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Law Journals an deutschen Universitäten

Jura­stu­die­rende machen Redak­ti­ons­ar­beit

von Sabine OlschnerLesedauer: 4 Minuten

Rund ein Dutzend studentische Law Journals gibt es an deutschen Unis derzeit. Die Mitarbeit dort bietet eine gute Gelegenheit für Jurastudierende, Einsicht in interessante Themen zu bekommen und journalistische Aufgaben kennenzulernen.

In den Vereinigten Staaten gibt es die Rechtszeitschriften schon lange: 1852 publizierte die University of Pennsylvania das erste studentische Law Journal. In Deutschland starteten Jurastudierende erst 2004 mit der Idee, regelmäßig juristische Aufsätze zu publizieren. Derzeit gibt es rund ein Dutzend Law Reviews an den deutschen Universitäten.

Zu einer der ersten Rechtszeitschriften im deutschen Raum gehört das Bonner Rechtsjournal. Die drei derzeitigen Herausgeberinnen Helena Falke, Antonetta Stephany und Alexandra Leibova arbeiten mit einem rund 15-köpfigen Redaktionsteam zusammen. Die Redaktion wählt einen Schwerpunkt für die nächste Ausgabe aus, akquiriert passende Autoren und Autorinnen, betreut sie während der Schreibphase und korrigiert anschließend die Beiträge. In Workshops lernt das Redaktionsteam, worauf es bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen ankommt.

Die Beiträge für die studentischen Law Journals stammen in der Regel von Professorinnen und Professoren, Doktoranden sowie erfahrenen Juristen und Juristinnen, etwa von Gerichten und Anwaltskanzleien. Auch Studierende, die eine sehr gute Seminararbeit geschrieben haben, bekommen bei den Rechtsjournalen oft die Chance auf eine Erstveröffentlichung. 

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Niedrige Semesterzahl gerne gesehen

"Wir behandeln abwechselnd die Rechtsbereiche Zivilrecht, Strafrecht und öffentliches Recht und überlegen uns dazu aktuelle Themen, zum Beispiel 'Recht im digitalen Raum' oder 'Umwelt und Energie'", erklärt Helena Falke. Die Herausgeberinnen koordinieren die Redaktionssitzungen, kommunizieren mit der Druckerei, initiieren Aufsatzwettbewerbe und organisieren Podiumsdiskussionen sowie Verkaufsstände, um das Magazin unter die Leute zu bekommen. Mitmachen kann jeder, der schon mindestens zwei Klausuren an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bonn geschrieben hat. "Wir nehmen gern Studierende aus niedrigeren Semestern ins Redaktionsteam auf, weil sie wahrscheinlich lange dabei sein werden. Die meisten hören erst auf, wenn sie ihr Studium abgeschlossen haben", berichtet Alexandra Leibova. Sie selbst beendet mittlerweile ihr LL.M.-Studium, ihre Mitherausgeberinnen promovieren.

Chefredakteurin Ann-Kristin Knoll und ihr Kollege Darien Flauger von der Rechtszeitschrift rescriptum der Ludwig-Maximilians-Universität München haben ein 40-köpfiges Team um sich versammelt. Sie arbeiten in Ressorts: Eine Gruppe begleitet die Zeitschrift inhaltlich, eine andere organisiert interne Events und Podiumsdiskussionen mit Experten und Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis, jeweils passend zu den jeweiligen Schwerpunkten des Heftes. Ein drittes Ressort kümmert sich um den Satz und den Druck der Zeitschrift, ein viertes um Marketing und Verkauf. "Bei uns können schon Erstsemester mitmachen, weil wir immer Tandems aus erfahreneren Mitglieder und Neuen zusammenstellen", erläutert Darien Flauger. Viele bleiben langfristig dabei oder wechseln später auf eine Vorstandsposition im Verein, der sich um administrative und finanzielle Angelegenheiten rund um die Rechtszeitschrift kümmert. Ann-Kristin Knoll schätzt den zeitlichen Aufwand in der Chefredaktion auf durchschnittlich ein bis zwei Stunden pro Tag, den einer Ressortleitung auf ein bis zwei Stunden pro Woche. "Die Arbeit erfolgt in Wellen: Je nach Stadium, in dem sich die Zeitschrift befindet, gibt es mal mehr, mal weniger zu tun." Wie bei allen Law Journals engagieren sich die Studierenden ehrenamtlich. 

