anstoß dazu von außen kommt, in diesem Falle anscheinend von den Laien des Vroniplag Wiki. Damit rückt die vielbeschworene "Selbststeuerung" der Wissenschaft auf den Prüfstand. Wahrscheinlich ist es naheliegender, von einer "Interaktion" mit Kräften in der Umwelt und in der konkreten Situation zu sprechen. Man muss ja nicht gleich mit Susan Sontag, der Publizistin und Friedenspreis-Trägerin des Deutschen Buchhandels, sagen: "Die Wahrheit reitet auf dem Pfeil der Zeit."

Zitiervorschlag

Hermann Horstkotte, Wissenschaftsplagiat: Die unendliche Geschichte der (Dr.) Margarita Mathiopoulos . In: Legal Tribune Online, 11.12.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17839/ (abgerufen am: 16.10.2019 )

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Kommentare
  • 11.12.2015 17:02, Gerhard Dannemann

    Lieber Herr Horstkotte, dass im VroniPlag Wiki nicht "Laien" tätig sind, sondern ziemlich viele Wissenschaftler(innen), ist Ihnen sicher kein Geheimnis. Auch wäre es interessant für die Leser(innen) von LTO, dass die Kommission von 1991 Plagiate auf "nur" 5% der Seiten gefunden hat, VroniPlag Wiki dagegen auf 47% der Seiten, also gut neunmal so vielen. Das ist sicherlich ein ganz wesentlicher Umstand für den Entzug des Doktorgrades im zweiten Anlauf. Dazu http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Mm und http://de.mmdoku.wikia.com/wiki/MMDoku%2FChronologie.

    • 11.12.2015 17:43, Horstkotte

      Sehr geehrter Herr Professor Dannemann,
      dass Vroniplag Wiki viel mehr Stellen dokumentiert als der ´91er Kommission im Einzelnen bekannt waren, hat anscheinend "das Fass zum Überlaufen" gebracht. Die juristische Frage ist aber doch, wie im Art. gesagt, ob die unterschiedlichen Zahlenverhältnisse zu einem neuen Sachverhalt führen. Genau das verneint eine Minderheit unter den Bonner Rechtsprofessoren. Für diese Minderheit hat die 91er Kommission eine wunderbare Zahlenvermehrung schon im Monitum von "durchgängigen", heute sagt man: "werkprägenden" Zitierfehlern aufgefangen.
      Wenn Prof. Dr. jur. Gärditz als Rechtsvertreter der Fakultät neuerdings feststellt, die damalige Kommission habe "den Täuschungsvorsatz unter willkürlicher ( sic!, H.H.) Bewertung der (sc. damals, H.H.) bekannten Zitierfehler verneint", dann kommt es danach für die Rücknahme des Doktorgrades gar nicht auf die mehr oder weniger große Zahl dokumentierter Stellen an.

  • 11.12.2015 18:18, Gerhard Dannemann

    Ich will das nicht unterstellen, aber es könnte ja auch sein, dass man 1991 nicht sehr gründlich nach weiteren Plagiaten gesucht hat, weil man ohnehin nicht geneigt war, den Doktorgrad abzuerkennen. So oder so häufen sich die Fälle, in denen VroniPlag Wiki das etwa Zehnfache oder noch mehr an problematischen Seiten und/oder unzulässig benutzten Quellen gefunden hat wie die zuständigen Universitätsorgane, ohne dass sich das ohne Weiteres durch unterschiedlich strenge Maßstäbe erklären ließe. Siehe http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Lm (34 Quellen statt nur eine) oder http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Sse (43 Quellen und 165 betroffene Seiten statt nur eine Quelle und 5 Seiten).

  • 12.12.2015 09:31, Dans

    Bin nur jur. Laie, aber bei dem Titel-entzug wird wohl bleiben. Aber wenn ich in der Haut von der Madam stecken würde, dann würde ich auf Zeit spielen. Mit clevren Anwälten kriegt sie die Sache vor diesem B V G doch locker auf drei bis vier Jährchen gestreckt? (die Verwaltungsgerichtsfritzen sind überlastet, gehe ich jede Wette drauf ein) und in den drei - vier Jahren kann sie in Ruhe in Rente gehen

  • 13.12.2015 12:07, Vorübergehender Beobachter

    Der Fall ist durchaus geeignet, negativ auf das universitäre Prüfungsverfahren zurückzuschlagen. Wenn die Frage des Titelentzugs etwa an fragilen Mehrheiten innerhalb einer Fakultät hängt, die sich ggf. wieder ändern können, ist das Willkürelement allzu offensichtlich.

    In ähnlich schlechtes Licht gerückt scheint mir die Frage der universitären Prüfung. Bereits die Bedeutung der Begutachtung der Dissertation im regulären Promotionsverfahren wird einseitig entwertet: Sie verliert bei Täuschung jegliche Relevanz, ganz unabhängig davon, wie sorgfältig sie durchgeführt wurde. Da die Folgen des nachträglichen Entzugs bekanntlich schwerer wiegen als die eines Scheiterns der Promotion wäre dies eine ungleiche Verteilung der Lasten.

    Die nochmalige Überprüfung 1991 wird nun ebenfalls als unerheblich eingestuft, indem sie als willkürlich fehlerhaft ausgewiesen wird. Würde man das Argument weiterdenken, so könnte man folgende Situation konstruieren: Eine Fakultät beschliesst im Jahr xy, dass keine Täuschung vorliegt. Nach Neubesetzung mehrerer Lehrstühle herrschen fünf Jahre später geänderte Mehrheitsverhältnisse im Fakultätsrat. Auf dieser Basis wird der Fall nochmals aufgerollt und nun kommt man zu einem entgegengesetzten Beschluss, der Titel wird entzogen.

    Es wäre spannend, solch einen Fall einmal zum Klausurthema zu machen. Aus Laiensicht ist er vor allem deswegen problematisch, weil er zwar zum nachträglichen Entzug, nicht aber zur nachträglichen Restituierung aufgrund wechselnder Mehrheiten führen kann - also eine Einbahnstraße darstellt. In so einem Fall müsste man Sontag abwandeln: "Die Willkür reitet auf dem Pfeil der Zeit!"

    • 14.12.2015 08:14, Horstkotte

      "Die nochmalige Überprüfung 1991 wird nun ebenfalls als unerheblich eingestuft, indem sie als willkürlich fehlerhaft ausgewiesen wird." Wobei der Witz ist, dass diese "Erkenntnis" der Fakultät erst auf medialen Druck des Vroniplag Wiki dämmerte - von 1991 bis 2011 war die Sache der Fakultät völlig egal. Dann entschied sie anders, einfach getrieben (oder durchtrieben?).

  • 14.12.2015 11:55, Denis Basak

    Man kann die Geschichte auch ein wenig anders erzählen, so dass sie verwaltungsrechtlich vielleicht etwas mehr Sinn ergibt: 1991 prüft eine Kommission für die Universität die Arbeit und stellt auf ca. 5% der Seiten der Arbeit plagiierte Textstellen fest. Draufhin rügt sie eine unsaubere Arbeitsweise der Doktorandin, erkennt aber keine Täuschung. Dies kann man nachträglich kritisieren, ist aber die damals getroffene Entscheidung. 2011 erhält die Universität Kenntnis davon, dass es auf gut neunmal so vielen Seiten der Arbeit beanstandungswürdige Textstellen gibt. Im Einklang mit der prüfungsrechtlichen Rechtsprechung geht die Uni nun davon aus, dass bei Plagiaten aus verschiedenen Quellen, die sich in nicht unerheblichem Umfang über verschiedene Teile der Arbeit verteilen, ein Anscheinsbeweis für eine Täuschung vorliegt und geht über die alte Bewertung hinaus und sagt, die Arbeit sei nicht nur schlampig, sondern bietet bei genauer Auswertung Anlass, von einer Täuschung auszugehen, die nach § 48 VwVfG zu einer Rücknahme der Verwaltungsaktes "Verleihung des Doktorgrades" berechtigt bzw. verpflichtet. Nun ist so eine Täuschung im Verwaltungsrecht eine für den Täuschenden dumme Sache, weil dieser auch nach ausdrücklichem Wortlaut des § 48 Abs. Abs. 4 S. 2 i.V.m. Abs. 2 S. 3 Nr. 1 VwVfG jeden Vertrauensschutz verliert. Da die Behörde (Uni) 1991 zwar Kenntnis von einem Teil der Plagiate hatte, aber diese nicht weit genug gingen, um aus ihrer Sicht eine Titelentziehung zu rechtfertigen, 20 Jahre später aber ein vielfaches an plagiierten Stellen bekannt wird, die eine ganz andere Folgerung nun nicht nur erlauben, sondern geradezu unumgänglich machen, kann man durchaus vertreten, dass darin ein neuer Sachverhalt liegt. Und auf Vertrauensschutz kann sich die Doktorandin nicht berufen, wenn es um Täuschung geht. Hat die Kommission 1991 sich mit Ruhm bekleckert oder auch nur den Anlass schon bekannter Stellen sinnvoll dazu genutzt, selbst einmal genauer in eine Prüfung einzusteigen, was auch seinerzeit möglich, wenn auch sehr aufwändig gewesen wäre ? Sicher nicht. Ist es irgendwie unschön für die Uni, von außen zum Jagen getragen zu werden ? Sicher, obwohl "von außen" hier eher nicht "von außerhalb der Wissenschaft" heißt. Ist an der jetzigen Entscheidung etwas auszusetzen ? Aus meiner Sicht (und der Sicht der ersten beiden verwaltungsgerichtlichen Instanzen) eher nicht. Aber mit einem hat Dans sicher Recht: Die ehemalige Doktorandin, die nun schon so weit gegangen ist, wird den klageweg weiter gehen, um Zeit zu gewinnen. Na ja, damit bekommt auf das BVerwG mal wieder Gelegenheit, sich zu Plagiatsfragen bei Doktorarbeiten zu äußern.