Leipzig Law Journal neu dabei

Ganz neu in der Riege der studentischen Rechtszeitschriften ist das Leipzig Law Journal, das erst 2021 gegründet wurde und derzeit ausschließlich online erscheint. Jakob Hoffmann und die stellvertretende Chefredakteurin Celine Brovot haben die Idee aus einem Studienaufenthalt in den USA mitgebracht. " Wir veröffentlichen in jeder Ausgabe Aufsätze zu aktuellen Themen aus allen Rechtsgebieten", sagt der Chefredakteur. "In den nächsten Ausgaben wollen wir auch Kommentare der Redaktion zu aktuellen relevanten Urteilen verfassen. Das ist eine Möglichkeit für unsere Redaktionsmitglieder, auch mal selber etwas zu schreiben." Zu den Autorinnen und Autoren des Leipzig Law Journal gehören Alumni, die ihre Abschlussarbeiten als Aufsatz vorlegen, oder Doktoranden, die über Forschungsergebnisse berichten. Der Redaktion steht, wie bei vielen anderen Rechtszeitschriften auch, ein akademischer Beirat zur Seite, der bei rechtlichen Fragen berät und die Texte final aus wissenschaftlicher Sicht kontrolliert. "Wer bei uns mitarbeiten will, sollte schon mindestens eine Hausarbeit geschrieben haben. Alles andere lernt man im Redaktionsteam", erklärt Hoffmann. Bei rescriptum in München wird Interesse an redaktioneller Arbeit gern gesehen, etwa durch die Mitarbeit bei einer Schulzeitschrift oder Erfahrung mit Moot Courts. In Bonn erwartet man zudem gute Rechtschreibkenntnisse sowie selbstverantwortliches Arbeiten und Eigeninitiative. 

Bei der Marburg Law Review haben Redaktionsmitglieder neben dem Redigieren und Korrigieren der Beiträge externer Autoren ebenfalls die Möglichkeit, selber zu schreiben. "Wir interviewen Praktiker, stellen Kanzleien vor, veröffentlichen Buchrezensionen und Erfahrungsberichte aus Praktika oder von Moot Courts und bearbeiten Fälle", berichtet Esra Varlioglu, bis Mai 2022 Vorstandsvorsitzende des Law Journals. Mitmachen können alle, die Jura an der Philipps-Universität Marburg studieren, das Team reicht von Erstsemestern bis zu bereits Berufstätigen. "Wer bei uns mitarbeitet, lernt neue Leute und Aufgaben jenseits des Studiums kennen und verbessert sein Organisationstalent", zählt Esra Varlioglu einige Vorteile der ehrenamtlichen Arbeit auf. "Außerdem wächst man persönlich an den Herausforderungen, die die Redaktionsarbeit mit sich bringt, und knüpft ein großes Netzwerk." 

"Guter Türöffner für Bewerbungen"

Antonetta Stephany vom Bonner Rechtsjournal hat gelernt, Verantwortung für ein Projekt zu übernehmen und im Team zu arbeiten. "Außerdem interessiere ich mich für den Journalismus, da ist die redaktionelle Erfahrung ein guter Türöffner für Bewerbungen", ist sie überzeugt. Ihre Kollegin Helene Falke fügt hinzu: "Man lernt viele rechtliche Themen in der Tiefe kennen, die im Jurastudium nicht behandelt werden." Jakob Hoffmann aus Leipzig hat durch die Redaktionsarbeit viel für das eigene Schreiben von Seminararbeiten und Aufsätzen gelernt. "Unsere Redaktionsmitglieder erhalten zudem durch unsere Partnerschaften einen besonderen Zugang zu internationalen Kanzleien." Und Ann-Kristin Knoll sowie Darien Flauger sind sich einig: "Die Arbeit im Team mit Gleichgesinnten macht einfach viel Spaß." Nicht umsonst halten beide der Redaktion schon seit vier Jahren die Treue. 

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