    • 14.12.2015 15:53, Horstkotte

      So einfach, wie Denis Basak die Sache darstellt, mag sie auch dem erstinstanzlichen Verwaltungsgericht erschienen sein. Indes hat das OVG am 10. März 2015 die "Berufungszulassung" beschlossen und den Beschluss so begründet: "Die Berufung wird gemäß § 124 Abs, 2 Nr. 2 VwGO wegen besonderer tatsächlicher und rechtlicher Schwierigkeiten der Rechtssache u.a. im Hinblick auf die Relevanz der Entscheidung von 1991über das Nichteinschreiten gegen die Klägerin wegen des Vorwurfs der Täuschung zugelassen." Die Schwierigkeiten konnten jetzt auch in der Berufungsverhandlung nicht vollständig ausgeräumt werden, weshalb demnächst das Bundesverwaltungsgericht gefragt ist.
      Dr. Basak wäre zu danken, wenn er seinen Kommentar mit Fokus auf den zitierten Beschluss ergänzt.

  • 14.12.2015 12:41, Vorübergehender Beobachter

    Der Vertrauensschutz der durch Täuschung erworbenen Begünstigung mag außer Kraft gesetzt sein. Aber ist es auch der Vertrauensschutz gegenüber der Urteilsfähigkeit einer rechtswissenschaftlichen Fakultät in Fragen von Täuschung? Musste die Klägerin nicht davon ausgehen, dass 1991 besten Wissens und Gewissens und unter sorgfältiger Prüfung aller relevanten Umstände entschieden wurde?

    Anders läge der Fall nur, wenn die Klägerin, konkret nach dem Umfang der Übernahmen befragt, erneut getäuscht hätte. Dies war im aktuellen Verfahren aber offenbar nicht das entscheidende Moment. Es ist ja 1991 gerade das Angebot einer Nachbesserung abgelehnt worden, die ggf. eine neue Entscheidungsgrundlage geschaffen hätte.

    Argumentiert wird nun mit einer fehlerhaften Ermessensentscheidung 1991. Das hat zumindesten ein "Geschmäckle", um nicht zu sagen: einen diffamierenden Charakter.

    • 14.12.2015 16:11, Horstkotte

      Der Rechtsvertreter der Uni hat (wie im Art. zitiert) die 91er Ermessensentscheidung mit der Behauptung zu Fall bringen wollen, dass sie "willkürlich" gewesen sei. Das ist starker Tobak - und hätte, wenn ernst gemeint, konsequenterweise Disziplinarverfahren gegen damals beteiligte Professoren, die zum Teil heute noch in Amt und Würden sind, nach sich ziehen müssen.
      Allerdings müssen Ermessensentscheidungen nicht einzigrichtig, sondern nicht mehr und nicht weniger als "vertretbar" sein. Je nach Standpunkt bleibt Kritikern insoweit immer Empörungspotenzial - aber was empörend ist, ist deshalb noch nicht rechtswidrig.
      (Der Klägerin auf dem Hintergrund eine Diffamierung vorzuwerfen, ist unbelievable, nicht fun, sondern ein böser Spaß.)

    • 15.12.2015 01:57, funbelievable

      Dass die Klägerin getäuscht hat, steht außer Frage, unabhängig von der Rechtmäßigkeit der Neubewertung des Titelentzuges. Das Plagiat ist in der Welt, dem Ansehen der Wissenschaft wurde geschadet. Wer jetzt von Diffamierung schreibt, möge einen solchen bösen Spaß ertragen oder die Kirche im Dorf lassen. "Der Plagiator als Opfer" ist eine Schmierenkomödie der lächerlicheren Sorte.

  • 14.12.2015 13:04, funbelievable

    Man sollte über die verwaltungsrechtlichen Fragen einen Umstand nicht vergessen:

    Diffamierend ist vor allem des Verhalten der Klägerin, und zwar für die Wissenschaft.

    • 15.12.2015 10:18, Horstkotte

      ad funbelievable: "Dass die Klägerin getäuscht hat, steht außer Frage, unabhängig von der Rechtmäßigkeit der Neubewertung des Titelentzuges. Das Plagiat ist in der Welt, dem Ansehen der Wissenschaft wurde geschadet."
      Richtig ist vielmehr: Ob die Klägerin getäuscht hat, ist nach wie vor rechtsstreitig. In diesem Rechtsstreit geht es um nichts anderes als um die Rechtmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit des Entzugs des Doktorgrades - und nicht um ein Plagiat an sich und das Ansehen der der Wissenschaft.
      Es gibt zahlreiche Beispiele, dass Unis amtlich Plagiate in Diss. festgestellt und gleichwohl den Doktorgrad nicht entzogen haben - in diesen Fällen nach der Devise: Auch eine wissenschaftlich mangelhafte /schlechte Doktorarbeit ist eine Doktorarbeit. Indiz für die Qualität ist die Notengebung. Gerade in Bonn ist auch eine nachträgliche Notenabsenkung möglich und sogar tatsächlich vorgekommen.
      Sich über Mathiopoulos zu empören, ist eine Sache, aber keine Rechtssache.

  • 15.12.2015 19:07, funbelievable

    Das ist alles zutreffend, habe ich aber auch nie bestritten. Meine Kommentare bezogen sich nicht auf die Rechtssache, sondern auf die Bemerkung, dass das Verfahren gegenüber der Klägerin diffamierenden Charakter habe... nochmals: Opfer-Attitüde bei Plagiatoren sind in meinen Augen mehr als empörungswürdig, jenseits des Rechtsstreits. Zweifelhafte Stellen auf 47 % der Seiten sind keine gedankenlose Schlamperei mehr, auch wenn man das verwaltungsrechtlich am Ende möglicherweise anders bewerten mag.

    • 15.12.2015 22:14, Vorübergehender Beobachter

      Natürlich kann man immer den Standpunkt "kein Mitleid mit den Tätern" vertreten. Ich bin froh, dass unser Rechtssystem anders funktioniert. Voraussetzung dafür ist aber, das Verwaltungshandeln Willkür vermeidet und Vertrauen herstellt. Diesen Grundsatz sehe ich gebrochen, wenn Entscheidungen mit schwachen Argumenten revidiert werden.

      Für mich ist ohne Einblick in das Urteil unklar, ob das OVG aktuell das Argument der fehlerhaften Entscheidung des Jahres 1991 aufgegriffen hat. Das wäre nun eine Angelegenheit, die auf einer andere Ebene liegt als die Frage des Plagiats, Ich stelle mir die Beweisführung zumindest schwierig vor. Von außen lässt sich das doch nicht beurteilen, denn spätere Einschätzungen zur Richtigkeit können nicht rückwirkende Gradmesser für formale Korrektheit sein. Sonst müsste man alles Verwaltungshandeln unter einen historischen Vorbehalt stellen und nach zehn, zwanzig Jahren nochmals evaluieren. Die Folgen wären unabsehbar.